Reiseversicherung für Island
Ein gebrochener Knöchel auf einer Wanderung am Laugavegur, ein Sandsturm, der den Mietwagen zerkratzt, oder ein verlorener Koffer am Flughafen Keflavík: Island ist kein Land für Sparfüchse, wenn etwas schiefgeht. Die medizinische Versorgung auf der Insel ist sehr gut, aber teuer. Ein Arztbesuch in Reykjavík kostet schnell 15.000 bis 25.000 ISK (100 bis 165 EUR), und ein Hubschraubertransport aus dem Hochland schlägt mit 500.000 bis 1.500.000 ISK (3.300 bis 10.000 EUR) zu Buche. Da lohnt es sich, vorher ein paar Euro in die richtige Versicherung zu stecken.
Gleichzeitig wollen die wenigsten Reisenden ein Dutzend Policen abschließen und am Ende mehr für Versicherungen bezahlen als für den Flug. Die Frage ist also: Was braucht man tatsächlich, was ist nett, aber verzichtbar, und wo wird einem nur Geld aus der Tasche gezogen? Genau das klären wir hier, mit konkreten Zahlen, Anbietern und Erfahrungen aus mehreren Island-Reisen.
Warum Island besondere Versicherungen braucht
Island unterscheidet sich von den meisten europäischen Reisezielen in einigen Punkten, die für Versicherungen relevant sind. Erstens: Das Wetter. Stürme mit Windgeschwindigkeiten über 100 km/h kommen im Winter regelmäßig vor und sorgen für Flugausfälle, gesperrte Straßen und beschädigte Mietwagen. Sand- und Aschestürme im Hochland können den Lack eines Autos innerhalb von Minuten abschleifen. Normale Mietwagenversicherungen decken Sandschäden in der Regel nicht ab.
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Zweitens: Die Abgeschiedenheit. Wer auf den F-Straßen im Hochland unterwegs ist, befindet sich oft Stunden von der nächsten Ortschaft entfernt. Ein medizinischer Notfall kann hier einen Hubschraubertransport erfordern. Die isländische Küstenwache (Landhelgisgæslan) führt Rettungsflüge durch, stellt aber im Nachhinein Rechnung. Ohne passende Versicherung zahlt man diese Kosten selbst.
Drittens: Das Preisniveau. Island gehört zu den teuersten Ländern der Welt. Ein Krankenhausaufenthalt, eine Autoreparatur oder ein Ersatzflug kosten hier deutlich mehr als in Deutschland. Die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) wird in Island akzeptiert, deckt aber nur einen Teil der Kosten ab. Für den Rest braucht man eine Auslandskrankenversicherung.
Viertens: Vulkanische Aktivität. Seit 2021 gibt es regelmäßige Eruptionen auf der Reykjanes-Halbinsel. Vulkanausbrüche können Flughäfen schließen, Straßen unpassierbar machen und Reisepläne komplett durcheinanderbringen. Eine Reiserücktrittsversicherung greift in solchen Fällen nur, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind.
Auslandskrankenversicherung
Die Auslandskrankenversicherung ist die eine Versicherung, die man auf keinen Fall weglassen sollte. Sie kostet wenig (ab 8 EUR pro Jahr für Einzelreisen, ab 15 EUR für Jahrespolicen) und schützt vor Kosten, die schnell in die Tausende gehen können.
Island ist als EWR-Staat (Europäischer Wirtschaftsraum) mit der deutschen gesetzlichen Krankenversicherung teilweise abgedeckt. Die EHIC-Karte berechtigt zur Behandlung in öffentlichen Krankenhäusern und Arztpraxen zu den gleichen Bedingungen wie isländische Staatsbürger. Das Problem: Isländer zahlen Eigenanteile, und zwar nicht zu knapp. Ein Arztbesuch kostet etwa 4.500 ISK (30 EUR) Eigenanteil, ein Krankenhausaufenthalt rund 15.000 ISK (100 EUR) pro Tag. Diese Eigenanteile übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung nicht.
Dazu kommt: Ein Rücktransport nach Deutschland wird von der EHIC grundsätzlich nicht bezahlt. Ein medizinischer Rückflug aus Island nach Deutschland kostet je nach Zustand des Patienten zwischen 15.000 und 50.000 EUR. Eine gute Auslandskrankenversicherung deckt genau das ab. Wichtig: Im Vertrag muss „medizinisch sinnvoller Rücktransport" stehen, nicht nur „medizinisch notwendiger Rücktransport". Bei der zweiten Formulierung wird erst gezahlt, wenn eine Behandlung vor Ort nicht möglich ist, was in Island selten vorkommt.
