Mietwagen in Island
Ein eigener Mietwagen ist der Schlüssel zu einer bleibenden Island-Reise. Die Insel lässt sich zwar teilweise mit organisierten Bustouren erkunden, aber wer wirklich unabhängig sein möchte, kommt um einen Mietwagen nicht herum. Die Freiheit, spontan an einem Wasserfall anzuhalten, eine abgelegene heiße Quelle anzusteuern oder den Sonnenuntergang an einem menschenleeren Strand zu genießen, ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln schlicht nicht möglich.
Gleichzeitig gibt es bei der Mietwagenbuchung für Island einiges zu beachten. Die Frage nach dem richtigen Fahrzeugtyp, den oft verwirrenden Versicherungsoptionen und den besonderen Fahrregeln auf der Insel beschäftigt viele Reisende. In diesem Artikel klären wir alle wichtigen Punkte und helfen dir, die beste Entscheidung für deine Reise zu treffen.
Braucht man in Island wirklich einen Mietwagen?
Die kurze Antwort lautet: ja, für die allermeisten Reisenden schon. Der öffentliche Nahverkehr in Island beschränkt sich im Wesentlichen auf das Stadtgebiet von Reykjavík und einige wenige Überlandbuslinien, die im Sommer zwischen den größeren Ortschaften verkehren. Im Winter fahren diese Busse teilweise gar nicht oder nur sporadisch.
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Wer ausschließlich in Reykjavík bleiben und von dort aus Tagesausflüge buchen möchte, kann theoretisch auf ein Auto verzichten. Organisierte Touren zum Goldenen Kreis, zur Südküste oder zu den Nordlichtern werden täglich ab Reykjavík angeboten. Allerdings ist man dann an feste Zeiten und Routen gebunden, zahlt pro Person und Tour und verpasst die vielen kleinen Entdeckungen abseits der Hauptrouten, die eine Island-Reise erst richtig besonders machen.
Für eine Rundreise auf der Ringstraße ist ein eigenes Fahrzeug praktisch unverzichtbar. Das Streckennetz der Überlandbusse deckt zwar die Ringstraße ab, aber die Frequenz ist gering (oft nur ein Bus pro Tag in jede Richtung), und Abstecher zu Sehenswürdigkeiten abseits der Hauptstraße sind damit nicht möglich.
Welches Fahrzeug ist das richtige?
Die Wahl des richtigen Fahrzeugtyps hängt von drei Faktoren ab: Reisezeit, geplante Route und Budget. Grundsätzlich gilt: Je ambitionierter die Route und je widriger die Witterung, desto größer und robuster sollte das Fahrzeug sein.
Kleinwagen (z. B. Toyota Yaris, Hyundai i10): Die günstigste Option, ab 50 EUR pro Tag im Sommer. Reicht vollkommen aus, wenn man im Sommer ausschließlich auf der Ringstraße und asphaltierten Nebenstrecken unterwegs ist. Der Nachteil: Kein Zugang zu Hochlandstraßen, wenig Stauraum für Gepäck und bei starkem Seitenwind auf offenen Streckenabschnitten unangenehm zu fahren.
Kompakt-SUV (z. B. Dacia Duster, Suzuki Vitara): Die goldene Mitte, ab 90 EUR pro Tag. Bietet Allradantrieb, mehr Bodenfreiheit und genügend Platz für zwei Personen mit Gepäck. Im Sommer für die meisten Strecken ausreichend, inklusive leichter Schotterpisten. Im Winter deutlich sicherer als ein Kleinwagen. Für anspruchsvolle F-Straßen mit Flussdurchquerungen allerdings oft nicht robust genug.
Großer 4x4 (z. B. Toyota Land Cruiser, Toyota Hilux): Die Premium-Option, ab 150 EUR pro Tag. Notwendig für F-Straßen mit Flussdurchquerungen und empfohlen für Winterreisen im Norden oder Osten Islands. Die hohe Bodenfreiheit, der permanente Allradantrieb und die Möglichkeit, Untersetzungsgetriebe zu nutzen, machen diese Fahrzeuge zu den sichersten Begleitern auf Islands anspruchsvollsten Strecken.
Campervan: Ab 120 EUR pro Tag für einen einfachen Van, ab 200 EUR für einen gut ausgestatteten Camper mit Küche und Heizung. Spart Übernachtungskosten und bietet maximale Flexibilität. Allerdings sind die meisten Campervans nicht für F-Straßen zugelassen, und im isländischen Wind kann das Fahren eines hohen Fahrzeugs anstrengend sein. Im Winter sind Campervans nur bedingt empfehlenswert.
