Grindavík: Fischerort im Schatten der Vulkane
Grindavík liegt auf der Reykjanes-Halbinsel, nur 50 Kilometer südwestlich von Reykjavík. Der Ort hat etwa 3.400 Einwohner und eine Geschichte, die bis in die Wikingerzeit zurückreicht. Seit 2023 steht Grindavík im Mittelpunkt der internationalen Aufmerksamkeit, denn die Vulkanausbrüche auf der Reykjanes-Halbinsel haben den Ort mehrfach bedroht und das Leben seiner Bewohner grundlegend verändert.
Aber Grindavík ist mehr als ein Ort, der in den Nachrichten vorkommt. Über Jahrhunderte war es einer der wichtigsten Fischereihäfen Südwestislands. Die Lage zwischen dem offenen Atlantik und den geothermischen Feldern der Halbinsel prägt den Charakter dieses Ortes auf eine Weise, die man erst versteht, wenn man selbst dort war. Die Leute in Grindavík haben gelernt, mit der Unberechenbarkeit der Natur zu leben. Und genau das macht den Besuch so eindrücklich.
Ein Ort zwischen Feuer und Meer
Die Reykjanes-Halbinsel ist geologisch einer der aktivsten Orte der Erde. Hier trennen sich die nordamerikanische und die eurasische Kontinentalplatte, und der Mittelatlantische Rücken tritt an die Oberfläche. Grindavík sitzt genau auf dieser Bruchzone. Der Boden unter dem Ort ist durchzogen von Spalten und Rissen, aus denen Dampf aufsteigt, heißes Wasser sprudelt und gelegentlich Lava fließt.
Die Landschaft rund um Grindavík sieht aus wie die Kulisse eines Science-Fiction-Films. Schwarze Lavafelder erstrecken sich bis zum Horizont, unterbrochen von gelben Schwefelflächen, dampfenden Schloten und türkisfarbenen geothermischen Teichen. Moos überzieht die älteren Lavaströme in dicken grünen Polstern, während die jüngsten Ausbrüche blanken, schwarzen Stein hinterlassen haben. Die Kontraste sind so stark, dass man sich manchmal fragt, ob man noch auf der Erde ist.
Trotz der vulkanischen Aktivität war Grindavík über Jahrhunderte ein relativ sicherer Ort. Die letzten großen Ausbrüche auf der Reykjanes-Halbinsel vor der aktuellen Serie lagen über 800 Jahre zurück. Die Menschen hier hatten sich an die heißen Quellen und den dampfenden Boden gewöhnt, sie nutzten die Geothermie zum Heizen und Baden. Dass der Vulkanismus plötzlich wieder zum akuten Problem werden würde, hatte kaum jemand erwartet.
Die Vulkanausbrüche seit 2023
Im November 2023 begann eine Serie von Erdbeben unter Grindavík, die den Ort erschütterte und tiefe Risse durch Straßen und Häuser zog. Die gesamte Bevölkerung wurde evakuiert. Wenige Wochen später brach der Vulkan nördlich des Ortes aus, und ein Lavastrom bahnte sich seinen Weg in Richtung Grindavík. Schutzwälle, die hastig aufgeschüttet worden waren, konnten den Lavastrom zwar umlenken, aber die Bedrohung blieb.
In den folgenden Monaten kam es zu weiteren Ausbrüchen. Im Januar 2024 erreichte ein Lavastrom tatsächlich den Ortsrand und zerstörte drei Häuser. Ein weiterer Ausbruch im Februar zwang zur erneuten Evakuierung. Die Bewohner von Grindavík leben seitdem in einem Zustand der Unsicherheit. Manche sind zurückgekehrt, andere haben sich anderswo niedergelassen. Die isländische Regierung hat Entschädigungen und Umsiedlungshilfen angeboten, aber für viele Familien ist die Situation nach wie vor belastend.
