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Vík í Mýrdal
Schwarze Strände und raue Atlantikküste

Vík í Mýrdal

10 Min. Lesezeit

Vík í Mýrdal ist der südlichste Ort Islands und hat 318 Einwohner. Trotzdem kennt fast jeder Islandreisende dieses Dorf, denn hier liegt einer der berühmtesten Strände der Welt: Reynisfjara, ein kohlschwarzer Sandstrand mit Basaltsäulen, den das Magazin National Geographic zu den zehn schönsten nichtweißen Stränden des Planeten gewählt hat.

Der Ort liegt eingeklemmt zwischen dem Atlantik und dem Mýrdalsjökull, einem Gletscher, unter dem der Vulkan Katla schläft. Seit der Besiedlung Islands ist Katla über 20 Mal ausgebrochen. Der letzte große Ausbruch war 1918. Geologen sagen, der nächste sei überfällig. In Vík weiß jedes Kind, wohin es rennen muss, wenn die Sirenen heulen: auf den Kirchberg, den höchsten Punkt im Ort.

Was Vík besonders macht

Vík í Mýrdal mit der weißen Kirche auf dem Hügel über dem Dorf
Víks Kirche auf dem Hügel: Wahrzeichen des südlichsten Dorfes Islands (KI-generiert)

Vík ist winzig, aber strategisch gelegen. Der Ort liegt an der Ringstraße (Route 1), etwa 180 Kilometer östlich von Reykjavík. Die meisten Islandreisenden kommen hier vorbei, ob auf dem Weg zur Gletscherlagune Jökulsárlón oder als Tagesausflug von der Hauptstadt.

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Die Landschaft rund um Vík gehört zum Dramatischsten, was Island zu bieten hat. Im Westen ragt das Felskap Dyrhólaey ins Meer, im Osten erstrecken sich die schwarzen Sandwüsten des Mýrdalssandur, im Norden thront der weiße Gletscher. Die Kontraste sind gewaltig: tiefschwarzer Sand, weißes Eis, grünes Moos, und darüber ein Himmel, der alle zehn Minuten die Farbe wechselt.

Reynisfjara: Der schwarze Strand

Reynisfjara liegt fünf Kilometer westlich von Vík und ist kein gewöhnlicher Strand. Der Sand ist tiefschwarz, vulkanischen Ursprungs, und so fein, dass er in der Sonne glitzert wie gemahlenener Obsidian. Die Wand aus sechseckigen Basaltsäulen am Ostende des Strandes sieht aus wie eine von Riesen gebaute Orgel. Manche Säulen sind 20 Meter hoch.

Vor dem Strand ragen die Reynisdrangar aus dem Meer: drei spitze Felstürme, bis zu 66 Meter hoch. Der Sage nach sind es versteinerte Trolle, die bei Tagesanbruch erstarrten, als sie versuchten, ein Schiff an Land zu ziehen.

WICHTIG: Reynisfjara ist gefährlich. Die sogenannten „Sneaker Waves" (Monsterwellen) kommen ohne Vorwarnung und mit enormer Kraft. Jedes Jahr werden Touristen von den Wellen erwischt, manche werden ins Meer gezogen. Niemals dem Wasser den Rücken zudrehen, niemals näher als 30 Meter an die Wasserlinie gehen. Die Schilder am Strand sind ernst gemeint.

Insider-Tipp: Die Höhle Hálsanefshellir am Westende des Strandes zeigt Basaltsäulen von innen. Man kann hineingehen, aber nur bei ruhiger See und Ebbe. Vorher die Gezeitentabelle prüfen.

Reynisdrangar und Dyrhólaey

Basaltsäulen und schwarzer Sand am Reynisfjara Strand bei Vík
Reynisfjara: Basaltsäulen, schwarzer Sand und die Felstürme Reynisdrangar (KI-generiert)

Dyrhólaey ist ein 120 Meter hoher Felsvorsprung mit einem natürlichen Felsbogen, durch den bei ruhiger See kleine Boote fahren können. Der Name bedeutet „Türlochinsel". Von oben hat man einen 360-Grad-Blick: Im Süden der Atlantik, im Norden der Mýrdalsjökull, im Osten die schwarze Küste bis zum Horizont.

Von Mai bis August nisten hier Papageientaucher in den Klippen. Die Zufahrt zum oberen Parkplatz ist in der Brutzeit (Mai bis Juni) teilweise gesperrt, der untere Aussichtspunkt bleibt zugänglich. Der Leuchtturm auf der Spitze von Dyrhólaey stammt aus dem Jahr 1927.

Der Mýrdalsjökull und Katla

Der Mýrdalsjökull ist Islands viertgrößter Gletscher mit einer Fläche von 596 Quadratkilometern. Unter der Eiskappe verbirgt sich die Katla-Caldera, einer der aktivsten und gefürchtetsten Vulkane Islands. Bei einem Ausbruch schmilzt das Eis und verursacht Gletscherläufe (Jökulhlaups), die alles im Weg mitreißen.

