Húsavík
Húsavík ist ein Fischerdorf mit 2.300 Einwohnern an der Skjálfandi-Bucht in Nordisland. Das klingt nach wenig, aber für Walbeobachtung ist dieser Ort eine Weltadresse. In der nährstoffreichen Bucht tummeln sich bis zu 23 Walarten, darunter Buckelwale, Blauwale und Zwergwale. Die Sichtungsrate liegt im Sommer bei 98 bis 99 Prozent. Kein Ort in Europa kommt da heran.
Der Name Húsavík bedeutet „Häuserbucht". Laut der Landnáma-Saga war der Schwede Garðar Svavarsson der erste Nordmann, der hier um 870 überwinterte. Er baute ein Haus, segelte im Frühling wieder ab und ließ einen Mann namens Náttfari zurück. Húsavík gilt damit als einer der ältesten Siedlungsorte Islands.
Húsavík kennenlernen
Húsavík ist klein genug, um es in einer Stunde zu Fuß zu erkunden. Der Hafen ist das Zentrum: Hier liegen die Walbeobachtungsboote, hier stehen die bunten Holzhäuser, hier riecht es nach Meer und Diesel. Die Húsavíkurkirkja, eine Holzkirche von 1907, steht auf dem Hügel darüber und ist mit ihrem markanten Glockenturm das Wahrzeichen des Ortes.
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International bekannt wurde Húsavík 2020 durch den Netflix-Film „Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga" mit Will Ferrell. Der Song „Húsavík (My Hometown)" wurde für den Oscar nominiert. Im Ort gibt es seitdem ein kleines Eurovision-Museum, und der Song wird im Sommer regelmäßig am Hafen gespielt.
Whale Watching: Was man wissen muss
Drei Anbieter starten vom Hafen: North Sailing (der älteste, gegründet 1995), Gentle Giants und Salka Whale Watching. Die Standardtour dauert drei Stunden und kostet 11.000 bis 12.500 ISK (73 bis 83 Euro) für Erwachsene. Kinder unter 7 fahren kostenlos mit.
North Sailing bietet als einziger Anbieter Touren auf traditionellen isländischen Eichen-Segelbooten an. Keine Motoren, nur Wind und Stille. Teurer (ca. 15.000 ISK), aber ein komplett anderes Erlebnis. Die Segeltour dauert etwa vier Stunden.
Die beste Zeit für Walbeobachtung ist Juni bis August. In diesen Monaten werden regelmäßig Buckelwale, Zwergwale, Weißschnauzendelfine und gelegentlich Blauwale gesichtet. Blauwale, die größten Tiere der Erdgeschichte, kommen vor allem im Juni und Juli in die Bucht.
Insider-Tipp: Die frühe Morgentour (oft um 9 Uhr) hat die besten Sichtungschancen und die ruhigste See. Außerdem ist das Licht am Morgen besser zum Fotografieren. Fernglas mitbringen und auf jeden Fall die Seekrankheitstabletten rechtzeitig nehmen, nicht erst auf dem Boot.
GeoSea: Baden über dem Meer
Am Nordrand von Húsavík, auf einer Klippe über der Bucht, liegt das GeoSea Geothermal Sea Baths. Zwei Infinity-Pools gefüllt mit natürlich heißem Meerwasser (38 bis 39 Grad), das durch eine Bohrung aus 2.000 Metern Tiefe aufsteigt. Der Blick geht über die Skjálfandi-Bucht zu den schneebedeckten Bergen Nordislands.
GeoSea ist eine der jüngeren geothermalen Attraktionen Islands (eröffnet 2018) und deutlich weniger überlaufen als die Blaue Lagune. Das Wasser ist mineralreich und hat einen leicht salzigen Geschmack. Es gibt eine Swim-up-Bar für Getränke. Eintritt: 5.200 ISK (ca. 35 Euro), online vorbuchen empfohlen.
Insider-Tipp: Im Winter kombiniert man den GeoSea-Besuch mit Nordlichtern. Von den warmen Pools aus lässt sich der Himmel perfekt beobachten, ohne zu frieren. Das Bad hat an einigen Winterabenden verlängerte Öffnungszeiten.
Sehenswürdigkeiten
Das Husavik Whale Museum (Hvalasafnið) ist das umfassendste Walmuseum Europas. Auf zwei Etagen zeigt es lebensgroße Walskelette, darunter ein 25 Meter langes Blauwal-Skelett. Interaktive Ausstellungen erklären die Biologie der Wale, die Geschichte des Walfangs und den modernen Walschutz. Eintritt: 2.200 ISK (15 Euro).
