Glamping in Skandinavien
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Skandinavien hat das Übernachten in der Natur auf ein neues Level gehoben. Wo früher nur Zelt und Isomatte standen, gibt es heute Glasiglus mit Fußbodenheizung, Baumhäuser mit freistehender Badewanne und Jurten mit Holzofen. Glamping, die Kombination aus "glamorous" und "camping", passt in eine Region, in der die Natur ohnehin der Hauptdarsteller ist. Man schläft mitten im Wald oder auf einer Fjordklippe, aber mit einer richtigen Matratze unter sich und einer heißen Dusche in der Nähe.
Die Entwicklung begann um 2010, als das Treehotel in Schwedisch-Lappland internationale Aufmerksamkeit bekam. Seitdem sind hunderte von Glamping-Unterkünften entstanden, verteilt über Schweden, Norwegen, Finnland und Island. Die Bandbreite reicht vom rustikalen Lavvu (samisches Zelt) für 80 Euro pro Nacht bis zum Luxus-Glasiglu für 600 Euro. Dieser Überblick zeigt, welche Glamping-Typen es gibt, wo man sie findet und was sie kosten.
Was Glamping in Skandinavien bedeutet
Der Begriff Glamping wird in Skandinavien weiter gefasst als anderswo. In Südeuropa meint Glamping oft ein Safarizelt auf einem Campingplatz. In Skandinavien kann es ein Baumhaus in 13 Metern Höhe sein, ein Iglu aus Glas mitten in Lappland oder ein Holzfass am Fjord mit Panoramafenster. Die Idee ist immer dieselbe: draußen schlafen, ohne auf Komfort zu verzichten.
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Skandinavische Glamping-Anbieter legen Wert auf Nachhaltigkeit. Viele Unterkünfte sind aus lokalen Materialien gebaut, nutzen Solarenergie oder Holzöfen und verwenden kompostierende Trockentoiletten. Die Abgeschiedenheit ist oft Teil des Konzepts. Man fährt 30 Minuten über eine Schotterstraße, lässt das Auto stehen und geht die letzten 500 Meter zu Fuß. Kein WLAN, kein Handyempfang, nur Wald und Wasser.
Glasiglus: Nordlichter vom Bett aus
Die Glasiglus in Finnisch-Lappland sind der bekannteste Glamping-Typ Skandinaviens. Die Idee ist einfach: Ein halbkugelförmiger Raum aus Thermoglas, in dem man im Bett liegt und durch die Decke den Himmel sieht. Im Winter die Nordlichter, im Sommer die Mitternachtssonne. Die Heizung hält die Temperatur bei 20 Grad, auch wenn es draußen minus 30 Grad hat. Eine spezielle Beschichtung verhindert, dass das Glas beschlägt.
Kakslauttanen Arctic Resort (Saariselkä, Finnland): Der Pionier unter den Glasiglu-Anbietern. Die Anlage hat über 60 Glasiglus in verschiedenen Größen, von der Zweier-Kuppel bis zum Familieniglu. Preise: 350 bis 600 Euro pro Nacht in der Nordlicht-Saison (September bis März). Sehr beliebt, Monate im Voraus ausgebucht.
Arctic SnowHotel & Glass Igloos (Rovaniemi, Finnland): Kleiner und persönlicher als Kakslauttanen. Die Glasiglus stehen am Rand eines Waldes, weit genug voneinander entfernt, um Privatsphäre zu bieten. Im selben Komplex gibt es ein Schneehotel, in dem man auf Eisbetten schlaft. Preise: 280 bis 450 Euro pro Nacht.
Aurora Cabins (Utsjoki, Finnland): Am nördlichsten Punkt Finnlands, direkt an der norwegischen Grenze. Hier ist die Wahrscheinlichkeit für Nordlichter am höchsten. Die Cabins sind keine klassischen Iglus, sondern Glashütten mit Panoramadach. Weniger touristisch, mehr Wildnis-Feeling. Preise: 220 bis 380 Euro pro Nacht.
In Norwegen gibt es ein ähnliches Konzept: die Glaskuppeln von Lofoten Beach Camp (Stamsund) und die Aurora Domes in Tromsø. Die norwegischen Varianten sind oft kleiner und einfacher als die finnischen, dafür günstiger (150 bis 280 Euro pro Nacht).
Baumhaushotels: Schlafen zwischen den Wipfeln
Das Treehotel in Harads (Schwedisch-Lappland) hat das Konzept Baumhaushotel international bekannt gemacht. Sechs Architekten haben hier Baumhäuser entworfen, die in 4 bis 13 Metern Höhe an Kiefernstämmen hängen. Jedes Haus hat ein eigenes Design: der "Mirrorcube" ist ein verspiegelter Würfel, der sich in der Landschaft auflöst; das "Bird's Nest" sieht von außen aus wie ein riesiges Vogelnest; die "7th Room" hat Panoramafenster und eine Dachterrasse. Preise: 450 bis 900 Euro pro Nacht, inklusive Frühstück.
