Skifahren auf Island
Inhaltsverzeichnis
Island und Skifahren, das klingt erst mal nach einer seltsamen Kombination. Die meisten Reisenden kommen wegen der Nordlichter, der heißen Quellen oder der Gletscher. Aber Island hat Berge, viel Schnee und eine kleine, aber leidenschaftliche Ski-Community, die ihre Hänge lange als Geheimnis für sich behalten hat. In den letzten Jahren hat sich das geändert. Vor allem der Norden Islands ist ein Skigebiet, das zwar nicht mit den Alpen konkurrieren kann, aber etwas bietet, das die Alpen nicht haben: Abfahrten mit Blick auf Fjorde und den offenen Atlantik, Pisten, die man oft für sich allein hat, und die Möglichkeit, nach dem Skifahren in einem heißen Naturpool zu sitzen.
Die isländische Skikultur ist bescheiden geblieben. Es gibt keine riesigen Resorts, keine Aprés-Ski-Partys, keine überfüllten Gondeln. Was es gibt, sind ehrliche, gut gepflegte Skigebiete mit kurzen Liftschlangen, lokalen Betreibern und einem Preisniveau, das unter dem der alpinen Großanlagen liegt. Dazu kommt eine Atmosphäre, die man in den Alpen vergeblich sucht: Skifahren am Polarkreis, mit der Chance auf Nordlichter über der Piste.
Skifahren auf Island: Ein Überblick
Island hat etwa ein Dutzend Skigebiete, die meisten davon klein und lokal betrieben. Die Skisaison läuft in der Regel von November bis Mai, wobei die besten Bedingungen zwischen Februar und April herrschen. Im Norden, wo mehr Schnee fällt als im Süden, kann die Saison bis in den Juni hinein dauern. Die Schneesicherheit ist dank der Höhenlage und des atlantischen Klimas generell gut, auch wenn gelegentlich starke Winde für Liftschließungen sorgen.
Tipp: Berechne dein persönliches Reisebudget mit unserem Island-Reisekostenrechner.
Die größten und am besten ausgestatteten Skigebiete konzentrieren sich auf Nordisland, rund um Akureyri, die „Hauptstadt des Nordens" mit knapp 20.000 Einwohnern. Hier findet man auch die einzigen Gebiete, die überregional bekannt sind und internationale Besucher anziehen. Im Westen und Süden gibt es kleinere Anlagen, die hauptsächlich von Einheimischen genutzt werden.
Was Island von anderen Skizielen unterscheidet, ist die Nähe zum Meer. Manche Abfahrten enden nur wenige hundert Meter vom Fjord entfernt. Man fährt einen Hang hinunter und sieht dabei das offene Meer unter sich. Dieses Gefühl, zwischen Hochgebirge und Ozean zu gleiten, gibt es in Europa nur hier und in Nordnorwegen. Dazu kommt die arktische Lichtstimmung: Im Februar sind die Tage kurz, aber die Farben, die das flache Licht über die Schneelandschaft wirft, sind intensiv.
Hlíðarfjall bei Akureyri: Das größte Skigebiet
Hlíðarfjall ist mit Abstand das größte und bekannteste Skigebiet Islands. Es liegt nur 5 Kilometer vom Stadtzentrum Akureyris entfernt am Hang des gleichnamigen Berges (1.116 m) und bietet 23 Pistenkilometer, verteilt auf Abfahrten für Anfänger bis Fortgeschrittene. Der Höhenunterschied beträgt 550 Meter (Talstation auf 500 m, Gipfel auf 1.050 m), was für isländische Verhältnisse respektabel ist.
Die Anlage hat vier Schlepplifte und einen Sessellift, dazu einen Anfängerbereich mit eigenem Förderbandlift. An einem normalen Wochentag trifft man hier vielleicht 50 bis 100 andere Skifahrer, an Wochenenden werden es 200 bis 300. Verglichen mit einem durchschnittlichen Alpentag ist das nichts. Die Wartezeiten an den Liften betragen selten mehr als zwei Minuten, oft steigt man direkt ein.
Die Pisten sind gut präpariert und werden von einem kleinen, aber engagierten Team betreut. Es gibt blaue, rote und schwarze Abfahrten, wobei die Hauptpiste „Fjörður" (Fjord) die beliebteste ist, weil man bei der Abfahrt direkt auf den Eyjafjörður zufahrt. An klaren Tagen sieht man über den Fjord hinweg bis zum Gebirgszug auf der anderen Seite, eine Distanz von fast 30 Kilometern.
