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Glamping auf Island
Unter freiem Himmel schlafen, ohne auf Komfort zu verzichten

Glamping auf Island

12 Min. Lesezeit

Die erste Nacht in der Glaskuppel vergisst man nicht so schnell. Draußen liegt die isländische Wildnis im letzten Licht der Dämmerung, das im Sommer nie ganz verschwindet. Das Bett steht direkt unter einer transparenten Decke, und der Blick geht nach oben in einen Himmel, der so weit ist, dass man sich klein vorkommt. Im Winter tanzen hier die Nordlichter, im Sommer wandert die Sonne am Horizont entlang, ohne unterzugehen. Das ist Glamping auf Island: Natur pur, aber mit einer warmen Bettdecke, einer funktionierenden Heizung und im besten Fall einem Hot Tub vor der Tür.

Glamping (glamorous camping) hat sich auf Island in den letzten fünf Jahren von einer Nische zum ernsthaften Unterkunftsmarkt entwickelt. Zwischen 2019 und 2025 hat sich die Zahl der Glamping-Unterkünfte auf der Insel verdreifacht. Das liegt daran, dass Island die perfekten Voraussetzungen bietet: eine Landschaft, die man möglichst nah erleben will, aber ein Klima, das normales Camping oft ungemütlich macht. Glamping schließt diese Lücke.

Warum Glamping auf Island Sinn ergibt

Glamping-Kuppel in isländischer Landschaft bei Sonnenuntergang
Glamping in der isländischen Wildnis: so nah an der Natur wie möglich, so komfortabel wie nötig (KI-generiert)

Camping auf Island klingt romantisch, ist aber in der Praxis oft eine Herausforderung. Der Wind peitscht mit 60 bis 80 km/h über die Ebenen, Regen fällt horizontal, und die Temperaturen liegen selbst im Sommer nachts bei 5 bis 8 Grad. Wer schon mal versucht hat, bei Sturm ein Zelt auf isländischem Lavaboden aufzubauen, weiß, wovon ich rede. Die Heringe halten nicht, die Zeltstangen biegen sich, und nach der dritten Nacht in einem feuchten Schlafsack sehnt man sich nach einer Heizung.

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Glamping löst dieses Problem. Man schläft genauso nah an der Natur, hört den Wind und die Stille, sieht den Himmel direkt über sich, aber man hat ein festes Dach, eine Heizung und ein richtiges Bett. Manche Glamping-Unterkünfte haben sogar ein eigenes Bad, eine Küche und einen geothermisch beheizten Hot Tub. Die Grenze zwischen Glamping und Boutique-Hotel verschwimmt auf Island zunehmend.

Ein weiterer Vorteil: Die Glamping-Unterkünfte stehen oft an Orten, an denen es keine Hotels gibt. Mitten in der Lavalandschaft, am Rand eines Gletschers, in einem Tal ohne Mobilfunkempfang. Diese Abgeschiedenheit ist Teil des Erlebnisses und auf Island einfacher zu finden als in den meisten anderen Ländern Europas.

Glaskuppeln und Bubble Hotels

Die Glaskuppel ist die Glamping-Variante, die Island berühmt gemacht hat. Die durchsichtigen Kuppeln stehen in der Landschaft wie Seifenblasen und bieten einen 360-Grad-Blick auf die Umgebung. Tagsüber sieht man Berge, Gletscher oder das Meer, nachts den Sternenhimmel oder die Nordlichter, alles vom Bett aus.

5 Million Star Hotel in Reykholt (Westisland): Die wohl bekannteste Glamping-Unterkunft Islands. Die transparenten Kuppeln stehen auf einem Farmgelände, umgeben von Wiesen und Bergen. Jede Kuppel hat ein Doppelbett, eine kleine Sitzecke und einen Heizlüfter. Das Bad ist ein Gemeinschaftsbad im Hauptgebäude, etwa 50 Meter entfernt. Preis: ab 45.000 ISK (298 EUR) pro Nacht. Von September bis März hat man gute Chancen auf Nordlichter direkt aus dem Bett.