Versicherungen verstehen
Das Thema Versicherungen ist bei Mietwagen in Island besonders wichtig, weil es spezifische Risiken gibt, die in anderen Ländern kaum eine Rolle spielen. Sand- und Aschestürme, Steinschlag auf Schotterpisten und Flussdurchquerungen gehören zu den Gefahren, die gewöhnliche Mietwagenversicherungen oft nicht abdecken.
CDW (Collision Damage Waiver): Die Basis-Kaskoversicherung ist bei den meisten Vermietern im Mietpreis enthalten. Sie reduziert die Selbstbeteiligung im Schadensfall, deckt aber nicht alle Risiken ab. Die verbleibende Selbstbeteiligung liegt je nach Anbieter bei 150.000 bis 350.000 ISK (1.000 bis 2.350 EUR).
SCDW (Super CDW): Reduziert die Selbstbeteiligung weiter auf 75.000 bis 150.000 ISK (500 bis 1.000 EUR). Kostet zusätzlich 2.000 bis 4.000 ISK (13,50 bis 27 EUR) pro Tag. Empfehlenswert für alle, die auf Schotterpisten unterwegs sind.
SAAP / GP (Sand and Ash Protection / Gravel Protection): Diese Island-spezifische Versicherung deckt Schäden durch Sand, Asche und Schotter ab. In Island können vulkanische Sandstürme die Lackierung eines Fahrzeugs innerhalb von Minuten zerstören. Die SAAP kostet 2.500 bis 4.000 ISK (17 bis 27 EUR) pro Tag und ist für alle Reisenden dringend empfohlen, die außerhalb von Reykjavík unterwegs sind.
TP (Theft Protection): Diebstahlschutz ist in Island weniger relevant als in anderen Ländern, da die Kriminalitätsrate extrem niedrig ist. Viele Vermieter bieten TP trotzdem als Zusatzoption an.
Windschutzscheibenversicherung: Steinschlag auf Schotterpisten ist in Island an der Tagesordnung. Eine separate Windschutzscheibenversicherung kostet 1.000 bis 2.000 ISK (7 bis 13,50 EUR) pro Tag und kann sich schon bei einem einzigen Steinschlag bezahlt machen.
Unser Rat: Mindestens CDW, SAAP und Windschutzscheibenversicherung abschließen. Wer auf F-Straßen unterwegs ist, sollte den Vollkaskoschutz (SCDW oder Premium-Paket) wählen. Viele Vermieter bieten Rundum-Sorglos-Pakete an, die alle Versicherungen bündeln und günstiger sind als die Einzelbuchung.
Wo bucht man am besten?
In Island gibt es sowohl internationale Vermieter (Hertz, Europcar, Avis) als auch zahlreiche lokale Anbieter. Die lokalen Vermieter sind oft etwas günstiger und bieten einen persönlicheren Service, während die internationalen Ketten standardisierte Prozesse und bekannte Markenqualität liefern.
Vergleichsportale wie Guide to Iceland, Northbound oder Lava Car Rental aggregieren die Angebote verschiedener Vermieter und ermöglichen einen direkten Preisvergleich. Die Buchung über solche Portale ist in der Regel unkompliziert und bietet oft bessere Stornobedingungen als die Direktbuchung.
Frühbucher sparen am meisten. In der Hochsaison (Juli, August) sollte man den Mietwagen mindestens drei bis vier Monate im Voraus buchen. Beliebte Fahrzeugklassen wie der Dacia Duster oder der Toyota RAV4 sind im Sommer schnell vergriffen. Im Winter ist die Buchungslage entspannter, und man findet oft noch kurzfristig gute Angebote.
Die Abholung erfolgt in den meisten Fällen am Flughafen Keflavík, der etwa 50 Kilometer von Reykjavík entfernt liegt. Einige Vermieter haben ihre Station direkt am Flughafengebäude, andere bieten einen kostenlosen Shuttle zu einem nahegelegenen Büro an. Bei der Abholung sollte man das Fahrzeug sorgfältig auf vorhandene Schäden inspizieren und alles fotografisch dokumentieren, bevor man den Vertrag unterschreibt.
Tanken in Island
Entlang der Ringstraße gibt es ausreichend Tankstellen, aber der Abstand zwischen ihnen kann in den Ostfjorden und im Norden 100 Kilometer und mehr betragen. Im Hochland gibt es keine einzige Tankstelle. Die goldene Regel lautet: Immer tanken, wenn sich die Gelegenheit bietet, und nie mit weniger als halbvollem Tank in abgelegene Regionen aufbrechen.
