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Winter in Lappland
Aktivitäten, Temperaturen und Packliste

Winter in Lappland

15 Min. Lesezeit

Mein erster Winter in Lappland war im Februar 2012. Die Temperatur am Morgen zeigte minus 34 Grad, der Himmel war tiefblau, und der Schnee knirschte unter den Stiefeln so laut, dass man es 50 Meter weit hören konnte. Dieses Knirschen gibt es nur bei extremer Kälte, wenn die Eiskristalle im Schnee so hart sind, dass sie beim Zerbrechen einen hohen Ton erzeugen. Es ist eines dieser Details, die man in keinem Reiseführer liest und die trotzdem den Winter in Lappland ausmachen.

Der Winter in Lappland dauert von Ende Oktober bis Mitte April. Fast sechs Monate, in denen Schnee liegt, die Temperaturen regelmäßig unter minus 20 Grad fallen und die Sonne zeitweise gar nicht aufgeht. Das klingt erst einmal abschreckend. Ist es aber nicht, wenn man vorbereitet ist. Dieser Artikel erklärt, was dich beim Winterurlaub erwartet, welche Kleidung du brauchst und welche Aktivitäten sich lohnen.

Was den Winter in Lappland besonders macht

Verschneite Winterlandschaft in Lappland mit Birken und blauem Dämmerlicht
Das blaue Dämmerlicht der Polarnacht taucht die Landschaft in ein besonderes Licht (KI-generiert)

Lappland im Winter ist eine andere Welt als Lappland im Sommer. Die Landschaft, die im Sommer grün und von Mücken bevölkert ist, verwandelt sich in eine weiße Ebene. Bäume tragen schwere Schneehauben, die Seen sind so dick gefroren, dass Autos darüber fahren können, und die Stille ist fast körperlich spürbar. An klaren Tagen hört man nur den Wind und gelegentlich einen Raben.

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Ein zentrales Phänomen ist die Polarnacht (Kaamos). Nördlich des Polarkreises geht die Sonne im Dezember und Januar nicht über den Horizont. Das bedeutet aber nicht, dass es 24 Stunden stockdunkel ist. Um die Mittagszeit gibt es zwei bis drei Stunden Dämmerungslicht, ein tiefes Blau, das langsam in Violett und Orange übergeht. Dieses Licht ist schwer zu beschreiben und noch schwerer zu fotografieren. Es hat eine Intensität, die man in südlicheren Breiten nicht kennt.

Ab Februar kommt die Sonne zurück. Erst nur für eine Stunde, dann immer länger. Im März scheint sie bereits fünf bis sechs Stunden, und der Schnee reflektiert das Licht so stark, dass man ohne Sonnenbrille geblendet wird. März ist deshalb auch die beliebteste Zeit für Winteraktivitäten: genug Licht, immer noch viel Schnee, und die Temperaturen sind nicht mehr ganz so brutal wie im Januar.

Und dann sind da die Nordlichter. Von September bis März hat man in Lappland gute Chancen, Aurora Borealis zu sehen. In klaren Nächten tanzen grüne, manchmal auch violette Bänder über den Himmel. An guten Abenden dauert das Schauspiel mehrere Stunden.

Temperaturen und Klima

Die Wintertemperaturen in Lappland schwanken stark, je nach Lage und Wetterlage. Hier die Durchschnittswerte für verschiedene Orte und Monate:

  • November: Minus 5 bis minus 15 Grad. Der erste Schnee liegt meistens schon seit Oktober. Die Tage werden schnell kürzer.
  • Dezember: Minus 10 bis minus 25 Grad. Polarnacht in der nördlichen Hälfte Lapplands. Kaum Tageslicht.
  • Januar: Der kälteste Monat. Durchschnitt minus 15 bis minus 25 Grad, Spitzen bis minus 40 Grad. In Kittilä wurden schon minus 45 Grad gemessen.
  • Februar: Minus 10 bis minus 25 Grad. Die Sonne kommt zurück, aber die Kälte hält an.
  • März: Minus 5 bis minus 20 Grad. Deutlich mehr Licht, der Schnee ist auf seinem Maximum.
  • April: Minus 5 bis plus 5 Grad. Der Frühling kommt langsam, aber Schnee liegt noch reichlich.

