Eishotel in Lappland
Minus fünf Grad im Schlafzimmer, und trotzdem war mir warm. Das klingt nach einem Widerspruch, ist aber genau das, was im Icehotel in Jukkasjärvi passiert. Im Dezember 2015 lag ich in einem Schlafsack auf einem Bett aus Eis, eingewickelt in Rentierfelle, und habe eine der ruhigsten Nächte seit Langem verbracht. Der Grund: In einem Eishotel gibt es kein Brummen einer Heizung, kein Summen einer Klimaanlage, keinen Verkehrslärm. Es ist einfach still.
In Lappland gibt es mehrere Eishotels, und sie unterscheiden sich erheblich. Das schwedische Icehotel in Jukkasjärvi ist das älteste und bekannteste. Das Snow Village in Lainio auf der finnischen Seite setzt auf opulente Themensuiten. Und das Arctic SnowHotel bei Rovaniemi kombiniert die Eisübernachtung mit Glasiglus. Alle drei haben ihre Stärken, und in diesem Artikel vergleiche ich sie im Detail.
Warum Menschen in Eishotels schlafen
Die Idee klingt erst einmal unbequem. Warum sollte jemand freiwillig bei Minusgraden schlafen, wenn es warme Hotels in der Nähe gibt? Die Antwort ist einfach: weil es eine Erfahrung ist, die sich von allem unterscheidet, was man sonst kennt. Ein Eishotel ist kein gewöhnliches Hotel. Es ist eine begehbare Kunstinstallation, die jedes Jahr von Grund auf neu gebaut wird. Die Zimmer werden von Bildhauern aus aller Welt entworfen. Die Möbel bestehen aus Eis. Das Licht bricht sich in den Wänden und erzeugt Farben, die in keinem normalen Gebäude entstehen.
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Für viele ist die Nacht im Eis auch ein kleines Abenteuer. Es erfordert eine gewisse Überwindung, sich bei Kälte in einen Schlafsack zu legen und darauf zu vertrauen, dass man nicht friert. Die allermeisten Gäste berichten hinterher, dass sie besser geschlafen haben als erwartet. Die konstante Kühle von minus drei bis minus fünf Grad und die absolute Stille sorgen für einen tiefen Schlaf.
Dazu kommt der soziale Faktor. Eine Nacht im Eishotel ist eine Geschichte, die man erzählen kann. Das mag oberflächlich klingen, ist aber ein ehrliches Motiv. Und wer sich auf die Erfahrung wirklich einlässt, nimmt mehr mit als nur ein Foto für die sozialen Medien.
Icehotel Jukkasjärvi (Schweden)
Das Icehotel in Jukkasjärvi liegt etwa 200 Kilometer nördlich des Polarkreises in Schwedisch-Lappland, rund 17 Kilometer von Kiruna entfernt. Es wurde 1989 als einfache Iglu-Ausstellung gegründet und ist damit das älteste Eishotel der Welt. Seit 1990 können Gäste dort übernachten.
Jedes Jahr im Herbst beginnt der Bau. Das Eis stammt aus dem Fluss Torne, der im Winter zufriert. Große Eisblöcke werden herausgesägt und zum Bauplatz transportiert. Etwa 2.500 Tonnen Eis und 30.000 Tonnen Snice (eine Mischung aus Schnee und Eis) werden für den Bau benötigt. Ende November oder Anfang Dezember öffnet das Hotel, und im April schmilzt es wieder. Das Eis fließt zurück in den Torne.
Seit 2016 gibt es zusätzlich das Icehotel 365, eine ganzjährig betriebene Version mit solarbetriebener Kühlung. Hier kann man auch im Sommer in einem Eisraum schlafen. Die Suiten im 365 werden von festen Künstlern gestaltet und bleiben mehrere Jahre bestehen, im Gegensatz zum saisonalen Hotel, das jedes Jahr komplett neu entworfen wird.
