Weihnachtsmann in Lappland
Im Dezember 2010 stand ich zum ersten Mal vor dem Büro des Weihnachtsmanns in Rovaniemi. Draußen waren es minus 22 Grad, die Sonne hatte sich seit Wochen nicht mehr über den Horizont geschoben, und trotzdem war der Parkplatz voll. Familien aus Japan, Paare aus Großbritannien, Reisegruppen aus China. Alle wollten dasselbe: den Weihnachtsmann treffen. Genau dort, wo der Polarkreis die finnische Stadt Rovaniemi durchschneidet, hat Finnland einen der bekanntesten Tourismusorte der Welt aufgebaut.
Rund 500.000 Menschen besuchen das Santa Claus Village jedes Jahr. Für viele ist es der Hauptgrund, überhaupt nach Lappland zu reisen. Und während manche den Rummel um den bärtigen Mann in Rot als reinen Kommerz abtun, lohnt sich ein differenzierter Blick. Denn hinter dem Weihnachtsdorf steckt eine Geschichte, die bis in die 1950er Jahre zurückreicht. Und wer seinen Besuch richtig plant, erlebt tatsächlich mehr als nur Kitsch und Souvenirshops.
Der Weihnachtsmann und Lappland
Die Frage, wo der Weihnachtsmann wohnt, wird je nach Land anders beantwortet. In den USA lebt er am Nordpol, in Schweden in Dalarna, in Norwegen in Drøbak. Aber Finnland hat es geschafft, seinen Anspruch international am besten durchzusetzen. Das liegt vor allem an einer strategischen Entscheidung aus dem Jahr 1985, als der damalige Gouverneur von Lappland Rovaniemi zum offiziellen Wohnort des Weihnachtsmanns erklärte.
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Die Vorgeschichte reicht allerdings noch weiter zurück. Schon 1927 hatte der finnische Rundfunk behauptet, der Weihnachtsmann lebe am Korvatunturi, einem Berg an der russischen Grenze. Das Problem: Korvatunturi liegt mitten in der Wildnis und ist schwer erreichbar. Also verlegte man den offiziellen Standort nach Rovaniemi, direkt an den Polarkreis. Der Mythos wurde zur Marke.
1950 besuchte Eleanor Roosevelt, die Witwe des amerikanischen Präsidenten, Rovaniemi. Für sie wurde eine kleine Hütte am Polarkreis errichtet. Diese Hütte gilt als Keimzelle des heutigen Santa Claus Village. In den folgenden Jahrzehnten wuchs die Anlage stetig, bis sie in den 1990er Jahren zu einem professionell geführten Themenpark wurde.
Heute ist der Joulupukki, wie der Weihnachtsmann auf Finnisch heißt, ein ernsthafter Wirtschaftsfaktor. Der Name bedeutet wörtlich übersetzt "Weihnachtsbock" und geht auf vorchristliche Traditionen zurück, als verkleidete Gestalten mit Ziegenbock-Masken von Haus zu Haus zogen.
Santa Claus Village Rovaniemi
Das Santa Claus Village liegt acht Kilometer nördlich des Stadtzentrums von Rovaniemi, direkt am Flughafen. Die Polarkreislinie, die genau durch das Gelände verläuft, ist auf dem Boden markiert. Jeder Besucher kann also offiziell den Polarkreis überqueren. Es klingt nach einem Gimmick, aber es gehört fest zum Programm, und die meisten machen tatsächlich ein Foto an der Markierung.
Das Büro des Weihnachtsmanns ist der zentrale Anlaufpunkt der Anlage. Man betritt einen hölzernen Bau, läuft durch einen verwinkelten Gang und steht dann vor dem Weihnachtsmann selbst. Er sitzt auf einem großen Stuhl, spricht mehrere Sprachen und hat Erfahrung im Umgang mit Kindern. Die Begegnung dauert etwa fünf bis zehn Minuten. Der Weihnachtsmann stellt Fragen, hört zu und posiert für Fotos. Was mich bei meinem ersten Besuch überrascht hat: Der Mann nimmt seine Rolle ernst. Es gibt kein Augenzwinkern, kein "Na ja, ist halt ein Job". Wer hier sitzt, ist der Weihnachtsmann. Punkt.
Fotos werden von einem Hausfotografen gemacht und können anschließend gekauft werden. Ein Fotopaket kostet je nach Umfang zwischen 30 und 45 EUR. Wer eigene Fotos machen möchte, kann das seit einigen Jahren ebenfalls tun, was früher nicht erlaubt war.
