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Nordlichter in Lappland
Aurora Borealis erleben

Nordlichter in Lappland

15 Min. Lesezeit

Die erste Nacht, in der ich Nordlichter gesehen habe, war im Oktober 2013 in Tromsø. Ich stand auf einem Hügel oberhalb der Stadt, die Kamera auf dem Stativ, und wartete. Um 22:15 Uhr erschien ein schwacher grüner Streifen am Horizont. Innerhalb von zehn Minuten wurde er breiter, heller, und dann begann er sich zu bewegen. Bänder aus grünem Licht falteten sich über den Himmel, manchmal langsam wie Rauch, manchmal so schnell, dass man den Kopf drehen musste, um ihnen zu folgen. Für etwa 40 Minuten war der gesamte Himmel in Bewegung. Dann wurde es wieder still.

Lappland ist einer der besten Orte der Welt, um Nordlichter zu sehen. Die Region liegt direkt unter dem Nordlichtoval, einem Ring um den magnetischen Nordpol, in dem die Wahrscheinlichkeit für Aurora Borealis am höchsten ist. Zwischen September und März hat man hier an klaren Nächten gute Chancen. Garantien gibt es keine, aber wer eine Woche bleibt, sieht in der Regel mindestens einmal Nordlichter.

Wie Nordlichter entstehen

Grüne Nordlichtbänder über einer verschneiten Landschaft in Lappland
Grüne Bänder sind die häufigste Form der Nordlichter über Lappland (KI-generiert)

Nordlichter entstehen, wenn geladene Teilchen von der Sonne auf das Magnetfeld der Erde treffen. Die Sonne sendet ständig einen Strom aus Protonen und Elektronen ins All, den sogenannten Sonnenwind. Wenn dieser Strom auf das Erdmagnetfeld trifft, werden die Teilchen entlang der Feldlinien zu den magnetischen Polen gelenkt. Dort dringen sie in die obere Atmosphäre ein und treffen auf Sauerstoff- und Stickstoffatome.

Tipp: Berechne deine persönliche Nordlicht-Wahrscheinlichkeit mit unserem Nordlicht-Rechner.

Die Kollision regt die Atome an, das heißt, die Elektronen der Atome springen auf ein höheres Energieniveau. Wenn sie zurückfallen, geben sie die überschüssige Energie als Licht ab. Sauerstoff in 100 bis 200 Kilometern Höhe erzeugt grünes Licht. Sauerstoff in über 200 Kilometern Höhe erzeugt rotes Licht. Stickstoff erzeugt blaue und violette Töne. Die häufigste Farbe ist Grün, weil die meisten Kollisionen in der Höhe stattfinden, in der Sauerstoff grünes Licht abgibt.

Die Intensität der Nordlichter hängt von der Sonnenaktivität ab. Die Sonne durchläuft einen etwa elfjährigen Zyklus. In den Jahren um das Sonnenmaximum gibt es mehr Sonnenstürme und damit stärkere Nordlichter. Das letzte Maximum lag um 2024/2025, und die Aktivität bleibt bis 2026 auf hohem Niveau. Das bedeutet: Die nächsten ein bis zwei Jahre sind besonders gute Nordlichtjahre.

Es gibt allerdings einen häufigen Irrtum: Nordlichter sind nicht nur bei extremer Kälte sichtbar. Die Temperatur hat keinen Einfluss auf das Phänomen. Entscheidend sind Dunkelheit und ein wolkenfreier Himmel. Im September, wenn die Nächte wieder lang genug werden und die Temperaturen noch über null liegen, kann man bereits Nordlichter sehen.

Die beste Reisezeit für Nordlichter

Die Nordlichtsaison in Lappland dauert von September bis März. Innerhalb dieses Fensters gibt es Unterschiede:

September und Oktober: Die Nächte werden wieder dunkel genug, und statistisch gesehen gibt es im Herbst eine erhöhte Nordlichtaktivität (die sogenannten Russell-McPherron-Effekte an den Äquinoktien). Die Temperaturen sind noch mild, zwischen minus 5 und plus 5 Grad. Schnee liegt meistens noch nicht. Vorteil: weniger Touristen. Nachteil: höhere Wolkenwahrscheinlichkeit.

