Akureyri
Akureyri liegt am Ende des Eyjafjörður, dem längsten Fjord Islands, und hat gerade einmal 19.000 Einwohner. Trotzdem ist es die zweitgrößte Stadt des Landes und das wirtschaftliche Zentrum des Nordens. Wer nur Reykjavík kennt, verpasst die Hälfte von Island. In Akureyri ticken die Uhren anders: ruhiger, bodenständiger, und die Natur rückt noch näher an die Häuser.
Die Stadt liegt auf 65°41' Nord, knapp südlich des Polarkreises. Im Winter bedeutet das drei bis vier Stunden Tageslicht, im Sommer dafür Mitternachtssonne von Mitte Juni bis Mitte Juli. Diese extremen Lichtverhältnisse prägen den Rhythmus der Stadt: Im Sommer ist bis Mitternacht Leben auf den Straßen, im Winter zieht sich alles nach drinnen zurück.
Akureyri auf einen Blick
Die Besiedlung des Eyjafjörður geht auf das 9. Jahrhundert zurück, als der norwegische Wikinger Helgi magri (Helgi der Schlanke) hier landete. Als Stadt entwickelte sich Akureyri aber erst im 19. Jahrhundert durch den Handel mit Dänemark. Heute leben die Einwohner von Fischerei, Tourismus und der Universität, die 1987 gegründet wurde und rund 2.000 Studenten hat.
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Das Stadtbild wird von der Akureyrarkirkja dominiert, einer evangelisch-lutherischen Kirche aus dem Jahr 1940, die auf einem Hügel über dem Hafen thront. Der Architekt Guðjón Samúelsson entwarf auch die Hallgrímskirkja in Reykjavík. Von der Kirchentreppe hat man den besten Blick über die Stadt, den Fjord und die schneebedeckten Berge auf der anderen Seite.
Was viele überrascht: Akureyri hat einen Botanischen Garten, den nördlichsten der Welt mit einer solchen Pflanzenvielfalt. Über 7.000 Pflanzenarten wachsen hier, darunter Arten aus allen Kontinenten. Das Mikroklima am geschützten Fjord macht es möglich. Der Eintritt ist kostenlos, geöffnet von Juni bis September.
Insider-Tipp: In Akureyri sind die Fußgängerampeln herzförmig. 2008, während der Finanzkrise, tauschte die Stadtverwaltung die roten Ampellichter gegen Herzen aus, um die Stimmung zu heben. Die Herzen blieben und sind heute ein Fotomotiv.
Sehenswürdigkeiten in der Stadt
Das Akureyri Museum zeigt die Geschichte der Stadt und der Region. Besonders interessant ist die Ausstellung über die Heringsjahre (1903 bis 1968), als der Hering Akureyri reich machte. In den besten Jahren standen die Fässer mit gesalzenem Hering bis zum Hafenrand.
Für Kunstinteressierte lohnt das Kunstmuseum Akureyri (Listasafnið á Akureyri). Es zeigt wechselnde Ausstellungen isländischer Gegenwartskunst in einem ehemaligen Milchlager. Die Sammlung umfasst rund 1.200 Werke.
Die Nonnahús ist das Kindheitsheim des isländischen Schriftstellers Jón Sveinsson (1857 bis 1944), besser bekannt als „Nonni". Seine Jugendbücher wurden in 40 Sprachen übersetzt und waren besonders im deutschsprachigen Raum beliebt. Das Holzhaus von 1850 ist heute ein Museum.
Wer schwimmen will: Das Sundlaug Akureyrar ist eines der besten Schwimmbäder Islands. Geothermisch beheiztes Wasser, mehrere Hot Pots mit unterschiedlichen Temperaturen (38 bis 44 Grad), eine Wasserrutsche und ein 25-Meter-Becken. Der Eintritt kostet 1.050 ISK (ca. 7 Euro).
Ausflüge ab Akureyri
Akureyri ist das perfekte Basislager für den Norden Islands. Die wichtigsten Ziele liegen alle in Tagesausflug-Reichweite.
Der Mývatn-See liegt 90 Kilometer östlich und ist ein Muss. Der Name bedeutet „Mückensee", und ja, im Sommer sind die Mücken zahlreich. Dafür bekommt man eine Landschaft, die aussieht wie von einem anderen Planeten: Pseudokrater, Lavasäulen (Dimmuborgir), kochende Schlammquellen (Námaskarð) und das geothermale Bad Mývatn Nature Baths, das als ruhigere Alternative zur Blauen Lagune gilt.
Der Goðafoss liegt nur 50 Kilometer östlich von Akureyri direkt an der Ringstraße. Der „Wasserfall der Götter" ist 30 Meter breit und 12 Meter hoch. Laut Saga warf hier im Jahr 1000 der Gesetzessprecher Þorgeir Ljósvetningagoði seine heidnischen Götterstatuen ins Wasser, als Island zum Christentum überging.
Das Skigebiet Hlíðarfjall liegt nur 5 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt und ist Islands bestes Skigebiet. 23 Pisten, Höhenlage bis 1.000 Meter, Saison von November bis Mai. Die Tageskarte kostet rund 6.500 ISK (ca. 43 Euro).
Insider-Tipp: Die Halbinsel Tröllaskagi (Trollhalbinsel) westlich von Akureyri ist ein Geheimtipp. Die Straße zwischen Siglufjörður und Ólafsfjörður führt durch einspurige Tunnel und vorbei an dramatischen Fjordlandschaften. In Siglufjörður erzählt das Heringsmuseum (Síldarminjasafnið) die Geschichte des isländischen Heringsbooms.
