Campingplätze auf Island
Ich habe auf meiner ersten Islandreise drei Nächte in einem Hotel verbracht und danach auf Camping umgestellt. Nicht weil das Hotel schlecht war, sondern weil der Campingplatz in Skógar direkt neben dem Wasserfall lag und ich morgens um fünf bei Vogelgezwitscher aus dem Zelt kriechen konnte, während alle Hotelgäste noch schliefen. Seitdem ist Camping für mich die einzig richtige Art, Island zu erleben. Die Insel hat über 170 registrierte Campingplätze, und die meisten davon liegen an Orten, die kein Hotel ersetzen kann.
Island ist dünn besiedelt, die Natur steht im Vordergrund, und die Infrastruktur für Camper hat sich in den letzten Jahren enorm verbessert. Trotzdem sollte man ein paar Dinge wissen, bevor man das Zelt einpackt oder den Campervan bucht. Das Wetter ist unberechenbar, die Preise anders als auf dem Festland, und die Regeln zum Wildcamping haben sich in den letzten Jahren deutlich verschärft.
Camping auf Island
Die Campingsaison auf Island läuft von Anfang Juni bis Mitte September. Einige wenige Plätze rund um Reykjavík und im Süden haben auch im Mai und Oktober geöffnet, aber die große Mehrheit der Plätze ist nur im Sommer nutzbar. Im Hochland öffnen manche Campingplätze erst Ende Juni, wenn die Schneeräumung auf den F-Straßen abgeschlossen ist.
Tipp: Berechne dein persönliches Reisebudget mit unserem Island-Reisekostenrechner.

Die Plätze unterscheiden sich stark in Ausstattung und Komfort. Manche bestehen nur aus einer Wiese mit einem Plumpsklo. Andere haben beheizte Sanitäranlagen, Kochhütten mit Gasherden, Waschmaschinen, WLAN und sogar Hot Pots. Gemeinsam haben sie alle: Man zahlt pro Person und Nacht. Die Standardpreise liegen bei 1.800 bis 2.500 ISK (12 bis 17 EUR) pro Person. Kinder unter 13 Jahren sind auf den meisten Plätzen kostenlos. Strom für den Campervan kostet 500 bis 1.200 ISK (3,50 bis 8 EUR) extra, und heiße Duschen funktionieren häufig per Münzeinwurf (200 bis 500 ISK für 5 Minuten).
Reservierungen sind auf den meisten Campingplätzen nicht möglich. Es gilt: wer zuerst kommt, bekommt einen Platz. In der Hochsaison (Mitte Juni bis Mitte August) werden die beliebten Plätze an der Südküste und am Mývatn ab dem späten Nachmittag voll. Wer spät ankommt, muss unter Umständen zum nächsten Platz weiterfahren. Das ist selten ein Drama, denn der nächste Campingplatz ist meistens nur 30 bis 60 Kilometer entfernt.
Die Campingcard
Die Camping Card ist für alle, die länger als eine Woche campen, fast ein Muss. Für 24.900 ISK (etwa 165 EUR) bekommt man 28 Übernachtungen auf über 40 teilnehmenden Campingplätzen im ganzen Land. Die Karte gilt für zwei Erwachsene und bis zu vier Kinder. Wer als Paar 10 Nächte campt, hat die Karte schon locker wieder drin, denn ohne Karte zahlt man für zwei Personen mindestens 3.600 ISK (24 EUR) pro Nacht.
Die Campingcard kann man online auf campingcard.is vorbestellen oder nach der Ankunft in Island kaufen. Verkaufsstellen sind unter anderem die Touristinfo in Reykjavík, Bónus-Supermärkte und einige Tankstellen. Die Karte hat ein Rubbelfeld für jede Nacht, das vom Platzwart freigerubbelt wird. Manche Plätze nutzen inzwischen auch eine digitale Version per App.
Nicht alle Campingplätze nehmen die Campingcard an. Die großen Plätze in Vík, Höfn, Egilsstaðir und am Mývatn sind dabei, ebenso viele kleinere Plätze in den ländlichen Regionen. Die Plätze in Reykjavík selbst, Skaftafell und Þórsmörk akzeptieren die Karte allerdings nicht. Eine vollständige Liste der teilnehmenden Plätze findet man auf der Campingcard-Website.

