Keflavík
Fast jeder Islandreisende kennt den Namen Keflavík, denn hier befindet sich der internationale Flughafen des Landes. Doch die meisten steigen ins Auto oder den Bus und fahren direkt weiter nach Reykjavík, 50 Kilometer Richtung Osten. Das ist schade, denn Keflavík und die umliegende Reykjanes-Halbinsel haben deutlich mehr zu bieten als einen Flughafen und einen Duty-Free-Shop.
Die Stadt selbst hat rund 15.000 Einwohner und bildet zusammen mit der Nachbarstadt Njarðvík die Gemeinde Reykjanesbær. Hier lebten jahrzehntelang amerikanische Soldaten auf einer NATO-Basis, hier starten Wanderer zu den dampfenden Lavafeldern von Reykjanes, und hier liegt die Blaue Lagune nur 20 Autominuten entfernt.
Keflavík als Ausgangspunkt
Wer spät abends in Island landet oder früh morgens abfliegt, tut sich einen Gefallen, in Keflavík zu übernachten statt nach Reykjavík zu pendeln. Die Fahrt zum Flughafen dauert von der Stadt aus nur fünf Minuten, der Flybus nach Reykjavík dagegen 45 bis 50 Minuten. Gerade bei Flügen, die um sechs Uhr morgens starten (wie viele WOW-Nachfolger und Icelandair-Maschinen), spart man sich damit eine Menge Stress.
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Keflavík eignet sich auch als Basis für den ersten oder letzten Tag einer Islandreise. Die Reykjanes-Halbinsel lässt sich als Tagesausflug erkunden, die Blaue Lagune ist in 20 Minuten erreichbar, und wer am Ankunftstag noch einen halben Tag hat, kann direkt loslegen, ohne erst 50 Kilometer in die Hauptstadt fahren zu müssen.
Der Flughafen Keflavík (KEF) liegt technisch gesehen nicht in der Stadt selbst, sondern auf dem ehemaligen NATO-Militärgelände zwischen Keflavík und Njarðvík. Mit rund 7 Millionen Passagieren pro Jahr ist er der mit Abstand größte Flughafen Islands. Der kleine Inlandsflughafen in Reykjavík bedient dagegen nur Verbindungen innerhalb des Landes und nach Grönland.
Geschichte und Militärbasis
Keflavík war bis ins 20. Jahrhundert ein verschlafenes Fischerdorf. Der Wendepunkt kam 1941, als die britische Armee hier landete und einen Militärflugplatz baute. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahmen die Amerikaner die Basis im Rahmen eines NATO-Abkommens. Über 5.000 US-Soldaten waren zeitweise hier stationiert, dazu kamen ihre Familien und zivile Angestellte.
Die amerikanische Präsenz hat Keflavík geprägt. Es gab eine eigene Schule, ein Kino, einen Golfplatz und sogar ein Bowlingcenter auf dem Militärgelände. Isländische Teenager fuhren zur Basis, um amerikanische Musik zu hören und Hamburger zu essen. Als die US-Streitkräfte 2006 abzogen, hinterließen sie eine riesige Infrastruktur und eine Lücke in der lokalen Wirtschaft.
Heute ist das ehemalige Militärgelände teilweise zum Ásbrú Enterprise Park umgebaut, einem Technologie- und Innovationspark. Die alten Hangars beherbergen Startups, Rechenzentren und sogar ein Museum. Teile der Basis sind noch im Originalzustand und wirken wie eine amerikanische Vorstadt der 1960er Jahre, mitten auf einer Lavahalbinsel im Nordatlantik.
Sehenswürdigkeiten in der Stadt
Das Duus Museum im alten Fischpackhaus am Hafen zeigt eine Mischung aus Kunst, Kulturgeschichte und maritimer Vergangenheit. Der Eintritt kostet 1.500 ISK (10 Euro) für Erwachsene. Besonders interessant ist die Ausstellung über die Fischereigeschichte der Region, denn Keflavík war einst einer der wichtigsten Fischereihäfen Islands. Getrockneter Fisch (harðfiskur) war jahrhundertelang das wichtigste Exportgut.
Am Hafen steht die Regenbogenstraße (Regnbogagata), eine bunt bemalte Gasse, die zum beliebten Fotomotiv geworden ist. Weiter südlich liegt die Giantess-Skulptur, eine vier Meter hohe Statue, die eine Trollfrau darstellt, die aufs Meer blickt. Die Skulptur stammt vom isländischen Künstler Magnús Tómasson.
Das Isländische Museum des Rock 'n' Roll (Rokksafn Íslands) liegt im gleichen Gebäude wie das Duus Museum und dokumentiert die isländische Musikszene von den 1950er Jahren bis heute. Interaktive Stationen lassen Besucher eigene Songs aufnehmen oder auf virtuellen Instrumenten spielen. Der Eintritt liegt bei 2.500 ISK (17 Euro). Für Fans von isländischer Musik ist das Museum ein Muss.