Die meisten Tankstellen in Island sind Selbstbedienungsstationen, die mit Kreditkarte und PIN funktionieren. Man steckt die Karte ein, wählt den gewünschten Betrag oder die Option „Volltanken", zapft und bekommt den exakten Betrag abgerechnet. Wichtig: Die Karte muss eine PIN haben, kontaktloses Bezahlen funktioniert an vielen Tankautomaten nicht.
Die größten Tankstellenketten sind N1, Olis, Orkan und Atlantsolía. Die Preisunterschiede sind gering, aber Orkan und Atlantsolía sind oft 5 bis 10 ISK pro Liter günstiger. Einige Ketten bieten Prepaid-Tankkarten oder Rabattkarten an, die sich bei längeren Reisen rechnen können. Ein Liter Benzin kostet aktuell 340 bis 370 ISK (2,30 bis 2,50 EUR), Diesel liegt bei 340 bis 360 ISK (2,30 bis 2,40 EUR).
Verkehrsregeln und Besonderheiten
In Island fährt man auf der rechten Straßenseite. Das Tempolimit liegt innerorts bei 50 km/h, auf Schotterpisten bei 80 km/h und auf asphaltierten Landstraßen bei 90 km/h. Es gibt keine Autobahnen im klassischen Sinne. Radarkontrollen sind häufig, und die Bußgelder sind empfindlich: Ab 15 km/h über dem Limit muss man mit 25.000 ISK (170 EUR) und mehr rechnen.
Abblendlicht Pflicht: In Island muss das Abblendlicht rund um die Uhr eingeschaltet sein, auch bei strahlendem Sonnenschein im Sommer. Die meisten Mietwagen schalten das Licht automatisch ein.
Einspurige Brücken: Auf der Ringstraße gibt es zahlreiche einspurige Brücken (einbreið brú). Das Fahrzeug, das zuerst an der Brücke ankommt, hat Vorfahrt. Im Zweifelsfall sollte man anhalten und dem Gegenverkehr den Vortritt lassen. Diese Brücken sind durch gelbe Warnschilder gekennzeichnet.
Schafe auf der Straße: Von Juni bis September grasen isländische Schafe frei in der Landschaft und überqueren regelmäßig die Straßen. Sie haben kein Verständnis für Verkehrsregeln und können jederzeit auf die Fahrbahn laufen. In Gebieten mit freilaufenden Schafen sollte man die Geschwindigkeit deutlich reduzieren und besonders aufmerksam fahren.
Offroad-Fahren verboten: Das Fahren abseits befestigter Wege ist in Island streng verboten und wird mit Bußgeldern von bis zu 500.000 ISK (3.350 EUR) bestraft. Die empfindliche Vegetation braucht Jahrzehnte, um sich von Reifenspuren zu erholen. Dieser Punkt wird in Island sehr ernst genommen, und die Polizei ahndet Verstöße konsequent.
Fahren im Winter
Autofahren im isländischen Winter ist eine ganz andere Erfahrung als im Sommer. Die Straßen können innerhalb weniger Minuten von trockenem Asphalt in eine geschlossene Schneedecke übergehen, und Stürme mit Böen von über 100 km/h sind keine Seltenheit. Wer zwischen Oktober und April nach Island kommt, sollte Winterfahrerfahrung mitbringen und einige grundlegende Vorsichtsmaßnahmen beachten.
Ein Allradfahrzeug mit Winterreifen ist im Winter keine Option, sondern Pflicht. Spikereifen sind in Island von November bis Mitte April erlaubt und auf manchen Strecken im Norden dringend zu empfehlen. Die meisten Mietwagenanbieter rüsten ihre Winterflotte automatisch mit Winterreifen oder Spikes aus.
Die Webseite road.is ist im Winter unverzichtbar. Dort wird der aktuelle Straßenzustand aller Straßen in Echtzeit angezeigt: grün (problemlos), gelb (schwierig) oder rot (gesperrt). Vor jeder Fahrt sollte man diese Seite prüfen und die Route entsprechend anpassen. Bei rotem Status auf einer Strecke bleibt man, wo man ist, und wartet ab.
Besonders tückisch sind Whiteout-Situationen, bei denen Schneetreiben und eine weiße Landschaft ineinander übergehen und man buchstäblich nichts mehr sieht. In solchen Momenten sollte man sofort anhalten, die Warnblinkanlage einschalten und abwarten. Keinesfalls weiterfahren, auch nicht langsam, denn die Orientierung geht im Whiteout komplett verloren.