Bewährte Anbieter für Auslandskrankenversicherungen: Die HanseMerkur Jahrespolice kostet ab 18 EUR pro Jahr für Einzelpersonen und deckt Reisen bis zu 56 Tagen ab. Die ADAC Auslandskrankenversicherung (ab 16,40 EUR/Jahr für Mitglieder) ist ebenfalls solide. Für längere Aufenthalte oder Reisende über 65 Jahre lohnt sich ein Blick auf die Tarife der Allianz oder der DKV.
Im Ernstfall funktioniert es so: Man geht zum Arzt oder ins Krankenhaus, zahlt zunächst selbst (Kreditkarte mitnehmen!) und reicht die Rechnung danach bei der Versicherung ein. Die Erstattung dauert in der Regel zwei bis vier Wochen. Bei größeren Behandlungen empfiehlt es sich, die Versicherung vorher anzurufen, damit sie die Kosten direkt mit dem Krankenhaus abrechnet.
Mietwagenversicherung
Die Mietwagenversicherung ist auf Island das Thema, bei dem die meisten Reisenden ins Straucheln geraten. Kein anderes Land in Europa hat so viele spezielle Schadensrisiken für Mietwagen. Und kein anderes Land macht so ein Geschäft mit Zusatzversicherungen am Schalter.
Die Basisversicherung (CDW) ist bei den meisten Buchungen enthalten und deckt Schäden am Fahrzeug mit einer Selbstbeteiligung von typischerweise 300.000 bis 500.000 ISK (2.000 bis 3.300 EUR) ab. Das heißt: Bei einem Totalschaden zahlt man maximal diesen Betrag. Die CDW deckt aber keine Schäden an Reifen, Unterboden, Windschutzscheibe oder durch Sand und Asche ab. Genau diese Schäden sind auf Island aber die häufigsten.
Deshalb bieten die isländischen Vermieter eine Reihe von Zusatzversicherungen an:
SAAP (Sand and Ash Protection): Etwa 2.500 bis 4.000 ISK (16 bis 26 EUR) pro Tag. Deckt Schäden durch Sand- und Aschestürme an Lack, Scheiben und Scheinwerfern. In der Hochlandregion und im Süden, wo vulkanische Asche allgegenwärtig ist, eine sinnvolle Investition. Ein neuer Lack für eine Motorhaube kostet 200.000 bis 400.000 ISK (1.300 bis 2.600 EUR).
GP (Gravel Protection): Etwa 1.800 bis 2.500 ISK (12 bis 16 EUR) pro Tag. Schützt vor Steinschlagschäden an der Windschutzscheibe und am Lack, die auf Islands Schotterstraßen regelmäßig vorkommen. Wer die Ringstraße fährt, kommt um Schotterabschnitte nicht herum.
TP (Theft Protection): Etwa 1.200 ISK (8 EUR) pro Tag. Autodiebstahl ist auf Island extrem selten (die Polizei berichtet von weniger als 20 Fällen pro Jahr auf der gesamten Insel). Diese Versicherung kann man sich sparen.
Meine Empfehlung: Statt die teuren Einzelversicherungen am Schalter zu buchen, lieber eine Mietwagen-Vollkaskoversicherung über einen deutschen Anbieter abschließen. Die Allianz, HanseMerkur oder der ADAC bieten solche Policen ab 5 bis 8 EUR pro Tag an. Man bucht den Mietwagen mit der günstigsten Basisversicherung, schließt zusätzlich die deutsche Vollkasko ab und ist für alle Schäden abgesichert. Im Schadensfall zahlt man zunächst die Selbstbeteiligung an den Vermieter und reicht die Rechnung bei der deutschen Versicherung ein. Das spart bei einer zweiwöchigen Reise leicht 200 bis 400 EUR gegenüber den isländischen Zusatzversicherungen.
Aber Achtung: Flussdurchquerungen sind bei den meisten Versicherungen (auch den isländischen) ausgeschlossen. Wer auf F-Straßen Flüsse durchquert und dabei den Motor absäuft, bleibt auf dem Schaden sitzen. Das kann bei einem Allradfahrzeug 2.000.000 ISK (13.000 EUR) und mehr kosten. Hier hilft nur extreme Vorsicht oder der Verzicht auf Flussdurchquerungen.
