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Walbeobachtung in Island
Húsavík, Reykjavík und Akureyri im Vergleich

Walbeobachtung in Island

14 Min. Lesezeit

Es gibt diesen Moment auf einer Walbeobachtungstour, der alles andere in den Hintergrund rückt. Das Boot schaukelt leicht. Alle starren aufs Wasser. Dann taucht plötzlich ein dunkler Rücken auf, gefolgt von einer Fontäne aus Dampf und Wasser. Der Atem eines Buckelwals, keine 50 Meter entfernt. Danach ist es still auf dem Boot. Nicht weil niemand etwas sagen will, sondern weil es nichts zu sagen gibt.

Island gehört zu den besten Orten in Europa, um Wale zu sehen. Über 20 Walarten kommen in den Gewässern rund um die Insel vor. Manche das ganze Jahr über, andere nur im Sommer auf Durchreise. Die drei wichtigsten Orte für Walbeobachtungstouren sind Húsavík im Norden, Reykjavík im Südwesten und Akureyri am Eyjafjörður.

In diesem Artikel vergleiche ich die drei Standorte, stelle die Walarten vor, die du sehen kannst, und gebe dir praktische Hinweise zu Preisen, Saison und Vorbereitung.

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Warum Island so gut für Walbeobachtung ist

Die Gewässer rund um Island sind kühl, nährstoffreich und voller Plankton. Das liegt an der Lage der Insel am Zusammenfluss von kaltem arktischem Wasser aus dem Norden und wärmerem Atlantikwasser aus dem Süden. Wo diese Strömungen aufeinandertreffen, steigen Nährstoffe an die Oberfläche. Das Plankton explodiert, kleine Fische kommen zum Fressen, größere Fische folgen, und die Wale folgen den Fischen.

Buckelwal taucht vor der Küste Islands auf und zeigt seine Fluke
Buckelwale zeigen beim Abtauchen oft ihre markante Schwanzflosse (KI-generiert)

Besonders die Skjálfandi-Bucht vor Húsavík und der Eyjafjörður bei Akureyri sind reich an Nährstoffen. Im Sommer sammeln sich hier große Schwärme von Lodde, Hering und Krill. Buckelwale und gelegentlich Blauwale kommen zum Fressen in diese Buchten und bleiben oft den ganzen Sommer über.

Die kurze Distanz zwischen Küste und Walgebiet ist ein weiterer Vorteil. In Húsavík muss das Boot oft nur 15 bis 30 Minuten fahren, bevor die ersten Wale auftauchen. In Reykjavík dauert es etwas länger (30 bis 45 Minuten). Im Vergleich zu anderen Walbeobachtungszielen wie den Azoren oder der Baja California in Mexiko kommt man in Island erstaunlich schnell zu den Tieren.

Húsavík: die Walhauptstadt

Hafen von Húsavík mit Walbeobachtungsbooten und Bergen im Hintergrund
Der Hafen von Húsavík ist Startpunkt der meisten Waltouren im Norden (KI-generiert)

Húsavík nennt sich selbst Walhauptstadt Europas, und das ist keine leere Behauptung. Die Sichtungsrate für Wale liegt hier im Sommer bei über 98 Prozent. Das heißt: Auf fast jeder Tour sieht man mindestens einen Wal. Meistens deutlich mehr.

Die Skjálfandi-Bucht, in der die Touren stattfinden, ist flach und geschützt. Das Wasser ist oft ruhig, was die Beobachtung leichter macht und Seekrankheit weniger wahrscheinlich. Im Sommer tummeln sich hier regelmäßig Buckelwale und Weißschnauzen-Delfine. Mit etwas Glück sieht man auch Blauwale, die größten Tiere, die jemals auf der Erde gelebt haben.

Húsavík liegt im Nordosten Islands, etwa 50 Kilometer nördlich von Akureyri. Die Stadt hat rund 2.300 Einwohner und lebt zu einem guten Teil vom Waltourismus. Es gibt ein sehenswertes Walmuseum (Húsavík Whale Museum), das die Geschichte der Wale in isländischen Gewässern dokumentiert. Der Eintritt kostet 2.200 ISK (ca. 14 EUR).

Wer den Film Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga mit Will Ferrell gesehen hat, kennt Húsavík. Das Lied "Húsavík" wurde für den Oscar nominiert und hat die kleine Stadt weltweit bekannt gemacht. Im Sommer 2024 fand sogar ein kleines Eurovision-Festival in Húsavík statt.