Das Exploration Museum erzählt eine ungewöhnliche Geschichte: die Verbindung zwischen Húsavík und der Raumfahrt. In den 1960er Jahren trainierten NASA-Astronauten (darunter Neil Armstrong) in den Lavafeldern rund um Húsavík, weil die Landschaft der Mondoberfläche ähnelt. Das Museum zeigt Originalgegenstände und Trainingsfotos.
Die Húsavíkurkirkja aus dem Jahr 1907 ist eine der schönsten Holzkirchen Islands. Das norwegische Holz wurde per Schiff geliefert. Im Inneren fällt das Altarbild auf: ein Gemälde von 1931, das die Auferstehung Christi zeigt, aber in isländischer Landschaft.
Ausflüge in die Umgebung
Die Halbinsel Tjörnes nördlich von Húsavík ist geologisch faszinierend. Die Steilklippen zeigen Fossilien aus 2 bis 4 Millionen Jahren, darunter Muscheln und Schnecken aus einer Zeit, als Island noch deutlich wärmer war. Der Wanderweg entlang der Klippen ist frei zugänglich.
Der Ásbyrgi-Canyon liegt 65 Kilometer nordöstlich und gehört zum Vatnajökull-Nationalpark. Die hufeisenförmige Schlucht ist 3,5 Kilometer lang, einen Kilometer breit und 100 Meter tief. Der Boden ist mit Birkenwald bewachsen. Laut Sage hinterließ hier Sleipnir, das achtbeinige Pferd des Gottes Odin, seinen Hufabdruck.
Der Dettifoss, Europas mächtigster Wasserfall, liegt 75 Kilometer südöstlich von Húsavík. 100 Meter breit, 44 Meter tief, 193 Kubikmeter Wasser pro Sekunde. Man spürt die Gischt schon Hunderte Meter vor dem Rand. Ridley Scott nutzte den Wasserfall als Eröffnungsszene in „Prometheus" (2012). Zufahrt über Straße 862 (Westseite, gepflastert) oder 864 (Ostseite, Schotter).
Essen und Übernachten
Das Salka Restaurant am Hafen serviert frischen Fisch und isländisches Lamm mit Blick aufs Wasser. Das Naustið in einem alten Fischerhaus ist gemütlicher und hat die bessere Muschelsuppe. Für Schnelles gibt es Gamli Baukur, ein Bistro am Hafen mit Fish and Chips und Burgern.
Zum Übernachten bietet das Húsavík Cape Hotel am Ortsrand moderne Zimmer mit Meerblick. Das Fosshotel Húsavík liegt zentral und ist solide Mittelklasse. Günstiger schläft man in Gästehäusern wie dem Árból oder auf dem Campingplatz am Ortsrand (geöffnet Juni bis September, ca. 2.000 ISK pro Person).
Anreise
Von Akureyri sind es 90 Kilometer nach Húsavík, Fahrzeit etwa eine Stunde über die Route 85. Von Reykjavík aus sind es 480 Kilometer (ca. 5,5 Stunden). Ein Mietwagen ist die praktischste Option, öffentliche Busse fahren im Sommer ein- bis zweimal täglich ab Akureyri.
Häufige Fragen
Sieht man in Húsavík wirklich immer Wale?
Die Sichtungsrate liegt im Sommer bei 98 bis 99 Prozent. Eine Garantie gibt es nie, aber es ist sehr selten, dass man ohne Walsichtung zurückkommt. Die meisten Anbieter bieten eine kostenlose zweite Tour an, falls keine Wale gesichtet werden.
Lohnt sich Húsavík auch ohne Whale Watching?
Ja. Das GeoSea-Bad, das Walmuseum, die Umgebung mit Ásbyrgi und Dettifoss und die gemütliche Atmosphäre des Ortes lohnen sich auch ohne Bootstour. Für den Dettifoss und Ásbyrgi braucht man aber ein Auto.
Welcher Whale-Watching-Anbieter ist der beste?
North Sailing hat die längste Erfahrung und bietet als einziger Segelboot-Touren an. Gentle Giants ist etwas günstiger und hat größere Boote. Alle drei Anbieter sind gut und arbeiten mit Meeresbiologen zusammen.
Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026
Insider-Tipps Húsavík
Lokale Tipps
Gamli Baukur (am Hafen): Fangfrischer Arctic Char für 3.250-6.900 ISK. Fischsuppe günstiger und riesige Portion.
GeoSea Geothermal Baths: Heiße Meerwasser-Pools mit Bucht-Panorama. 7.490 ISK, Kinder unter 6 frei. Zum Sonnenuntergang fast leer.
Spartipp: Bei North Sailing online buchen, 10% sparen. Rückweg gratis heiße Schokolade und Zimtgebäck an Bord.