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Nyhavn in Kopenhagen
Mehr als bunte Häuser am Kanal

Nyhavn in Kopenhagen

9 Min. Lesezeit

Wer an Kopenhagen denkt, hat sofort dieses eine Bild vor Augen: bunte Giebelhäuser, die sich entlang eines schmalen Kanals reihen, davor historische Holzschiffe und Kopfsteinpflaster. Das ist Nyhavn, der wohl meistfotografierte Ort Dänemarks. Und doch steckt hinter der bunten Kulisse deutlich mehr als ein hübsches Postkartenmotiv.

Nyhavn war jahrhundertelang ein rauer Arbeiterhafen, in dem Matrosen tranken, spielten und sich prügelten. Heute reihen sich hier Restaurants aneinander, und Touristen aus aller Welt sitzen an der Kaikante mit einem Softeis in der Hand. Dieser Wandel vom verruchten Hafenviertel zum beliebtesten Treffpunkt der Stadt ist eine Geschichte, die sich lohnt, genauer angeschaut zu werden.

Die bunten Giebelhäuser am Nyhavn Kanal in Kopenhagen
Die charakteristischen bunten Häuser am Nyhavn gehören zu den beliebtesten Fotomotiven Nordeuropas (KI-generiert)

Geschichte des Nyhavn

Der Nyhavn wurde zwischen 1670 und 1673 auf Befehl von König Christian V. ausgehoben. Ziel war es, einen Kanal vom Hafen direkt zum Kongens Nytorv (dem Königlichen Neumarkt) zu schaffen. So konnten Handelsschiffe ihre Waren bis ins Stadtzentrum bringen. Der Name bedeutet schlicht „Neuer Hafen", und er war damals tatsächlich neu im Vergleich zum älteren Gammelstrand nur wenige hundert Meter entfernt.

Die Arbeit am Kanal übernahmen zu großen Teilen schwedische Kriegsgefangene. Rund 600 Meter lang ist der Wasserweg, der noch heute in seiner ursprünglichen Form existiert. An beiden Seiten entstanden rasch Lagerhäuser, Wirtshäuser und Wohngebäude für Seeleute und Händler.

Im 18. und 19. Jahrhundert galt der Nyhavn als raues Pflaster. Matrosen aus aller Welt legten hier an, und mit ihnen kamen Tavernen, Bordelle und regelmäßige Schlägereien. Kopenhagener Bürger mieden das Viertel nach Einbruch der Dunkelheit. Dieser Ruf hielt sich bis weit ins 20. Jahrhundert.

Erst in den 1960er und 1970er Jahren begann die Stadt, den Nyhavn aufzuwerten. Die alten Häuser wurden restauriert, statt Spelunken eröffneten Restaurants, und die historischen Holzschiffe bekamen feste Liegeplätze als schwimmendes Museum. Seitdem hat sich der Nyhavn zu dem entwickelt, was er heute ist: der gesellige Mittelpunkt Kopenhagens.

Die bunten Häuser und ihre Bedeutung

Die Farbenpracht der Häuser am Nyhavn ist kein Zufall und keine Touristenattraktion, die nachträglich inszeniert wurde. In Dänemark war es über Jahrhunderte Tradition, Fassaden in kräftigen Farben zu streichen. Die Pigmente hatten teilweise praktische Gründe: Rot entstand durch Eisenoxid, Gelb durch Ocker, und beide schützten das Holz vor Witterung.

Heute stehen die Häuser am Nyhavn unter Denkmalschutz. Die Hauseigentümer dürfen ihre Fassaden zwar renovieren, müssen sich dabei aber an vorgeschriebene Farbtöne halten. So bleibt das Gesamtbild erhalten, das seit Jahrzehnten Maler, Fotografen und Reisende anzieht.

Blick über den Nyhavn Kanal mit historischen Segelschiffen
Der Kanal mit den historischen Holzschiffen bildet das Zentrum des Nyhavn (KI-generiert)

Das älteste Haus am Nyhavn ist die Nummer 9, erbaut im Jahr 1681. Es ist eines der wenigen Gebäude, die den Stadtbrand von 1795 überlebten. Besonders auffällig ist auch Haus Nummer 17, ein schmales rotes Gebäude, in dem der Märchendichter Hans Christian Andersen viele Jahre wohnte.

Die südliche Seite des Kanals wird von den Einheimischen als „Sonnenseite" bezeichnet. Hier sitzen bei gutem Wetter die meisten Gäste, weil die Fassaden die Nachmittagssonne einfangen. Die nördliche Seite liegt häufiger im Schatten, hat dafür aber oft etwas günstigere Preise in den Restaurants.

Hans Christian Andersen und der Nyhavn

Kopenhagens berühmtester Bewohner lebte insgesamt an drei verschiedenen Adressen im Nyhavn. Hans Christian Andersen bezog 1834 eine Wohnung in der Hausnummer 20, wo er einige seiner frühesten Märchen schrieb. Später zog er in die Nummer 67 und schließlich in die Nummer 18, wo er rund 20 Jahre lang wohnte.