November und Dezember: Die Polarnacht setzt ein, was lange dunkle Fenster für die Nordlichtbeobachtung schafft. Der Schnee liegt und reflektiert das Restlicht, was die Landschaft auch bei Nacht sichtbar macht. Die Temperaturen fallen auf minus 10 bis minus 25 Grad. Dies ist auch die Zeit für den Besuch beim Weihnachtsmann.

Januar und Februar: Statistisch die kältesten Monate, aber auch die mit den klarsten Nächten. Weniger Niederschlag bedeutet weniger Wolken. Die langen Nächte bieten viele Stunden Gelegenheit. In meinen bisherigen Reisen hatte ich im Januar die höchste Trefferquote.

März: Die Tage werden wieder länger, aber es gibt immer noch genug Dunkelheit. Das zweite Äquinoktium bringt wieder statistische Vorteile. Die Temperaturen steigen langsam. März kombiniert gute Nordlichtchancen mit angenehmeren Bedingungen für Winteraktivitäten.

Meine Empfehlung: Wer gezielt wegen der Nordlichter reist, sollte im Januar oder Februar kommen. Wer Nordlichter mit anderen Aktivitäten kombinieren will, ist mit März am besten bedient.

Beste Orte für Nordlichter in Finnland

Nordlichter spiegeln sich in einem finnischen See
In Nordfinnland spiegeln sich Nordlichter oft in den unzähligen Seen (KI-generiert)

Finnisch-Lappland bietet mehrere sehr gute Standorte für die Nordlichtbeobachtung. Entscheidend sind: geringe Lichtverschmutzung, nördliche Lage und gute Infrastruktur.

Inari und Utsjoki: Der nördlichste Teil Finnlands. Utsjoki ist die nördlichste Gemeinde des Landes und liegt direkt am Tana-Fluss, der die Grenze zu Norwegen bildet. Die Lichtverschmutzung ist minimal. Inari am gleichnamigen See bietet etwas mehr Infrastruktur. In klaren Nächten sind hier Nordlichter fast garantiert, vorausgesetzt die Sonnenaktivität stimmt.

Saariselkä und Sodankylä: Saariselkä liegt am Rand des Urho-Kekkonen-Nationalparks und bietet eine gute Mischung aus Zugänglichkeit und dunklem Himmel. Sodankylä beherbergt das Geophysikalische Observatorium, das Echtzeit-Daten zur Nordlichtaktivität liefert. Man kann dort auch Führungen mitmachen.

Muonio und Kilpisjärvi: Muonio liegt im Nordwesten Finnlands, nahe der schwedischen Grenze. Die Region ist weniger touristisch als Saariselkä oder Levi, was den Vorteil hat, dass man Nordlichter in absoluter Ruhe beobachten kann. Kilpisjärvi, der nördlichste Zipfel des "Arm" Finnlands, ist noch abgelegener und bietet sehr gute Bedingungen.

Levi: Das größte Skigebiet Finnlands hat viel touristische Infrastruktur, was Vorteile bei Unterkünften und Restaurants hat. Die Lichtverschmutzung im Ort selbst ist allerdings höher. Wer von Levi aus Nordlichter sehen will, sollte ein paar Kilometer rausfahren oder eine geführte Tour buchen.

Rovaniemi: Die Hauptstadt Lapplands liegt am südlichen Rand der guten Nordlichtzone. In starken Nächten sieht man Aurora Borealis auch hier, aber die Trefferquote ist niedriger als weiter nördlich. Für einen kombinierten Besuch mit dem Santa Claus Village reicht es, aber Nordlicht-Enthusiasten sollten weiter nach Norden fahren.

Beste Orte in Schweden und Norwegen

Abisko (Schweden): Abisko gehört zu den besten Nordlichtorten der Welt. Der Ort liegt in einem Regenschatten des skandinavischen Gebirges, was bedeutet, dass die Wolkenbildung hier deutlich geringer ist als in anderen Teilen Lapplands. Die Aurora Sky Station im Abisko-Nationalpark sitzt auf 900 Metern Höhe und bietet einen ungehinderten Blick nach Norden über den Torneträsk-See. In der Saison bieten sie geführte Touren mit Sessellift und Abendessen an.

Kiruna (Schweden): Die größte Stadt in Schwedisch-Lappland ist ein guter Ausgangspunkt. Das Icehotel in Jukkasjärvi, 17 Kilometer entfernt, bietet Nordlicht-Touren an. Kiruna selbst hat etwas Lichtverschmutzung, aber man ist schnell draußen.