Die besten Campingplätze
Nach mehreren Islandreisen habe ich meine persönlichen Favoriten gefunden. Diese Plätze stechen heraus, weil sie gute Lage mit ordentlicher Ausstattung verbinden.
Skógar (Südisland) liegt direkt neben dem Skógafoss-Wasserfall. Man hört das Rauschen die ganze Nacht. Der Platz hat warme Duschen, eine Kochhütte und liegt perfekt als Zwischenstopp auf dem Weg nach Vík. Preis ohne Campingcard: 2.200 ISK (15 EUR) pro Person.
Hlíð (Mývatn-Gebiet) ist einer der am besten ausgestatteten Plätze im Norden. Beheizte Sanitärgebäude, große Kochhütte mit Backöfen, und die Mývatn Nature Baths sind nur zehn Minuten entfernt. Der Platz akzeptiert die Campingcard. Abends kann man vom Zelt aus die dampfenden Pseudokrater am See beobachten.
Þakgil (bei Vík) ist ein verstecktes Juwel. Der Platz liegt am Ende einer Schotterstraße in einer Schlucht, umgeben von moosbewachsenen Felswänden. Windgeschützt, ruhig und weit weg von der Straße. Es gibt eine Höhle als Kochstelle und einfache Toiletten. Kein Strom, kein WLAN, dafür totale Abgeschiedenheit. Preis: 2.000 ISK (13 EUR) pro Person.
Hamrar (Akureyri) liegt am Stadtrand von Akureyri in einem Birkenwald. Gute Sanitäranlagen, Spielplatz für Kinder, und die Supermärkte der Stadt sind zu Fuß erreichbar. Ideal zum Auftanken zwischen zwei Etappen im Norden.
Seyðisfjörður (Ostfjorde) hat einen Campingplatz direkt am Fjord, umgeben von steilen Bergen und Wasserfällen. Das bunte Städtchen ist nur fünf Gehminuten entfernt, und die Atmosphäre ist entspannter als an den viel besuchten Plätzen im Süden.
Campingplätze an der Ringstraße
Wer die Ringstraße abfährt, findet alle 30 bis 80 Kilometer einen Campingplatz. Die Route gegen den Uhrzeigersinn (ab Reykjavík nach Süden) hat die dichteste Versorgung. Hier eine Übersicht der wichtigsten Stationen mit Entfernungen:

Südküste (Reykjavík bis Höfn, ca. 450 km): Campingplätze in Selfoss, Hella, Hvolsvöllur, Skógar, Vík, Kirkjubæjarklaustur, Skaftafell und Höfn. Die Südküste hat die meisten Plätze pro Kilometer, da hier auch die meisten Touristen unterwegs sind. Skaftafell (am Vatnajökull-Nationalpark) ist einer der größten Plätze, nimmt aber keine Campingcard an. Preis dort: 2.500 ISK (17 EUR) pro Person.
Ostfjorde (Höfn bis Egilsstaðir, ca. 270 km): Weniger Plätze, dafür weniger Andrang. Campingplätze in Djúpivogur, Breiðdalsvík, Reyðarfjörður und Egilsstaðir. Die Plätze sind einfacher ausgestattet, aber ruhiger und oft günstiger. Der Platz in Seyðisfjörður (Abstecher von der Ringstraße) ist den Umweg wert.
Nordisland (Egilsstaðir bis Blönduós, ca. 400 km): Campingplätze in Húsavík, Mývatn (Hlíð und Vogar), Akureyri, Dalvík, Siglufjörður und Sauðárkrókur. Der Norden hat im Vergleich zum Süden weniger Touristen und die Plätze sind selten überlaufen, selbst im Juli.
Westisland (Blönduós bis Reykjavík, ca. 300 km): Campingplätze in Hvammstangi sowie Borgarnes und Mosfellsbær. Wer die Halbinsel Snæfellsnes mitnimmt, findet zusätzliche Plätze in Stykkishólmur und Ólafsvík. Der Abschnitt Westisland wird oft in einem Tag durchfahren, da die Highlights dichter an der Ringstraße liegen.