Die Zimmer im saisonalen Hotel teilen sich in zwei Kategorien. Ice Rooms sind die einfachen Zimmer: ein Bett aus Eis, Rentierfelle, ein Schlafsack. Keine Dekoration, keine Skulpturen. Die Temperatur liegt bei minus fünf Grad. Art Suites sind individuell gestaltete Räume mit aufwändigen Skulpturen. Jede Suite wird von einem anderen Künstler entworfen. Die Themen wechseln jährlich, von abstrakten Formen über Naturmotive bis hin zu gesellschaftlichen Kommentaren.
Die Icebar ist auch für Nicht-Hotelgäste zugänglich. Man bekommt ein Getränk in einem Glas aus Eis, trägt einen warmen Umhang und steht zwischen beleuchteten Eisskulpturen. Der Drink kostet etwa 20 EUR. Für viele Besucher der Region Kiruna ist die Icebar ein beliebter Programmpunkt, auch ohne Übernachtung.
Was viele nicht wissen: Das Icehotel hat auch warme Zimmer. Wer die Eiserfahrung mit normalem Komfort kombinieren will, bucht ein Warm Room oder ein Chalet. Manche Gäste schlafen eine Nacht im Eis und die zweite im warmen Bett. Diese Kombination ist die beliebteste Buchungsvariante.
Snow Village Lainio (Finnland)
Das Snow Village liegt in Lainio, etwa 40 Kilometer westlich von Levi in Finnisch-Lappland. Es wird seit 2001 jedes Jahr neu gebaut und gehört zu den größten Schneehotels Europas. Die Anlage besteht aus einem Hotel, einem Restaurant und einer Kapelle, alles aus Schnee und Eis.
Was das Snow Village vom schwedischen Icehotel unterscheidet: Hier steht die Themengestaltung im Vordergrund. Jede Saison bekommt das gesamte Hotel ein durchgängiges Thema. In vergangenen Jahren gab es Game-of-Thrones-Suiten (in Lizenz von HBO), Eisversionen von Filmszenen und nordische Mythologie-Räume. Die Skulpturen sind oft üppiger und detailreicher als im Icehotel.
Die Übernachtung im Snow Village funktioniert ähnlich wie in Jukkasjärvi. Man schläft in einem Schlafsack auf einem Eisbett, die Temperatur liegt bei minus zwei bis minus fünf Grad. Die Zimmer sind etwas kleiner als im Icehotel, dafür ist die Dekoration aufwändiger. Ein eigenes Badezimmer gibt es nicht in den Eiszimmern. Sanitäranlagen befinden sich in einem beheizten Nebengebäude.
Das Eisrestaurant serviert ein mehrgängiges Abendmenü auf Geschirr aus Eis. Das Essen ist überraschend gut, es handelt sich um finnische Küche mit lokalen Zutaten wie Rentierfleisch, Lachs und Waldbeeren. Man sitzt auf Eisbänken, die mit Rentierfellen bedeckt sind. Ein Abendessen kostet etwa 70 bis 90 EUR pro Person.
Die Eiskapelle im Snow Village kann für Hochzeiten gebucht werden. Tatsächlich heiraten hier jedes Jahr einige Dutzend Paare. Die Kapelle fasst etwa 50 Personen und wird mit Eisskulpturen und LED-Beleuchtung ausgestattet. Eine Hochzeit im Schnee ist kein billiges Vergnügen, die Miete der Kapelle liegt bei rund 1.500 EUR, aber als Erlebnis ist es schwer zu toppen.
Arctic SnowHotel Rovaniemi (Finnland)
Das Arctic SnowHotel liegt etwa 25 Kilometer nördlich von Rovaniemi und bietet eine Kombination, die es bei den anderen Eishotels nicht gibt: Schneezimmer und Glasiglus auf demselben Gelände. Man kann also eine Nacht im Eis verbringen und die nächste unter einem Glasdach, um Nordlichter vom Bett aus zu beobachten.