Tromsø (Norwegen): Tromsø ist die größte Stadt in Nordnorwegen und hat die beste Infrastruktur aller Nordlichtdestinationen. Tromsø bietet dutzende Nordlicht-Touranbieter, ein lebhaftes Stadtleben und gute Flugverbindungen. Der Nachteil: Die Stadt selbst ist zu hell. Man muss rausfahren, was die Touren tun.

Lofoten (Norwegen): Die Lofoten-Inseln liegen etwas südlicher als Tromsø, haben aber den Vorteil einer dramatischen Küstenlandschaft. Nordlichter über Fjorden und spitzen Bergen sind fotografisch kaum zu übertreffen. Die Bedingungen sind allerdings windiger und das Wetter unbeständiger als im Landesinneren.

Alta (Norwegen): Alta liegt am Altafjord und hat ein Nordlicht-Observatorium, das bereits 1899 gegründet wurde. Die Stadt gilt als Geburtsort der modernen Nordlichtforschung. Heute gibt es ein Museum und geführte Touren.

Nordlicht-Touren

Nordlicht-Tour mit Guide in der verschneiten Wildnis Lapplands
Ein erfahrener Guide erhöht die Chancen, Nordlichter zu sehen, erheblich (KI-generiert)

Geführte Nordlicht-Touren gibt es in allen größeren Orten Lapplands. Der Ablauf ist meistens ähnlich: Man wird abends vom Hotel abgeholt, fährt mit dem Bus, Minivan oder Schneemobil an einen Ort mit wenig Lichtverschmutzung und wartet dort auf das Nordlicht. Die Guides beobachten den Wetterbericht und die Magnetometer-Daten in Echtzeit und wählen den Standort entsprechend aus.

Die Vorteile einer geführten Tour: Der Guide kennt die Region, weiß, wo die Wolkendecke aufreißt, und fährt flexibel an verschiedene Standorte. Er hat Warteausrüstung dabei (Lagerfeuer, heiße Getränke) und hilft beim Fotografieren. Die meisten Touren dauern drei bis vier Stunden und kosten zwischen 60 und 150 EUR pro Person.

Es gibt verschiedene Varianten:

  • Minibus-Touren: Die häufigste Form. 10 bis 20 Teilnehmer, der Guide fährt je nach Wetter an den besten Standort. Ab 60 EUR.
  • Schneemobil-Touren: Man fährt mit dem Schneemobil raus in die Wildnis und wartet dort. Aktiver und abenteuerlicher, aber auch teurer. Ab 120 EUR.
  • Hundeschlitten-Touren bei Nacht: Einige Anbieter bieten abendliche Fahrten an, bei denen man mit etwas Glück Nordlichter vom Schlitten aus sieht. Ab 150 EUR.
  • Private Touren: Nur für eine Gruppe oder Familie. Der Guide richtet sich komplett nach den Wünschen. Ab 300 EUR für bis zu vier Personen.
  • Foto-Touren: Speziell für Fotografen. Der Guide hilft bei der Kameraeinstellung und fährt an fotogene Standorte. Kleine Gruppen. Ab 120 EUR.

Wer auf eigene Faust Nordlichter suchen will, kann das natürlich auch tun. Wichtig ist ein Auto, um flexibel zu sein, und eine App, die die aktuelle Nordlichtaktivität anzeigt. Bewährt haben sich "My Aurora Forecast" und die Website des Finnish Meteorological Institute (ilmatieteenlaitos.fi). Abseits der Orte auf einen zugefrorenen See fahren, Scheinwerfer aus, warten.

Unterkünfte mit Nordlichtblick

Glasiglu in Lappland unter grünem Nordlicht
Glasiglus ermöglichen es, Nordlichter vom warmen Bett aus zu beobachten (KI-generiert)

Wer Nordlichter vom Bett aus sehen will, hat in Lappland mehrere Optionen:

Glasiglus: Die bekannteste Option. Beheizte Glaskuppeln mit Blick nach Norden. Anbieter wie Kakslauttanen Arctic Resort, Northern Lights Village und Levin Iglut bieten Glasiglus ab 300 EUR pro Nacht. Die meisten haben ein Aurora-Alarm-System, das einen weckt, wenn das Polarlicht aktiv ist.

