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Bezahlen auf Island
Währung, Kreditkarten, Trinkgeld und was Reisende wissen müssen

Bezahlen auf Island

11 Min. Lesezeit

Bei meiner ersten Islandreise stand ich am Flughafen Keflavík vor einem Hotdog-Stand und musste dreimal auf den Kassenbon schauen. 690 ISK für einen Hotdog? Das klang nach einem Vermögen, bis ich gerechnet habe: rund 4,50 Euro. Die isländische Krone sorgt bei vielen Besuchern für einen kleinen Schock, weil die Zahlen so hoch aussehen. In Wirklichkeit ist das Bezahlen auf Island einfacher als in den meisten anderen Ländern, wenn man ein paar Grundregeln kennt.

Island ist eines der am stärksten digitalisierten Länder der Welt, was den Zahlungsverkehr angeht. Bargeld spielt im Alltag kaum noch eine Rolle, und selbst an den abgelegensten Orten kann man mit Karte zahlen. Trotzdem gibt es einige Besonderheiten, die man als Reisender kennen sollte, von den richtigen Kreditkarten über Wechselkurse bis zur Frage, ob und wie viel Trinkgeld man geben sollte.

Die Isländische Krone

Die offizielle Währung Islands ist die Isländische Krone (Íslensk króna), abgekürzt ISK oder kr. Island gehört nicht zur Europäischen Union und hat deshalb keinen Euro. Der Wechselkurs schwankt, lag aber in den letzten Jahren relativ stabil bei etwa 150 ISK für einen Euro. Das bedeutet: 1.000 ISK entsprechen ungefähr 6,50 Euro, 10.000 ISK etwa 65 Euro.

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Es gibt Münzen zu 1, 5, 10, 50 und 100 Kronen sowie Banknoten zu 500, 1.000, 2.000, 5.000 und 10.000 Kronen. In der Praxis bekommt man Münzen und kleine Scheine allerdings selten zu Gesicht, weil fast alles per Karte bezahlt wird. Die 1-Króna-Münze ist eher ein Sammlerstück als ein Zahlungsmittel.

Isländische Kronenmünzen und Banknoten auf einer Holzfläche
Die Isländische Krone: Hohe Zahlen, aber der Umrechnungskurs relativiert alles schnell (KI-generiert)

Eine Besonderheit der ISK: Der Kurs kann innerhalb weniger Monate um 10 bis 15 Prozent schwanken. Das liegt an der kleinen Volkswirtschaft Islands, die stark vom Tourismus, der Fischerei und dem Export von Aluminium abhängt. Vor der Finanzkrise 2008 verlor die Krone mehr als die Hälfte ihres Wertes. Seitdem hat sie sich stabilisiert, aber Schwankungen sind normal. Wer Pech hat, zahlt für die gleiche Reise 10 Prozent mehr als jemand, der drei Monate vorher da war.

Für die schnelle Umrechnung im Kopf hilft dieser Trick: Den ISK-Betrag durch 150 teilen (oder einfach durch 100 teilen und dann ein Drittel abziehen). 15.000 ISK? Durch 150 geteilt ergibt das 100 Euro. Mit der Zeit geht das automatisch.

Kreditkarten: Das Zahlungsmittel Nummer eins

Auf Island kann man praktisch überall mit Kreditkarte zahlen. Hotels, Restaurants, Supermärkte, Tankstellen, Museen, sogar öffentliche Toiletten und kleine Dorfläden akzeptieren Karten. Die Isländer selbst nutzen fast ausschließlich Kredit- oder Debitkarten für ihre täglichen Einkäufe. Laut der isländischen Zentralbank werden weniger als 10 Prozent aller Transaktionen im Land bar abgewickelt.

Visa und Mastercard werden flächendeckend akzeptiert. American Express funktioniert in größeren Hotels und Restaurants, wird aber an kleineren Orten manchmal abgelehnt. Diners Club und JCB sind kaum verbreitet. Wer auf Nummer sicher gehen will, nimmt eine Visa oder Mastercard mit.

