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Hundeschlitten in Lappland
Mit Huskys durch die arktische Wildnis

Hundeschlitten in Lappland

14 Min. Lesezeit

Das erste, was auffällt, ist der Lärm. Bevor die Tour losgeht, bellen und jaulen die Huskys so laut, dass man sein eigenes Wort nicht versteht. Sie ziehen an den Leinen, springen in die Luft und drehen sich im Kreis. Die Aufregung ist ansteckend. Dann löst der Musher die Bremse, der Schlitten ruckt an, und innerhalb von drei Sekunden ist es still. Die Hunde laufen, sie haben ihren Job, und die ganze Energie kanalisiert sich in gleichmäßige Bewegung. Das einzige Geräusch ist das Gleiten der Kufen auf dem Schnee und das rhythmische Hecheln der Tiere.

Hundeschlittenfahrten gehören zu den beliebtesten Winteraktivitäten in Lappland. In Finnland, Schweden und Norwegen gibt es dutzende Anbieter, die Touren zwischen einer Stunde und einer Woche anbieten. Die Spanne reicht vom schnellen Touristenausflug bis zur echten Wildnisexpedition. In diesem Artikel gehe ich die wichtigsten Optionen durch und erkläre, worauf man bei der Auswahl achten sollte.

Das Erlebnis Hundeschlitten

Huskygespann zieht einen Schlitten durch verschneiten Wald in Lappland
Ein typisches Gespann aus sechs Huskys zieht den Schlitten durch den verschneiten Wald (KI-generiert)

Hundeschlittenfahren hat in der Arktis eine lange Tradition. Die Inuit in Nordamerika, die Sámi in Lappland und die sibirischen Völker nutzten Hunde als Transportmittel, lange bevor es Schneemobile gab. Heute ist der Hundeschlitten kein Alltagsverkehrsmittel mehr, aber als touristische Aktivität hat er in den letzten 20 Jahren stark zugenommen.

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Bei den meisten Touren steuert man den Schlitten selbst. Man steht auf den Kufen, hält sich am Lenker fest und kontrolliert die Geschwindigkeit mit einer Fußbremse. Die Hunde laufen auf einem vorgegebenen Trail und brauchen kaum Anweisungen. Die Aufgabe des Fahrers besteht vor allem darin, in Kurven das Gewicht richtig zu verlagern und bei Abfahrten die Bremse zu dosieren. Schwierig ist das nicht, aber es erfordert Konzentration.

Ein typisches Gespann besteht aus vier bis sechs Hunden. Der Leithund vorne kennt den Weg und reagiert auf Kommandos des Mushers. Die Hunde dahinter liefern die Zugkraft. Ein Schlitten mit einer Person wiegt beladen etwa 100 Kilogramm. Sechs Huskys ziehen das mühelos, auch bergauf. Die Geschwindigkeit liegt meistens zwischen 10 und 20 Stundenkilometern, auf geraden Strecken auch mal 25.

Was viele Erstfahrer überrascht: Es ist körperlich anstrengender als erwartet. In Kurven muss man den Schlitten aktiv lenken, bei Steigungen hilft man durch Treten nach, und bei Abfahrten braucht man Kraft in den Beinen, um stabil zu stehen. Nach drei oder vier Stunden im Schlitten spürt man die Oberschenkel.

Tourlängen und Varianten

Die Angebote lassen sich grob in vier Kategorien einteilen:

Schnuppertour (30 bis 60 Minuten): Die kürzeste Variante. Man fährt eine kleine Runde, meistens auf dem Gelände der Husky-Farm. Gut für Kinder und Leute, die sich nicht sicher sind, ob ihnen das Schlittenfahren liegt. Oft sitzt man als Passagier im Schlitten, während ein Guide das Gespann steuert. Preise ab 50 EUR.

Halbtagestouren (2 bis 4 Stunden): Die beliebteste Option. Man fährt durch Wälder und über zugefrorene Seen, macht eine Pause am Lagerfeuer und trinkt heißen Saft. Bei den meisten Anbietern steuert man den Schlitten selbst. Diese Tourlänge reicht aus, um ein echtes Gefühl für das Hundeschlittenfahren zu bekommen. Preise zwischen 120 und 250 EUR.