Aurora Cabins: Rechteckige Hütten mit großem Glasdach. Mehr Platz als Glasiglus, oft mit eigener Sauna. Anbieter wie Muotka Wilderness Lodge oder Arctic TreeHouse Hotel bieten diese Variante. Preise ab 350 EUR pro Nacht.

Baumhäuser: Das Treehotel in Harads und das Arctic TreeHouse Hotel bei Rovaniemi bieten Unterkünfte in der Höhe mit Panoramafenstern.

Ferienhütten mit Sauna: Viele Ferienhütten (Mökit) in abgelegener Lage haben große Fenster nach Norden. Man sieht die Nordlichter nicht unbedingt vom Bett, aber von der Sauna-Terrasse. Diese Option ist deutlich günstiger, ab 80 EUR pro Nacht.

Nordlichter fotografieren

Kamera auf Stativ bei der Nordlichtfotografie in Lappland
Ein stabiles Stativ ist die Grundvoraussetzung für gelungene Nordlichtfotos (KI-generiert)

Nordlichter zu fotografieren ist einfacher als viele denken, wenn man die Grundlagen kennt. Die wichtigsten Einstellungen:

  • Stativ: Ohne Stativ geht nichts. Die Belichtungszeiten sind zu lang für Aufnahmen aus der Hand.
  • Weitwinkelobjektiv: 14 bis 24 mm an Vollformat. Je weiter der Winkel, desto mehr Himmel passt ins Bild.
  • Blende: So weit offen wie möglich. f/2.8 oder besser.
  • ISO: Zwischen 1600 und 6400, je nach Kamera und Lichtstärke der Aurora.
  • Belichtungszeit: 5 bis 15 Sekunden. Bei zu langer Belichtung verschwimmen die Strukturen.
  • Fokus: Manuell auf Unendlich stellen. Autofokus funktioniert im Dunkeln nicht.

Moderne Smartphones können mittlerweile auch brauchbare Nordlichtfotos machen. Die Nachtmodi von iPhone und Samsung-Geräten sind in den letzten Jahren deutlich besser geworden. Für Instagram reicht das, für Drucke braucht man eine richtige Kamera.

Ein praktischer Tipp: Ersatzakkus in der Jackentasche warm halten. Bei minus 20 Grad halten Kameraakkus nur halb so lang wie normal. Und die Kamera nach dem Fotografieren nicht sofort in den warmen Raum bringen, sondern erst in eine Plastiktüte stecken. Sonst bildet sich Kondenswasser auf der Linse und der Elektronik.

Häufige Fragen

Kann man Nordlichter in Lappland mit dem bloßen Auge sehen?

Ja, bei mittlerer bis hoher Aktivität sind Nordlichter mit bloßem Auge gut sichtbar. Schwache Nordlichter erscheinen manchmal nur als grauer Streifen am Himmel und werden erst auf Fotos grün. Starke Nordlichter sind deutlich farbig, bewegen sich sichtbar und können den gesamten Himmel bedecken. Die Kamera zeigt die Farben allerdings immer intensiver als das menschliche Auge.

Wann ist die beste Zeit für Nordlichter in Lappland?

Die Nordlichtsaison dauert von September bis März. Statistisch sind Januar und Februar am besten, weil die Nächte lang und die Wahrscheinlichkeit für klaren Himmel hoch ist. September und März haben den Vorteil milderer Temperaturen. Nordlichter sind meistens zwischen 21 und 2 Uhr nachts am aktivsten, mit einem Höhepunkt gegen Mitternacht.

Wo in Lappland hat man die besten Nordlichtchancen?

Die besten Chancen hat man nördlich des Polarkreises an Orten mit wenig Lichtverschmutzung. Abisko in Schweden gilt wegen des Regenschattens als einer der besten Orte weltweit. In Finnland sind Inari, Utsjoki und Muonio sehr gut. In Norwegen bieten Tromsø (mit geführter Tour raus aus der Stadt) und Alta sehr gute Bedingungen.

Lohnt sich eine geführte Nordlicht-Tour?

Für die meisten Besucher ja. Ein erfahrener Guide kennt die besten Standorte, beobachtet Wetterradar und Magnetometer in Echtzeit und fährt flexibel dorthin, wo der Himmel klar ist. Ohne Auto und lokale Kenntnis steht man sonst möglicherweise unter einer Wolkendecke, während 50 Kilometer weiter die Nordlichter leuchten. Touren kosten zwischen 60 und 150 EUR und dauern drei bis vier Stunden.

Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026