Mehrere Anbieter bieten Gletscherwanderungen auf dem Sólheimajökull an, einer Gletscherzunge des Mýrdalsjökull. Die Touren dauern zwei bis vier Stunden, Steigeisen und Eispickel werden gestellt. Kosten: ab 12.000 ISK (80 Euro). Ohne Guide darf man den Gletscher nicht betreten.

Zwischen Vík und dem Sólheimajökull liegt das Flugzeugwrack DC-3. 1973 musste eine amerikanische Militärmaschine auf dem schwarzen Sandstrand notlanden. Die Besatzung überlebte, das Wrack blieb liegen. Heute ist es eines der meistfotografierten Motive Islands. Vom Parkplatz an der Route 1 sind es 4 Kilometer zu Fuß über den Sand.

Papageientaucher beobachten

Papageientaucher auf einer Klippe in Südisland
Papageientaucher nisten von Mai bis August in den Klippen rund um Vík (KI-generiert)

Island beherbergt rund 60 Prozent der weltweiten Papageientaucher-Population. Rund um Vík gibt es mehrere gute Beobachtungsplätze. Die Klippen von Dyrhólaey sind der einfachste Ort: Man steht oben auf der Klippe und kann die Vögel aus wenigen Metern Entfernung beobachten, wie sie mit Fischen im Schnabel in ihre Höhlen fliegen.

Die beste Zeit ist Mitte Mai bis Mitte August. Morgens und abends sind die Vögel am aktivsten. Ein Teleobjektiv (200mm+) ist hilfreich, aber bei Dyrhólaey sind die Tiere oft nah genug für Handyfotos.

Essen und Übernachten

Das Suður-Vík ist das beste Restaurant im Ort: Fischsuppe, isländisches Lamm und frischer Fisch in einem gemütlichen Holzhaus. Das Víkurskáli (Strandrestaurant) bietet günstigere Gerichte. Der Krónan-Supermarkt am Ortseingang ist der letzte vernünftige Einkauf vor der langen Strecke Richtung Osten.

Das Hotel Vík í Mýrdal am Kirchberg hat die beste Lage mit Meerblick. Das Puffin Hotel am Ortsrand ist moderner. Für Budgetreisende gibt es das Vík HI Hostel. Der Campingplatz liegt zentral und kostet 2.000 ISK pro Person.

Insider-Tipp: Die Wollwerkstatt Vík Wool im Zentrum verkauft isländische Wollpullover (Lopapeysur) direkt aus der Produktion. Die Preise liegen 20 bis 30 Prozent unter den Souvenirläden in Reykjavík.

Anreise und Lage

Vík liegt an der Route 1, 180 Kilometer östlich von Reykjavík (ca. 2,5 Stunden Fahrt). Die Strecke führt vorbei an den Wasserfällen Seljalandsfoss und Skógafoss, die beide als Zwischenstopp lohnen. Von Vík bis zur Gletscherlagune Jökulsárlón sind es weitere 195 Kilometer (ca. 2,5 Stunden).

Häufige Fragen

Ist Reynisfjara wirklich so gefährlich?

Ja. Die Sneaker Waves kommen ohne Vorwarnung und haben tödliche Kraft. Jedes Jahr werden Touristen ins Meer gezogen. Mindestens 30 Meter Abstand zur Wasserlinie halten und niemals dem Meer den Rücken zudrehen.

Kann man als Tagesausflug von Reykjavík nach Vík?

Ja, aber es wird ein langer Tag (insgesamt 5 Stunden reine Fahrt). Besser ist eine Übernachtung, dann hat man Zeit für Seljalandsfoss, Skógafoss, Reynisfjara und Dyrhólaey ohne Stress.

Wann sieht man Papageientaucher?

Mitte Mai bis Mitte August. Die besten Chancen hat man früh morgens oder abends an den Klippen von Dyrhólaey. Ab Mitte August verlassen die Vögel die Klippen und kehren aufs offene Meer zurück.

Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026

Lokale Tipps

Gut zu wissen

Sundlaug (Schwimmbad): Jeder Ort in Island hat ein geothermales Schwimmbad mit Hot Pots für 5-10 EUR. Dort treffen sich die Locals. Viel authentischer und günstiger als Blue Lagoon.

Bonus-Supermarkt: Das rosa Schweinchen-Logo ist dein bester Freund. Günstigster Supermarkt Islands. Abends gibt es oft reduzierte Fertiggerichte.

Spartipp: Duty-Free am Flughafen Keflavik bei Ankunft: Alkohol kostet in der Stadt das 3-4-fache. Fast jeder Isländer kauft beim Landen ein.