Granö Beckasin (Granö, Schweden): Weniger bekannt als das Treehotel, aber günstiger und gemütlicher. Die Baumhäuser hängen in 4 bis 6 Metern Höhe an Birkenstämmen und sind über Hängebrücken erreichbar. Innen ist es rustikal mit viel Holz, draußen hängen Hängematten zwischen den Bäumen. Preise: 180 bis 300 Euro pro Nacht. Im Winter kann man von hier aus Nordlichter sehen.
In Norwegen gibt es das Treetop Fiddan (Steinkjer, Trøndelag). Drei Baumhäuser stehen auf einer Waldlichtung, erreichbar über Holztreppen. Die Häuser haben Panoramafenster zum Wald, einen Holzofen und eine Outdoor-Badewanne, die mit Holz beheizt wird. Preise: 250 bis 400 Euro pro Nacht. In Finnland bietet das Arctic Treehouse Hotel in Rovaniemi eine Mischung aus Baumhaus und Luxussuite, mit Glasfronten zum Wald. Preise: 300 bis 500 Euro pro Nacht.
Jurten und Lavvu: Nomadisches Wohnen
Jurten sind runde Zelte mit Holzgerüst, die aus der mongolischen Steppentradition stammen. In Skandinavien wurden sie als Glamping-Unterkunft adaptiert: isolierte Wände, Holzofen, richtige Betten, manchmal sogar Strom. Die runde Form verteilt die Wärme gut, und der Holzofen hält die Jurte auch bei Minusgraden angenehm warm.
Das Lavvu ist die samische Variante des Zelts, ähnlich einem Tipi. Viele Sámi-Tourismusanbieter in Lappland bieten Übernachtungen in modernisierten Lavvus an. Man schläft auf Rentierfellen, der Holzofen knistert, und draußen treiben Rentiere über die Ebene. Anbieter wie Nutti Sámi Siida (Jukkasjärvi, Schweden) und Engholm Husky Lodge (Karasjok, Norwegen) bieten solche Erlebnisse an. Preise: 80 bis 180 Euro pro Person inklusive Abendessen.
Jurten-Camps gibt es in allen skandinavischen Ländern. In Schweden betreibt Canvas Hotel Telemark gut ausgestattete Jurten am Rande des Abisko-Nationalparks. In Norwegen stehen Jurten auf dem Gelände des Malangen Retreat (bei Tromsø) mit Meerblick und Sauna. In Finnland bietet das Wilderness Hotel Nellim Jurten am Inari-See an, von wo aus man im Winter Nordlichter sieht. Die Preise liegen meist zwischen 120 und 280 Euro pro Nacht.
Camping-Pods und Hütten
Camping-Pods sind die bodenständigste Form des Glampings. Diese kleinen Holzhütten haben die Form eines halben Fasses oder einer Tonne und bieten Platz für zwei bis vier Personen. Innen steht ein Doppelbett, manchmal auch ein Etagenbett, dazu Strom und eine Heizung. Dusche und Toilette befinden sich in einem separaten Gebäude auf dem Gelände. Pods stehen auf vielen skandinavischen Campingplätzen als Alternative zum Zelt.
Die Preise für Pods sind deutlich niedriger als für Glasiglus oder Baumhäuser: 50 bis 120 Euro pro Nacht, je nach Ausstattung und Lage. In Norwegen sind Pods auf vielen Campingplätzen entlang der Fjordstraßen verfügbar. PlusCamp und Norsk Camping-Ketten haben Pods in ihrem Angebot. In Schweden findet man sie vor allem bei First Camp und SCR-Campingplätzen.
Eine Stufe darüber stehen die Micro-Cabins: architektonisch gestaltete Kleinsthütten mit 15 bis 25 Quadratmetern Fläche, eigenem Bad, Kochnische und Panoramafenster. Das norwegische Projekt "Out of Office" hat solche Cabins an abgelegenen Orten in ganz Norwegen aufgestellt, oft nur über Wanderwege erreichbar. Die schwedischen "72 Hour Cabins" in Dalsland (Westschweden) bieten ein ähnliches Konzept: Glashütten am See, entworfen für digitale Entgiftung. Preise: 150 bis 300 Euro pro Nacht.