Das Postamt des Weihnachtsmanns liegt gleich nebenan. Von hier aus werden jährlich über 500.000 Briefe in rund 200 Länder verschickt. Man kann Postkarten mit dem Polarkreis-Stempel versenden oder einen Brief an den Weihnachtsmann schreiben. Kinder erhalten auf Wunsch auch eine Antwort, wenn sie einen frankierten Rückumschlag beilegen.
Auf dem Gelände gibt es außerdem Souvenirshops, Restaurants und verschiedene Aktivitäten. Hundeschlittenfahrten, Rentierschlittentouren und Schneemobilausflüge lassen sich direkt vor Ort buchen. Im Sommer ist das Angebot deutlich kleiner, aber das Dorf hat das ganze Jahr über geöffnet.
Die Öffnungszeiten variieren je nach Saison. In der Hauptsaison von November bis Januar ist das Village täglich von 9:00 bis 19:00 Uhr geöffnet. In den ruhigeren Monaten schließt es früher. Der Eintritt ins Gelände ist kostenlos. Bezahlen muss man nur für einzelne Aktivitäten und Fotos.
Santa Park
Etwa zwei Kilometer vom Santa Claus Village entfernt liegt der Santa Park, eine unterirdische Erlebniswelt in einer ehemaligen Höhle. Während das Village eher ein Freiluft-Areal ist, handelt es sich beim Santa Park um einen geschlossenen Themenpark mit Eintritt. Die Anlage wurde 1998 eröffnet und hat seitdem mehrere Renovierungen durchlaufen.
Der Park liegt 50 Meter unter der Erde in einem Tunnel, der in den Syväsenvaara-Hügel gebohrt wurde. Drinnen ist es ganzjährig etwa fünf Grad warm. Im Vergleich zu den Wintertemperaturen draußen ist das fast gemütlich, aber eine Jacke sollte man trotzdem anbehalten.
Die Eishalle (Ice Gallery) hält eine konstante Temperatur von minus fünf Grad. Hier stehen Eisskulpturen, die jedes Jahr von verschiedenen Künstlern neu geschaffen werden. Man kann auch selbst eine kleine Skulptur schnitzen, was vor allem Kindern gefällt. An der Eisbar gibt es Getränke in Gläsern aus Eis.
Weitere Attraktionen sind eine Elfenschule, in der Kinder Plätzchen backen und basteln können, ein Zug durch die Geschichte des Weihnachtsfests und diverse Shows. Die Besonderse Schlittenfahrt simuliert einen Flug über Lappland und ist technisch gut gemacht. Auch hier gibt es einen Weihnachtsmann, den man treffen kann.
Der Santa Park hat allerdings keine durchgehende Öffnungszeit. Typischerweise ist er nur von Mitte November bis Anfang Januar geöffnet, dazu kommt eine kurze Sommersaison im Juni und Juli. Die genauen Daten wechseln jährlich. Der Eintritt kostet für Erwachsene etwa 39 EUR, Kinder zwischen 3 und 12 Jahren zahlen 33 EUR. Unter drei Jahren ist der Eintritt frei. Es gibt Kombitickets mit dem Santa Claus Village, die sich lohnen, wenn man beides an einem Tag machen möchte.
Kosten und Preise
Viele denken, dass der Besuch beim Weihnachtsmann teuer ist. Das stimmt nur teilweise. Das Treffen selbst ist kostenlos, man wartet in der Schlange und kommt dran. Die offizielle Fotografie kostet zwischen 30 und 45 EUR, je nach Paket. Eigene Handyfotos sind inzwischen erlaubt.
Hier eine Übersicht der wichtigsten Kosten für eine Reise zum Weihnachtsmann in Rovaniemi:
- Flug nach Rovaniemi: Ab Deutschland zwischen 200 und 500 EUR pro Person (Hin und Rück), je nach Buchungszeitpunkt. Finnair fliegt direkt ab Helsinki.
- Unterkunft: Hotels in Rovaniemi kosten im Dezember zwischen 120 und 250 EUR pro Nacht für ein Doppelzimmer. Im Sommer sind die Preise deutlich günstiger.
- Santa Park Eintritt: 39 EUR Erwachsene, 33 EUR Kinder (3 bis 12 Jahre).
- Hundeschlittenfahrt: Ab 80 EUR pro Person für eine kurze Tour, längere Ausflüge bis 200 EUR.