Das SnowHotel selbst wird jedes Jahr neu gebaut, üblicherweise ab November. Die Schneezimmer sind etwas einfacher gehalten als im Icehotel oder Snow Village, aber solide. Die Wände bestehen aus komprimiertem Schnee, die Betten aus Eis mit Rentierfellen. In den Zimmern hat es konstant minus drei bis minus fünf Grad.
Die Glasiglus sind der eigentliche Pluspunkt dieser Anlage. Es handelt sich um beheizte, runde Kuppeln mit thermisch isoliertem Glas. Die Betten sind nach Norden ausgerichtet, in Richtung des Nordlichtgürtels. Ein Aurora-Alarm-System weckt die Gäste, wenn die Wahrscheinlichkeit für Polarlicht hoch ist. Die Iglus sind klein, meistens rund 20 Quadratmeter, aber gemütlich eingerichtet.
Die Lage bei Rovaniemi hat einen praktischen Vorteil: Der Flughafen ist nah, und man kann den Besuch im Arctic SnowHotel leicht mit einem Abstecher zum Santa Claus Village verbinden. Wer nur ein oder zwei Nächte in Lappland verbringt und trotzdem sowohl Eishotel als auch Nordlichtjagd erleben will, ist hier richtig.
Preise im Vergleich
Alle drei Hotels liegen im oberen Preissegment. Eine Nacht in einem Eiszimmer ist keine Budget-Option. Hier die Preise pro Nacht für zwei Personen:
- Icehotel Jukkasjärvi - Ice Room: ab 320 EUR, Art Suite: ab 600 EUR, Icehotel 365 Deluxe Suite: ab 900 EUR
- Snow Village Lainio - Standard-Schneezimmer: ab 250 EUR, Themensuite: ab 450 EUR
- Arctic SnowHotel Rovaniemi - Schneezimmer: ab 200 EUR, Glasiglu: ab 400 EUR, Kombipaket (eine Nacht Eis, eine Nacht Glas): ab 550 EUR
In den Preisen ist meistens das Frühstück enthalten, beim Snow Village auch das Abendessen. Beim Icehotel gehört ein morgendlicher heißer Beerensaft zum Programm, der einem nach dem Aufwachen in der Kälte gereicht wird. Alle drei Hotels bieten Zusatzprogramme wie Hundeschlittenfahrten, Schneemobiltouren und Nordlicht-Exkursionen, die separat gebucht und bezahlt werden.
Mein Preistipp: Das Snow Village ist bei ähnlicher Qualität etwas günstiger als das Icehotel. Das Arctic SnowHotel ist das preiswerteste, hat aber auch weniger aufwändige Skulpturen.
So schläft man im Eishotel
Der Ablauf ist in allen drei Hotels ähnlich. Am Abend gibt es ein Briefing. Das Personal erklärt, wie der Schlafsack funktioniert, wie man sich anzieht und was man bei Problemen tun soll. Dann geht man in sein Zimmer, das vorher noch von anderen Gästen als Ausstellungsraum besichtigt wurde. Die persönlichen Sachen bleiben in einem beheizten Nebengebäude.
Kleidung zum Schlafen: Lange Unterwäsche und Wollsocken. Auf keinen Fall zu viel anziehen. Der Schlafsack ist für extreme Kälte ausgelegt und funktioniert am besten, wenn die Körperwärme direkt an die Isolierung abgegeben wird. Wer sich in drei Lagen verpackt, friert eher als jemand, der nur eine dünne Schicht trägt. Das klingt kontraintuitiv, ist aber ein physikalisches Prinzip.
Toilettengang: Die sanitären Einrichtungen befinden sich außerhalb der Eiszimmer in einem beheizten Gebäude. Nachts muss man also den Schlafsack verlassen, sich schnell anziehen und nach draußen gehen. Das ist der unangenehmste Teil der ganzen Erfahrung. Die meisten Gäste versuchen, vorher möglichst wenig zu trinken.
