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Roadtrip Norwegen
Mit dem Auto durch das Land der Fjorde

Roadtrip Norwegen

15 Min. Lesezeit

Norwegen mit dem Auto zu bereisen ist die beste Art, das Land kennenzulernen. Kein Zug und kein Flugzeug kann dir das geben, was eine Fahrt durch die norwegischen Fjorde bietet: die Freiheit, an jedem Aussichtspunkt anzuhalten, jede Seitenstraße zu nehmen und in Buchten zu übernachten, die kein Reiseführer kennt.

In diesem Ratgeber findest du alles, was du für einen Roadtrip durch Norwegen brauchst. Von den besten Straßen über Verkehrsregeln bis zu konkreten Routenvorschlägen.

Warum Norwegen das perfekte Roadtrip-Land ist

Norwegen hat 18 offizielle Landschaftsrouten (Nasjonale turistveger). Das sind Straßen, die eigens als besonders schöne Fahrstrecken ausgewiesen wurden, mit Aussichtspunkten, Rastplätzen und architektonischen Kunstwerken entlang der Strecke. Kein anderes Land in Europa investiert so viel in die Gestaltung seiner Straßen.

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Die Infrastruktur ist gut. Die Straßen sind auch in abgelegenen Gegenden asphaltiert und in gutem Zustand. Tankstellen und Ladestationen finden sich regelmäßig. Das Jedermannsrecht erlaubt es, fast überall in der Natur zu übernachten, kostenlos.

Was Norwegen von anderen Roadtrip-Ländern unterscheidet: Die Strecken sind so abwechslungsreich, dass man nie das Gefühl hat, einfach nur von A nach B zu fahren. Eine Straße kann innerhalb von 30 Minuten von der Küste über einen Bergpass führen, durch einen Tunnel unter dem Meer hindurch und am anderen Ende in ein Fjordtal münden. Langweilig wird es nie.

Panoramastraße in Norwegen mit weitem Blick über Berge und Fjord
Norwegens Panoramastraßen gehören zu den schönsten in Europa (KI-generiert)

Die besten Panoramastraßen

Von den 18 Landschaftsrouten habe ich acht selbst gefahren. Hier meine Favoriten.

Trollstigen

Die bekannteste Bergstraße Norwegens. 11 Haarnadelkurven und 850 Höhenmeter. Dazu der Wasserfall Stigfossen, der direkt neben der Straße 320 Meter in die Tiefe stürzt. Der Aussichtspunkt oben bietet einen freien Blick auf die Serpentinen tief unter dir. Geöffnet von Mitte Mai bis Oktober, je nach Schneelage. Die Straße ist steil, eng und nichts für ängstliche Fahrer, aber technisch ohne Probleme machbar.

Trollstigen Bergstraße mit Serpentinen und Wasserfall
Die Trollstigen: 11 Haarnadelkurven und ein gewaltiger Wasserfall (KI-generiert)

Sognefjellsvegen

Die höchste Passstraße Nordeuropas (1.434 m). Die Fahrt über das Hochplateau fühlt sich an wie eine Mondlandschaft: karge Felsen, Schneereste selbst im Juli, stille Bergseen. Oben gibt es das Café Sognefjellshytta, wo man bei einem Kaffee den Blick über die Berge genießen kann. Die Strecke ist breit und gut ausgebaut, also auch für Anfänger kein Problem.

Atlantikstraße (Atlanterhavsvegen)

Nur 8,3 Kilometer lang, aber die intensivsten 8 Kilometer, die ich je gefahren bin. Die Atlantikstraße verbindet über acht Brücken mehrere kleine Inseln im offenen Atlantik. Bei Sturm schlagen die Wellen über die Brücken, bei Sonnenschein glitzert das Meer. Die Storseisundbrücke mit ihrer markanten Krümmung ist das Fotomotiv schlechthin.

Gamle Strynefjellsvegen

Die alte Strynefjellsstraße ist eine Schotterstraße (!) auf 1.100 Metern Höhe, die zwischen Juni und Oktober befahrbar ist. Die Landschaft hier oben ist rau und wild. Steinmauern aus dem 19. Jahrhundert säumen die Straße, die noch genauso aussieht wie bei ihrer Eröffnung 1894. Nur für trockenes Wetter geeignet, und langsam fahren.