Ein wichtiges Detail: An unbedienten Tankstellen (die in ländlichen Gebieten die einzige Option sein können) braucht man eine Kreditkarte mit PIN. Die Automaten akzeptieren keine Karten ohne PIN-Code. Wer mit seiner Karte normalerweise nur per Unterschrift zahlt, sollte vor der Reise bei seiner Bank eine PIN anfordern. Das kann ein paar Tage dauern, also rechtzeitig darum kümmern.

Empfehlung für Reisende aus Deutschland: Eine Kreditkarte ohne Auslandseinsatzgebühr spart bei einer Islandreise schnell 50 bis 100 Euro. Viele Kreditkarten berechnen 1,5 bis 2 Prozent Gebühr auf jede Zahlung in Fremdwährung. Karten wie die DKB Visa, die Barclays Visa oder die Trade Republic Karte verzichten auf diese Gebühr. Bei einer Gesamtausgabe von 3.000 Euro auf der Reise macht das einen Unterschied von 45 bis 60 Euro.

Kontaktloses Bezahlen mit Kreditkarte an einem Kartenterminal in einem isländischen Laden
Kontaktloses Bezahlen funktioniert auf Island überall, auch in den kleinsten Dörfern (KI-generiert)

Apple Pay und Google Pay funktionieren in Island an den meisten Terminals, die kontaktloses Bezahlen unterstützen. Das ist in Reykjavík und an touristischen Orten fast überall der Fall. In ländlichen Gebieten kann es vereinzelt vorkommen, dass nur der Chip gelesen wird. Eine physische Karte als Backup ist deshalb sinnvoll.

Bargeld auf Island

Die kurze Antwort: Man braucht auf Island fast kein Bargeld. Die lange Antwort: Es gibt ein paar Situationen, in denen Bargeld praktisch sein kann, aber selbst dann kommt man meistens ohne aus.

Wer trotzdem ein paar Isländische Kronen dabeihalten will (für den Fall der Fälle), kann am Flughafen Keflavík am Geldautomaten abheben. Die Automaten der Arion Bank, Íslandsbanki und Landsbankinn sind direkt in der Ankunftshalle. Auch in Reykjavík gibt es Geldautomaten in der Innenstadt (vor allem in der Laugavegur und Bankastræti). In kleineren Orten sind Geldautomaten selten, manchmal muss man 50 oder 100 Kilometer zum nächsten fahren.

Beim Abheben am Geldautomaten: Wenn der Automat fragt, ob die Umrechnung in Euro erfolgen soll ("Dynamic Currency Conversion"), immer ablehnen und in ISK abheben. Die Umrechnung durch den Automaten ist fast immer schlechter als der Kurs, den die eigene Bank berechnet. Man verliert dabei leicht 3 bis 5 Prozent.

Ein Tipp: 10.000 bis 20.000 ISK (ca. 65 bis 130 Euro) reichen als Bargeld-Reserve völlig aus. Mehr braucht man wirklich nicht. Übrig gebliebene Kronen kann man am Flughafen vor dem Abflug zurücktauschen, allerdings zu einem schlechteren Kurs als beim Abheben.

Geld wechseln und Wechselkurse

Eurobargeld in Island zu wechseln, ist möglich, aber in der Regel die schlechteste Option. Die Wechselstuben am Flughafen und in Reykjavík bieten Kurse, die 3 bis 8 Prozent unter dem Marktkurs liegen. Dazu kommen oft noch Gebühren pro Transaktion.

Die beste Strategie für den Wechselkurs: Alles per Kreditkarte ohne Auslandseinsatzgebühr bezahlen. Der Kurs, den Visa und Mastercard für die Umrechnung verwenden, liegt in der Regel innerhalb von 0,5 Prozent des Marktkurses. Das ist deutlich besser als jede Wechselstube.

Wer aus der Schweiz oder Österreich kommt: CHF und USD werden in Island nicht direkt akzeptiert. Auch Euro-Bargeld wird nur in wenigen Touristengeschäften angenommen, meist zu einem ungünstigen Kurs. Die Kreditkarte ist auch hier die beste Lösung.

