Top Museen auf Island
Island und Museen - das passt auf den ersten Blick vielleicht nicht zusammen. Die meisten Reisenden kommen wegen der Natur, wegen Gletschern, Vulkanen und heißen Quellen. Aber genau das macht die Museen des Landes so überraschend gut: Sie erzählen die Geschichte eines Volkes, das seit über 1.100 Jahren auf einer Vulkaninsel mitten im Nordatlantik lebt und sich dabei nie hat unterkriegen lassen. Von Wikinger-Siedlungen über die Walforschung bis hin zu interaktiven Naturausstellungen unter einer Glaskuppel bietet Island Museen, die man so in keinem anderen Land findet.
Ein weiterer Vorteil: Museen sind die perfekte Beschäftigung an Regentagen, und davon gibt es auf Island reichlich. Wer seine Rundreise plant, sollte mindestens zwei bis drei Museumsbesuche einrechnen. Nicht als Notprogramm, sondern weil sie das Verständnis für Land und Leute enorm vertiefen.
Islands Museumslandschaft
Für ein Land mit nur 380.000 Einwohnern hat Island eine erstaunlich dichte Museumslandschaft. Allein in Reykjavík gibt es über 20 Museen und Galerien, von großen Häusern wie dem Nationalmuseum bis zu kleinen Spezialsammlungen wie dem Isländischen Phallusmuseum (ja, das gibt es wirklich, und es ist deutlich seriöser als der Name vermuten lässt). Außerhalb der Hauptstadt verteilen sich weitere Dutzende Museen über die Insel, oft in kleinen Orten, wo man sie nicht erwarten würde.
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Die Museen lassen sich grob in vier Kategorien einteilen: Geschichtsmuseen, die die Besiedlung und Wikinger-Vergangenheit beleuchten. Naturmuseen, die Vulkanismus, Geologie und Meeresleben erklären. Kunstmuseen, die zeitgenössische isländische Kunst zeigen. Und Spezialmuseen, die sich einem einzelnen Thema widmen, etwa Walen, Islandpferden oder der Fischerei.
Die Eintrittspreise liegen typischerweise zwischen 2.000 und 4.000 ISK (13 bis 26 EUR) für Erwachsene. Kinder unter 18 Jahren haben in vielen Museen freien Eintritt. Die Reykjavík City Card (ab 4.700 ISK / 31 EUR für 24 Stunden) deckt den Eintritt in die meisten Museen der Hauptstadt ab und rechnet sich bereits ab drei Besuchen.
Nationalmuseum Islands
Das Þjóðminjasafn Íslands, wie die Isländer ihr Nationalmuseum nennen, steht in der Suðurgata in Reykjavík und ist das wichtigste historische Museum des Landes. Die Dauerausstellung "Making of a Nation" führt chronologisch durch 1.200 Jahre isländische Geschichte, vom ersten Siedler Ingólfür Arnarson (um 874) bis in die Gegenwart.
Das bekannteste Exponat ist die bronzene Þór-Statuette aus dem 10. Jahrhundert, kaum zehn Zentimeter groß, aber eines der wenigen erhaltenen Darstellungen des nordischen Gottes. Man findet sie im Erdgeschoss zwischen Wikinger-Schwertern, Runensteinen und Kettenhemd-Fragmenten. Die Ausstellungstexte sind auf Isländisch und Englisch verfasst und gut verständlich, auch ohne Vorwissen über isländische Geschichte.
Besonders stark sind die Abteilungen zur mittelalterlichen Kirchenkunst (Island war ab dem 11. Jahrhundert christlich) und zur Handelsgeschichte mit Dänemark, das Island über Jahrhunderte kontrollierte. Die oberen Stockwerke widmen sich dem 19. und 20. Jahrhundert: Unabhängigkeitsbewegung, Industrialisierung der Fischerei und der Entstehung des modernen Island. Ein Besuch dauert etwa 1,5 bis 2 Stunden.
Der Eintritt kostet 2.500 ISK (ca. 16 EUR) für Erwachsene. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre sind frei. Geöffnet ist täglich von 10 bis 17 Uhr, montags geschlossen von September bis April.