Hlíðarfjall hat eine Skischule, einen Verleih und ein kleines Café an der Talstation. Der Tagesskipass kostet etwa 6.500 ISK (ca. 43 EUR) für Erwachsene und 4.000 ISK (26 EUR) für Kinder. Eine Wochenkarte liegt bei 28.000 ISK (185 EUR). Die Verleihgebühren für eine komplette Skiausrüstung betragen etwa 8.000 ISK (53 EUR) pro Tag. Verglichen mit den Alpen, wo ein Tagesskipass leicht 60 bis 80 EUR kostet, ist Hlíðarfjall ein echtes Schnäppchen.
Dalvík und die Troll-Halbinsel
Die Troll-Halbinsel (Tröllaskagi) zwischen Akureyri und Siglufjörður ist in den letzten Jahren zum Hotspot der isländischen Skiszene geworden, und zwar nicht wegen der präparierten Pisten, sondern wegen der Freeride-Möglichkeiten. Die Berge hier steigen steil vom Meer auf über 1.000 Meter an, die Hänge sind offen und weitgehend unberührt, und der Schnee ist dank des Nordatlantik-Einflusses oft leicht und pulvrig.
In Dalvík, einem Fischerdorf mit 1.400 Einwohnern am Eyjafjörður, gibt es ein kleines Skigebiet mit zwei Liften und einer Handvoll Pisten. Das Besondere: Die Abfahrten enden fast am Hafen. Man kann morgens Ski fahren, mittags eine Walbeobachtungstour machen und abends wieder auf der Piste stehen. Der Tagesskipass in Dalvík kostet nur 3.500 ISK (23 EUR), es ist eines der günstigsten Skigebiete Islands.
Etwa 40 Kilometer weiter nördlich liegt Siglufjörður, einst die Heringshauptstadt Islands, heute ein verschlafenes Städtchen mit 1.200 Einwohnern und einem kleinen Skigebiet am Skarðsdal. Die Pisten hier sind steil und anspruchsvoll, der Blick vom Gipfel auf den Fjord und die Berge ringsum lohnt den Aufstieg. Siglufjörður ist auch Austragungsort des jährlichen Skíðavikan-Festivals im April, bei dem die Isländer das Ende der Skisaison mit Rennen, Musik und reichlich Bier feiern.
Für Skitourengeher ist die gesamte Troll-Halbinsel ein Paradies. Die Berge sind zwischen 800 und 1.400 Meter hoch, die Anstiege starten oft direkt auf Meereshöhe, und die Abfahrten durch unberührte Hänge bis zum Wasser hinunter sind das, wovon viele Tourengeher träumen. Mehrere lokale Guides bieten geführte Skitouren an, ein Tagesguiding kostet etwa 40.000 bis 60.000 ISK (265 bis 395 EUR) pro Person in Gruppen von 4 bis 6 Teilnehmern.
Westfjorde: Skifahren am Ende der Welt
Die Westfjorde sind der abgelegenste Teil Islands, eine zerklüftete Halbinsel im Nordwesten, die im Winter teilweise nur schwer erreichbar ist. Genau das macht sie für Skifahrer interessant. Hier gibt es zwei kleine Skigebiete: Tungudalur bei Ísafjörður und Seljalandsdalur bei Bolungarvík, beide betrieben von lokalen Skiclubs mit minimaler Infrastruktur.
Tungudalur liegt nur 3 Kilometer von Ísafjörður entfernt, der „Hauptstadt" der Westfjorde mit 2.600 Einwohnern. Das Skigebiet hat zwei Schlepplifte und bietet Abfahrten von 200 Höhenmetern. Was es an Größe nicht hat, macht es durch die Lage wett: Man fährt einen steilen Hang hinunter und blickt dabei auf den Skutulsfjörður, in dem Fischerboote dümpeln. Der Tagesskipass kostet 3.000 ISK (20 EUR), und man ist mit ziemlicher Sicherheit einer von höchstens zwanzig Leuten auf der Piste.
Die Westfjorde sind aber vor allem für Skitouren bekannt. Die Berge rund um Ísafjörður sind zwischen 600 und 900 Meter hoch und bieten eine Vielzahl von Routen für alle Schwierigkeitsgrade. Der Zugang ist einfach, da die Anstiege oft direkt von der Straße aus starten. Im April, wenn die Tage länger werden und der Schnee noch liegt, kommen Skitourengeher aus ganz Europa in die Westfjorde. Das jährliche Ski Touring Festival in Ísafjörður (meist Ende März oder Anfang April) zieht Teilnehmer aus 20 Ländern an.
