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Silver Circle
Nordislands stille Rundroute abseits der Touristenströme

Silver Circle

13 Min. Lesezeit

Der Diamond Circle hat seinen festen Platz in jedem Reiseführer. Der Goldene Kreis sowieso. Aber der Silver Circle? Den kennen selbst viele Island-Wiederholer nicht. Dabei führt diese Rundroute in Nordisland durch Landschaften, die zu den schönsten der gesamten Insel gehören. Steile Fjorde, verlassene Halbinseln, ein ehemaliges Heringsdorf, das heute zu den charmantesten Orten Islands zählt, und ein Schwimmbad am Meer, das man so schnell nicht vergisst.

Der Silver Circle startet und endet in Akureyri, der Hauptstadt des Nordens. Die Route umrundet die Halbinsel Tröllaskagi (Trollhalbinsel) und misst etwa 200 Kilometer. Die reine Fahrzeit beträgt rund drei Stunden, aber wer die Strecke so schnell abfährt, verpasst das Wesentliche. Ein bis zwei Tage sollte man einplanen, um die Orte entlang der Route wirklich kennenzulernen. Im Gegensatz zu den bekannteren Routen trifft man hier kaum Reisebusse, und die Parkplätze an den Sehenswürdigkeiten sind selten voll.

Was ist der Silver Circle?

Der Silver Circle ist eine Rundroute im Norden Islands, die den Eyjafjörður und die Tröllaskagi-Halbinsel umfasst. Die Route führt von Akureyri nach Norden entlang der Westküste des Eyjafjörður über Dalvík, durch den Héðinsfjörður-Tunnel nach Siglufjörður, dann weiter an der Küste entlang über Hofsós und schließlich über die Route 76 zurück nach Akureyri. Der Name Silver Circle wurde in Anlehnung an den Golden Circle und den Diamond Circle gewählt. Das Silber bezieht sich auf den Hering, der einst in diesen Gewässern in riesigen Schwärmen vorkam und der Region enormen Reichtum brachte.

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Tröllaskagi Halbinsel in Nordisland mit steilen Bergen und Fjord
Die Tröllaskagi-Halbinsel: steile Berge, tiefe Fjorde und kaum ein anderes Auto auf der Straße (KI-generiert)

Die Straße entlang des Silver Circle ist vollständig asphaltiert. Die einzigen Abschnitte, die früher problematisch waren, wurden durch Tunnels ersetzt. Der Héðinsfjörður-Tunnel, eröffnet 2010, verbindet Siglufjörður mit Ólafsfjörður und macht die Route ganzjährig befahrbar. Davor war Siglufjörður im Winter oft wochenlang von der Außenwelt abgeschnitten. Ein normaler Mietwagen reicht für die gesamte Strecke aus.

Die beste Reisezeit ist Juni bis September. Im Juni hat man fast 24 Stunden Tageslicht und kann die Route theoretisch zu jeder Tages- oder Nachtzeit fahren. Im September wird es abends wieder dunkel, dafür besteht die Chance, Nordlichter über den Fjorden zu sehen. Im Winter ist die Strecke befahrbar, aber einige Aktivitäten (Fähre nach Hrísey, manche Schwimmbäder) haben eingeschränkte Öffnungszeiten.

Siglufjörður: Die Heringshauptstadt

Siglufjörður Hafen mit bunten Häusern und Bergen im Hintergrund
Siglufjörður: einst Islands reichste Stadt, heute ein Ort mit 1.200 Einwohnern und viel Geschichte (KI-generiert)

Siglufjörður ist der Höhepunkt des Silver Circle, und das im wörtlichen Sinne. Der Ort liegt in einem engen Fjord, umgeben von steilen Bergen, die im Winter bis ans Wasser herunter verschneit sind. Heute leben hier etwa 1.200 Menschen, aber Mitte des 20. Jahrhunderts war Siglufjörður mit über 10.000 Einwohnern eine der größten Städte Islands. Der Grund: Hering. In den 1940er und 1950er Jahren war die isländische Heringsproduktion eine der wichtigsten Einnahmequellen des Landes, und Siglufjörður war das Zentrum dieser Industrie.

Das Heringsmuseum (Síldarminjasafnið) erzählt diese Geschichte auf drei Etagen in drei historischen Gebäuden am Hafen. Man sieht die originalen Salzfässer, die Verarbeitungsmaschinen und kann einen Film über die Heringsära anschauen, der aus Originalaufnahmen zusammengeschnitten ist. Das Museum wurde mehrfach als bestes Museum Islands ausgezeichnet und hat 2015 den European Museum of the Year Award als Finalist erreicht. Eintritt: 2.000 ISK (ca. 13 EUR) für Erwachsene, Kinder unter 16 kostenlos.