Wer sich für Raumfahrt interessiert, sollte das Viking World Museum (Víkingaheimar) in Njarðvík besuchen. Hier steht die Íslendingur, ein originalgetreuer Nachbau eines Wikingerschiffs, das im Jahr 2000 tatsächlich den Atlantik überquert hat. Der Eintritt kostet 2.000 ISK (13 Euro).
Die Reykjanes-Halbinsel
Die Reykjanes-Halbinsel ist geologisch gesehen einer der aktivsten Orte Islands. Hier verläuft der Mittelatlantische Rücken direkt durch die Landschaft, die nordamerikanische und die eurasische Platte driften jedes Jahr etwa zwei Zentimeter auseinander. Im Januar 2024 brach bei Grindavík ein Vulkan aus, der dritte Ausbruch auf Reykjanes seit 2021. Die Halbinsel verändert sich buchstäblich vor den Augen der Bewohner.
Die Straße 425 führt als Rundweg über die Halbinsel und passiert einige sehenswerte Stopps. Das Geothermalgebiet Gunnuhver besteht aus dampfenden Schlammtöpfen und Fumarolen. Die größte heiße Quelle ist nach der Geistfrau Gunna benannt, die der Legende nach in die Quelle verbannt wurde. 2008 wurde das Gebiet durch eine Dampfexplosion deutlich größer. Von der Plattform aus sieht man die kochende Erde in wenigen Metern Entfernung.
Nur fünf Minuten weiter steht der Leuchtturm Reykjanesviti, der älteste Leuchtturm Islands (1878). Direkt daneben die Brücke zwischen den Kontinenten, eine kleine Fußgängerbrücke über eine Felsspalte zwischen den tektonischen Platten. Touristisch? Ja. Aber die Symbolik ist trotzdem gut, und die Landschaft drumherum sieht aus wie eine Mondoberfläche.
Die Stadt Grindavík liegt 20 Kilometer südlich von Keflavík und war bis zu den jüngsten Vulkanausbrüchen ein lebhaftes Fischerdorf. Seit den Eruptionen ab November 2023 ist die Situation angespannt, Teile der Stadt mussten evakuiert werden. Vor einem Besuch sollte man sich über die aktuelle Lage informieren.
Blaue Lagune und heiße Quellen
Die Blaue Lagune liegt 20 Autominuten südlich von Keflavík und ist der bekannteste Hot Pot Islands. Das milchig-blaue Wasser hat eine Temperatur von 37 bis 40 Grad, die Kieselalgenmaske gibt es kostenlos am Beckenrand. Das Comfort-Paket kostet ab 12.990 ISK (87 Euro) und muss vorab online gebucht werden. Spontan hinfahren funktioniert nicht, die Zeitfenster sind oft Wochen im Voraus ausgebucht.
Wer weniger zahlen will, sollte die Sky Lagoon bei Reykjavík in Betracht ziehen oder die kostenlosen heißen Quellen auf der Reykjanes-Halbinsel suchen. Bei Selvallalaug oder Hveravellir kann man kostenlos im warmen Wasser sitzen. Die Infrastruktur dort ist minimal: kein Umkleideraum, kein Café, nur du und die Natur.
Tipp für die Blaue Lagune: Das Retreat-Spa ist teurer (ab 75.000 ISK/500 Euro), aber deutlich ruhiger. Wer das Standardbecken zu voll findet, ist hier besser aufgehoben. Alternativ: frühe Zeitfenster (8 oder 9 Uhr) buchen, dann sind weniger Besucher da.
Hotels und Übernachtung
Keflavík hat in den letzten Jahren deutlich aufgeholt, was Unterkünfte angeht. Mehrere Hotels richten sich gezielt an Reisende mit frühen oder späten Flügen. Das Hotel Keflavík im Stadtzentrum bietet Doppelzimmer ab 22.000 ISK (147 Euro) pro Nacht und liegt zehn Autominuten vom Flughafen entfernt. Der Shuttleservice ist kostenlos.
Günstiger ist das Base Hotel by Keflavík Airport, das direkt auf dem ehemaligen Militärgelände liegt. Doppelzimmer kosten ab 16.000 ISK (107 Euro). Die Zimmer sind schlicht, aber sauber, und der Transfer zum Terminal dauert drei Minuten. Das Kef Guesthouse bietet Schlafsäle ab 7.000 ISK (47 Euro) pro Person und ist damit eine der günstigsten Optionen in der Gegend.
Für Selbstversorger gibt es Apartments über Airbnb ab ca. 12.000 ISK (80 Euro) pro Nacht. Wer mit dem Campervan unterwegs ist, findet auf dem Campingplatz Fitjar Stellplätze für 2.500 ISK (17 Euro) pro Person. Der Platz hat Duschen und eine kleine Küche.