Für Reisende bedeutet das: Vor einem Besuch in Grindavík sollte man sich unbedingt über die aktuelle Lage informieren. Die Website der isländischen Zivilschutzbehörde (almannavarnir.is) veröffentlicht tagesaktuelle Informationen zu Sperrgebieten und Sicherheitsempfehlungen. In Phasen erhöhter vulkanischer Aktivität können der Ort und die Zufahrtsstraßen komplett gesperrt sein.
Die Vulkanausbrüche haben Grindavík verändert, aber nicht zerstört. Die Menschen hier zeigen eine Widerstandsfähigkeit, die tief in der isländischen Mentalität verwurzelt ist. „Þetta reddast" sagen die Isländer, „das wird schon". In Grindavík wird dieser Satz gerade auf die Probe gestellt.
Die Blaue Lagune
Die Bláa Lónið, die Blaue Lagune, liegt nur sechs Kilometer nördlich von Grindavík und ist wahrscheinlich die bekannteste Sehenswürdigkeit Islands. Das milchig-türkisfarbene Thermalwasser hat eine Temperatur zwischen 37 und 40 Grad Celsius und ist reich an Kieselsäure, Algen und Mineralien, die der Haut guttun sollen.
Was viele nicht wissen: Die Blaue Lagune ist kein natürliches Gewässer. Das Wasser stammt aus dem Geothermalkraftwerk Svartsengi, das heißes Meerwasser aus 2.000 Metern Tiefe an die Oberfläche pumpt. Nachdem das Wasser zur Stromerzeugung genutzt wurde, fließt es in die Lagune, wo es sich in den porösen Lavafeldern sammelt. Erst die Kieselsäure im Wasser verleiht ihm die charakteristische türkise Farbe.
Der Eintritt kostet je nach Paket zwischen 9.990 und 82.900 ISK (65 bis 540 Euro). Das Basispaket enthält den Zugang zur Lagune und ein Getränk, die teureren Pakete beinhalten Zugang zum Luxusbereich, Massagen und ein Abendessen im Lava-Restaurant. Vorausbuchung ist zwingend erforderlich, spontaner Zutritt ist praktisch nie möglich.
Nach den Vulkanausbrüchen wurde die Blaue Lagune mehrfach vorübergehend geschlossen und wieder eröffnet. Die Betreiber haben Schutzmaßnahmen getroffen, und der Betrieb läuft inzwischen weitgehend normal, aber die Lage kann sich ändern. Vor der Buchung die Website der Blauen Lagune auf aktuelle Informationen prüfen.
Wer die Blaue Lagune als zu kommerziell empfindet, findet auf der Reykjanes-Halbinsel Alternativen. Die Sky Lagoon in Kópavogur bei Reykjavík bietet ein ähnliches Erlebnis mit Infinity-Pool und Meerblick. Und wer es rustikal mag, kann in den heißen Quellen im Landesinneren kostenlos baden.
Fischerei und Geschichte
Grindavíks Geschichte ist untrennbar mit der Fischerei verbunden. Schon in den isländischen Sagas wird der Ort als Handelsplatz erwähnt, an dem ausländische Kaufleute Trockenfisch gegen Getreide, Holz und Werkzeuge tauschten. Vom 16. bis 19. Jahrhundert war Grindavík eines der Zentren der isländischen Salzfischproduktion. Kabeljau wurde auf Gestellen an der frischen Luft getrocknet und dann als sogenannter Klippfisk nach Spanien, Portugal und Italien exportiert.
Das Saltfish Museum (Kvikan) im Ortszentrum erzählt diese Geschichte auf anschauliche Weise. Die Ausstellung zeigt, wie die Fischer mit offenen Ruderbooten auf den Atlantik hinausfuhren, wie der Fang verarbeitet wurde und welche Rolle der Salzfischhandel für die wirtschaftliche Entwicklung Islands spielte. Das Museum ist klein, aber gut gemacht, und der Eintritt kostet 1.500 ISK (10 Euro).