Hardangervidda

Die RV7 über die Hardangervidda, Europas größtes Hochplateau, führt durch eine Landschaft, die an die Tundra erinnert. Hier lebt eine der letzten wilden Rentierherden Europas, und mit etwas Glück sieht man sie von der Straße aus. Die Strecke verbindet den Hardangerfjord mit Ostnorwegen und ist auch im Winter befahrbar (kann aber gesperrt werden).

Verkehrsregeln und Tempolimits

Norwegen ist kein Land für Raser. Die Tempolimits sind niedrig, die Kontrollen häufig, und die Strafen hart. Wer 20 km/h zu schnell fährt, zahlt schnell 5.000 NOK (über 430 EUR). Ab 25 km/h über dem Limit droht der Führerscheinentzug.

Tempolimits in Norwegen

  • Innerorts: 50 km/h (oft 30 km/h in Wohngebieten)
  • Außerorts: 80 km/h
  • Schnellstraßen: 90 bis 100 km/h
  • Autobahn (wenige Strecken): 110 km/h

80 km/h auf Landstraßen klingt langsam, aber auf norwegischen Straßen ist das oft schnell genug. Viele Strecken sind kurvig und schmal, mit einspurigen Abschnitten und Ausweichstellen. In solchen Situationen sind 60 bis 70 km/h realistischer. Plane deine Fahrzeiten lieber großzügig: 300 Kilometer können auf norwegischen Straßen 5 Stunden dauern.

Licht: Abblendlicht ist auch tagsüber Pflicht. Die meisten Mietwagen haben automatisches Tagfahrlicht.

Promillegrenze: 0,2 Promille. Also praktisch Null. Ein Bier am Vorabend kann morgens noch zu Problemen führen. Die Polizei kontrolliert häufig, besonders an Fährterminals.

Winterreifen: Von November bis April Pflicht. Spikesreifen (piggdekk) sind erlaubt, aber in einigen Städten mautpflichtig.

Tunnel: Was du wissen musst

Norwegen hat über 1.100 Straßentunnel. Manche sind kurz und unauffällig, andere erstrecken sich über 20 Kilometer unter dem Meer. Der Lærdaltunnel ist mit 24,5 Kilometern der längste Straßentunnel der Welt. Er hat drei beleuchtete „Höhlen" als Auflockerung, damit die Fahrt nicht zu monoton wird.

Einfahrt in einen beleuchteten norwegischen Straßentunnel
Norwegens Tunnel können über 20 Kilometer lang sein (KI-generiert)

In vielen Tunneln ist die Fahrbahn nass, und es kann von der Decke tropfen. Das ist normal, denn viele Tunnel durchqueren Gestein, durch das Grundwasser sickert. Licht anlassen, Geschwindigkeit anpassen, Abstand halten. In einspurigen Tunneln gibt es Ausweichbuchten, an denen man vorbeilässt oder wartet.

Unterwassertunnel haben oft starkes Gefälle. Der Ryfast-Tunnel bei Stavanger geht bis auf 292 Meter unter den Meeresspiegel. Das Gefälle beträgt stellenweise 8 Prozent. Bremsbereit sein und Abstand halten. Maut wird an vielen Tunneln erhoben.

Fähren auf dem Roadtrip

Fähren gehören zum norwegischen Straßennetz wie die Straßen selbst. Etwa 130 Fährverbindungen sind in Betrieb, viele davon auf Strecken, die sich nicht durch Tunnel oder Brücken ersetzen lassen. Auf einem Roadtrip durch Westnorwegen wirst du garantiert mindestens zwei bis drei Fähren nehmen.

Autofähre auf einem norwegischen Fjord mit Bergen im Hintergrund
Fähren sind Teil des norwegischen Straßennetzes (KI-generiert)

Die meisten Fähren fahren ohne Reservierung. Du fährst zum Terminal, stellst dich in die Warteschlange und wirst der Reihe nach aufgeladen. Die Frequenz liegt bei 20 bis 60 Minuten. In der Hochsaison kann es vorkommen, dass man eine Fähre abwarten muss, weil sie voll ist. Auf populären Strecken (Geiranger-Hellesylt) kann man im Sommer online vorbuchen.

Die Bezahlung läuft automatisch über AutoPASS oder Kennzeichenerkennung. Bargeld wird auf den meisten Fähren nicht mehr akzeptiert. Die Kosten pro Überfahrt liegen zwischen 100 und 500 NOK, je nach Streckenlänge und Fahrzeuggröße.