Transparente Glaskuppel zum Übernachten unter dem isländischen Himmel
Glaskuppeln auf Island: nachts schlafen, den Himmel direkt über dem Kopf (KI-generiert)

Aurora Basecamp bei Keflavík: Liegt nur 20 Minuten vom internationalen Flughafen entfernt und ist damit die logistisch einfachste Option. Die Kuppeln stehen auf einer Lavafläche auf der Reykjanes-Halbinsel. Preis: ab 39.000 ISK (258 EUR). Ideal als erste oder letzte Nacht der Reise. Von Oktober bis März werden Nordlicht-Weckrufe angeboten: Wenn die Lichter erscheinen, klingelt das Telefon in der Kuppel.

Buubble nahe Reykholt: Ein weiterer Bubble-Hotel-Anbieter mit transparenten und halbtransparenten Kuppeln. Die halbtransparenten Varianten haben eine blickdichte untere Hälfte für mehr Privatsphäre und ein transparentes Dach. Preis: ab 42.000 ISK (278 EUR). Alle Kuppeln haben einen eigenen Hot Tub, was bei den günstigeren Anbietern oft nicht der Fall ist.

Ein Punkt, den man bei Glaskuppeln bedenken sollte: Im Sommer, wenn es 20 Stunden hell ist, wird es in der Kuppel warm und hell. Die meisten Anbieter stellen Schlafmasken und Lüftung bereit, aber wer empfindlich auf Licht reagiert, sollte die Kuppel eher für die Wintermonate buchen. Im Winter wiederum kann Kondenswasser an der Innenseite der Kuppel die Sicht trüben. Die teureren Anbieter haben beheizte Doppelglas-Kuppeln, die dieses Problem lösen.

Luxuszelte und Safari-Camps

Neben den Glaskuppeln gibt es auf Island auch klassische Safari-Zelte und Luxuszelte im afrikanischen Stil, adaptiert an isländische Bedingungen. Diese Zelte sind oft geräumiger als die Kuppeln und bieten mehr Komfort, haben aber nicht den Panoramablick.

Highlands Base Camp am Rand des Hochlands (nahe Landmannalaugar): Luxuszelte mit Holzböden, richtigen Betten und einem Gemeinschaftszelt mit Restaurant. Geöffnet nur im Sommer (Juni bis September), da die Zufahrt im Winter unpassierbar ist. Preis: ab 55.000 ISK (364 EUR) pro Nacht mit Halbpension. Die Lage ist der eigentliche Trumpf: Man steht am Rand der Rhyolith-Berge von Landmannalaugar, einem der farbenreichsten Orte Islands.

Hesteyri Glamping in den Westfjorden: In der verlassenen Siedlung Hesteyri, die nur per Boot erreichbar ist, stehen Canvas-Zelte mit Feldbetten und Gasheizung. Kein Strom, kein WLAN, kein fließendes Wasser. Dafür absolute Stille, Polarfüchse vor dem Zelt und das Gefühl, am Ende der Welt angekommen zu sein. Preis: ab 35.000 ISK (232 EUR) inklusive Bootsfahrt von Ísafjörður. Nur im Sommer buchbar.

Eingerichtetes Luxuszelt auf Island mit Bett und Holzofen
Luxuszelte auf Island: mehr Platz als in den Kuppeln und oft mit eigenem Holzofen (KI-generiert)

Thorsmörk Glamping im Þórsmörk-Tal: Geodätische Kuppelzelte zwischen Gletschern und Birkenwäldern. Die Anfahrt erfordert einen Allradwagen oder den Hochlandbus (von Reykjavík etwa 4 Stunden). Preis: ab 48.000 ISK (318 EUR). Von hier starten Wanderungen zum Fimmvörðuháls-Pass und zum Eyjafjallajökull.

Tiny Houses und Pods

Die neueste Entwicklung in der isländischen Glamping-Szene sind Tiny Houses und Schlafpods. Diese festen Holzkonstruktionen bieten mehr Wetterschutz als Zelte und Kuppeln und sind ganzjährig nutzbar. Die Grenze zwischen Tiny House und kleiner Ferienhütte ist fließend, aber Glamping-Pods zeichnen sich durch ihre Lage in der Natur und die minimalistische Ausstattung aus.