Heute ist die Fischerei in Grindavík noch immer wichtig, aber nicht mehr dominierend. Die Fangmengen sind zurückgegangen, und viele Fischer haben auf andere Berufe umgesattelt. Der Tourismus, besonders durch die Blaue Lagune, hat sich als zweites wirtschaftliches Standbein etabliert. Die Vulkanausbrüche haben allerdings auch diesen Sektor schwer getroffen.
Ein dunkles Kapitel der Geschichte ist der türkische Überfall von 1627. Nordafrikanische Piraten, die als „Türken" bezeichnet wurden, überfielen mehrere isländische Küstenorte und verschleppten Hunderte Menschen in die Sklaverei. Grindavík war eines der betroffenen Dörfer. Eine Gedenktafel im Ort erinnert an dieses Ereignis.
Lavafelder und Geothermie
Die Reykjanes-Halbinsel ist ein geologisches Freiluftlabor. Rund um Grindavík findet man Lavafelder aus verschiedenen Epochen, von den historischen Ausbrüchen des Mittelalters bis zu den ganz frischen Strömen der letzten Monate. Die unterschiedlichen Farben und Texturen der Lava erzählen die vulkanische Geschichte der Region wie ein aufgeschlagenes Buch.
Das Geothermalgebiet Gunnuhver liegt wenige Kilometer westlich von Grindavík und ist das größte Schlammgebiet der Reykjanes-Halbinsel. Hier brodelt und zischt es aus zahlreichen Öffnungen im Boden. Die heißeste Quelle erreicht Temperaturen von über 300 Grad Celsius. Ein Holzsteg führt durch das Gebiet und ermöglicht die Beobachtung aus sicherer Entfernung. Der Eintritt ist frei.
Am südwestlichsten Punkt der Halbinsel steht der Leuchtturm Reykjanesviti, der älteste Leuchtturm Islands (1878). Von hier sieht man bei klarem Wetter die Felsinsel Eldey, auf der die letzte bekannte Kolonie des Riesenalks lebte, bevor die Art 1844 ausgerottet wurde. Die Klippen rund um den Leuchtturm sind wild und ungezähmt, und die Wellen des Atlantiks schlagen mit enormer Kraft gegen die Felsen.
Die Brücke zwischen den Kontinenten (Bridge Between Continents) liegt auf halbem Weg zwischen dem Flughafen Keflavík und Grindavík. Eine kleine Fußgängerbrücke überspannt hier die Spalte zwischen der nordamerikanischen und der eurasischen Platte. Die Spalte selbst ist wenige Meter breit und mit losem Gestein gefüllt. Geologisch betrachtet ist es die exakte Stelle, an der sich die Kontinente voneinander entfernen, etwa zwei Zentimeter pro Jahr.
Essen und Übernachten
Die gastronomische Auswahl in Grindavík ist überschaubar, aber solide. Das Bryggjan Café am Hafen serviert eine legendäre Langustensuppe, die unter Einheimischen als die beste der gesamten Halbinsel gilt. Das Café befindet sich in einem alten Fischereigebäude und hat den Charme einer Hafenkneipe, in der echte Fischer ihren Kaffee trinken. Die Langustensuppe kostet 3.200 ISK (21 Euro).
Das Papa's Restaurant bietet Pizza, Burger und isländische Gerichte in legerer Atmosphäre. Der Nettó-Supermarkt ist die einzige Einkaufsmöglichkeit im Ort. Wer gehobener essen möchte, fährt die wenigen Kilometer zur Blauen Lagune, wo das Lava Restaurant isländische Küche auf gehobenem Niveau serviert.
Bei den Unterkünften hat Grindavík wenig Auswahl. Das Northern Light Inn in der Nähe der Blauen Lagune ist die komfortabelste Option. Einige Privatzimmer und Ferienwohnungen werden über Buchungsportale angeboten, aber die Verfügbarkeit ist seit den Vulkanausbrüchen eingeschränkt. Die meisten Besucher der Gegend übernachten in Reykjavík oder Keflavík und fahren für einen Tagesausflug nach Grindavík.
