Selfoss
Selfoss hat 7.000 Einwohner und ist damit die größte Stadt Südislands. Das klingt überschaubar, aber für isländische Verhältnisse ist es ein echtes Zentrum. Die Stadt liegt am Fluss Ölfusá, dem wasserreichsten Fluss Islands, und dient als Versorgungspunkt für die gesamte Region. Wer den Goldenen Kreis fährt oder die Südküste erkundet, kommt fast zwangsläufig durch Selfoss.
Im Gegensatz zu den schönen Fischerdörfern an der Küste ist Selfoss eine Arbeitsstadt. Supermärkte, Baumärkte, ein Schwimmbad, eine Tankstelle. Das hat seinen eigenen Charme: Hier sieht man, wie Isländer tatsächlich leben, abseits der Touristenorte. Und die Preise in den Restaurants und Supermärkten sind deutlich niedriger als in Reykjavík.
Selfoss kennenlernen
Der Name Selfoss kommt nicht von einem Wasserfall (foss), sondern von einem alten Hof am Fluss. Die Stadt entstand erst im 20. Jahrhundert, als eine Brücke über die Ölfusá gebaut wurde und sich Handel und Gewerbe ansiedelten. Die heutige Hängebrücke stammt von 1891 und wurde 2020 saniert.
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Das Schwimmbad Selfoss (Sundlaugin á Selfossi) gehört zu den besten in Südisland. Geothermisch beheiztes Wasser, ein 25-Meter-Becken, mehrere Hot Pots und ein Dampfbad. Die Einheimischen kommen hier nach der Arbeit zum Entspannen und Reden. Eintritt: 1.050 ISK (ca. 7 Euro).
Insider-Tipp: Jeden Samstag von Juni bis August findet am Tryggvaskáli-Gebäude im Zentrum ein Bauernmarkt statt. Lokaler Käse, Skyr, geräucherter Fisch, Lammfleisch und frisches Gemüse aus den Gewächshäusern der Region. Die isländische Landwirtschaft nutzt geothermische Energie zum Beheizen der Gewächshäuser, deshalb wachsen hier sogar Tomaten und Gurken.
Sehenswürdigkeiten in und um Selfoss
Der Bobby Fischer Center in Selfoss ehrt den amerikanischen Schachweltmeister, der 2005 die isländische Staatsbürgerschaft erhielt und 2008 in Reykjavík starb. Fischer hatte eine besondere Verbindung zu Island, seit er 1972 seinen legendären WM-Kampf gegen Boris Spassky in Reykjavík austrug. Das kleine Museum zeigt persönliche Gegenstände, Schachbretter und Fotos.
Die Kerið-Kraterlagune liegt 15 Kilometer nördlich von Selfoss. Ein 6.500 Jahre alter Vulkankrater, 55 Meter tief, mit einem leuchtend türkisen See am Boden. Die Wände des Kraters leuchten in Rot, Schwarz und Ocker. Ein Pfad führt einmal um den Kraterrand (ca. 20 Minuten). Eintritt: 400 ISK (ca. 3 Euro). Das ist eine der wenigen Naturattraktionen in Island, die Eintritt kostet.
In Eyrarbakki, 12 Kilometer südlich, steht das älteste Holzhaus Südislands (Húsið, von 1765). Das Dorf war einst der wichtigste Handelshafen der Region, bevor Selfoss es als Zentrum ablöste. Das Volkskundemuseum im Húsið erzählt die Geschichte der Gemeinde. Am schwarzen Strand von Eyrarbakki kann man Robben beobachten.
Ausflüge: Goldener Kreis und Südküste
Selfoss ist ein idealer Ausgangspunkt für zwei der beliebtesten Routen Islands:
Der Goldene Kreis (Þingvellir, Geysir, Gullfoss) beginnt praktisch vor der Haustür. Zum Geysir sind es 60 Kilometer, zum Gullfoss 80 Kilometer, zum Þingvellir-Nationalpark 65 Kilometer. Man kann alle drei Stationen bequem an einem Tag besuchen und abends nach Selfoss zurückkehren.
Die Südküste Richtung Vík ist von Selfoss aus in einer guten Stunde erreichbar. Unterwegs liegen die Wasserfälle Seljalandsfoss (hinter dem man durchgehen kann) und Skógafoss (60 Meter hoch, Regenbogen fast garantiert bei Sonnenschein).
