Südisland
Südisland ist die Region, die die meisten Bilder in den Köpfen der Reisenden erzeugt. Schwarze Strände, türkisblaue Gletscherlagunen, donnernde Wasserfälle, grüne Mooslandschaften. Die Südküste entlang der Ringstraße zwischen Selfoss und Höfn ist Islands meistbefahrene Touristenroute, und das aus gutem Grund: Nirgendwo sonst auf der Insel liegen so viele Naturwunder so dicht beieinander.
Die Region umfasst alles südlich des Hochlandes bis zur Küste, vom Þingvellir-Nationalpark im Westen bis zum Vatnajökull im Osten. Hier liegen der Goldene Kreis, die berühmtesten Wasserfälle Islands und Europas größter Gletscher.
Warum alle nach Südisland wollen
Die Antwort ist simpel: Erreichbarkeit. Die meisten Sehenswürdigkeiten liegen direkt an oder nahe der Ringstraße (Route 1), die von Reykjavík aus gut asphaltiert nach Osten führt. Man braucht keinen Allradwagen, keine Hochlanderlaubnis und kann die Highlights als Tagesausflüge oder auf einer mehrtägigen Tour entlang der Küste abfahren.
Das hat eine Kehrseite: Im Sommer sind die bekanntesten Spots überlaufen. Seljalandsfoss, Skógafoss und Reynisfjara sehen Hunderte Besucher pro Stunde. Wer früh morgens (vor 8 Uhr) oder spätabends (nach 21 Uhr) kommt, hat die Orte aber fast für sich allein. Im Winter ist der Andrang deutlich geringer, und die Wasserfälle vereisen teilweise, was sie noch fotogener macht.
Die großen Wasserfälle
Südisland hat mehr spektakuläre Wasserfälle pro Quadratkilometer als jede andere Region der Insel.
Der Seljalandsfoss (60 m) ist der einzige größere Wasserfall in Island, hinter dem man durchgehen kann. Ein Pfad führt hinter den Wasservorhang hindurch. Regenjacke und wasserfeste Schuhe sind Pflicht, man wird nass. Der kleinere Nachbar Gljúfrabúi ist in einer Felsspalte versteckt und noch beeindruckender, aber man muss durch knietiefes Wasser waten.
Der Skógafoss (60 m) ist Islands fotogenster Wasserfall. 25 Meter breit, perfekt rechteckig, und bei Sonnenschein bildet sich in der Gischt fast immer ein Regenbogen. Eine Treppe mit 527 Stufen führt nach oben, wo der Fimmvörðuháls-Wanderweg beginnt, eine Mehrtagestour über den Pass zwischen den Gletschern Eyjafjallajökull und Mýrdalsjökull.
Insider-Tipp: 30 Kilometer westlich von Skógafoss liegt der Kvernufoss, ein fast unbekannter 30-Meter-Wasserfall in einer Schlucht. Vom Skogar-Museum aus führt ein kurzer Weg dorthin. Man kann auch hinter diesen Wasserfall gehen, ohne die Massen von Seljalandsfoss.
Reynisfjara und Vík
Vík und der schwarze Strand Reynisfjara gehören zu den meistbesuchten Orten Islands. Die Basaltsäulen, die Reynisdrangar-Felstürme und der kohlschwarze Sand sind ein Naturschauspiel. Aber Vorsicht: Reynisfjara ist gefährlich. Sneaker Waves kommen ohne Vorwarnung und mit tödlicher Kraft.
Das Felskap Dyrhólaey westlich von Vík bietet den besten Überblick über die Südküste. Von der 120 Meter hohen Klippe sieht man den Felsbogen im Meer, die schwarze Küste und von Mai bis August Papageientaucher in den Klippen.
Jökulsárlón: Die Gletscherlagune
Die Jökulsárlón Gletscherlagune liegt am Fuß des Breiðamerkurjökull, einer Gletscherzunge des Vatnajökull. Eisberge kalben vom Gletscher in den See und treiben langsam Richtung Meer. Manche sind strahlend weiß, andere durchsichtig blau, manche von Vulkanasche schwarz gestreift. Es ist einer der surrealen Orte Islands.
Am Diamond Beach gegenüber liegen die Eisbrocken auf dem schwarzen Sand, poliert wie Diamanten. Besonders bei tiefem Sonnenlicht (morgens oder abends) leuchtet das Eis in unwirklichen Farben. Man kann direkt an die Eisbrocken herangehen, sie anfassen und fotografieren.
Bootstouren auf der Lagune werden von zwei Anbietern angeboten: Amphibienboote (45 Min, ca. 6.500 ISK) und Zodiac-Schlauchboote (1 Stunde, ca. 11.000 ISK). Die Zodiacs kommen näher an den Gletscher und die Eisberge heran.