Die Anreise zu den Westfjorden ist Teil des Abenteuers. Von Reykjavík sind es etwa 450 Kilometer über die Ringstraße und die Straße 61 (ca. 5,5 Stunden Fahrt). Im Winter kann die Strecke durch Schneeverwehungen oder gesperrte Pässe länger dauern. Alternativ gibt es Flüge von Reykjavík nach Ísafjörður mit Air Iceland Connect (ca. 40 Minuten, ab 15.000 ISK / 100 EUR einfach).
Heliskiing: Abfahrten bis zum Meer
Island hat sich in den letzten 15 Jahren als eines der besten Heliskiing-Ziele der Welt etabliert, und das hat einen einfachen Grund: Die Berge im Norden steigen direkt vom Meer auf über 1.000 Meter an, die Hänge sind breit, steil und frei von Bäumen (es gibt auf Island praktisch keine Bäume oberhalb von 300 Metern). Das bedeutet: ununterbrochene Abfahrten von über 1.000 Höhenmetern durch offenes Gelände, mit dem Fjord als Ziellinie.
Der Hauptanbieter für Heliskiing auf Island ist Arctic Heli Skiing, basiert in Dalvík. Sie operieren auf der Troll-Halbinsel und nutzen einen Eurocopter AS350, der bis zu vier Skifahrer plus Guide pro Flug transportiert. Ein typischer Heliskiing-Tag umfasst 4 bis 6 Abfahrten (Runs) mit insgesamt 3.000 bis 5.000 Höhenmetern. Die Abfahrten führen durch unberührten Powder über offene Hänge, in schmale Couloirs und manchmal bis direkt ans Meer.
Die Kosten für einen Heliskiing-Tag liegen bei etwa 130.000 bis 180.000 ISK (860 bis 1.190 EUR) pro Person, je nach Anzahl der Runs und Gruppengröße. Im Preis enthalten sind Helikopter, Guide und Lawinenausrüstung. Die Saison läuft von März bis Juni, wobei April und Mai die besten Monate sind: stabile Schneelage, längere Tage und oft strahlender Sonnenschein. Ein Heliskiing-Trip lässt sich gut mit einem Aufenthalt in Akureyri oder Dalvík kombinieren, beide Orte sind 10 bis 15 Minuten vom Heliport entfernt.
Voraussetzung für Heliskiing auf Island ist solide Erfahrung im Tiefschneefahren und gute körperliche Fitness. Die Abfahrten sind anspruchsvoll, mit Neigungen von 30 bis 45 Grad und wechselnden Schneeverhältnissen. Lawinenkenntnisse sind nicht zwingend nötig, da der Guide die Routenwahl übernimmt, aber ein Grundverständnis für Lawinengefahr ist hilfreich.
Langlauf und Skitouren
Neben dem alpinen Skifahren gibt es auf Island auch Möglichkeiten für Langläufer, wenn auch in bescheidenem Rahmen. Präparierte Langlaufloipen findet man in Akureyri (eine 5-km-Loipe am Hlíðarfjall), in Reykjavík (eine 3-km-Loipe im Heiðmörk-Erholungsgebiet, wenn genug Schnee liegt) und in Egilsstaðir in Ostisland. Die Loipen werden von freiwilligen Helfern gepflegt und sind kostenlos nutzbar.
Die echte Langlauferfahrung auf Island findet aber abseits der präparierten Strecken statt. Die Hochlandebenen im Inneren der Insel bieten im Frühling (April bis Mai) weite, offene Schneeflächen, die sich sehr gut für mehrtägige Skitouren eignen. Die klassische Tour führt über den Sprengisandur, die zentrale Hochlandroute, die im Sommer eine staubige Schotterpiste ist und im Winter unter meterhohem Schnee liegt. Diese Tour ist nur für erfahrene Tourengeher mit Expeditionsausrüstung geeignet und dauert 5 bis 8 Tage.
Wer eine kürzere Skitour sucht, wird auf der Troll-Halbinsel fündig. Tagestouren von Dalvík, Siglufjörður oder Ólafsfjörður aus bieten Anstiege von 600 bis 1.200 Höhenmetern und Abfahrten durch offenes Gelände mit Fjordblick. Lokale Guides wie Bergmenn Mountain Guides bieten geführte Tagestouren ab 30.000 ISK (200 EUR) pro Person an, Gruppentarife sind günstiger.