Walbeobachtung im Eyjafjörður
Akureyri und das benachbarte Dalvík sind hervorragende Ausgangspunkte für Walbeobachtungstouren. Im Eyjafjörður leben ganzjährig Buckelwale, Weißschnauzendelfine und Zwergwale. Die Sichtungsrate liegt im Sommer bei über 95 Prozent.
Mehrere Anbieter fahren vom Hafen ab, darunter Ambassador und Elding Akureyri. Die Touren dauern etwa drei Stunden und kosten 11.000 bis 13.000 ISK (ca. 73 bis 87 Euro) pro Person. Warme Overalls werden gestellt.
Insider-Tipp: Wer Wale fast garantiert sehen will, fährt nach Húsavík (90 km nördlich). Húsavík gilt als Europas Whale-Watching-Hauptstadt und bietet auch Touren mit traditionellen Eichen-Segelbooten an.
Essen und Trinken
Für eine Stadt mit 19.000 Einwohnern hat Akureyri eine überraschend gute Restaurantszene. Das Strikið im obersten Stockwerk des Handelskontors am Hafen serviert gehobene nordische Küche mit Blick über den Fjord. Frischer Fisch, isländisches Lamm und kreative Vorspeisen. Hauptgerichte liegen bei 4.000 bis 7.000 ISK (27 bis 47 Euro).
Günstiger isst man im Rub 23, einem Grillrestaurant am Hafen, oder im Götubarinn (Straßenjunge), einem Burgerlokal in der Fußgängerzone. Für Kaffee und Kuchen ist das Blaa Kannan (Blaue Kanne) an der Hafnarstraeti die erste Adresse, ein Café im alten Holzhaus, das seit den 1980er Jahren besteht.
Insider-Tipp: Die Brynja Eisdiele ist legendär in ganz Island. Seit 1939 wird hier Eis nach dem Originalrezept hergestellt. Die Schlange vor der Tür gehört im Sommer zum Stadtbild. Besonders beliebt: Softeis im Becher mit heißer Schokoladensoße.
Übernachten
Die Auswahl reicht vom Hostel bis zum Boutiquehotel. Das Hotel Akureyri im Zentrum bietet moderne Zimmer ab etwa 25.000 ISK (167 Euro) pro Nacht. Das Icelandair Hotel Akureyri am Hafen ist eine solide Mittelklasse-Option. Günstiger schläft man im Akureyri Backpackers, einem Hostel in einem umgebauten Haus aus den 1930er Jahren.
Rund um Akureyri gibt es auch Ferienhäuser und Cottages, die sich besonders für Familien und längere Aufenthalte lohnen. Die meisten liegen am Fjord oder in den Tälern südlich der Stadt.
Anreise nach Akureyri
Flug: Icelandair und PLAY fliegen mehrmals täglich von Reykjavík Inlandsflughafen nach Akureyri. Flugzeit 45 Minuten. Im Sommer ab etwa 10.000 ISK (67 Euro) pro Strecke.
Auto: Über die Ringstraße (Route 1) sind es 390 Kilometer von Reykjavík, Fahrzeit etwa 4,5 bis 5 Stunden. Die Strecke über den Hringvegur nordwärts (über Blönduós) ist kürzer als die Ostroute über Egilsstaðir.
Bus: Strætó (Linie 57) fährt einmal täglich von Reykjavík nach Akureyri. Die Fahrt dauert rund 6 Stunden und kostet ca. 9.500 ISK (63 Euro). Im Winter kann die Strecke witterungsbedingt ausfallen.
Kreuzfahrt: Akureyri ist ein beliebter Anlaufhafen für Kreuzfahrtschiffe. In der Saison (Mai bis September) legen bis zu vier Schiffe pro Woche an. Der Kai liegt fußläufig zum Stadtzentrum.
Häufige Fragen
Wie viele Tage sollte man für Akureyri einplanen?
Zwei bis drei Tage sind ideal. Einen Tag für die Stadt selbst, einen für den Mývatn-See und optional einen für Walbeobachtung oder die Tröllaskagi-Halbinsel.
Kann man in Akureyri Nordlichter sehen?
Ja, von September bis März. Die geringe Lichtverschmutzung und die nördliche Lage machen Akureyri zu einem der besten Orte Islands für Nordlichter. Am besten fährt man ein Stück aus der Stadt hinaus.
Ist Akureyri teuer?
Island ist generell teuer, aber Akureyri ist günstiger als Reykjavík. Ein Mittagessen kostet 2.500 bis 4.000 ISK (17 bis 27 Euro), ein Bier im Pub etwa 1.500 ISK (10 Euro). Hotels liegen bei 20.000 bis 40.000 ISK (134 bis 267 Euro) pro Nacht.
Gibt es in Akureyri einen Supermarkt?
Ja, mehrere. Bónus (der günstigste), Krónan und Hagkaup liegen alle im Zentrum oder am Stadtrand. Preise für Lebensmittel liegen etwa 50 bis 70 Prozent über deutschem Niveau.
Weiterführende Informationen
Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026
Insider-Tipps Akureyri
Lokale Tipps
Brynja Eisdiele (Aðalstræti 3): Seit 1939, bestes Eis Islands. Vanille mit Karamell-Dip und Erdnüssen. Geöffnet bis 23:30.
Sundlaug Akureyrar: Zwei Außenpools, fünf Hot Pots (38-42°C), Wasserrutschen. Viel günstiger als Blue Lagoon, hier gehen Locals jeden Tag hin.
Spartipp: Botanischer Garten Lystigarðurinn freier Eintritt, 7.000+ Pflanzen. Kostenloser Stadtbus. Mittags-Tagesangebote halb so teuer wie abends.