Die beiden größten Touranbieter in Húsavík sind North Sailing und Gentle Giants. North Sailing fährt unter anderem mit historischen Segelschiffen aus Eichenholz, was der Tour einen besonderen Charakter gibt. Gentle Giants setzt auf Zodiac-Boote für kleinere Gruppen. Beide haben ausgezeichnete Guides.

Reykjavík: Wale vor der Hauptstadt

Von Reykjavík aus fahren die Walboote in die Faxaflói-Bucht. Die Sichtungsrate liegt bei etwa 90 Prozent im Sommer. Etwas weniger als in Húsavík, aber immer noch sehr gut. Man sieht hier vor allem Zwergwale, Weißschnauzen-Delfine und Schweinswale. Buckelwale kommen ebenfalls vor, sind aber seltener als im Norden.

Walbeobachtungsboot auf dem Meer vor Islands Küste
Die Waltouren ab Reykjavík fahren in die weite Faxaflói-Bucht (KI-generiert)

Der große Vorteil von Reykjavík: Du brauchst keine Extrafahrt zu planen. Die Boote legen direkt im Alten Hafen ab, mitten in der Stadt. Eine Tour lässt sich problemlos in einen Stadttag einbauen. Morgens Wale, nachmittags Hallgrímskirkja, abends Laugavegur.

Die Touren dauern meist 3 bis 3,5 Stunden. Die Fahrt aus dem Hafen hinaus in die offene Bucht dauert etwa 30 Minuten. Die Boote sind größer als in Húsavík, was sie stabiler macht, aber auch unpersönlicher. Auf den großen Katamaranen stehen manchmal 100 oder mehr Passagiere an der Reling.

Die wichtigsten Anbieter ab Reykjavík sind Elding und Special Tours. Beide bieten klassische Waltouren auf großen Booten an. Special Tours hat auch eine Express-Tour auf Zodiac-Booten (2 Stunden, kleiner, schneller, sportlicher). Für Menschen, die schnell seekrank werden, ist der Zodiac eher problematisch, weil die Boote stärker schaukeln.

Ein Tipp: Im Sommer gibt es abendliche Touren, die um 20 oder 21 Uhr starten. Das Licht ist dann weicher, die Bucht ruhiger, und die Wale sind oft aktiver als mittags. Außerdem sind weniger Boote unterwegs.

Akureyri: der ruhige Norden

Akureyri, die Hauptstadt des Nordens, liegt am Ende des Eyjafjörður, des längsten Fjords Islands (60 Kilometer). Walbeobachtungstouren ab Akureyri fahren in den Fjord hinaus, wo sich im Sommer Buckelwale und Delfine aufhalten.

Die Sichtungsrate liegt bei etwa 95 Prozent und damit zwischen Húsavík und Reykjavík. Der Fjord ist geschützt und das Wasser meistens ruhig. Seekrankheit ist hier selten ein Problem.

Der Hauptanbieter in Akureyri ist Ambassador Whale Watching. Die Touren dauern 3 bis 3,5 Stunden und fahren auf traditionellen Segelschiffen oder modernen Booten. Die Gruppen sind kleiner als in Reykjavík, und der Fjord bietet eine Bergkulisse, die es in der Faxaflói-Bucht nicht gibt.

Ein Vorteil von Akureyri: Die Stadt ist ein guter Ausgangspunkt für andere Attraktionen im Norden. Das Mývatn-Gebiet, der Goðafoss und der Dettifoss sind alle innerhalb von 1 bis 2 Stunden erreichbar. Wer den Norden erkundet, kann eine Waltour in Akureyri einbauen, ohne extra nach Húsavík fahren zu müssen.

Welche Walarten man sehen kann

Orca (Schwertwal) springt aus dem Wasser vor Islands Küste
Orcas werden rund um Island gesichtet, besonders in den Westfjorden (KI-generiert)

Über 20 Walarten kommen in den Gewässern um Island vor. Die häufigsten bei Walbeobachtungstouren sind:

Buckelwal (Megaptera novaeangliae): Der Star der Touren. Buckelwale werden bis zu 16 Meter lang und 30 Tonnen schwer. Sie sind neugierig, kommen oft nah an Boote heran und zeigen ihre Schwanzflosse (Fluke) beim Abtauchen. In Húsavík sieht man sie auf fast jeder Tour im Sommer.

Zwergwal (Balaenoptera acutorostrata): Kleiner (bis 10 Meter), schneller und schwerer zu beobachten als Buckelwale. Zwergwale tauchen kurz auf und atmen wieder. Man sieht oft nur den Rücken und die kleine Finne. In allen drei Gebieten häufig.