Praktische Tipps und Kosten
Anreise: Für Skifahren in Nordisland empfiehlt sich ein Flug von Reykjavík nach Akureyri (45 Minuten, ab 12.000 ISK / 80 EUR einfach). Alternativ kann man mit dem Mietwagen über die Ringstraße fahren (ca. 5 Stunden). Im Winter ist ein Allradfahrzeug Pflicht, da die Straßen vereist sein können.
Unterkunft: Akureyri hat Hotels und Gästehäuser in allen Preisklassen. Ein Doppelzimmer in einem Mittelklassehotel kostet im Winter 18.000 bis 28.000 ISK (120 bis 185 EUR) pro Nacht. In Dalvík und Siglufjörður gibt es kleinere Gästehäuser ab 12.000 ISK (80 EUR) pro Nacht. Ein Ferienhaus in der Region ist eine gute Option für Gruppen.
Ausrüstung: Die Skigebiete haben Verleihstationen, aber die Auswahl ist begrenzt. Wer spezielle Skier oder Stiefel braucht, sollte eigene Ausrüstung mitbringen. Die meisten Fluggesellschaften transportieren Skigepäck gegen Aufpreis (Icelandair: 5.000 ISK / 33 EUR pro Stück). Für Skitouren ist Lawinenausrüstung (LVS-Gerät, Schaufel, Sonde) Pflicht.
Wetter: Das Wetter in Nordisland ist unberechenbar. Sonnenschein und Schneesturm können sich innerhalb einer Stunde abwechseln. Die Skigebiete schließen bei zu starkem Wind (meist ab Windstärke 8 oder bei Böen über 80 km/h). Aktuelle Wetterdaten und Straßenzustände gibt es auf vedur.is und road.is. Eine Windjacke und Gesichtsschutz sind bei jedem Skitag dabei sein sollten.
Nach dem Skifahren: Das gehört zu den besten Dingen am Skifahren auf Island: Fast jeder Ort hat ein öffentliches Schwimmbad mit heißen Pots. In Akureyri ist das Sundlaug Akureyrar (Eintritt 1.100 ISK / 7 EUR) der perfekte Ort, um nach einem Skitag die Muskeln im 40 Grad warmen Wasser zu lockern. In Dalvík hat das Schwimmbad sogar Blick auf den Fjord.
Häufige Fragen zum Skifahren auf Island
Wann ist die beste Zeit zum Skifahren auf Island?
Die Hauptsaison läuft von Februar bis April. Im Februar und März sind die Tage kürzer, aber die Schneelage ist am besten. Im April werden die Tage deutlich länger (15+ Stunden Tageslicht), der Schnee ist noch da, und die Temperaturen sind milder. Für Heliskiing und Skitouren sind April und Mai optimal. Ab Mitte Mai schließen die meisten präparierten Skigebiete und Heliskiing gehen bis in den Juni.
Kann man Skifahren und Sightseeing kombinieren?
Ja, besonders gut in Akureyri. Die Stadt hat Restaurants und ein lebendiges Kulturleben. Von Akureyri aus lassen sich Tagesausflüge zum Mývatn-See (100 km), zum Goðafoss-Wasserfall (50 km) oder zur Walbeobachtung in Húsavík (90 km) unternehmen. Man kann also vormittags Ski fahren und nachmittags die Umgebung erkunden.
Brauche ich unbedingt ein Allradfahrzeug im Winter?
Für die Fahrt von Reykjavík nach Akureyri über die Ringstraße (Straße 1) ist im Winter ein Allradfahrzeug sehr empfehlenswert, auch wenn die Straße ganzjährig asphaltiert ist. Schnee und Seitenwind können die Fahrt anspruchsvoll machen. Für die Fahrt zum Hlíðarfjall-Skigebiet (5 km ab Akureyri) reicht ein Zweiradantrieb bei normalen Bedingungen, die Zufahrt wird regelmäßig geräumt. Für die Westfjorde ist ein Allradfahrzeug im Winter Pflicht.
Gibt es Skipässe für mehrere Gebiete?
Es gibt keinen übergreifenden Skipass für alle isländischen Skigebiete. Jedes Gebiet verkauft eigene Tageskarten. Da die Tagespreise mit 3.000 bis 6.500 ISK (20 bis 43 EUR) aber deutlich unter den alpinen Preisen liegen, fällt das kaum ins Gewicht. Hlíðarfjall bietet Saisonkarten für 45.000 ISK (300 EUR) an, was sich ab 7 Skitagen rechnet.
Ähnliche Artikel
Weiterführende Informationen
Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026