Wildcamping und Regeln
Das Thema Wildcamping sorgt unter Islandreisenden regelmäßig für Diskussionen. Die kurze Antwort: Wildcamping mit Zelt ist in Island grundsätzlich erlaubt, Wildcamping mit Fahrzeugen ist seit 2015 verboten. Wer mit Campervan oder Wohnmobil unterwegs ist, muss auf einem registrierten Campingplatz übernachten. Das Gesetz wird durchgesetzt, und die Strafen liegen bei bis zu 100.000 ISK (660 EUR).
Für Zelter gelten folgende Regeln: Man darf auf unkultiviertem Land (also nicht auf Weiden, Feldern oder eingezäuntem Privatgrund) eine Nacht lang zelten, wenn kein Campingplatz in der Nähe ist. In der Praxis bedeutet das: im Hochland und an abgelegenen Küstenabschnitten ist Wildcamping mit Zelt möglich. In der Nähe von Bauernhöfen oder Sommerhäusern muss man den Landbesitzer um Erlaubnis fragen. In Naturschutzgebieten und Nationalparks ist Wildcamping komplett verboten.
Unabhängig davon gilt überall das Leave No Trace-Prinzip. Allen Müll mitnehmen, keine Feuer machen (offenes Feuer ist in der isländischen Natur generell verboten, da es dort kaum Bäume gibt und die Vegetation sich nur sehr langsam erholt), und keine Toilettenspuren hinterlassen. Island hat in den letzten Jahren ein massives Problem mit wildem Toilettengang an beliebten Sehenswürdigkeiten bekommen, was einer der Gründe für die strengeren Regeln war.
Mein Rat: Auch wenn Wildcamping mit Zelt legal ist, nutze die Campingplätze. Sie kosten nicht viel (vor allem mit der Campingcard), bieten Schutz vor dem Wetter und Sanitäranlagen. Island ist kein Land, in dem man bei plötzlichem Wetterumschwung ohne feste Sanitäranlage in der Nähe sein will.
Ausrüstung und Wetter
Das isländische Wetter ist der Grund, warum viele Leute nach einer Nacht im Zelt auf ein Gästehaus umsteigen. Wer vorbereitet ist, hat aber kein Problem. Die Temperaturen liegen im Sommer tagsüber bei 8 bis 15 Grad, nachts bei 3 bis 8 Grad. Wind ist die eigentliche Herausforderung. Böen mit 50 bis 80 km/h sind keine Seltenheit, und wenn es regnet, kommt der Regen fast immer horizontal.

Beim Zelt kommt es vor allem auf Windstabilität an. Tunnelzelte oder geodätische Zelte mit mindestens 3.000 mm Wassersäule sind die richtige Wahl. Kuppelzelte mit dünnen Stangen knicken beim ersten Sturm ein. Die Heringe sollten robuste Erdnägel oder V-Profil-Heringe sein. Auf Lavaböden halten normale Heringe nicht. Hier helfen schwere Steine zum Abspannen. Viele erfahrene Island-Camper bringen zusätzlich Felsnägel oder extra lange Sandheringe mit.
Der Schlafsack sollte für Temperaturen bis mindestens 0 Grad Komfortbereich ausgelegt sein. Ein Sommerschlafsack mit Komforttemperatur 10 Grad reicht nicht. Dazu eine isolierende Isomatte mit einem R-Wert von mindestens 3, besser 4 oder höher. Der Boden auf isländischen Campingplätzen ist oft Lava oder harter Boden, und die Kälte kriecht von unten.
Bei der Kleidung gilt das Schichtprinzip: Merinowolle als Basisschicht, Fleece oder Daune als Isolierung, und eine wasserdichte Außenschicht (Hardshell-Jacke und -Hose). Baumwolle ist tabu, denn nasse Baumwolle trocknet nicht und kühlt den Körper aus. Gute Wanderschuhe, eine Mütze und Handschuhe gehören auch im Juli ins Gepäck. Das Wetter kann innerhalb einer Stunde von Sonnenschein auf Graupel wechseln.