Am nächsten Morgen wird man geweckt, typischerweise gegen 7:30 Uhr. Im Icehotel bringt das Personal heißen Beerensaft ans Bett. Im Snow Village gibt es eine warme Sauna zum Aufwärmen. Das Frühstück findet in allen Hotels in einem warmen Gebäude statt. Die meisten Gäste sind nach dem Aufstehen erstaunlich fit und beschreiben die Nacht als ungewöhnlich erholsam.
Buchung und Anreise
Buchungszeitpunkt: Je früher, desto besser. Die Art Suites im Icehotel sind für die Weihnachtszeit oft schon im Sommer ausgebucht. Wer flexibel bei den Daten ist, findet im Januar und Februar leichter Plätze. Alle drei Hotels lassen sich über ihre eigenen Websites buchen.
Anreise zum Icehotel Jukkasjärvi: Flug nach Kiruna (SAS und Norwegian fliegen ab Stockholm), dann Transfer oder Mietwagen (17 km). Das Hotel organisiert Flughafentransfers.
Anreise zum Snow Village Lainio: Flug nach Kittilä, dann 40 km mit dem Mietwagen oder organisiertem Transfer. Die Anreise nach Lappland über Kittilä funktioniert gut, weil der Flughafen in der Wintersaison direkt aus Helsinki bedient wird.
Anreise zum Arctic SnowHotel: Flug nach Rovaniemi, dann 25 km. Das Hotel bietet einen Shuttle an. Die Nähe zum Flughafen macht Rovaniemi zur unkompliziertesten Option.
Meine Empfehlung: Wer zum ersten Mal in einem Eishotel schlafen will und Wert auf die künstlerische Qualität legt, geht ins Icehotel Jukkasjärvi. Wer Eishotel und Nordlichtjagd verbinden will, wählt das Arctic SnowHotel. Und wer opulente Themenwelten mag, wird sich im Snow Village wohlfühlen.
Häufige Fragen
Ist es nicht zu kalt, um in einem Eishotel zu schlafen?
Die Temperatur in den Zimmern liegt bei minus drei bis minus fünf Grad, was sich deutlich wärmer anfühlt als die Außentemperaturen von teilweise minus 30 Grad. Der Expeditionsschlafsack hält warm bis minus 30 Grad. Die meisten Gäste berichten, dass sie gut geschlafen haben. Wer trotzdem friert, kann jederzeit in ein beheiztes Nebengebäude wechseln.
Wann haben die Eishotels in Lappland geöffnet?
Die saisonalen Eishotels öffnen typischerweise Ende November oder Anfang Dezember und schließen im März oder April, wenn das Eis zu schmelzen beginnt. Das Icehotel 365 in Jukkasjärvi ist ganzjährig geöffnet, dank solarbetriebener Kühlung. Die genauen Daten variieren je nach Winter und sollten auf den jeweiligen Hotel-Websites geprüft werden.
Kann man Eishotels auch ohne Übernachtung besichtigen?
Ja, alle drei Hotels bieten Tagesbesuche an. Im Icehotel Jukkasjärvi kostet die geführte Tour etwa 30 EUR. Im Snow Village kann man für den Eintrittspreis die Räume besichtigen und die Eisbar besuchen. Am Arctic SnowHotel gibt es ebenfalls Führungen. Die Icebar im Icehotel ist auch ohne Führung zugänglich.
Welches Eishotel in Lappland ist am besten für Familien?
Das Arctic SnowHotel bei Rovaniemi ist für Familien am praktischsten, weil man Schneezimmer und warme Glasiglus auf demselben Gelände hat. Kinder können die Eiserfahrung machen und trotzdem in einer warmen Unterkunft schlafen. Das Icehotel in Jukkasjärvi erlaubt Kinder im Eis erst ab einem gewissen Alter, da die Nacht für kleine Kinder zu anstrengend sein kann.
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Weiterführende Informationen
Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026