In den Sommermonaten findet in Siglufjörður das Heringsmädchenfest (Síldarkónudagurinn) statt, ein Volksfest, das an die Frauen erinnert, die in der Heringsverarbeitung die Hauptarbeit leisteten. Es gibt Live-Musik, traditionelles Essen und Tanz. Außerdem veranstaltet der Ort jedes Jahr im Juli das Siglufjörður Folk Music Festival, das älteste Folkfestival Islands. Für vier Tage verwandelt sich das kleine Dorf in eine Bühne für isländische und internationale Volksmusik.

Auch abseits der Festivals lohnt sich ein Aufenthalt. Die bunten Häuser am Hafen wirken wie aus einem skandinavischen Bilderbuch. Es gibt mehrere gute Restaurants, darunter das Hannes Boy, das frischen Fisch und isländische Küche serviert (Hauptgerichte ab 3.500 ISK / ca. 23 EUR). Im Kaffi Rauðka bekommt man guten Kaffee und selbstgebackenen Kuchen. Wer übernachten will, findet im Sigló Hótel direkt am Hafen komfortable Zimmer mit Blick auf den Fjord (ab 28.000 ISK / ca. 185 EUR pro Nacht im Sommer).

Hofsós: Infinity Pool mit Fjordblick

Hofsós hat 150 Einwohner, zwei Straßen und ein Schwimmbad, das es in jeden Island-Reiseführer geschafft hat. Das Sundlaugin á Hofsósi ist ein Infinity Pool direkt an der Küste, dessen Beckenrand nahtlos in den Skagafjörður überzugehen scheint. Die Wassertemperatur liegt bei 30 bis 38 Grad (je nach Becken), und der Blick geht über den Fjord zur Insel Drangey. An klaren Tagen sieht man bis zu den Bergen der Westfjorde. Der Eintritt kostet 1.100 ISK (ca. 7 EUR), und es gibt Umkleiden und warme Duschen.

Die Architektur des Pools stammt vom isländischen Architekten Basalt Architects und wurde bewusst schlicht gehalten, damit nichts von der Landschaft ablenkt. Die meisten Besucher kommen am Nachmittag, wer den Pool morgens besucht, hat ihn oft fast für sich allein. Im Sommer ist das Bad von 7 bis 21 Uhr geöffnet, im Winter verkürzt auf 10 bis 18 Uhr.

Infinity Pool in Hofsós mit Blick über den Skagafjörður
Der Infinity Pool von Hofsós: warmes Wasser, weiter Fjordblick, keine Menschenmassen (KI-generiert)

Neben dem Schwimmbad hat Hofsós noch eine weitere Attraktion: das Vesturfarasetrið, ein Museum über die isländische Auswanderung nach Nordamerika. Im 19. Jahrhundert verließen etwa 15.000 Isländer ihre Heimat, viele von ihnen segelten von der Küste des Skagafjörður ab. Das Museum dokumentiert ihre Reise und ihr neues Leben in Kanada und den USA. Der Eintritt beträgt 1.500 ISK (ca. 10 EUR). Für Besucher mit isländischen Vorfahren gibt es eine Datenbank, in der man nach Verwandten suchen kann.

Von Hofsós aus sieht man die Insel Drangey im Fjord. Der steile Felsklotz ragt 180 Meter aus dem Wasser und war im Mittelalter der Zufluchtsort des Geächteten Grettir Ásmundsson, dessen Geschichte in der Grettis Saga erzählt wird. Im Sommer kann man eine Bootstour zur Insel buchen (ab etwa 9.000 ISK / ca. 60 EUR). Auf Drangey nisten tausende Seevögel, darunter Papageitaucher, und man kann an den Klippen entlang wandern.

Dalvík und die Tröllaskagi-Halbinsel

Dalvík ist ein Fischerdorf mit 1.400 Einwohnern an der Westseite des Eyjafjörður, etwa 40 Kilometer nördlich von Akureyri. Der Ort ist bekannt für sein Fiskidagurinn mikli (Großer Fischtag), ein Festival Anfang August, bei dem kostenlos Fisch in allen erdenklichen Zubereitungsarten verteilt wird. 2024 kamen über 20.000 Besucher zu einem Ort mit 1.400 Einwohnern.