Perlan: Natur unter einer Glaskuppel
Perlan (isländisch für "Die Perle") ist das Museum, das am häufigsten als Highlight genannt wird, und das zu Recht. Das Gebäude selbst ist schon sehenswert: eine riesige Glaskuppel auf sechs ehemaligen Heißwassertanks, die auf dem Öskjuhlíð-Hügel über Reykjavík thronen. Ursprünglich 1991 als Aussichtsplattform und Restaurant eröffnet, wurde Perlan 2017 in ein interaktives Naturkundemuseum umgebaut.
Die Ausstellung "Wonders of Iceland" erstreckt sich über mehrere Etagen und deckt alle großen Naturphänomene Islands ab. Die Eishöhle ist ein begehbarer Nachbau einer echten Gletscherhöhle, komplett mit Eis an Wänden und Decke. Die Temperatur liegt bei minus 10 Grad, warme Jacken werden am Eingang gestellt. Es ist die einzige Möglichkeit, eine Eishöhle zu erleben, ohne tatsächlich auf einen Gletscher zu steigen.
Das Planetarium zeigt einen Film über Nordlichter auf einer 360-Grad-Kuppel, der so gut gemacht ist, dass manche Besucher hinterher sagen, es sei besser gewesen als die echten Nordlichter (was natürlich Unsinn ist, aber der Film ist wirklich gut). Die Vulkanausstellung erklärt anhand interaktiver Modelle, warum Island genau auf dem Mittelatlantischen Rücken liegt und wie die tektonischen Platten die Insel ständig verändern. Ein Erdbebensimulator lässt den Boden unter den Füßen wackeln.
Die Aussichtsplattform auf dem Dach ist kostenlos zugänglich und bietet einen 360-Grad-Blick über Reykjavík, den Faxaflói-Fjord und bei klarem Wetter bis zum Snæfellsjökull-Gletscher, der 120 Kilometer entfernt liegt. Ein Besuch im Museum dauert 2 bis 3 Stunden. Der Eintritt kostet 4.290 ISK (ca. 28 EUR) für Erwachsene, 2.090 ISK (ca. 14 EUR) für Kinder von 6 bis 15 Jahren.
Saga Museum und Settlement Exhibition
Das Saga Museum in Reykjavík verfolgt einen ganz anderen Ansatz als klassische Museen. Statt Vitrinen mit Artefakten gibt es hier 17 Szenen mit lebensgroßen Silikon-Figuren, die Schlüsselmomente der isländischen Geschichte nachstellen. Die Figuren tragen originalgetreue Kleidung, halten echte Repliken von Waffen und Werkzeugen in den Händen und stehen in detailliert nachgebauten Umgebungen. Ein Audioguide (auch auf Deutsch verfügbar) erzählt die Geschichte zu jeder Szene.
Man erfährt, wie die ersten Siedler Island entdeckten, wie das Althing (eines der ältesten Parlamente der Welt) im Jahr 930 auf dem Þingvellir gegründet wurde, wie die Christianisierung ablief (inklusive der dramatischen Szene am Goðafoss-Wasserfall, wo die heidnischen Götterbilder ins Wasser geworfen wurden) und wie die Isländer die Pest und dänische Handelsmonopole überlebten. Ein Besuch dauert etwa eine Stunde, der Eintritt liegt bei 2.800 ISK (ca. 18 EUR).
Nur wenige Gehminuten entfernt liegt die Settlement Exhibition (Landnámssýningin), ein unterirdisches Museum direkt unter der Aðalstræti, der ältesten Straße Reykjavíks. Hier wurden 2001 bei Bauarbeiten die Überreste eines Langhauses aus dem 10. Jahrhundert freigelegt, eines der ältesten Gebäudereste Islands. Das Museum wurde direkt um die Ausgrabung herum gebaut, und man steht buchstäblich über den Fundamenten, die vor über 1.000 Jahren gelegt wurden.
Multimediale Projektionen zeigen, wie das Langhaus ausgesehen haben könnte und wie das Leben der ersten Siedler ablief. Die Ausstellung ist klein (etwa 30 Minuten reichen), aber sehr gut gemacht. Eintritt: 2.200 ISK (ca. 14 EUR), mit der Reykjavík City Card kostenlos.