Schwimmende Unterkünfte und Hausboote
In einem Land mit 188.000 Seen (Finnland) und tausenden Schären-Inseln liegt es nahe, auch auf dem Wasser zu übernachten. Schwimmende Hütten und Hausboote sind eine wachsende Glamping-Kategorie in Skandinavien.
In Schweden gibt es das Arctic Bath in Harads (Lappland): ein schwimmendes Spa-Hotel auf dem Lule-Fluss, entworfen vom Architekten Bertil Harström. Die Kabinen schwimmen im Sommer auf dem Fluss und sind im Winter im Eis eingefroren. Preise: 500 bis 800 Euro pro Nacht, inklusive Spa-Nutzung. In den Stockholmer Schären kann man Bojen-Hütten mieten, die auf dem Wasser schwimmen und nur per Boot erreichbar sind.
In Norwegen bieten mehrere Anbieter an den Fjorden schwimmende Hütten an. Das Manshausen Island Resort (Nordland) hat Seehütten auf Stelzen, die über das Wasser hinausragen. Preise: 300 bis 500 Euro pro Nacht. Günstiger sind die Rorbu-Hütten auf den Lofoten: renovierte Fischerhütten auf Pfählen direkt am Wasser, ab 120 Euro pro Nacht.
Preise und beste Buchungszeit
Die Preise für Glamping in Skandinavien variieren erheblich. Eine Übersicht nach Unterkunftstyp:
| Typ | Preis/Nacht | Beste Saison |
|---|---|---|
| Camping-Pod | 50 - 120 € | Mai - September |
| Jurte / Lavvu | 80 - 280 € | Ganzjährig |
| Glasiglu | 220 - 600 € | September - März |
| Baumhaus | 180 - 900 € | Ganzjährig |
| Schwimmende Hütte | 120 - 800 € | Juni - August |
Buchungszeit: Die beliebtesten Glamping-Unterkünfte (Treehotel, Kakslauttanen, Arctic Bath) sind Monate im Voraus ausgebucht. Für die Nordlicht-Saison (Oktober bis Februar) in Finnland sollte man 6 bis 12 Monate vorher buchen. Für den Sommer in Schweden und Norwegen reichen 3 bis 6 Monate Vorlauf in der Regel aus. Last-Minute-Angebote gibt es bei den weniger bekannten Anbietern, aber selten bei den großen Namen.
Die günstigsten Monate für Glamping sind Mai und September. Die Unterkünfte sind geöffnet, die Preise niedriger als in der Hochsaison und die Landschaft hat ihren eigenen Reiz: im Mai blüht alles, im September färben sich die Blätter. Wer Nordlichter sehen will, ist im September und Oktober gut aufgehoben, wenn die Preise noch nicht auf Hochsaison-Niveau gestiegen sind.
Häufig gestellte Fragen
Ist Glamping in Skandinavien auch im Winter möglich?
Ja, viele Glamping-Unterkünfte sind ganzjährig geöffnet. Die Glasiglus in Finnland sind sogar primär für den Winter konzipiert, um Nordlichter zu sehen. Baumhäuser und Jurten mit Holzofen funktionieren auch bei minus 20 Grad. Camping-Pods auf den Campingplätzen sind allerdings oft nur von Mai bis September verfügbar.
Gibt es günstiges Glamping in Skandinavien unter 100 Euro?
Ja. Camping-Pods auf den Campingplätzen kosten ab 50 Euro pro Nacht. Einfache Jurten und Lavvu-Übernachtungen beginnen bei 80 Euro. Die norwegischen Rorbu-Hütten auf den Lofoten sind ab 120 Euro pro Nacht zu haben, was für zwei Personen auf 60 Euro pro Person herauskommt. Außerhalb der Hochsaison sinken die Preise noch weiter.
Welche Glamping-Unterkunft eignet sich für Familien mit Kindern?
Camping-Pods und größere Jurten sind für Familien am besten geeignet, weil sie Platz für vier bis sechs Personen bieten und oft auf Campingplätzen mit Spielplatz stehen. Die Glasiglus sind meist für zwei Personen ausgelegt. Das Kakslauttanen Resort hat Familienglasiglu für bis zu vier Personen, allerdings zu hohen Preise. Die Baumhäuser im Granö Beckasin eignen sich auch für Familien.
Brauche ich für Glamping eine besondere Ausrüstung?
Nein. Anders als beim klassischen Camping wird bei Glamping alles gestellt: Betten, Bettwäsche, Handtücher, oft auch Kochmöglichkeiten. Im Winter sollte man warme Kleidung mitbringen, da der Weg zur Unterkunft manchmal durch Schnee führt. Festes Schuhwerk ist generell empfehlenswert, da viele Glamping-Standorte abseits befestigter Wege liegen.
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Weiterführende Informationen
Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026