Ein wichtiger Faktor ist der Wind. Minus 15 Grad bei Windstille fühlen sich erträglich an. Minus 15 Grad mit Wind fühlen sich an wie minus 30. Die gefühlte Temperatur, der sogenannte Windchill, kann erheblich von der tatsächlichen Temperatur abweichen. Bei Schneemobiltouren oder offenen Schlittenfahrten ist der Windchill besonders relevant.

Die Luftfeuchtigkeit ist im Winter gering. Das bedeutet, dass die Kälte trockener ist als in Mitteleuropa. Viele Besucher empfinden minus 20 Grad in Lappland als weniger unangenehm als minus 5 Grad in Hamburg. Allerdings trocknet die Luft die Haut aus. Eine gute Feuchtigkeitscreme gehört deshalb auf die Packliste.

Beste Reisezeit für den Winter

Sonniger Wintertag in Lappland im März mit langem Schatten auf dem Schnee
Im März verbinden sich Sonnenlicht und tiefer Schnee zur besten Kombination (KI-generiert)

Die Antwort hängt davon ab, was du erleben willst.

Für Nordlichter: September bis März. Die statistische beste Zeit liegt zwischen Oktober und Februar, wenn die Nächte lang und die Chancen auf klaren Himmel hoch sind. Januar hat die längsten Nächte, was die Wahrscheinlichkeit erhöht.

Für Weihnachtsstimmung: Dezember. Die Polarnacht sorgt dafür, dass Kerzen und Beleuchtung den ganzen Tag über sichtbar sind. Der Weihnachtsmann in Rovaniemi ist in dieser Zeit besonders beliebt.

Für Winteraktivitäten: Februar bis März. Die Temperaturen sind erträglicher als im Januar, es gibt genug Tageslicht für lange Touren, und der Schnee ist perfekt für Hundeschlittenfahrten, Schneemobiltouren und Skilanglauf.

Für Fotografie: Februar und März. Das niedrig stehende Sonnenlicht erzeugt lange Schatten und warme Farben auf dem Schnee. Die Kombination aus Licht, Schnee und blauem Himmel ist ideal für Landschaftsfotografie.

Mein persönlicher Favorit ist Anfang März. Man hat alles auf einmal: Nordlichtchancen in der Nacht, fünf bis sechs Stunden Sonnenlicht am Tag, stabile Schneeverhältnisse und Temperaturen um minus 10 bis minus 15 Grad. Dazu sind die Preise etwas niedriger als in der Hochsaison um Weihnachten und Neujahr.

Winteraktivitäten in Lappland

Die meisten Winteraktivitäten in Lappland werden als geführte Touren angeboten. Man bucht über das Hotel, einen lokalen Veranstalter oder online. Hier die wichtigsten Optionen:

Hundeschlittenfahrten gehören zu den beliebtesten Erlebnissen. Man sitzt oder steht auf einem Schlitten, der von vier bis sechs Huskys gezogen wird, und gleitet durch verschneite Wälder. Die Touren dauern zwischen einer Stunde und mehreren Tagen. Bei den längeren Varianten übernachtet man in Wildnishütten und versorgt die Hunde selbst. Preise ab 80 EUR für kurze Fahrten.

Schneemobiltouren sind schneller und lauter als Hundeschlitten, dafür kommt man weiter. Die meisten Touren dauern zwei bis vier Stunden und führen über zugefrorene Seen oder durch Wälder. Ein internationaler Führerschein ist meistens erforderlich. Preise ab 100 EUR pro Person.

Rentierschlittenfahrten sind ruhiger und langsamer. Man sitzt in einem Schlitten, der von einem einzelnen Rentier gezogen wird, und fährt gemächlich durch die Landschaft. Oft wird die Fahrt mit einem Besuch bei samischen Rentierhirten kombiniert. Preise ab 50 EUR.