Heiße Quellen in der Umgebung
Südisland ist vulkanisch aktiv, und rund um Selfoss dampft es an vielen Stellen aus dem Boden. Die Secret Lagoon (Gamla Laugin) in Flúðir, 50 Kilometer nördlich, ist Islands ältestes geothermales Schwimmbad (1891). Ein natürlicher Pool mit 38 bis 40 Grad warmem Wasser, umgeben von Dampfquellen und einer kleinen Geysir-Fontäne. Weniger überlaufen und deutlich günstiger als die Blaue Lagune: 3.000 ISK (20 Euro).
In Hveragerði, nur 15 Kilometer westlich von Selfoss, kann man zu heißen Quellen wandern. Der bekannteste Ort ist das Reykjadalur-Tal (Dampftal): Eine 3 Kilometer lange Wanderung (ca. 45 Minuten) führt zu einem natürlich heißen Bach, in dem man kostenlos baden kann. Umkleidekabinen gibt es keine, nur Sichtblenden.
Insider-Tipp: Hveragerði wird auch „Erdbeben-Stadt" genannt. Die Erdkruste ist hier so dünn, dass regelmäßig kleine Erdbeben spürbar sind. Im NLFI Rehabilitation Center kann man sich über die geothermische Aktivität der Region informieren und sogar Brot probieren, das in der heißen Erde gebacken wird (rúgbrauð).
Essen und Einkaufen
Das Tryggvaskáli im historischen Gebäude am Fluss ist das beste Restaurant in Selfoss. Isländische Küche mit Fisch, Lamm und saisonalen Zutaten. Gemütliche Atmosphäre in einem Haus von 1890. Hauptgerichte 3.500 bis 6.000 ISK (23 bis 40 Euro).
Das Kaffi Krús ist ein beliebtes Café mit Suppen, Sandwiches und selbstgebackenem Kuchen. Für Burger und Pizza gibt es das Riverside. Der Bónus-Supermarkt am Ortsrand ist der günstigste Einkauf in ganz Südisland.
Insider-Tipp: Die Friðheimar Farm bei Reykholt (30 Minuten nördlich) ist ein Gewächshaus-Restaurant, in dem man mitten zwischen Tomatenpflanzen sitzt und eine endlos nachgefüllte Tomatensuppe isst. Das Brot ist hausgebacken, die Tomaten wachsen über dem Kopf. Reservierung dringend empfohlen.
Übernachten
Das Hotel Selfoss am Flussufer ist ein modernes 4-Sterne-Haus mit Spa und Restaurant. Zimmer ab ca. 25.000 ISK (167 Euro). Günstiger sind Gästehäuser wie das Guesthouse Garun oder das Bella Apartments. Der Campingplatz liegt am Fluss und ist von Juni bis September geöffnet.
Für Familien lohnen sich die Ferienhäuser und Cottages in der Umgebung. Sie sind deutlich günstiger als in Reykjavík und bieten mehr Platz. Von Selfoss aus erreicht man sowohl den Goldenen Kreis als auch die Südküste in unter einer Stunde.
Anreise
Von Reykjavík sind es 57 Kilometer über die Route 1, Fahrzeit etwa 45 Minuten. Die Straße ist ganzjährig asphaltiert und gut befahrbar. Bus Strætó (Linie 51/52) fährt mehrmals täglich von Reykjavík nach Selfoss.
Häufige Fragen
Lohnt sich Selfoss als Basis statt Reykjavík?
Ja, besonders wenn man den Goldenen Kreis und die Südküste erkunden will. Die Unterkünfte sind günstiger, die Wege kürzer und die Atmosphäre ruhiger. Reykjavík ist nur 45 Minuten entfernt, falls man einen Abend dort verbringen will.
Gibt es in Selfoss einen Supermarkt?
Ja, sogar mehrere: Bónus (der günstigste), Krónan und Nettó. Selfoss ist der letzte Ort mit großen Supermärkten, bevor es Richtung Osten oder Südküste geht. Vor längeren Strecken hier einkaufen.
Kann man bei Reykjadalur wirklich kostenlos in heißen Quellen baden?
Ja, der heiße Bach im Reykjadalur-Tal ist frei zugänglich. Man wandert etwa 45 Minuten hin, badet im Fluss und wandert zurück. Handtuch mitbringen, es gibt keine Infrastruktur außer einfachen Sichtblenden.
Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026