- Rentierschlittenfahrt: Etwa 50 bis 80 EUR pro Person für 30 Minuten.
- Schneemobiltour: Ab 100 EUR pro Person für zwei Stunden.
- Essen: Ein Hauptgericht in einem Restaurant kostet 18 bis 35 EUR. Kaffee und Gebäck im Village etwa 8 EUR.
Für eine Familie mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern sollte man für drei Tage in Rovaniemi ein Budget von etwa 2.000 bis 3.500 EUR einplanen. Das klingt viel, aber Lappland ist generell kein günstiges Reiseziel. Wer flexibel bei den Daten ist, kann durch Frühbuchen beim Flug einiges sparen.
Beste Reisezeit für den Besuch
Die Hochsaison ist klar: Die Wochen vor Weihnachten, also Ende November bis 23. Dezember. In dieser Zeit ist das Village am vollsten, die Stimmung aber auch am dichtesten. Schnee liegt fast immer, die Dunkelheit sorgt dafür, dass die Beleuchtung des Dorfs besonders gut zur Geltung kommt. Die Temperaturen bewegen sich zwischen minus 5 und minus 25 Grad.
Wer den Massen ausweichen will, hat mehrere Optionen. Januar und Februar sind ruhiger als Dezember, haben aber denselben Schnee und sogar bessere Chancen auf Nordlichter. Die Kälte kann allerdings heftig sein, minus 30 Grad sind keine Seltenheit. März bringt mehr Licht, der Schnee liegt immer noch hoch, und die Temperaturen werden langsam erträglicher.
Im Sommer ist das Village ebenfalls geöffnet, fühlt sich aber komplett anders an. Kein Schnee, Temperaturen um 15 bis 20 Grad, Mitternachtssonne statt Polarnacht. Es kommen deutlich weniger Besucher, und manche Aktivitäten wie Schlittenfahrten sind nicht verfügbar. Dafür gibt es Wanderungen und Flussfahrten.
Mein persönlicher Tipp: Anfang Dezember. Der Schnee liegt schon, die Weihnachtsstimmung ist da, aber der größte Ansturm kommt erst in den letzten zehn Tagen vor dem Fest. In der ersten Dezemberwoche habe ich maximal 20 Minuten beim Weihnachtsmann angestanden. Mitte Dezember kann das schon eine Stunde sein.
Anreise und Unterkunft
Per Flugzeug erreicht man Rovaniemi am einfachsten über Helsinki. Finnair bietet mehrere tägliche Verbindungen, die Flugzeit beträgt gut eine Stunde. In der Weihnachtssaison gibt es auch Direktflüge aus London, Paris und anderen europäischen Städten. Von deutschen Flughäfen geht es in der Regel über Helsinki. Der Flughafen Rovaniemi liegt praktischerweise direkt neben dem Santa Claus Village. Mit dem Taxi sind es nur fünf Minuten.
Mit dem Zug kann man von Helsinki aus fahren. Die Strecke dauert je nach Verbindung 8 bis 12 Stunden. Es gibt Nachtzüge mit Schlafkabinen, was gerade für Familien eine gute Option ist. Kinder schlafen unterwegs, und morgens wacht man in Lappland auf. Der Santa Claus Express verkehrt täglich und kostet ab 50 EUR pro Person für einen Sitzplatz.
Mit dem Auto sind es von Helsinki rund 830 Kilometer. Die Fahrt dauert etwa neun Stunden. Die Straßen sind gut geräumt, aber Winterreifen sind in Finnland zwischen November und März gesetzlich vorgeschrieben. Wer einen Mietwagen nimmt, bekommt automatisch Winterreifen mit Spikes.
Bei der Unterkunft gibt es mehrere Optionen. In Rovaniemi selbst liegen Hotels wie das Arctic City Hotel oder das Scandic Rovaniemi City zentral und kosten im Dezember ab 130 EUR pro Nacht. Direkt am Santa Claus Village hat das Santa Claus Holiday Village eigene Blockhütten, die ab 200 EUR pro Nacht buchbar sind. Die Hütten haben eine Sauna und liegen wenige Gehminuten vom Weihnachtsmann-Büro entfernt. Wer etwas Besonderes sucht, bucht eine Glas-Iglu-Suite im nahe gelegenen Arctic Snow Hotel. Dort kann man Nordlichter vom Bett aus sehen, zahlt aber auch 400 bis 600 EUR pro Nacht.