Walmuseum Húsavík
Das Húsavík Whale Museum in Húsavík an der Nordküste ist das größte Walmuseum Europas und gehört zu den Orten, die man auf einer Island-Reise nicht auslassen sollte. Das Museum befindet sich in einem umgebauten Schlachthaus am Hafen, und allein diese Tatsache sagt viel über Islands Verhältnis zu Walen: vom Schlachtbetrieb zum Schutzprojekt in nur wenigen Jahrzehnten.
Das Kern der Ausstellung sind die Walskelette. Insgesamt 23 originale Skelette hängen unter der Decke oder stehen in der großen Halle, darunter ein 25 Meter langer Blauwal, der größte Organismus, der jemals auf der Erde gelebt hat. Darunter zu stehen und nach oben zu schauen, ist ein Moment, der bleibt. Die Skelette stammen von Tieren, die gestrandet sind oder aus natürlichen Gründen gestorben sind, keines wurde für das Museum getötet.
Die Ausstellung erklärt die Biologie der verschiedenen Walarten, ihre Wanderrouten (viele Arten nutzen die nährstoffreichen Gewässer vor Nordisland als Sommerweide) und die Geschichte des Walfangs in Island. Dieser Teil ist durchaus kritisch aufbereitet: Island gehört zu den wenigen Ländern, die noch kommerziellen Walfang betreiben, und das Museum verschweigt die Kontroverse nicht, nimmt aber auch keine klare Position ein.
Das Museum ist von Juni bis August täglich von 8:30 bis 18:30 Uhr geöffnet, in der Nebensaison kürzer. Eintritt: 2.800 ISK (ca. 18 EUR). Ein Kombiticket mit einer Walbeobachtungstour ab Húsavík gibt es bei einigen Anbietern ab 15.000 ISK (ca. 99 EUR). Die Kombination aus Museum am Morgen und Tour am Nachmittag ergibt einen perfekten Waltag.
Weitere Museen abseits von Reykjavík
Lava Centre, Hvolsvöllur - Dieses Museum liegt direkt an der Ringstraße in Südisland und widmet sich der vulkanischen Aktivität der Region. Interaktive Bildschirme zeigen in Echtzeit, wo auf Island gerade seismische Aktivität stattfindet. Die Ausstellung erklärt anschaulich, wie Eyjafjallajökull 2010 den europäischen Flugverkehr lahmlegte und wie der Katla-Vulkan unter seinem Gletscher schlummert. Eintritt: 3.450 ISK (ca. 23 EUR), Besuchsdauer etwa 1,5 Stunden.
Herring Era Museum, Siglufjörður - In einem abgelegenen Fjord in Nordisland erzählt dieses Museum die Geschichte des isländischen Heringsbooms, der zwischen 1940 und 1968 den kleinen Ort Siglufjörður zur "Heringshauptstadt des Nordatlantiks" machte. Tausende Arbeiter strömten in den Ort, Geld floss, und als der Hering verschwand, war alles vorbei. Das Museum hat dafür den European Museum of the Year Award gewonnen und verteilt sich über drei historische Gebäude am Hafen. Eintritt: 2.200 ISK (ca. 14 EUR).
Skogar Museum - Am Fuße des berühmten Skógafoss-Wasserfalls liegt dieses Volkskundemuseum, das zeigt, wie die Isländer in den Jahrhunderten vor der Moderne lebten. Die Freiluftabteilung umfasst restaurierte Torfhäuser, eine Kirche und eine Schule. Im Inneren sind über 15.000 Objekte ausgestellt, von Fischereigeräten über Handwerkszeug bis zu alten Textilien. Der Museumsgründer Þórður Tómasson hat sein gesamtes Leben der Sammlung gewidmet. Eintritt: 2.500 ISK (ca. 16 EUR).
Akureyri Art Museum - Die "Hauptstadt des Nordens" hat ein kleines, aber feines Kunstmuseum, das sich auf zeitgenössische isländische Kunst konzentriert. Wechselausstellungen zeigen Arbeiten lokaler Künstler, die sich oft mit der Landschaft und dem Licht des Nordens auseinandersetzen. Eintritt frei. In Akureyri lohnt sich auch das Nonni's House, das Geburtshaus des Kinderbuchautors Jón Sveinsson, bekannt als Nonni.