Reiserücktrittsversicherung
Eine Reiserücktrittsversicherung erstattet die Stornokosten, wenn man die Reise vor Antritt absagen muss. Ob sich das für eine Island-Reise lohnt, hängt vor allem vom Gesamtpreis und der Buchungssituation ab.
Eine typische zweiwöchige Island-Reise mit Flug, Mietwagen und Unterkünften kostet für zwei Personen zwischen 4.000 und 8.000 EUR. Bei Stornierung kurz vor Reiseantritt verliert man bei Flügen oft 100 Prozent des Preises, bei Hotels je nach Stornobedingungen 50 bis 100 Prozent. Eine Reiserücktrittsversicherung für 5.000 EUR Reisekosten liegt bei etwa 80 bis 150 EUR, je nach Anbieter und ob ein Selbstbehalt vereinbart ist.
Versicherte Gründe für den Rücktritt sind in der Regel: Krankheit, Unfall, Tod eines nahen Angehörigen, Schwangerschaft, Arbeitslosigkeit, schwerer Sachschaden am Eigentum. Nicht versichert sind: „Keine Lust mehr", Angst vor Vulkanausbrüchen (solange der Flughafen offen ist), allgemeine Reisewarnungen. Ein tatsächlicher Vulkanausbruch, der den Flughafen schließt, wird je nach Police als „höhere Gewalt" gewertet. Hier lohnt sich ein genauer Blick in die Vertragsbedingungen.
Ergänzend gibt es die Reiseabbruchversicherung, die greift, wenn man die Reise vorzeitig beenden muss. Sie erstattet den anteiligen Reisepreis für nicht genutzte Leistungen und die Mehrkosten für eine vorzeitige Heimreise. Bei einer Island-Reise, wo ein Rückflug von Akureyri nach Deutschland mal eben 800 EUR kosten kann, eine sinnvolle Ergänzung.
Gepäck- und Elektronikversicherung
Die Gepäckversicherung ist unter Versicherungsexperten umstritten. Sie deckt den Verlust, Diebstahl oder die Beschädigung von Gepäck ab und kostet etwa 20 bis 40 EUR pro Reise. Das Problem: Die Erstattungsbeträge sind oft gedeckelt (typisch: 1.000 bis 2.000 EUR), und die Regulierung ist umständlich. Für jedes gestohlene Teil muss man eine Kaufquittung oder einen Wertnachweis vorlegen, den viele Reisende nicht haben.
Auf Island ist das Diebstahlrisiko extrem gering. Die Kriminalitätsrate gehört zu den niedrigsten weltweit. Gepäckverlust durch die Airline ist wahrscheinlicher, hier haftet aber die Fluggesellschaft selbst (bis zu 1.400 EUR nach dem Montrealer Übereinkommen). Meine Einschätzung: Für die meisten Island-Reisenden ist eine separate Gepäckversicherung überflüssig.
Anders sieht es bei teurer Kameraausrüstung aus. Wer mit einer 3.000-EUR-Kamera und mehreren Objektiven nach Island reist, um Nordlichter oder die Landschaft zu fotografieren, sollte über eine Elektronik- oder Fotoversicherung nachdenken. Sand, Gischt und Wind können empfindlicher Technik zusetzen. Anbieter wie die Mannheimer Versicherung oder die Allianz bieten Fotopolicen ab 50 EUR pro Jahr an, die weltweit gelten und auch Sturzschäden abdecken.
Aktivitäten und Sportversicherung
Island ist ein Land für Outdoor-Aktivitäten: Schneemobiltouren, Gletscherwanderungen, Reiten, Tauchen in der Silfra-Spalte, Walbeobachtung. Die Frage ist: Deckt die Auslandskrankenversicherung Unfälle bei solchen Aktivitäten ab?
Die gute Nachricht: Die meisten Auslandskrankenversicherungen schließen „normale" Outdoor-Aktivitäten ein. Wandern, Reiten und Schnorcheln gelten als reguläre Freizeitaktivitäten. Schwieriger wird es bei Aktivitäten, die als „Risikosportarten" eingestuft werden. Dazu gehören je nach Versicherer: Tauchen unter 40 Meter, Klettern mit Seilsicherung und Motorschlittenfahren.
Wer eine Gletscherwanderung oder Schneemobiltour plant, sollte vorher in den Versicherungsbedingungen nachsehen, ob diese Aktivitäten unter „Risikosportarten" fallen. Bei der HanseMerkur sind Gletscherwanderungen mit Guide und Schneemobilfahren eingeschlossen. Bei anderen Anbietern muss man den Zusatzbaustein „Risikosportarten" für etwa 5 bis 15 EUR buchen.