Blauwal (Balaenoptera musculus): Das größte Tier der Erde. Bis zu 30 Meter lang und 150 Tonnen schwer. In den Gewässern vor Húsavík werden Blauwale regelmäßig gesichtet, besonders zwischen Juni und August. Man erkennt sie an der enormen Fontäne (bis zu 10 Meter hoch) und dem flachen Rücken.

Weißschnauzen-Delfin (Lagenorhynchus albirostris): Gesellig und verspielt. Weißschnauzen-Delfine kommen in Gruppen von 10 bis 50 Tieren vor und springen gern aus dem Wasser. Sie begleiten manchmal die Boote und surfen in der Bugwelle.

Orca (Orcinus orca): Schwertwale werden rund um Island gesichtet, sind aber weniger vorhersehbar als andere Arten. Sie folgen den Heringsschwärmen und tauchen vor allem in den Westfjorden und vor der Snæfellsnes-Halbinsel auf. Spezielle Orca-Touren werden von einigen Anbietern in Grundarfjörður angeboten.

Saison und beste Reisezeit

Die Hauptsaison für Walbeobachtung in Island läuft von April bis Oktober. In diesen Monaten bieten alle drei Standorte regelmäßige Touren an. Die höchste Sichtungsrate gibt es zwischen Juni und August, wenn die meisten Walarten zum Fressen in die isländischen Gewässer kommen.

Im Winter (November bis März) gibt es weniger Touren und weniger Walarten. Reykjavík bietet ganzjährig Touren an, allerdings mit niedrigerer Sichtungsrate (etwa 70 Prozent im Winter). In Húsavík und Akureyri sind die meisten Anbieter im Winter geschlossen.

Der Juli ist statistisch der beste Monat. Die Sichtungsrate ist am höchsten, die Wale sind am aktivsten, und die langen Tage geben mehr Flexibilität bei der Tourplanung. Allerdings ist der Juli auch der teuerste und am stärksten gebuchte Monat. Juni und August bieten fast genauso gute Chancen bei weniger Andrang.

Die beste Tour ist die, bei der das Wetter stimmt. Ein sonniger Tag im September mit ruhigem Meer kann besser sein als ein stürmischer Tag im Juli. Lieber einen Puffertag einplanen und bei gutem Wetter fahren.

Preise und Anbieter 2026

Preisvergleich Walbeobachtung (Stand 2026)

  • Húsavík (North Sailing): Klassische Tour ab 12.490 ISK (ca. 82 EUR), Zodiac-Tour ab 18.990 ISK (ca. 125 EUR). Kinder 7 bis 15 Jahre: halber Preis.
  • Reykjavík (Elding): Klassische Tour ab 12.990 ISK (ca. 85 EUR), Express-Tour ab 18.490 ISK (ca. 122 EUR). Kinder 7 bis 15 Jahre: halber Preis.
  • Akureyri (Ambassador): Klassische Tour ab 11.900 ISK (ca. 78 EUR). Kinder bis 15 Jahre: 6.000 ISK (ca. 39 EUR).

Alle großen Anbieter bieten eine Garantie an: Wenn man keinen Wal sieht, bekommt man ein kostenloses Ticket für eine weitere Tour. Bei den hohen Sichtungsraten kommt das selten vor, aber es gibt einem ein gutes Gefühl bei der Buchung.

Kombi-Tickets, die Walbeobachtung mit anderen Aktivitäten verbinden (z.B. Papageientaucher-Tour oder Seeangelfahrt), kosten etwas mehr, aber weniger als beide Aktivitäten einzeln. In Húsavík gibt es Kombi-Angebote mit dem Walmuseum, in Reykjavík mit der Nordlicht-Tour im Winter.

Walbeobachtungstour im Hafen von Reykjavík mit Stadt im Hintergrund
Ab dem Alten Hafen in Reykjavík starten täglich mehrere Waltouren (KI-generiert)

Seekrankheit und praktische Tipps

Seekrankheit ist das größte Hindernis bei Walbeobachtungstouren. Die Gewässer um Island können rau sein, besonders in der Faxaflói-Bucht vor Reykjavík. Selbst an ruhigen Tagen gibt es eine Dünung, die manchen zu schaffen macht.

Vor der Tour: Leicht essen, nichts Fettiges oder Schweres. Reisetabletten (Dimenhydrinat, z.B. Vomex) mindestens 30 Minuten vor der Abfahrt einnehmen. Ingwer-Kaugummis oder -Bonbons helfen bei manchen Menschen ebenfalls. Akupressur-Bänder am Handgelenk sind umstritten, schaden aber nicht.

Auf dem Boot: Draußen bleiben, nicht in die Kabine gehen. Den Blick auf den Horizont richten, nicht auf das Smartphone oder die Kamera. Frische Luft hilft. Wer merkt, dass ihm schlecht wird, sollte sich ans Heck des Bootes setzen (weniger Schaukeln) und tief atmen.