Ganztagestour (6 bis 8 Stunden): Eine richtige Fahrt durch die Wildnis. Man legt 30 bis 50 Kilometer zurück, isst Mittagessen am Lagerfeuer und versorgt die Hunde in der Pause mit Wasser und Snacks. Am Ende des Tages kennt man seine Hunde beim Namen. Preise zwischen 250 und 400 EUR.

Mehrtagestouren (2 bis 7 Tage): Die authentischste Variante. Man übernachtet in Wildnishütten, kocht selbst, füttert und versorgt die Hunde morgens und abends. Pro Tag legt man 30 bis 60 Kilometer zurück. Diese Touren sind körperlich fordernd, aber sie bieten die tiefste Verbindung zum Hundeschlittenfahren. Preise ab 800 EUR für zwei Tage, bis über 3.000 EUR für eine Woche.

Anbieter in Finnland

Husky-Farm in Finnisch-Lappland mit Huskys in ihren Hütten
Eine Husky-Farm in Finnisch-Lappland vor dem Start einer Tour (KI-generiert)

Finnisch-Lappland hat die größte Dichte an Husky-Farmen in ganz Europa. Rund um die Touristenorte Levi, Saariselkä, Rovaniemi und Muonio gibt es dutzende Anbieter. Hier die bekanntesten:

Bearhill Husky bei Rovaniemi gehört zu den am besten bewerteten Anbietern. Die Farm legt großen Wert auf Tierwohl und hält rund 100 Huskys. Die Touren dauern zwischen zwei und sechs Stunden. Was mir hier gefällt: Die Gruppengröße ist auf maximal sechs Schlitten begrenzt, und jeder Gast bekommt eine gründliche Einweisung. Preise ab 130 EUR für zwei Stunden.

Harriniva Hotels & Safaris in Muonio bietet eines der umfangreichsten Programme. Von der einstündigen Schnuppertour bis zur siebentägigen Wildnisexpedition ist alles dabei. Die Farm hat über 400 Huskys. Die mehrtägigen Touren führen durch den Pallas-Yllästunturi-Nationalpark und gehören zu den besten in ganz Lappland. Preis für die Wochentour: etwa 2.500 EUR inklusive Unterkunft und Verpflegung.

Hetta Huskies in Enontekiö ist ein kleinerer Betrieb, der von einem britischen Auswanderer und seiner finnischen Frau geführt wird. Die Atmosphäre ist familiär, die Gruppen klein. Die Hunde werden als Arbeitstiere gehalten, nicht als Showprogramm. Die Touren dauern zwischen drei Stunden und fünf Tagen und führen in abgelegene Gebiete, die von den größeren Anbietern nicht angefahren werden. Preis ab 150 EUR für drei Stunden.

Husky & Co bei Saariselkä ist spezialisiert auf kurze und mittlere Touren. Die Lage am Rand des Urho-Kekkonen-Nationalparks bietet eine großartige Kulisse. Preise ab 100 EUR für eine Stunde.

Anbieter in Schweden und Norwegen

Hundeschlittengespann auf einem zugefrorenen See in Lappland
Zugefrorene Seen bieten ideale Bedingungen für lange Hundeschlittentouren (KI-generiert)

Auf der schwedischen Seite ist das Angebot kleiner, aber die Qualität stimmt. Die wichtigsten Regionen sind Kiruna/Jukkasjärvi und die Gegend um Jokkmokk.

Jokkmokkguiderna in Jokkmokk bieten Hundeschlittentouren von drei Stunden bis drei Tagen an. Die Region südlich des Polarkreises ist weniger touristisch als Finnisch-Lappland, was den Touren eine ruhigere Atmosphäre gibt. Preis ab 140 EUR für drei Stunden.

Kiruna Dogsled bei Kiruna bietet Touren auf den zugefrorenen Seen rund um das Icehotel in Jukkasjärvi. Die Landschaft hier ist weiter und offener als in Finnland. Preise ab 160 EUR für zwei Stunden.