Die Touranbieter auf Island haben in der Regel eine eigene Haftpflichtversicherung, die Unfälle während der Tour abdeckt. Das bedeutet: Wenn man bei einer geführten Gletscherwanderung stürzt, haftet zunächst der Veranstalter. Die eigene Versicherung dient als Rückversicherung für Kosten, die über die Veranstalterhaftung hinausgehen, etwa den Rücktransport nach Deutschland.
Praktische Tipps beim Abschluss
Hier meine Checkliste für den Versicherungsschutz auf Island:
Pflicht: Auslandskrankenversicherung mit Rücktransport (ab 15 EUR/Jahr). Ohne die fährt man nicht nach Island.
Sehr empfohlen: Mietwagen-Vollkaskoversicherung über einen deutschen Anbieter (ab 5 EUR/Tag). Spart Geld gegenüber den isländischen Zusatzversicherungen und bietet umfassenderen Schutz.
Empfohlen bei teurer Reise: Reiserücktritts- und Reiseabbruchversicherung (ab 80 EUR für 5.000 EUR Reisewert). Lohnt sich ab einem Reisepreis von 2.000 EUR pro Person.
Verzichtbar: Gepäckversicherung (geringes Diebstahlrisiko auf Island, Airline haftet bei Verlust). Diebstahlversicherung für den Mietwagen (kaum Autodiebstahl auf Island).
Beim Abschluss darauf achten: Alle Versicherungsdokumente digital speichern (Cloud oder E-Mail an sich selbst) und einmal ausdrucken. Im Ernstfall hat man in Islands Hochland kein Internet und braucht die Policennummer und Notfallnummer griffbereit. Die Notfallnummer der Versicherung ins Handy einspeichern. Die isländische Notrufnummer ist 112.
Kreditkarten wie die Barclays Visa oder die DKB Kreditkarte bieten teilweise eingeschlossene Reiseversicherungen, wenn man den Flug mit der Karte bezahlt hat. Diese Versicherungen sind oft okay, aber nicht immer umfassend. Den Leistungsumfang vor der Reise prüfen und im Zweifel eine separate Police abschließen.
Häufige Fragen
Reicht die normale Krankenversicherungskarte (EHIC) für Island?
Die EHIC wird in isländischen Krankenhäusern und Arztpraxen akzeptiert, deckt aber nur einen Teil der Behandlungskosten. Eigenanteile von 30 bis 100 EUR pro Behandlung trägt man selbst. Einen Rücktransport nach Deutschland bezahlt die EHIC nicht. Eine separate Auslandskrankenversicherung ist daher dringend empfohlen.
Brauche ich die Sand- und Ascheversicherung (SAAP) für den Mietwagen?
Wenn du eine deutsche Mietwagen-Vollkaskoversicherung hast, brauchst du die SAAP beim isländischen Vermieter nicht extra zu buchen. Die deutsche Vollkasko deckt Sandschäden in der Regel mit ab. Ohne deutsche Zusatzversicherung ist die SAAP empfehlenswert, besonders wenn du im Süden oder im Hochland unterwegs bist, wo vulkanische Asche in der Luft liegt.
Was passiert bei einem Vulkanausbruch? Greift die Reiserücktrittsversicherung?
Es kommt auf die Police an. Wenn der Vulkanausbruch den Flughafen schließt und man die Reise nicht antreten kann, greifen viele Reiserücktrittsversicherungen unter dem Punkt „höhere Gewalt". Wenn der Ausbruch nur in einer bestimmten Region stattfindet und der Flughafen offen ist, wird die Regulierung schwieriger. Vertragsbedingungen vorher lesen und im Zweifel den Versicherer kontaktieren.
Wie viel kosten Versicherungen insgesamt für eine zweiwöchige Island-Reise?
Für ein solides Versicherungspaket (Auslandskrankenversicherung, Mietwagen-Vollkasko, Reiserücktritt) zahlt man etwa 200 bis 350 EUR für zwei Personen bei einer Reise im Wert von 5.000 EUR. Das sind 4 bis 7 Prozent des Reisepreises und gut investiertes Geld. Die Auslandskrankenversicherung allein kostet als Jahrespolice ab 15 EUR und deckt alle Reisen im Jahr ab.
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Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026