Kleidung: Auch im Sommer ist es auf dem Wasser kalt. Wind und Gischt verstärken den Effekt. Eine warme, wasserdichte Jacke ist Pflicht. Mütze und Handschuhe sind auch im Juli sinnvoll. Die meisten Anbieter verleihen warme Overalls, die man über die eigene Kleidung zieht.

Fernglas: Lohnt sich, ist aber kein Muss. Die Wale kommen oft nah genug ans Boot, dass man sie mit bloßem Auge sieht. Für Delfine und entfernte Blas-Fontänen ist ein Fernglas aber hilfreich.

Kamera: Wale bewegen sich schnell und tauchen ohne Vorwarnung auf. Autofokus ist wichtiger als Auflösung. Ein Tele-Objektiv (200 bis 300 mm) reicht für die meisten Situationen. Beim Smartphone den Burst-Modus nutzen (Serienbilder), um den richtigen Moment zu erwischen.

Walfang in Island: eine schwierige Geschichte

Island ist eines der wenigen Länder, in denen noch Walfang betrieben wird. Das ist vielen Touristen, die eine Walbeobachtungstour buchen, nicht bewusst. Die Situation ist kompliziert und polarisiert innerhalb der isländischen Gesellschaft.

Kommerzieller Walfang auf Zwergwale und Finnwale wurde nach einem Moratorium 2003 wieder aufgenommen. Die Quoten erlauben jährlich die Tötung von mehreren Dutzend Tieren. In der Praxis wurde in den letzten Jahren weniger gejagt als erlaubt, weil die Nachfrage nach Walfleisch sinkt. Junge Isländer essen kaum noch Walfleisch. Die meiste Ware geht an Touristen, die es als exotische Spezialität probieren wollen.

Die Walbeobachtungsbranche in Island positioniert sich klar gegen den Walfang. Anbieter wie North Sailing und Elding werben aktiv damit, dass lebende Wale für die Wirtschaft mehr wert sind als tote. Eine Studie der Universität Island aus 2022 ergab, dass der Waltourismus jährlich über 30 Milliarden ISK (ca. 200 Millionen EUR) einbringt, während der Walfang weniger als 2 Milliarden ISK (ca. 13 Millionen EUR) erwirtschaftet.

Für Touristen gibt es eine einfache Faustregel: Wer Wale beobachten geht und gleichzeitig Walfleisch isst, sendet ein widersprüchliches Signal. Die Initiative „Meet us don't eat us" ruft Besucher dazu auf, auf den Konsum von Walfleisch zu verzichten. Die meisten Restaurants in Reykjavík bieten es inzwischen gar nicht mehr an.

Häufige Fragen zur Walbeobachtung

Wo sieht man in Island am besten Wale?

Húsavík hat die höchste Sichtungsrate (über 98 Prozent im Sommer) und die größte Artenvielfalt. Reykjavík ist am bequemsten, weil die Boote direkt in der Stadt ablegen. Akureyri bietet ruhigere Gewässer und eine schöne Fjordkulisse.

Kann man auch Blauwale sehen?

Ja, besonders in Húsavík zwischen Juni und August. Blauwale kommen in die Skjálfandi-Bucht, um sich an Krill sattzufressen. Die Sichtungen sind nicht garantiert, aber in guten Jahren werden sie auf etwa einem Drittel der Touren gesichtet.

Was passiert, wenn man keine Wale sieht?

Alle großen Anbieter bieten eine kostenlose Wiederholung der Tour an, wenn keine Wale gesichtet wurden. Das Ticket gilt dann für eine spätere Tour, meist ohne Ablaufdatum. Bei den hohen Sichtungsraten in der Sommersaison kommt das allerdings selten vor.

Ist die Tour für Kinder geeignet?

Ja, Kinder ab 7 Jahren können an den meisten Touren teilnehmen. Für jüngere Kinder ist die Tourdauer (3 bis 3,5 Stunden) oft zu lang, und die Gefahr von Seekrankheit ist höher. In Húsavík gibt es kürzere Touren (1,5 Stunden), die für Familien mit kleinen Kindern besser geeignet sind.

Kann man in Island auch Orcas sehen?

Orcas werden rund um Island gesichtet, vor allem in den Westfjorden und vor der Snæfellsnes-Halbinsel. In Grundarfjörður gibt es spezielle Orca-Touren zwischen November und März, wenn die Heringsschwärme in den Fjord ziehen. Die Sichtungsrate auf diesen Touren liegt bei etwa 80 Prozent.

Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026