Der Campingplatz von Grindavík ist einfach ausgestattet, liegt aber in einer starken Lavalandschaft. Ob er geöffnet ist, hängt von der aktuellen Sicherheitslage ab. Informationen gibt es beim örtlichen Touristenbüro oder auf der Website der Gemeinde.
Anreise und Sicherheit
Grindavík liegt 50 Kilometer südwestlich von Reykjavík und 20 Kilometer südlich des internationalen Flughafens Keflavík. Die Fahrt von Reykjavík dauert etwa 45 Minuten über die Straßen 41 und 43. Vom Flughafen sind es rund 25 Minuten. Eine direkte Busverbindung gibt es nicht, ein Mietwagen ist die einzig praktikable Option.
Die Sicherheitslage rund um Grindavík muss vor jedem Besuch geprüft werden. Seit 2023 kommt es wiederholt zu Vulkanausbrüchen und Erdbeben auf der Reykjanes-Halbinsel. Straßen können kurzfristig gesperrt werden, und es gelten zeitweise Zutrittsverbote für bestimmte Gebiete. Die isländische Zivilschutzbehörde (almannavarnir.is) und die Straßenverwaltung (road.is) veröffentlichen aktuelle Informationen.
Das Mobilfunknetz funktioniert in der Gegend gut, und im Ernstfall werden Warnungen direkt auf die Handys gesendet. Die isländischen Behörden haben Evakuierungspläne erarbeitet und die Beschilderung der Fluchtwege verbessert. Panik ist nicht angebracht, aber Aufmerksamkeit und Respekt vor den Naturgewalten sind angemessen.
Als Tagesausflug lässt sich ein Besuch in Grindavík gut mit der Blauen Lagune, dem Geothermalgebiet Gunnuhver und dem Leuchtturm Reykjanesviti kombinieren. Wer von Keflavík aus startet, kann die gesamte Halbinsel an einem Tag umrunden. Die Route führt durch eine unwirkliche Lavalandschaft, die selten zu finden ist.
Häufige Fragen
Ist es sicher, Grindavík zu besuchen?
Das hängt von der aktuellen vulkanischen Aktivität ab. In ruhigen Phasen ist der Besuch unproblematisch. Vor der Anreise unbedingt die Website almannavarnir.is und road.is auf aktuelle Warnungen und Sperrungen prüfen. Die Behörden informieren zuverlässig und zeitnah.
Ist die Blaue Lagune noch geöffnet?
Die Blaue Lagune wurde nach den Vulkanausbrüchen mehrfach vorübergehend geschlossen und wieder eröffnet. Der aktuelle Status ist auf bluelagoon.com einsehbar. Tickets müssen immer im Voraus gebucht werden, spontaner Zutritt ist nicht möglich.
Kann man die frische Lava der Ausbrüche sehen?
Teilweise ja. Manche Lavafelder der jüngsten Ausbrüche sind von öffentlichen Straßen aus sichtbar. Der direkte Zugang zu den Eruptionsgebieten ist allerdings gesperrt. Es gibt organisierte Touren, die zu sicheren Aussichtspunkten führen, sofern die Sicherheitslage es erlaubt.
Wie weit ist Grindavík vom Flughafen Keflavík entfernt?
Etwa 20 Kilometer, die Fahrt dauert rund 25 Minuten. Grindavík lässt sich gut als erster oder letzter Stopp einer Islandreise einplanen, da es so nahe am internationalen Flughafen liegt.
Lokale Tipps
Gut zu wissen
Sundlaug (Schwimmbad): Jeder Ort in Island hat ein geothermales Schwimmbad mit Hot Pots für 5-10 EUR. Dort treffen sich die Locals. Viel authentischer und günstiger als Blue Lagoon.
Bonus-Supermarkt: Das rosa Schweinchen-Logo ist dein bester Freund. Günstigster Supermarkt Islands. Abends gibt es oft reduzierte Fertiggerichte.
Spartipp: Duty-Free am Flughafen Keflavik bei Ankunft: Alkohol kostet in der Stadt das 3-4-fache. Fast jeder Isländer kauft beim Landen ein.
Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026