Essen und Einkaufen
Das Rain Restaurant im Stadtzentrum gilt als bestes Lokal in Keflavík. Die Speisekarte wechselt saisonal, aber der gebratene Kabeljau mit Blumenkohlpüree (4.900 ISK/33 Euro) und das isländische Lamm (5.900 ISK/39 Euro) sind feste Größen. Reservierung wird empfohlen, besonders im Sommer.
Günstiger isst man bei Paddy's Irish Pub, der trotz des Namens ordentliche Fish and Chips (2.800 ISK/19 Euro) serviert. Das Kaffi Duus am Hafen bietet Kaffee und Kuchen mit Meerblick, und die Thai Keflavík ist eine solide Option für alle, die nach zwei Wochen Lamm und Fisch Abwechslung brauchen. Hauptgerichte kosten dort ab 2.500 ISK (17 Euro).
Der Krónan-Supermarkt in Keflavík ist der beste Ort zum Einkaufen vor der Reise. Die Preise sind 20 bis 30 Prozent günstiger als bei Hagkaup oder 10-11. Wer am Flughafen noch schnell einkaufen will: Der Duty-Free-Shop im Ankunftsbereich verkauft Alkohol und Süßigkeiten zu deutlich niedrigeren Preisen als in normalen Geschäften. Isländer kaufen hier regelmäßig ein.
Praktische Tipps
Vom Flughafen in die Stadt: Bus 55 fährt alle 30 Minuten zwischen Flughafen und Keflavík (450 ISK/3 Euro, Fahrtzeit 15 Minuten). Ein Taxi kostet etwa 3.000 ISK (20 Euro). Wer einen Mietwagen holt, kann direkt losfahren, die Verleihstationen liegen am Flughafen.
Wetter: Die Reykjanes-Halbinsel ist dem Wind ausgesetzt. Im Winter können Sturmböen bis 120 km/h erreichen. Selbst im Sommer weht es hier stärker als in Reykjavík. Eine winddichte Jacke ist das ganze Jahr über nötig.
Vulkanaktivität: Seit 2021 ist die Reykjanes-Halbinsel vulkanisch aktiv. Vor dem Besuch des Geothermalgebiets oder einer Wanderung immer die Webseite vedur.is (Isländisches Meteorologieamt) prüfen. Die App "112 Iceland" zeigt Warnungen in Echtzeit.
Zeitplanung: Für Keflavík selbst reichen drei bis vier Stunden. Für einen Tagesausflug über die Reykjanes-Halbinsel inklusive Blaue Lagune sollte man einen ganzen Tag einplanen. Kombiniert mit den ersten oder letzten Stunden einer Islandreise ist das eine sehr gute Lösung.
Häufige Fragen
Lohnt sich ein Aufenthalt in Keflavík oder sollte man direkt nach Reykjavík weiterfahren?
Bei frühen Abflügen oder späten Landungen ist Keflavík die bessere Wahl. Die Stadt hat genug Restaurants und Sehenswürdigkeiten für einen halben Tag, und die Reykjanes-Halbinsel ist von hier aus schneller zu erreichen als von Reykjavík.
Wie weit ist die Blaue Lagune von Keflavík entfernt?
Etwa 20 Kilometer oder 20 Autominuten. Vom Flughafen Keflavík sind es sogar nur 15 Minuten. Viele Reisende besuchen die Blaue Lagune auf dem Weg vom Flughafen nach Reykjavík.
Gibt es öffentliche Verkehrsmittel zwischen Keflavík und Reykjavík?
Ja, der Flybus (Reykjavík Excursions) und der Airport Direct fahren regelmäßig. Die Fahrt dauert 45 bis 50 Minuten und kostet ab 3.499 ISK (23 Euro) pro Strecke. Bus 55 verbindet Keflavík-Stadt mit dem Flughafen.
Ist die Vulkanaktivität auf Reykjanes gefährlich für Touristen?
Die Behörden sperren betroffene Gebiete ab und informieren über die App 112 Iceland. Solange man gesperrte Zonen meidet und die aktuellen Warnungen auf vedur.is prüft, ist ein Besuch der Halbinsel sicher. Der Flughafenbetrieb war bisher nicht betroffen.
Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026
Lokale Tipps
Gut zu wissen
Sundlaug (Schwimmbad): Jeder Ort in Island hat ein geothermales Schwimmbad mit Hot Pots für 5-10 EUR. Dort treffen sich die Locals. Viel authentischer und günstiger als Blue Lagoon.
Bonus-Supermarkt: Das rosa Schweinchen-Logo ist dein bester Freund. Günstigster Supermarkt Islands. Abends gibt es oft reduzierte Fertiggerichte.
Spartipp: Duty-Free am Flughafen Keflavik bei Ankunft: Alkohol kostet in der Stadt das 3-4-fache. Fast jeder Isländer kauft beim Landen ein.