Unbediente Tankstelle auf Island in ländlicher Umgebung mit Kartenlesegerät
Unbediente Tankstellen akzeptieren nur Kreditkarten mit PIN, kein Bargeld (KI-generiert)

Trinkgeld auf Island

In Island gibt es keine Trinkgeld-Kultur. Im Restaurant, im Taxi, im Hotel: Trinkgeld wird weder erwartet noch als unhöflich empfunden, wenn man es gibt. Die Rechnungsbeträge enthalten bereits Mehrwertsteuer (24 Prozent auf die meisten Waren, 11 Prozent auf Lebensmittel und Übernachtungen) und die Löhne des Personals sind im internationalen Vergleich hoch.

In gehobenen Restaurants runden manche Gäste den Betrag auf oder lassen 5 bis 10 Prozent Trinkgeld, aber das ist absolut freiwillig. Tourguides und Busfahrer freuen sich über ein kleines Trinkgeld (1.000 bis 2.000 ISK, also 6 bis 13 Euro), wenn die Tour gut war. Das ist aber kein Muss.

Ein Detail, das man kennen sollte: Wenn das Kartenterminal im Restaurant nach einem Trinkgeld-Betrag fragt ("Tip?"), muss man sich nicht genötigt fühlen. Viele Terminals sind für den internationalen Markt konfiguriert und zeigen diese Option automatisch an. Man kann einfach "Nein" oder "0" wählen, ohne dass der Kellner beleidigt ist.

Rechnung in einem isländischen Restaurant mit Preisen in Isländischen Kronen
Restaurantrechnungen auf Island sehen mit ihren hohen ISK-Beträgen erst mal erschreckend aus (KI-generiert)

Preise und Preisniveau

Island gehört zu den teuersten Reiseländern Europas. Die hohen Preise haben mehrere Gründe: Fast alle Konsumgüter müssen importiert werden, die Löhne sind hoch, die Bevölkerung ist klein (rund 390.000 Menschen), und die Steuern sind happig. Hier ein Überblick über typische Preise (Stand 2026):

Essen: Ein Hauptgericht im Restaurant kostet 3.500 bis 6.000 ISK (23 bis 40 Euro). Ein einfacher Hotdog am Stand liegt bei 690 ISK (4,50 Euro). Ein Bier im Lokal kostet 1.500 bis 2.000 ISK (10 bis 13 Euro). Ein Kaffee to go etwa 600 bis 800 ISK (4 bis 5 Euro). Im Supermarkt kostet ein Liter Milch 280 ISK (1,80 Euro), ein Kilo Brot 600 ISK (4 Euro), ein Sixpack Bier rund 2.500 ISK (16 Euro).

Unterkünfte: Ein Doppelzimmer im einfachen Gästehaus kostet ab 15.000 ISK (100 Euro) pro Nacht. Mittelklasse-Hotels liegen bei 25.000 bis 40.000 ISK (165 bis 265 Euro). Luxushotels ab 50.000 ISK (330 Euro) aufwärts. Ferienhäuser ab 20.000 ISK (130 Euro) pro Nacht.

Transport: Ein Liter Benzin kostet rund 330 ISK (2,20 Euro). Ein Mietwagen der Kompaktklasse ab 8.000 ISK (53 Euro) pro Tag, ein 4x4 ab 15.000 ISK (100 Euro). Bustickets in Reykjavík kosten 550 ISK (3,60 Euro) pro Fahrt. Ein Inlandsflug (z.B. Reykjavík nach Akureyri) ab 12.000 ISK (80 Euro).

Aktivitäten: Gletscherwanderung ab 15.000 ISK (100 Euro), Walbeobachtung ab 12.000 ISK (80 Euro), Eishöhlentour ab 20.000 ISK (130 Euro), Schnorcheln in der Silfra-Spalte ab 25.000 ISK (165 Euro).

Tipps zum Geldsparen

Island muss nicht ruinös teuer sein, wenn man ein paar Strategien anwendet:

Supermärkte nutzen: Bonus (das Schwein im Logo) und Krónan sind die günstigsten Ketten. Nettó liegt im Mittelfeld. Hagkaup und 10/11 sind am teuersten. Wer im Supermarkt einkauft und im Ferienhaus oder Campervan kocht, spart gegenüber Restaurantbesuchen 50 bis 70 Prozent.