Nordlichtjagd: Geführte Touren mit Guide, der die besten Orte kennt und den Wetterbericht studiert. Man fährt mit dem Bus oder Schneemobil raus aus der Stadt, weg von der Lichtverschmutzung. Die Guides wissen, wo die Wolkendecke aufreißt. Preise ab 60 EUR. Es gibt keine Garantie, Nordlichter zu sehen, aber ein guter Guide erhöht die Chancen erheblich.

Eisfischen: Ein Loch in die Eisdecke bohren und auf den Fang warten. Das klingt wenig aufregend, ist aber überraschend meditativ. Die meisten Touren beinhalten heißen Tee am Lagerfeuer und eine Einführung in die Technik. Preise ab 40 EUR.

Skilanglauf: Lappland hat hunderte Kilometer präparierte Loipen. Die bekanntesten liegen rund um Levi, Saariselkä und Muonio. Anders als in den Alpen gibt es kaum Höhenunterschiede, dafür endlose Weite. Skiverleih ab 20 EUR pro Tag.

Packliste für den Lappland-Winter

Richtige Winterkleidung für Lappland mit Schichten
Das Schichtenprinzip ist der Schlüssel, um sich in Lappland warm zu halten (KI-generiert)

Die richtige Kleidung entscheidet darüber, ob der Winterurlaub in Lappland Spaß macht oder zur Qual wird. Das Prinzip ist einfach: mehrere Schichten, die man je nach Aktivität an- und ausziehen kann. Hier meine erprobte Packliste:

Basisschicht (direkt auf der Haut):

  • Lange Unterwäsche aus Merinowolle (oben und unten), mindestens zwei Garnituren
  • Wollsocken, mindestens drei Paar
  • Dünne Handschuhe als Unterziehhandschuhe

Isolationsschicht:

  • Fleecejacke oder Daunenweste
  • Fleecehose oder Wollhose

Außenschicht:

  • Wind- und wasserabweisende Winterjacke (idealerweise mit Kapuze)
  • Schneehose, wasserabweisend
  • Winterstiefel mit Isolierung bis minus 30 Grad (Sorel, Baffin oder ähnlich)
  • Dicke Fäustlinge (wärmer als Fingerhandschuhe)
  • Mütze, die Ohren und Stirn bedeckt
  • Nackenwärmer oder Sturmhaube (Balaclava)

Zusätzlich:

  • Sonnenbrille (wichtig ab Februar wegen der Schneereflexion)
  • Feuchtigkeitscreme für Gesicht und Lippen (Lippenbalsam mit Fettgehalt)
  • Handwärmer (Einweg-Wärmepads)
  • Powerbank für das Handy (Akkus entladen sich bei Kälte schneller)

Ein wichtiger Hinweis: Viele Aktivitätsanbieter stellen Overalls, Stiefel und Handschuhe zur Verfügung. Vor der Buchung nachfragen, dann muss man nicht alles selbst mitbringen. Die geliehene Ausrüstung ist meistens schwer und nicht besonders elegant, dafür aber sehr warm.

Unterkünfte im Winter

Gemütliche Ferienhütte in Lappland im Winter mit Schnee auf dem Dach
Ferienhütten mit Sauna sind die authentischste Unterkunft in Lappland (KI-generiert)

Die Auswahl an Unterkünften in Lappland ist überraschend groß. Von der einfachen Waldhütte bis zum Eishotel ist alles dabei. Hier die wichtigsten Optionen:

Hotels gibt es in allen größeren Orten: Rovaniemi, Levi, Saariselkä, Kiruna, Tromsø. Die Preise liegen im Winter bei 100 bis 250 EUR pro Nacht. Frühstück ist fast immer inklusive.

Ferienhütten (Mökit/Stugor) sind die authentischste Art, in Lappland zu übernachten. Viele haben eine eigene Sauna, eine Küchenzeile und liegen abseits der Ortschaften. Ab 80 EUR pro Nacht. Die Hütten sind gut isoliert, und mit dem Holzofen wird es schnell warm.