Tromsø Villmarkssenter bei Tromsø in Norwegen ist einer der nördlichsten Anbieter. Die Farm liegt auf der Insel Kvaløya und bietet Touren mit Blick auf die norwegischen Fjorde. Die Kombination aus Küstenlandschaft und Hundeschlitten ist ungewöhnlich und reizvoll. Preise ab 170 EUR für zwei Stunden.

Holmen Husky Lodge bei Alta in Nordnorwegen organisiert mehrtägige Touren auf der Finnmarksvidda, einer riesigen Hochebene im Norden Norwegens. Die Landschaft ist weitläufig und karg, die Touren anspruchsvoll. Preis für drei Tage ab 1.200 EUR.

Preise und Buchung

Die Preise für Hundeschlittentouren in Lappland variieren je nach Anbieter, Tourlänge und Saison. Hier eine Übersicht:

  • Schnuppertour (30 bis 60 Min.): 50 bis 100 EUR pro Person
  • Halbtagesttour (2 bis 4 Stunden): 120 bis 250 EUR
  • Ganztagestour (6 bis 8 Stunden): 250 bis 400 EUR
  • Zwei-Tages-Tour mit Übernachtung: 600 bis 1.000 EUR
  • Wochentour (5 bis 7 Tage): 1.500 bis 3.500 EUR

In den Preisen sind meistens thermische Overalls und Handschuhe enthalten. Bei Mehrtagestouren auch Unterkunft und Verpflegung. Der Transfer vom Hotel zur Husky-Farm ist bei den meisten Anbietern inklusive.

Buchungszeitpunkt: In der Hauptsaison (Dezember bis März) sollte man mindestens zwei bis drei Monate im Voraus buchen, vor allem für Mehrtagestouren. Für kurze Touren findet man auch kurzfristig noch Plätze, aber die beliebtesten Anbieter sind früh ausgebucht. Buchen kann man direkt über die Websites der Anbieter oder über das Hotel vor Ort.

Kinder: Die meisten Anbieter erlauben Kinder ab etwa fünf bis sechs Jahren als Passagiere im Schlitten. Selbst lenken dürfen Kinder in der Regel erst ab 14 oder 15 Jahren, je nach Anbieter. Einige Farmen bieten spezielle Familientouren an, bei denen ein Erwachsener lenkt und das Kind vorne im Schlitten sitzt.

Über die Huskys

Porträt eines Siberian Husky mit blauen Augen in Lappland
Siberian Huskys sind für die Arbeit im Schnee gezüchtet und lieben das Laufen (KI-generiert)

Die meisten Farmen in Lappland arbeiten mit Siberian Huskys oder Alaskan Huskys. Der Unterschied: Siberian Huskys sind die bekannte Rasse mit den blauen Augen und dem dichten Fell. Alaskan Huskys sind keine reinrassige Rasse, sondern eine Kreuzung, die auf Leistung gezüchtet wird. Sie sind oft schneller und ausdauernder, aber weniger fotogen.

Eines vorweg: Die Hunde wollen laufen. Das ist keine Übertreibung und keine Beschönigung. Schlittenhunde sind Arbeitstiere, die einen starken Lauftrieb haben. Die Aufregung vor dem Start, das Bellen und Zerren an der Leine, das ist keine Angst oder Stress. Das ist pure Vorfreude. Die Hunde wissen, was kommt, und sie können es kaum erwarten.

Trotzdem ist die Frage nach dem Tierwohl berechtigt. Seriöse Anbieter legen großen Wert darauf, dass die Hunde gut versorgt sind. Die Hunde laufen nur eine bestimmte Anzahl von Stunden pro Tag, bekommen hochwertiges Futter und leben in geräumigen Zwingern. Nach der Tour werden sie immer zuerst versorgt, bevor sich das Personal um die Gäste kümmert. Das ist ein guter Indikator für die Qualität eines Anbieters.

Es gibt aber auch schwarze Schafe. Farmen mit Hunderten von Hunden, die wenig Auslauf bekommen und nur als Touristenattraktion dienen. Als Faustregel gilt: Kleinere Farmen mit 50 bis 150 Hunden bieten in der Regel bessere Bedingungen als Großbetriebe. Bewertungen auf Tripadvisor und Google helfen bei der Einschätzung.