Leitungswasser trinken: Das Leitungswasser in Island kommt direkt aus Gletscherquellen und ist ohne Übertreibung eines der besten der Welt. Eine Flasche Wasser im Laden kostet 350 ISK (2,30 Euro). Über eine zweiwöchige Reise summiert sich das. Wiederverwendbare Flasche mitnehmen und überall kostenlos auffüllen.

Innenansicht eines isländischen Bonus-Supermarkts mit Schwein-Logo
Bonus mit dem rosa Schwein: Der günstigste Supermarkt Islands, den Reisende kennen sollten (KI-generiert)

Tanken an Orkan oder N1-Automaten: Tankstellen mit Bedienung sind teurer als Tankautomaten. Orkan hat oft die niedrigsten Preise. Bei Costco in Reykjavík tankt man am günstigsten, braucht aber eine Costco-Mitgliedskarte.

Kostenlose Aktivitäten: Die schönsten Dinge auf Island kosten keinen Eintritt. Wasserfälle, heiße Quellen in der Natur, Wanderungen, schwarze Strände und Aussichtspunkte sind frei zugänglich. Nur für geführte Touren (Gletscher, Eishöhlen, Schnorcheln) muss man zahlen.

Duty Free am Flughafen: Der Duty-Free-Shop am Flughafen Keflavík bei der Ankunft hat günstige Preise für Alkohol. Alkohol in Island ist durch hohe Steuern sehr teuer (eine Flasche Wein im Vínbúðin, dem staatlichen Alkoholmonopol, kostet ab 2.500 ISK, also 16 Euro). Wer gerne abends ein Glas Wein trinkt, kauft am besten bei der Ankunft im Duty Free ein.

Häufige Fragen

Kann ich auf Island überall mit Karte bezahlen?

Ja, fast überall. Visa und Mastercard werden an allen Kartenlesegeräten akzeptiert, selbst in kleinen Dorfläden, an Tankautomaten und auf Campingplätzen. Die einzigen Ausnahmen sind gelegentlich private Flohmarkt-Stände oder sehr kleine Straßenverkäufer. Für 99 Prozent aller Ausgaben auf einer Islandreise reicht die Kreditkarte.

Soll ich zu Hause schon Isländische Kronen besorgen?

Nein, das ist nicht nötig und meistens teuer. Deutsche Banken haben ISK selten vorrätig und bestellen sie zu schlechten Kursen. Wenn du Bargeld brauchst, hebe am Geldautomaten am Flughafen Keflavík ab. Noch besser: Bezahle einfach alles mit einer gebührenfreien Kreditkarte.

Was kostet eine Islandreise insgesamt?

Eine zweiwöchige Reise für zwei Personen kostet im mittleren Segment etwa 5.000 bis 8.000 Euro inklusive Flügen, Mietwagen, Unterkünften und Verpflegung. Budget-Reisende kommen mit 3.000 bis 4.000 Euro aus (Campervan, Selbstverpflegung). Luxusreisen liegen bei 10.000 Euro aufwärts. Die größten Posten sind Unterkunft und Mietwagen.

Gibt es auf Island Mehrwertsteuer-Rückerstattung für Touristen?

Ja, Touristen aus Nicht-EU-Ländern können sich die Mehrwertsteuer (VSK) auf Einkäufe ab 6.000 ISK (ca. 40 Euro) pro Geschäft erstatten lassen. Das gilt für Waren, nicht für Dienstleistungen oder Verpflegung. Die Erstattung beträgt bis zu 15 Prozent des Kaufpreises. Den Tax-Free-Schein bekommt man im Geschäft, die Rückerstattung erfolgt am Flughafen Keflavík beim Zoll vor dem Check-in.

Das Bezahlen auf Island ist im Grunde einfacher als in vielen anderen Reiseländern. Kreditkarte einpacken, am besten eine ohne Auslandsgebühren, und schon ist man für die gesamte Reise gerüstet. Bargeld ist ein nettes Backup, aber kein Muss. Die hohen Preise auf der Insel sind anfangs gewöhnungsbedürftig, aber mit den richtigen Strategien lässt sich der Schaden für den Geldbeutel begrenzen. Was am Ende bleibt, sind Erlebnisse, die kein Preisschild haben.

Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026