Praktische Tipps für den Besuch
Kleidung: Die wichtigste Regel für den Winter in Lappland ist das Schichtenprinzip. Eine Basisschicht aus Merinowolle, eine Isolationsschicht aus Fleece oder Daunen und eine wind- und wasserabweisende Außenschicht. Dazu warme Stiefel, dicke Handschuhe und eine Mütze, die die Ohren bedeckt. Im Village selbst kann man sich zwischen den Gebäuden aufwärmen, aber bei Aktivitäten im Freien verbringt man leicht zwei bis drei Stunden draußen.
Wartezeiten: In der Hochsaison kann die Wartezeit beim Weihnachtsmann eine Stunde oder mehr betragen. Der Trick ist, entweder früh morgens direkt zur Öffnung zu kommen oder in der Mittagspause, wenn viele Reisegruppen zum Essen gehen. Nachmittags ab 15 Uhr wird es wieder voller.
Geld: Im gesamten Village kann man mit Karte zahlen. Bargeld braucht man praktisch nicht. Das gilt für Restaurants, Shops und Aktivitäten gleichermaßen.
Sprache: Die meisten Mitarbeiter sprechen Englisch. Deutsch wird seltener gesprochen, aber Informationsmaterial gibt es auch auf Deutsch. Der Weihnachtsmann selbst beherrscht angeblich alle Sprachen der Welt. In der Praxis spricht er zumindest Finnisch, Englisch, Französisch und ein paar Brocken Deutsch.
Kombitickets: Wer sowohl das Santa Claus Village als auch den Santa Park besuchen möchte, sollte ein Kombiticket kaufen. Das spart gegenüber Einzeltickets etwa 15 Prozent. Auch Aktivitätspakete, die mehrere Touren bündeln, sind oft günstiger als Einzelbuchungen.
Weitere Ziele in der Nähe: Wer mehrere Tage in Rovaniemi verbringt, kann auch das Arktikum besuchen, ein Wissenschaftszentrum und Museum über die arktische Lebensweise. Das Ranua Wildlife Park, etwa eine Stunde südlich, zeigt arktische Tiere wie Eisbären, Wölfe und Luchse. Und wer die Sehenswürdigkeiten Lapplands vertiefen will, kann von Rovaniemi aus auch weiter nach Norden fahren, etwa nach Saariselkä oder Inari.
Häufige Fragen
Ist der Besuch beim Weihnachtsmann im Santa Claus Village kostenlos?
Ja, der Eintritt ins Santa Claus Village und das Treffen mit dem Weihnachtsmann sind kostenlos. Kosten entstehen für das offizielle Fotopaket (30 bis 45 EUR), für Souvenirs und für optionale Aktivitäten wie Hundeschlitten- oder Rentierschlittenfahrten. Eigene Fotos mit dem Handy sind erlaubt.
Wann ist die beste Zeit, um den Weihnachtsmann in Rovaniemi zu besuchen?
Die stimmungsvollste Zeit ist Anfang Dezember. Der Schnee liegt bereits, die Weihnachtsbeleuchtung leuchtet, aber der große Ansturm der letzten Wochen vor dem Fest hat noch nicht eingesetzt. Wer Menschenmassen vermeiden will, reist im Januar oder Februar. Auch dann hat das Village geöffnet, und die Nordlichtchancen sind sogar besser als im Dezember.
Was ist der Unterschied zwischen Santa Claus Village und Santa Park?
Das Santa Claus Village ist ein Freiluft-Areal mit dem Büro des Weihnachtsmanns, dem Postamt und verschiedenen Shops. Der Eintritt ist kostenlos. Der Santa Park ist ein unterirdischer Themenpark in einer Höhle mit Eisskulpturen, Shows und einer Elfenschule. Dort zahlt man Eintritt (39 EUR Erwachsene, 33 EUR Kinder). Die beiden liegen etwa zwei Kilometer auseinander.
Kann man dem Weihnachtsmann in Rovaniemi einen Brief schreiben?
Ja, sowohl vor Ort im Postamt als auch per Post von zu Hause. Die Adresse lautet: Santa Claus, Arctic Circle, 96930 Rovaniemi, Finnland. Kinder können eine Antwort erhalten, wenn ein frankierter Rückumschlag beigelegt wird. Das Postamt verschickt auch Briefe und Postkarten mit dem offiziellen Polarkreis-Stempel.
Weiterführende Informationen
Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026