Glasiglus und Aurora Cabins ermöglichen es, Nordlichter vom Bett aus zu sehen. Die Preise liegen bei 300 bis 600 EUR pro Nacht. Diese Unterkünfte sind besonders in der Hauptsaison früh ausgebucht.

Eishotels bieten eine Nacht auf einem Eisbett bei minus fünf Grad. Drei bekannte Optionen gibt es in Lappland: Das Icehotel in Jukkasjärvi, das Snow Village in Lainio und das Arctic SnowHotel bei Rovaniemi. Preise ab 200 EUR pro Nacht.

Praktische Hinweise

Verschneite Straße in Lappland im Winter mit Schneepflug
Die Straßen in Lappland werden regelmäßig geräumt, aber Vorsicht auf Glatteis (KI-generiert)

Mietwagen: Wer in Lappland flexibel sein will, braucht ein Auto. Die Straßen sind im Winter geräumt, aber oft mit einer festgefahrenen Schneeschicht bedeckt. Mietwagen in Finnland und Schweden haben im Winter automatisch Spikereifen. Vorsichtig fahren, langsam bremsen, und genug Abstand halten. Auf Landstraßen können Rentiere auftauchen.

Handy und Technik: Lithium-Ionen-Akkus verlieren bei Kälte schnell ihre Ladung. Das Handy am besten nah am Körper tragen, in einer Innentasche. Eine Powerbank hilft, sollte aber ebenfalls warm gehalten werden. Wer fotografieren will, sollte einen Ersatzakku in der Jackentasche haben.

Gesundheit: Erfrierungen sind ein reales Risiko, vor allem an Nase, Ohren und Fingern. Bei Windchill-Temperaturen unter minus 25 Grad sollte man exponierte Haut regelmäßig bewegen und beobachten. Wird die Haut weiß und gefühllos, ist das ein Warnsignal. Sofort aufwärmen, aber nicht reiben.

Kosten: Ein Winterurlaub in Lappland ist kein Schnäppchen. Für eine Woche mit Unterkunft, Flug, Aktivitäten und Verpflegung sollte man pro Person 1.500 bis 3.000 EUR einplanen. Der größte Kostenfaktor sind die Aktivitäten. Wer selbst Langlaufski leiht und wandert statt geführte Touren zu buchen, kann deutlich sparen.

Häufige Fragen

Wie kalt wird es im Winter in Lappland wirklich?

Die Durchschnittstemperaturen liegen zwischen minus 10 und minus 25 Grad, je nach Monat und Ort. Spitzenwerte von minus 40 Grad kommen vor, sind aber selten. Die trockene Kälte in Lappland fühlt sich weniger unangenehm an als feuchte Kälte in Mitteleuropa. Mit der richtigen Kleidung kommt man gut zurecht.

Wann ist die beste Zeit für einen Winterurlaub in Lappland?

Für eine gute Mischung aus Tageslicht, Schnee und Nordlichtchancen ist Februar bis März die beste Zeit. Für Weihnachtsstimmung empfiehlt sich der Dezember. Wer vor allem Nordlichter sehen will, reist zwischen Oktober und Februar. Jeder Monat hat seinen eigenen Charakter.

Brauche ich spezielle Winterkleidung für Lappland?

Ja, normale Winterkleidung aus Mitteleuropa reicht bei minus 20 Grad nicht aus. Merinowolle als Basisschicht, eine Isolationsschicht und eine winddichte Außenschicht sind Pflicht. Besonders wichtig sind isolierte Winterstiefel (bis minus 30 Grad), dicke Fäustlinge und eine Mütze. Viele Aktivitätsanbieter stellen Overalls und Stiefel.

Ist es während der Polarnacht in Lappland den ganzen Tag dunkel?

Nein. Auch während der Polarnacht (Kaamos) gibt es um die Mittagszeit zwei bis drei Stunden Dämmerungslicht. Der Himmel zeigt dann ein tiefes Blau, das in Violett und Orange übergeht. Völlige Dunkelheit herrscht nur in den Stunden weit entfernt vom Sonnenhöchststand. Ab Februar kehrt die Sonne zurück, und die Tage werden schnell länger.

Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026