Zum Kochen eignen sich Gaskocher mit Schraubkartuschen (EN 417). Kartuschen bekommt man in Reykjavík bei Útivist (dem größten Outdoor-Laden Islands), in den Bónus-Supermärkten und an manchen Tankstellen. Ein Windschutz für den Kocher ist Pflicht, sonst braucht man dreimal so lange zum Wasserkochen.
Camping mit Campervan
Der Campervan ist mittlerweile die beliebteste Camping-Variante auf Island. Man hat sein Bett immer dabei, ist wetterfest und spart sich die Hotelkosten. Die Mietpreise starten in der Nebensaison bei 12.000 ISK (80 EUR) pro Tag für einen kleinen Van und gehen in der Hochsaison bis zu 45.000 ISK (300 EUR) für ein voll ausgestattetes Wohnmobil mit Dusche.
Auf den Campingplätzen parkt man den Van auf dem zugewiesenen Stellplatz, zahlt die Campinggebühr und nutzt die Sanitäranlagen des Platzes. Die meisten Plätze haben Entsorgungsstationen für Grauwasser und Chemietoiletten. Strom zum Laden von Geräten und zum Heizen gibt es auf vielen Plätzen gegen Aufpreis (500 bis 1.200 ISK). Manche Plätze bieten auch WLAN, das aber oft langsam ist.

Wichtig für Campervan-Reisende: Wildes Parken und Übernachten außerhalb von Campingplätzen ist verboten. Das gilt auch für Parkplätze an Sehenswürdigkeiten oder Tankstellen. Die Polizei und Ranger kontrollieren regelmäßig, besonders an den Hotspots der Südküste. Die Bußgelder sind saftig, und Wiederholungstäter können ihren Mietvertrag verlieren.
Ein praktischer Tipp zum Kosten sparen: Auch im Campervan lohnt sich die Campingcard. Viele Plätze berechnen zwar einen Zuschlag für Strom und Entsorgung, aber die Grundgebühr für zwei Personen ist über die Karte abgedeckt. Bei 10 bis 14 Nächten spart man mit der Karte leicht 15.000 bis 25.000 ISK (100 bis 165 EUR).
Häufige Fragen
Lohnt sich die Campingcard für Solo-Reisende?
Die Campingcard gilt für zwei Erwachsene, also rechnet sie sich für Solo-Reisende nur bei längeren Aufenthalten. Wer allein 15 oder mehr Nächte campt, spart mit der Karte trotzdem Geld, da die einzelnen Nächte 1.800 bis 2.500 ISK kosten und die Karte für 28 Nächte 24.900 ISK kostet. Unter 15 Nächten zahlt man solo ohne Karte günstiger.
Kann man auf isländischen Campingplätzen reservieren?
Die allermeisten Campingplätze arbeiten ohne Reservierung. Man kommt an, sucht sich einen Platz und zahlt beim Platzbetreiber. Einige wenige Plätze, darunter der Campingplatz in Reykjavík und vereinzelt Plätze in Þórsmörk, bieten eine Vorab-Buchung online an. Generell gilt: früh ankommen (vor 16 Uhr) sichert den besten Platz, besonders im Juli und August.
Braucht man einen Allrad-Campervan für Island?
Für die Ringstraße und die allermeisten Campingplätze reicht ein normaler Campervan mit Zweiradantrieb. Die Ringstraße (Straße Nr. 1) ist komplett asphaltiert. Allrad wird nur benötigt, wenn man ins Hochland auf F-Straßen fahren will, etwa nach Landmannalaugar oder zur Askja.
Ist Camping auf Island auch im Winter möglich?
Theoretisch ja, praktisch raten die meisten davon ab. Fast alle Campingplätze schließen im Oktober. Im Winter fallen die Temperaturen regelmäßig unter den Gefrierpunkt, Stürme mit über 100 km/h sind keine Seltenheit, und die Tage sind extrem kurz. Für die meisten Reisenden ist ein Glamping-Angebot oder ein Ferienhaus die bessere Wahl im Winter.
Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026