Tipp: Die Wartezeit auf der Fähre ist die beste Gelegenheit für eine Kaffeepause. Die Cafeterien an Bord haben oft gute Waffeln und heißen Kakao, und die Aussicht von Deck ist ohnehin großartig.

Das richtige Fahrzeug

Ein normaler PKW reicht für die meisten Routen. Allrad ist im Sommer auf asphaltierten Straßen nicht nötig. Im Winter oder auf Schotterstraßen kann Allrad sinnvoll sein, aber die Hauptstraßen werden zuverlässig geräumt.

Eigenes Auto: Wer mit dem eigenen Auto aus Deutschland kommt, fährt meistens über Dänemark. Die Fähre Hirtshals-Kristiansand (ca. 3 Stunden) oder Kiel-Oslo (ca. 20 Stunden, Nachtfähre) sind die populärsten Verbindungen. Der Vorteil: Du hast dein eigenes Auto, kennst es, und kannst so viel einpacken wie du willst.

Mietwagen: Ab Oslo oder Bergen gibt es günstige Mietwagen ab ca. 50 EUR pro Tag. Für einen zweiwöchigen Roadtrip rechne mit 700 bis 1.000 EUR. In Norwegen sind viele Mietwagen inzwischen Elektroautos (Tesla, VW ID, Polestar), die mit reduzierter Maut und niedrigeren Ladekosten punkten.

Wohnmobil: Sehr beliebt in Norwegen. Dank Jedermannsrecht kann man (fast) überall stehen. Die Straßen sind auch für große Fahrzeuge geeignet, nur auf der Trollstigen und einigen schmalen Nebenstraßen wird es eng. Wohnmobile mieten kostet ab ca. 150 EUR pro Tag in der Hochsaison.

Tanken und Laden

Die Tankstellendichte in Norwegen ist gut, aber in abgelegenen Gebieten (Finnmark, Bergstraßen) können 80 bis 100 Kilometer zwischen zwei Tankstellen liegen. Nie mit weniger als einem Viertel Tank losfahren. Viele Tankstellen sind unbemannt und funktionieren nur mit Kreditkarte.

Die großen Ketten sind Circle K, Esso, Shell und YX. Die Spritpreise liegen bei ca. 19 bis 22 NOK pro Liter Benzin (1,65 bis 1,91 EUR). Diesel kostet ähnlich viel.

Für Elektroautos: Norwegen hat eines der besten Ladenetze Europas. Schnellladestationen von Fortum, Recharge und Tesla Supercharger stehen an allen Hauptstraßen, auch in Nordnorwegen. Ladepreise liegen bei 5 bis 8 NOK pro kWh. Eine Ladung für 300 km Reichweite kostet also ca. 250 bis 400 NOK (22 bis 35 EUR).

Übernachten unterwegs

Hier zeigt Norwegen eine seiner großen Stärken. Dank des Jedermannsrechts (Allemannsretten) darfst du dein Zelt fast überall in der Natur aufschlagen. Die Regeln: 150 Meter Abstand zu bewohnten Häusern, maximal zwei Nächte am selben Ort, keinen Müll hinterlassen.

Rastplätze: An vielen Landschaftsrouten gibt es Rastplätze mit Toiletten, manchmal sogar mit architektonisch gestalteten Aussichtspunkten. Übernachten auf Rastplätzen wird meistens toleriert, ist aber offiziell nicht überall erlaubt. In der Praxis macht niemand Probleme, solange du ordentlich bist.

Campingplätze: An der gesamten Küste und in den Fjordtälern verteilt. Preise für einen Zeltplatz: 200 bis 350 NOK pro Nacht. Einfache Hütten ab 500 NOK. Die meisten Plätze haben Duschen, Küche und Stromanschluss.

Hotels und Pensionen: In den Städten gut verfügbar, auf dem Land weniger. Rechne mit 1.000 bis 2.000 NOK pro Nacht für ein Doppelzimmer. In der Hochsaison vorbuchen.

Architektonisch gestalteter Rastplatz an einer norwegischen Landschaftsroute
Norwegens Rastplätze sind oft architektonische Kunstwerke (KI-generiert)

Die drei besten Routen

Route 1: Der Fjord-Klassiker (2 Wochen)

Oslo, Lillehammer, Geiranger, Ålesund, Sognefjord, Bergen, Hardangerfjord, Oslo. Ca. 2.200 km. Die Standardroute, die die wichtigsten Fjorde und Bergstraßen abdeckt. Details findest du in meinem Rundreise-Ratgeber.