Insider-Tipp: Die kleinere Lagune Fjallsárlón, nur wenige Kilometer westlich, ist weniger bekannt und oft menschenleer. Die Aussicht auf den Gletscher ist hier sogar näher. Kostenloser Zugang und ein kleines Café mit Blick auf die Eisberge.
Gletscherwanderungen
Südisland bietet die besten Möglichkeiten für geführte Gletscherwanderungen. Die beliebtesten Ausgangspunkte sind der Sólheimajökull (bei Vík) und der Svínafellsjökull (beim Skaftafell). Anbieter wie Arctic Adventures, Glacier Guides und Icelandic Mountain Guides stellen Steigeisen und Eispickel. Touren ab 12.000 ISK (80 Euro), Dauer 2 bis 4 Stunden.
Für Abenteuerlustige gibt es Eishöhlen-Touren im Vatnajökull. Die natürlichen Eishöhlen bilden sich jeden Herbst neu und sind nur von November bis März zugänglich. Das Innere schimmert in tiefem Blau. Die Touren starten vom Jökulsárlón-Gebiet und kosten ab 20.000 ISK (134 Euro).
Der Goldene Kreis
Der Goldene Kreis ist Südislands bekannteste Tagestour: Þingvellir (UNESCO-Welterbe, Graben zwischen Kontinentalplatten), Geysir (der Strokkur bricht alle 5 bis 10 Minuten aus) und Gullfoss (zweistufiger Wasserfall, der in eine 32 Meter tiefe Schlucht stürzt). 300 Kilometer Rundfahrt ab Reykjavík, machbar an einem Tag.
Westmännerinseln
Die Westmännerinseln (Vestmannaeyjar) liegen 15 Kilometer vor der Südküste und sind per Fähre ab Landeyjahöfn (30 Minuten) oder per Flug ab Reykjavík erreichbar. Die Hauptinsel Heimaey wurde 1973 durch einen Vulkanausbruch fast zerstört. Der Vulkan Eldfell brach mitten in der Nacht aus, die gesamte Bevölkerung (5.300 Menschen) wurde über Nacht evakuiert.
Heute kann man den noch warmen Eldfell besteigen (ca. 30 Minuten), das Eldheimar-Museum besucht einen ausgegrabenen Haushalt unter der Lava, und in den Klippen nisten Millionen Papageientaucher. Die Inseln haben die größte Papageientaucher-Kolonie Islands.
Übernachten und Essen
Entlang der Südküste gibt es Hotels, Gästehäuser und Campingplätze in regelmäßigen Abständen. Selfoss, Hella, Hvolsvöllur, Vík, Kirkjubæjarklaustur und Höfn haben jeweils Unterkünfte und Restaurants.
Insider-Tipp: Die Friðheimar Farm bei Reykholt serviert endlos nachgefüllte Tomatensuppe mitten im Gewächshaus. Die Tomaten wachsen über dem Kopf, das Brot ist hausgebacken. Reservierung nötig. Und in Höfn sollte man unbedingt Langoustine (Kaisergranat) essen, die regionale Spezialität. Das Pakkhús am Hafen ist die beste Adresse dafür.
Anreise und Route
Die klassische Südküsten-Route führt von Reykjavík über die Route 1 nach Osten. Wichtige Entfernungen:
- Reykjavík nach Seljalandsfoss: 120 km (1,5 Stunden)
- Seljalandsfoss nach Skógafoss: 30 km (25 Minuten)
- Skógafoss nach Vík: 35 km (30 Minuten)
- Vík nach Jökulsárlón: 195 km (2,5 Stunden)
- Jökulsárlón nach Höfn: 80 km (1 Stunde)
Für die gesamte Strecke von Reykjavík bis Höfn mit allen Stops sollte man mindestens drei Tage einplanen. Wer nur bis Vík fährt, schafft es als langen Tagesausflug.
Häufige Fragen
Kann man die Südküste als Tagesausflug machen?
Bis Vík ja, aber es wird ein langer Tag (ca. 380 km Rundfahrt). Bis Jökulsárlón ist ein Tagesausflug zu stressig (760 km). Besser mindestens eine Übernachtung einplanen.
Ist Südisland im Winter befahrbar?
Die Ringstraße bleibt ganzjährig geöffnet, kann aber bei Stürmen kurzfristig gesperrt werden. Straßenlage prüfen auf vegagerdin.is. Die Wasserfälle und Jökulsárlón sind auch im Winter erreichbar und sehen vereist spektakulär aus.
Wann ist die beste Reisezeit für Südisland?
Juni bis August für die längsten Tage und alle offenen Straßen. November bis März für Eishöhlen und Nordlichter. September für Herbstfarben und weniger Touristen.
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Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026