Panorama Glass Lodge nahe Hella (Südisland): Kleine Glashäuser mit großen Panoramafenstern in Richtung Norden (für Nordlichter) und Süden (für Gletscherblick). Jedes Häuschen hat ein eigenes Bad, eine Küchenzeile und einen Hot Tub auf der Terrasse. Preis: ab 65.000 ISK (430 EUR) pro Nacht. Die Panorama Glass Lodges sind einer der Instagram-Favoriten Islands und entsprechend früh ausgebucht.

Pods in Dalvík (Nordisland): Am Fjord Eyjafjörður stehen mehrere Glamping-Pods mit Meerblick. Einfache Holzhütten mit Doppelbett, Heizung und eigenem Eingang. Gemeinschaftsbad und Küche im Haupthaus. Preis: ab 22.000 ISK (146 EUR). Eine der günstigeren Glamping-Optionen und ein guter Ausgangspunkt für Walbeobachtung in Dalvík oder einen Tagesausflug nach Akureyri (45 Minuten entfernt).

Die besten Standorte

Die Standortwahl hängt davon ab, was man erleben will. Hier die besten Regionen für Glamping, sortiert nach Erlebnis:

Für Nordlichter (September bis März): Südisland (Hella, Reykholt, Flúðir) und Nordisland (Mývatn-Region). Im Süden ist die Anreise von Reykjavík kürzer (90 bis 120 Minuten), im Norden sind die Nächte dunkler und die Nordlicht-Aktivität tendenziell stärker. Die Reykjanes-Halbinsel bei Keflavík ist logistisch am einfachsten, aber das Licht von Reykjavík stört gelegentlich.

Für Mitternachtssonne (Mai bis Juli): Nordisland (Akureyri, Dalvík, Húsavík) und die Westfjorde. Je weiter nördlich, desto länger bleibt die Sonne am Horizont. In Akureyri geht die Sonne um die Sommersonnenwende gar nicht unter.

Für Abgeschiedenheit: Die Westfjorde und das Hochland. Hier gibt es wenige Unterkünfte, und die vorhandenen Glamping-Spots liegen weit von der nächsten Straße entfernt. Nur im Sommer zugänglich.

Geothermischer Hot Tub vor einer Glamping-Unterkunft auf Island
Hot Tub vor der Glamping-Unterkunft: das warme Wasser kommt aus der Erde (KI-generiert)

Für die Ringstraße: Es gibt mittlerweile Glamping-Optionen entlang der gesamten Ringstraße, sodass man eine Rundreise komplett im Glamping-Stil planen kann. Reykjavík (Start/Ende), Hella (Südküste), Vík-Umgebung, Höfn-Umgebung (Ostfjorde), Mývatn (Norden) und Snæfellsnes (Westen) sind die Hauptstationen.

Kosten und Buchung

Glamping auf Island ist kein Schnäppchen. Die Preise bewegen sich zwischen denen von Hotels und Ferienhäusern, teilweise sogar darüber. Hier eine Übersicht:

Budget-Glamping (Pods, einfache Zelte): 18.000 bis 30.000 ISK (120 bis 200 EUR) pro Nacht. Oft ohne eigenes Bad, Gemeinschaftsküche im Hauptgebäude. Heizung vorhanden, aber Ausstattung minimalistisch.

Mittelklasse (Glaskuppeln, Safari-Zelte): 35.000 bis 55.000 ISK (230 bis 365 EUR) pro Nacht. Eigenes Bett, oft mit Hot Tub, teils mit eigenem Bad. Dies ist die Preisklasse der meisten bekannten Glamping-Anbieter.

Luxus (Glass Lodges, Premium-Kuppeln): 55.000 bis 100.000 ISK (365 bis 660 EUR) pro Nacht. Eigenes Bad, Küche, Hot Tub, maximale Privatsphäre. Die Panorama Glass Lodges und vergleichbare Anbieter spielen in dieser Kategorie.

Gebucht wird in der Regel direkt über die Website des Anbieters. Manche Glamping-Unterkünfte sind auch über Booking.com oder Airbnb zu finden, oft aber zu höheren Preisen als bei Direktbuchung. Die Hochsaison (Juni bis August und September bis Oktober für Nordlichter) ist oft Monate im Voraus ausgebucht. Wer eine Glaskuppel im September will, sollte spätestens im Mai buchen.