Route 2: Oslo nach Nordkap (3 Wochen)

Die große Nord-Süd-Achse. Von Oslo über Trondheim, die Helgelandsküste, Bodö, die Lofoten, Tromsö bis zum Nordkap. Ca. 3.500 km (eine Richtung). Rückweg über Schweden oder Finnland, oder das Auto in Tromsö zurückgeben und fliegen. Die Landschaft verändert sich dramatisch: von den grünen Tälern im Süden über die wilden Inseln der Lofoten bis zur kargen Tundra am Nordkap.

Route 3: Die Südküste (1 Woche)

Kristiansand, Mandal, Lindesnes und weiter nach Stavanger mit dem Preikestolen. Ca. 500 km. Perfekt für eine kürzere Reise. Die Südküste Norwegens (Sørlandet) wird oft übersehen, hat aber weiße Holzhäuser und geschützte Badebuchten. In Stavanger den Preikestolen erwandern (4 Stunden Hin und Rückweg), eine der ikonischsten Wanderungen Norwegens.

Roadtrip im Winter

Ein Winter-Roadtrip durch Norwegen ist möglich, aber verlangt Erfahrung und Vorbereitung. Die Hauptstraßen (E6, E18, E39) werden regelmäßig geräumt und sind ganzjährig befahrbar. Bergstraßen wie die Trollstigen und der Sognefjellsvegen sind gesperrt.

Winterreifen sind Pflicht. Spikesreifen (piggdekk) bieten auf Eis den besten Grip. Die Fahrzeiten sind im Winter deutlich länger, weil man langsamer fährt und die Tage kurz sind. In Nordnorwegen ist es im Dezember und Januar nur wenige Stunden hell.

Die Belohnung: verschneite Landschaften, Nordlichter, kaum Verkehr und eine Stille, die man im Sommer so nicht erlebt. Wer in Tromsö oder auf den Lofoten im Winter ankommt, wird von der Atmosphäre gepackt.

Wichtig: Die Webseite vegvesen.no informiert in Echtzeit über Straßensperrungen und Wetterwarnungen. Im Winter täglich checken. Es kommt vor, dass Straßen wegen Sturm oder Lawinengefahr kurzfristig gesperrt werden.

Häufig gestellte Fragen

Auf welcher Straßenseite fährt man in Norwegen?

Rechts, wie in Deutschland. Der Rechtsverkehr gilt im gesamten Land.

Brauche ich einen internationalen Führerschein?

Nein. Der deutsche, österreichische oder schweizerische Führerschein wird in Norwegen anerkannt. Ein internationaler Führerschein ist nicht erforderlich.

Gibt es Autobahnen in Norwegen?

Nur wenige kurze Abschnitte rund um Oslo, Bergen und Stavanger. Der Großteil des Straßennetzes besteht aus Landstraßen. Autobahnähnliche Strecken haben maximal 110 km/h.

Was mache ich bei einer Panne?

Den norwegischen Pannendienst erreichst du unter 02222 (Viking Redningstjeneste) oder über den ADAC-Auslandsnotruf (+49 89 22 22 22). Warndreieck und Warnweste sind in Norwegen Pflicht im Fahrzeug. In abgelegenen Gebieten kann es dauern, bis Hilfe kommt, also lieber vorsichtig fahren.

Wie viel Zeit sollte ich pro Tagesetappe einplanen?

Nicht mehr als 250 bis 300 Kilometer pro Tag. Das klingt wenig, aber auf norwegischen Straßen (Tempolimit 80, Serpentinen, Fähren) kann das 4 bis 6 Stunden Fahrzeit bedeuten. Plane Zeit für Stopps, Wanderungen und spontane Abstecher ein.

Kann ich in Norwegen am Straßenrand übernachten?

Dank des Jedermannsrechts darfst du dein Zelt in der Natur aufschlagen (150 m Abstand zu Häusern, max. 2 Nächte). Im Auto oder Wohnmobil am Straßenrand schlafen wird an vielen Stellen toleriert, ist aber nicht überall erlaubt. Besser: Campingplatz oder offizielle Rastplätze nutzen.

Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026