Isländisches Phallusmuseum (Hið Íslenska Reðasafn) - Man muss es erwähnen, weil es eines der meistbesuchten Museen Reykjavíks ist. Die Sammlung umfasst über 300 penisförmige Exemplare von 93 verschiedenen Tierarten, darunter auch ein menschliches Exponat. Was nach Kuriosität klingt, ist tatsächlich eine zoologische Sammlung mit wissenschaftlichem Hintergrund. Eintritt: 2.750 ISK (ca. 18 EUR).
Praktische Tipps für Museumsbesuche
Reykjavík City Card: Die Karte kostet 4.700 ISK (31 EUR) für 24 Stunden, 6.500 ISK (43 EUR) für 48 Stunden und 7.600 ISK (50 EUR) für 72 Stunden. Sie umfasst freien Eintritt in die Schwimmbäder der Stadt, die meisten Museen und die Stadtbusse. Wer drei oder mehr Museen und ein Schwimmbad besucht, spart bereits mit der 24-Stunden-Karte.
Öffnungszeiten: Die großen Museen in Reykjavík sind täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet, manche auch länger im Sommer. Kleinere Museen auf dem Land haben oft eingeschränkte Winteröffnungszeiten (nur Wochenende oder nach Anmeldung). Es lohnt sich, die Öffnungszeiten vorab auf der jeweiligen Website zu prüfen, besonders zwischen Oktober und April.
Sprache: Fast alle Museen in Reykjavík haben englischsprachige Ausstellungstexte und Audioguides. Deutsch wird seltener angeboten, aber im Saga Museum und in Perlan gibt es deutsche Audioguides. Kleinere Museen auf dem Land sind manchmal nur auf Isländisch und Englisch beschriftet.
Regentage nutzen: Das Wetter auf Island wechselt schnell. Ein sinnvoller Plan ist, für jeden Tag der Reise ein Museum in der Nähe als Alternative einzuplanen. Regnet es, geht man ins Museum. Scheint die Sonne, fährt man in die Natur. So verschwendet man keinen Tag.
Familienfreundlich: Perlan, das Lava Centre und das Walmuseum Húsavík sind besonders gut für Familien mit Kindern geeignet. Die interaktiven Elemente, Simulatoren und großen Exponate halten auch jüngere Besucher bei der Stange. In vielen Museen ist der Eintritt für Kinder unter 6 frei, für Kinder unter 18 stark ermäßigt oder ebenfalls kostenlos.
Häufige Fragen zu Museen auf Island
Welches Museum auf Island lohnt sich am meisten?
Perlan bietet das beste Gesamtpaket aus interaktiven Ausstellungen, Eishöhle, Planetarium und Aussichtsplattform. Für Geschichtsinteressierte ist das Nationalmuseum die beste Wahl. Wer die Nordküste besucht, sollte das Walmuseum in Húsavík auf keinen Fall auslassen.
Gibt es eine Museumskarte für ganz Island?
Eine landesweite Museumskarte gibt es nicht. Für Reykjavík empfiehlt sich die Reykjavík City Card (ab 4.700 ISK / 31 EUR für 24 Stunden), die den Eintritt in die meisten Museen der Hauptstadt abdeckt. Außerhalb der Hauptstadt muss man einzeln bezahlen.
Sind die Museen auch im Winter geöffnet?
Die großen Museen in Reykjavík (Nationalmuseum, Perlan, Saga Museum) sind ganzjährig geöffnet, teilweise mit kürzeren Winteröffnungszeiten. Kleinere Museen auf dem Land sind im Winter oft nur auf Anfrage oder an Wochenenden zugänglich. Das Walmuseum Húsavík hat von Oktober bis Mai eingeschränkte Öffnungszeiten (10 bis 16 Uhr).
Gibt es in den Museen deutsche Audioguides?
Das Saga Museum und Perlan bieten deutsche Audioguides an. In den meisten anderen Museen sind die Beschriftungen auf Isländisch und Englisch. Das Nationalmuseum hat englische Texte, aber keinen deutschen Audioguide. In kleineren Museen auf dem Land ist Englisch die einzige Fremdsprache.
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Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026