Stornobedingungen variieren stark. Manche Anbieter erlauben kostenlose Stornierung bis 48 Stunden vorher, andere verlangen den vollen Preis ab Buchung. Vor der Buchung die Stornobedingungen prüfen und eine Reiseversicherung in Betracht ziehen, besonders bei teuren Buchungen.

Wann ist die beste Zeit für Glamping?

Die Antwort hängt davon ab, was man sehen will:

September bis März (Nordlichter): Die beliebteste Zeit für Glamping in Glaskuppeln. Die dunklen Nächte bieten die Chance auf Nordlichter direkt aus dem Bett. Oktober und Februar gelten als die besten Nordlicht-Monate, weil die Nächte lang genug sind, aber das Wetter nicht ganz so rau wie im Dezember oder Januar. Temperaturen: minus 5 bis plus 5 Grad. Eine gute Heizung in der Unterkunft ist Pflicht.

Juni bis August (Mitternachtssonne): Die wärmste Zeit (10 bis 15 Grad), aber keine dunklen Nächte. Für Glamping in Zelten und Outdoor-Camps die angenehmste Zeit. Die Mitternachtssonne schafft eine surreale Stimmung, wenn man um 2 Uhr morgens im Hot Tub sitzt und die Sonne gerade den Horizont berührt.

Mai und September: Die Übergangszeiten bieten das Beste aus beiden Welten. Im September hat man noch genug Tageslicht für Aktivitäten, aber die Nächte werden dunkel genug für Nordlichter. Im Mai grünt die Landschaft, die Wasserfall-Saison beginnt, und die Preise sind niedriger als im Sommer.

Häufige Fragen

Ist es in den Glaskuppeln nicht kalt im Winter?

Die meisten Glaskuppeln haben elektrische Heizungen oder Fußbodenheizung und halten die Innentemperatur bei 20 bis 22 Grad. Hochwertige Kuppeln haben Doppelverglasung, günstigere Modelle können an sehr kalten Nächten (unter minus 10 Grad) etwas auskühlen. Im Zweifelsfall den Anbieter vorher nach der Heizungsart fragen. Warme Bettwäsche wird immer gestellt.

Gibt es Glamping auf Island auch für Familien mit Kindern?

Ja, viele Glamping-Unterkünfte sind familienfreundlich. Tiny Houses und Pods bieten oft Platz für Zustellbetten. Bei Glaskuppeln ist der Platz begrenzter, hier passen in der Regel maximal zwei Erwachsene und ein kleines Kind. Die Panorama Glass Lodges bei Hella haben Familien-Lodges mit zwei Schlafbereichen. Preise für Familien-Unterkünfte liegen bei 55.000 bis 90.000 ISK (365 bis 595 EUR) pro Nacht.

Brauche ich einen Mietwagen, um zu den Glamping-Unterkünften zu kommen?

In den meisten Fällen ja. Die Glamping-Unterkünfte liegen abseits von Buslinien und öffentlichen Verkehrsmitteln. Ausnahme: Das Aurora Basecamp bei Keflavík bietet einen Shuttle-Service vom Flughafen. Für alle anderen Standorte ist ein Mietwagen nötig. Hochland-Glamping (Þórsmörk, Landmannalaugar) erfordert einen Allradwagen oder den Hochlandbus.

Lohnt sich Glamping finanziell im Vergleich zu Hotels?

Preislich liegt Glamping auf dem Niveau von Mittelklasse- bis Oberklasse-Hotels. Ein Hotelzimmer in Südisland kostet im Sommer 25.000 bis 45.000 ISK (165 bis 298 EUR), eine Glaskuppel 35.000 bis 55.000 ISK (230 bis 365 EUR). Der Mehrwert liegt nicht im Preis, sondern im Erlebnis: Die Lage in der Natur, der freie Blick auf den Himmel und der eigene Hot Tub sind in einem Hotel nicht zu haben. Wer sparen will, ist mit Hostels oder einem Campervan besser bedient.

Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026