Im Winter sollte man pro Tag deutlich weniger Strecke einplanen als im Sommer. Was im Sommer eine dreistündige Fahrt ist, kann im Winter bei schlechten Bedingungen sechs Stunden oder länger dauern. Ein Notfallpaket mit warmer Kleidung, Decke, Wasser und Snacks sollte immer im Auto sein, für den Fall, dass man irgendwo festsitzt und auf Hilfe warten muss.
F-Straßen und Hochland
Die F-Straßen (F steht für fjall, isländisch für Berg) sind unbefestigte Hochlandpisten, die nur im Sommer befahrbar sind und ein 4x4-Fahrzeug gesetzlich vorschreiben. Sie führen durch einige der wildesten und abgelegensten Landschaften Islands: Lavafelder, Gletschervorfelder und Flussbetten, die sonst von keiner Straße erschlossen werden.
Nicht jeder 4x4 ist für alle F-Straßen geeignet. Die einfacheren Pisten wie die F35 (Kjölur-Route) sind mit einem kleinen SUV wie dem Dacia Duster problemlos zu bewältigen. Für anspruchsvolle Strecken wie die F26 (Sprengisandur) oder die F210 (Fjallabaksleið) mit ihren tiefen Flussdurchquerungen braucht man einen großen 4x4 mit hoher Bodenfreiheit und idealerweise Untersetzungsgetriebe.
Viele Mietwagenanbieter schließen bestimmte F-Straßen oder Flussdurchquerungen generell aus der Versicherung aus. Vor der Buchung sollte man klären, welche Strecken mit dem gewählten Fahrzeug und der gebuchten Versicherung erlaubt sind. Bei einem Schaden auf einer nicht genehmigten Strecke haftet man in voller Höhe.
Wer die Hochlandpisten lieber einem Profi überlassen möchte, kann organisierte Superjeep-Touren buchen. Die Fahrer kennen die Strecken und Flussdurchquerungen genau und fahren modifizierte Fahrzeuge mit Ballonreifen, die auch bei hohem Wasserstand sicher durch Flüsse kommen. Die Preise liegen bei 25.000 bis 60.000 ISK (170 bis 400 EUR) pro Person, je nach Tour und Dauer.
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Häufige Fragen zum Mietwagen in Island
Reicht ein Kleinwagen für die Ringstraße im Sommer?
Ja, im Sommer ist die Ringstraße komplett asphaltiert und mit einem Kleinwagen problemlos befahrbar. Allerdings ist man auf asphaltierte Straßen beschränkt und kann keine Abstecher auf Schotterpisten oder ins Hochland machen. Bei starkem Wind kann ein Kleinwagen auf offenen Streckenabschnitten unangenehm zu fahren sein.
Welche Versicherungen sind wirklich nötig?
CDW (Basis-Kasko) ist bei den meisten Anbietern enthalten. Zusätzlich empfehlen wir dringend die SAAP (Sand- und Ascheschutz) und die Windschutzscheibenversicherung. Wer auf Schotterpisten oder F-Straßen unterwegs ist, sollte den vollen Kaskoschutz (SCDW oder Premium-Paket) nehmen.
Darf man mit dem Mietwagen Flüsse durchqueren?
Nur wenn das Fahrzeug dafür zugelassen ist und die Versicherung Flussdurchquerungen abdeckt. Viele Vermieter schließen Wasserschäden durch Furten generell aus, andere erlauben sie nur mit bestimmten Fahrzeugklassen und Versicherungspaketen. Unbedingt vor der Buchung klären und im Vertrag nachlesen.
Wie alt muss man für einen Mietwagen in Island sein?
Die meisten Vermieter verlangen ein Mindestalter von 20 Jahren für Kleinwagen und 23 Jahren für 4x4-Fahrzeuge und Campervans. Fahrer unter 25 zahlen bei einigen Anbietern einen Jungfahrer-Zuschlag von 1.500 bis 3.000 ISK (10 bis 20 EUR) pro Tag.
Was kostet ein Mietwagen für zwei Wochen?
Für einen Kompakt-SUV mit Vollkaskoversicherung und allen empfohlenen Zusatzversicherungen sollte man im Sommer mit 1.800 bis 2.800 EUR für 14 Tage rechnen. Im Winter sind es 1.000 bis 1.800 EUR. Dazu kommen Benzinkosten von etwa 300 bis 500 EUR für eine komplette Ringstraßen-Umrundung mit Abstechern.
Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026