Praktische Tipps

Kleidung: Die meisten Anbieter stellen Overalls und Handschuhe. Darunter sollte man eine Basis- und Isolationsschicht tragen. Baumwolle vermeiden, weil sie Feuchtigkeit speichert und dann kühlt. Merinowolle ist die beste Wahl. Mehr zur Ausrüstung steht im Artikel Winter in Lappland.

Fotografieren: Die Hände bleiben am Lenker. Wer fotografieren will, muss den Schlitten anhalten oder eine Actionkamera am Helm oder Lenker befestigen. Das Handy in der Kälte herauszuholen ist riskant, weil der Akku schnell leer wird und das Display bei Kälte langsamer reagiert. Eine GoPro mit Brustgurt funktioniert am besten.

Essen und Trinken: Vor der Tour gut frühstücken. Die Kälte und die körperliche Anstrengung verbrennen viel Energie. Bei Mehrstundentouren gibt es meistens eine Pause am Lagerfeuer mit heißem Saft und Snacks. Eigene Snacks (Riegel, Nüsse) einpacken ist erlaubt und klug.

Gewicht und Fitness: Für Schnuppertouren und Halbtagstouren ist keine besondere Fitness nötig. Bei Ganztages- und Mehrtagestouren sollte man einigermaßen fit sein, weil man viel steht, in Kurven den Körper einsetzt und bei Steigungen hilft. Gewichtsbeschränkungen liegen bei den meisten Anbietern bei 100 bis 120 Kilogramm pro Schlitten.

Allergien: Wer eine Hundehaarallergie hat, sollte vorher überlegen, ob eine Hundeschlittenfahrt die richtige Wahl ist. Während der Fahrt ist man die ganze Zeit in Kontakt mit den Tieren, und auf der Farm erst recht. Antihistaminika helfen, aber bei starker Allergie ist es möglicherweise kein Vergnügen.

Pause am Lagerfeuer während einer Hundeschlittentour mit heißem Getränk
Pause am Lagerfeuer gehört zu jeder längeren Hundeschlittentour dazu (KI-generiert)

Häufige Fragen

Kann man als Anfänger einen Hundeschlitten selbst steuern?

Ja, die meisten Touren sind für Anfänger ausgelegt. Vor dem Start gibt es eine Einweisung, bei der Bremsen und die wichtigsten Kommandos erklärt werden. Die Hunde laufen auf vorgegebenen Trails und kennen den Weg. Man braucht keine Vorkenntnisse, nur etwas Gleichgewichtsgefühl und die Bereitschaft, draußen in der Kälte zu stehen.

Wie viel kostet eine Hundeschlittenfahrt in Lappland?

Kurze Fahrten von 30 bis 60 Minuten kosten zwischen 50 und 100 EUR pro Person. Halbtagstouren von zwei bis vier Stunden liegen bei 120 bis 250 EUR. Ganztagstouren kosten 250 bis 400 EUR. Mehrtägige Wildnistouren mit Übernachtung beginnen bei etwa 800 EUR für zwei Tage. Thermische Kleidung und Transfer sind meistens im Preis enthalten.

Sind Hundeschlittentouren für Kinder geeignet?

Kinder ab etwa fünf Jahren können als Passagiere im Schlitten mitfahren. Ein Erwachsener steuert dann den Schlitten, das Kind sitzt vorne in warme Decken eingepackt. Selbst fahren dürfen Kinder je nach Anbieter ab 14 oder 15 Jahren. Viele Farmen bieten spezielle Familientouren an, die kürzer und auf Kinder abgestimmt sind.

Werden die Huskys auf den Farmen gut behandelt?

Bei seriösen Anbietern ja. Achte auf kleine bis mittelgroße Farmen mit 50 bis 150 Hunden, die klare Angaben zum Tierwohl machen. Gute Indikatoren sind: begrenzte Touranzahl pro Tag, hochwertige Ernährung, tierärztliche Betreuung und geräumige Unterbringung. Bewertungsportale helfen bei der Einschätzung. Großbetriebe mit mehreren Hundert Hunden sollte man kritisch prüfen.

Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026