An allen drei Häusern erinnern heute Gedenktafeln an den Dichter. Andersen selbst beschrieb den Nyhavn in seinen Tagebüchern als seinen liebsten Ort in Kopenhagen. Er genoss den Blick auf die Schiffe und das Treiben am Hafen, auch wenn die Gegend damals noch alles andere als fein war.

Hans Christian Andersen lebte von 1845 bis 1864 in der Nyhavn Nr. 18. Dort schrieb er unter anderem „Die Schneekönigin" und „Das hässliche Entlein". Eine Bronzetafel an der Fassade markiert die Stelle.

Wer sich für Andersens Leben interessiert, kann vom Nyhavn aus einen Spaziergang zum H.C. Andersen Museum im Stadtteil Vesterbro machen. Die Entfernung beträgt etwa 1,5 Kilometer, und der Weg führt über den Rathausplatz, wo eine große Bronzestatue des Dichters steht.

Restaurants und Cafés am Kanal

Der Nyhavn ist dicht besetzt mit Gastronomiebetrieben. Etwa 30 Restaurants und Cafés reihen sich entlang beider Kanalseiten. Die Preise liegen im oberen Bereich, was in Kopenhagen allerdings generell der Fall ist. Für ein Hauptgericht zahlt man am Nyhavn zwischen 180 und 350 DKK (ca. 25 bis 50 EUR), für ein Glas Bier vom Fass etwa 70 bis 90 DKK (ca. 10 bis 13 EUR).

Restaurants mit Außenterrassen am Nyhavn Kanal
Restaurants am Nyhavn mit Blick auf den Kanal und die historischen Schiffe (KI-generiert)

Empfehlenswerte Restaurants

  • Cap Horn (Nr. 21): Biologische dänische Küche mit Fokus auf Nachhaltigkeit, gute Fischgerichte
  • Nyhavns Færgekro (Nr. 5): Traditionelles Smørrebrød seit 1976, das dänische Mittagsbüffet ist beliebt bei Einheimischen
  • Restaurant Told & Snaps (Nr. 19): Klassisch dänische Gerichte, bekannt für guten Aquavit
  • Hyttefadet (Nr. 25): Eher einfache Küche, dafür moderate Preise und große Portionen

Ein Tipp für alle, die günstiger essen wollen: In den Seitenstraßen rund um den Nyhavn finden sich Restaurants mit deutlich niedrigeren Preisen. Besonders die Straße Lille Strandstræde, direkt am nördlichen Ende des Kanals, hat einige gute Lokale ohne den touristischen Aufschlag.

Wer einfach nur einen Kaffee oder ein Eis genießen will, kann sich auch an die Kaikante setzen. Viele Kopenhagener holen sich ein Bier aus dem Supermarkt und setzen sich mit den Beinen über dem Wasser baumelnd an den Kai. Das ist erlaubt und gehört zum Nyhavn dazu wie die bunten Häuser selbst.

Nyhavn im Winter

Im Sommer platzt der Nyhavn aus allen Nähten. Im Winter hingegen verwandelt sich der Kanal in einen ruhigeren, aber nicht weniger stimmungsvollen Ort. Von Mitte November bis Ende Dezember findet am Nyhavn einer der ältesten Weihnachtsmärkte Kopenhagens statt.

Nyhavn im Winter mit Weihnachtsbeleuchtung und Marktständen
In der Weihnachtszeit verwandelt sich der Nyhavn in einen stimmungsvollen Markt (KI-generiert)

Die Stände bieten Glühwein (gløgg), gebrannte Mandeln, dänische Æbleskiver (kugelförmige Pfannkuchen) und Kunsthandwerk. Die Buden stehen entlang der Sonnenseite, und die bunten Häuser dahinter werden festlich beleuchtet. An den Wochenenden treten Chöre und Musikgruppen auf.

Auch außerhalb der Weihnachtszeit hat der Nyhavn im Winter seinen Reiz. Bei Frost dampft manchmal der Kanal, und die bunten Fassaden wirken vor grauem Himmel noch intensiver. Einige Restaurants haben beheizte Außenbereiche mit Decken und Wärmelampen, sodass man auch bei 5 Grad draußen sitzen kann.

Generell gilt: Im Winter ist der Nyhavn deutlich leerer als im Sommer. Wer Fotos ohne Menschenmassen machen möchte, hat zwischen Januar und März die besten Chancen, besonders an Wochentagen am frühen Morgen.

Kanalrundfahrten ab Nyhavn

Am nördlichen Ende des Nyhavn legen die Ausflugsboote für Kanalrundfahrten ab. Diese Touren gehören zu den beliebtesten Aktivitäten in Kopenhagen und bieten eine andere Perspektive auf die Stadt. Die Boote fahren durch die Kanäle vorbei an der Oper, der Kleinen Meerjungfrau, Christiansborg und Christiania.

Zwei Anbieter teilen sich das Geschäft: Strømma (ehemals Canal Tours) und Netto Bådene. Die Boote von Strømma sind größer und haben ein Dach, die von Netto Bådene sind offene Holzboote. Hier die wichtigsten Infos:

  • Strømma Grand Tour: Etwa 60 Minuten, Preis ca. 110 DKK (ca. 15 EUR) für Erwachsene, Audioguide auf Deutsch verfügbar
  • Netto Bådene: Etwa 60 Minuten, Preis ca. 50 DKK (ca. 7 EUR) für Erwachsene, nur auf Dänisch und Englisch
  • Abfahrten: Im Sommer alle 20 bis 30 Minuten, im Winter seltener
Ausflugsboote und historische Segelschiffe am Nyhavn
Vom Nyhavn starten die beliebten Kanalrundfahrten durch Kopenhagen (KI-generiert)

Die Kanalrundfahrten sind in der Copenhagen Card enthalten (nur Strømma). Wer die Karte hat, kann also ohne Zusatzkosten einsteigen. Gerade in der Hauptsaison von Juni bis August ist es ratsam, früh am Tag oder am späten Nachmittag zu fahren, um lange Wartezeiten zu vermeiden.

Praktische Tipps für deinen Besuch

Anreise

Der Nyhavn liegt zentral in der Kopenhagener Innenstadt. Die nächste Metrostation ist Kongens Nytorv (Linien M1, M2 und M3). Von dort sind es etwa 200 Meter zu Fuß. Wer mit dem Fahrrad unterwegs ist, kann an mehreren Stellen rund um den Kanal Räder abstellen.

Beste Besuchszeit

Im Sommer wird es ab dem späten Vormittag voll. Für ruhige Fotos und entspanntes Flanieren empfehle ich den frühen Morgen zwischen 7 und 9 Uhr. Das Licht ist dann oft auch am besten für Fotografien. Abends wird es ab etwa 20 Uhr wieder etwas ruhiger, und die Restaurants beleuchten die Fassaden stimmungsvoll.

In der Umgebung

Vom Nyhavn aus erreicht man mehrere weitere Sehenswürdigkeiten zu Fuß. Schloss Amalienborg liegt etwa 600 Meter nördlich. Der Tivoli ist in 15 Gehminuten über den Kongens Nytorv und die Strøget zu erreichen. In südlicher Richtung gelangt man in wenigen Minuten zum Christiansborg Schloss.

Die Sonnenseite und die Schattenseite

Der Nyhavn hat zwei Seiten, und damit sind diesmal tatsächlich die beiden Kanalseiten gemeint. Die südliche Seite, also die mit den ungeraden Hausnummern, wird als Sonnenseite bezeichnet. Hier stehen die berühmten bunten Häuser, hier reihen sich die Restauranttische aneinander, und hier tummeln sich die Touristen.

Die nördliche Seite wirkt gediegener. Hier befinden sich das Nyhavn Hotel, einige Galerien und ruhigere Lokale. Diese Seite war historisch gesehen die vornehmere. Wohlhabende Kaufleute und Reeder bauten hier ihre Stadthäuser, während die Sonnenseite eher den einfachen Leuten gehörte.

Am besten lässt sich der Nyhavn erleben, wenn man zunächst die Sonnenseite entlanggeht, am Ende des Kanals über die kleine Brücke wechselt und dann die Schattenseite zurückläuft. So bekommt man beide Perspektiven und kann am Ende entscheiden, auf welcher Seite man sich niederlassen möchte.

Am Kopfende des Kanals steht ein großer historischer Anker. Er erinnert an die dänischen Seeleute, die im Zweiten Weltkrieg auf See ums Leben kamen. Viele Besucher übersehen das Denkmal, weil sie mit dem Blick auf die bunten Häuser beschäftigt sind.

Häufige Fragen zum Nyhavn

Ist der Nyhavn immer zugänglich?

Ja, der Nyhavn ist eine öffentliche Straße und rund um die Uhr frei zugänglich. Es gibt keinen Eintritt und keine Absperrungen. Die Restaurants haben unterschiedliche Öffnungszeiten, aber den Kanal selbst kann man jederzeit besuchen.

Kann man im Nyhavn baden oder schwimmen?

Das Schwimmen im Kanal ist nicht erlaubt und wäre auch nicht empfehlenswert. In der Nähe gibt es aber den Havnebadet Islands Brygge, ein kostenloses Freibad im Hafenbecken mit sauberem Wasser.

Wie teuer ist ein Essen am Nyhavn?

Ein Hauptgericht kostet in den Restaurants am Kanal zwischen 180 und 350 DKK (ca. 25 bis 50 EUR). Günstigere Alternativen findet man in den Seitenstraßen, etwa in der Lille Strandstræde oder der Gothersgade.

Lohnt sich der Nyhavn auch bei Regen?

Durchaus. Die bunten Fassaden spiegeln sich bei Regen im nassen Kopfsteinpflaster, was für Fotografen reizvoll ist. Außerdem sind dann deutlich weniger Menschen unterwegs. Die meisten Restaurants haben Innenbereiche mit Blick auf den Kanal.

Welche Metrostation ist am nächsten?

Die Station Kongens Nytorv liegt nur 200 Meter vom Nyhavn entfernt. Sie wird von den Metrolinien M1, M2 und M3 angefahren und ist damit aus allen Teilen der Stadt gut erreichbar.

Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026