Von Dalvík starten Walbeobachtungstouren in den Eyjafjörður. Die Touren sind kürzer als in Húsavík (etwa zwei Stunden) und günstiger (ab 9.000 ISK / ca. 60 EUR). Buckelwale zeigen sich hier regelmäßig, und die Sichtungsrate liegt bei rund 95 Prozent. Im Winter bietet Arctic Sea Tours kombinierte Touren mit Walbeobachtung und Seeangeln an.

Die Tröllaskagi-Halbinsel zwischen Dalvík und Siglufjörður ist eine der wildesten Regionen Nordislands. Die Berge steigen direkt vom Meer auf über 1.000 Meter an, die Täler sind eng und steil, und im Winter nutzen Einheimische die Hänge zum Skifahren. Die Skigebiete Dalvík und Siglufjörður sind klein, haben aber sehr guten Naturschnee und Pisten, die oft bis Juni geöffnet sind. Ein Tagespass kostet etwa 4.000 ISK (ca. 26 EUR).

Hrísey: Die Perle des Eyjafjörður

Die Insel Hrísey liegt mitten im Eyjafjörður, etwa 35 Kilometer nördlich von Akureyri. Die Fähre ab Árskógssandur braucht 15 Minuten und verkehrt mehrmals täglich (Hin- und Rückfahrt: 1.800 ISK / ca. 12 EUR pro Erwachsenem). Hrísey hat 160 Einwohner und ist die zweitgrößte Insel vor der isländischen Küste, nach der Insel Heimaey auf den Westmännerinseln.

Insel Hrísey im Eyjafjörður mit bunten Häusern
Hrísey im Eyjafjörður: 160 Einwohner, keine Autos und eine der größten Vogelkolonien Nordislands (KI-generiert)

Auf Hrísey gibt es keine Autos (außer einem einzigen Traktor). Man erkundet die Insel zu Fuß, was in zwei bis drei Stunden gut machbar ist. Ein markierter Rundweg führt über die flache, grasbewachsene Insel, vorbei an einem alten Quarantänehaus, einer Vogelbeobachtungsstation und kleinen Kieselbuchten. Hrísey ist ein wichtiger Brutplatz für Schneehühner, die auf der Insel keine natürlichen Feinde haben. Im Frühling und Sommer sieht man sie überall zwischen den Häusern laufen.

Am Hafen gibt es ein kleines Café, das im Sommer selbstgebackene Waffeln und Kaffee anbietet. Die Atmosphäre auf Hrísey ist extrem ruhig. Kein Verkehrslärm, kein Gedränge, nur Wind, Vögel und das Plätschern des Meeres. Viele Isländer kommen im Sommer für ein Wochenende hierher, um einfach nichts zu tun.

Akureyri als Ausgangspunkt

Akureyri ist mit knapp 19.000 Einwohnern die größte Stadt außerhalb des Großraums Reykjavík und der logische Startpunkt für den Silver Circle. Von Reykjavík aus erreicht man Akureyri in etwa 4,5 Stunden über die Ringstraße (385 Kilometer) oder in 45 Minuten per Inlandsflug mit Icelandair. Flüge kosten je nach Buchungszeitpunkt zwischen 10.000 und 25.000 ISK (ca. 66 bis 165 EUR) pro Strecke.

In Akureyri gibt es mehrere Mietwagenanbieter, die Büros direkt am Flughafen oder im Stadtzentrum haben. Ein Kleinwagen kostet im Sommer ab etwa 8.000 ISK (ca. 53 EUR) pro Tag, im Winter oft deutlich weniger. Für den Silver Circle reicht ein Standardwagen, Allrad ist nicht nötig. Tanken sollte man in Akureyri, denn entlang der Route gibt es nur in Dalvík und Siglufjörður Tankstellen (beide N1, 24 Stunden mit Karte).

Wer den Silver Circle mit dem Diamond Circle kombinieren will, braucht insgesamt drei bis vier Tage. Die Routen überschneiden sich nicht, aber beide starten in Akureyri. Eine gute Reihenfolge ist: Tag 1 Silver Circle (Dalvík, Siglufjörður, Hofsós), Tag 2 Rückkehr nach Akureyri und Start des Diamond Circle (Goðafoss, Mývatn), Tag 3 Dettifoss, Ásbyrgi, Húsavík.

Routenplanung und praktische Tipps

Straße entlang des Silver Circle mit Fjordblick in Nordisland
Die Küstenstraße am Silver Circle: asphaltiert, kurvenreich und mit Ausblicken, die zum Anhalten zwingen (KI-generiert)

Die empfohlene Fahrtrichtung ist gegen den Uhrzeigersinn: von Akureyri über Dalvík nach Siglufjörður und dann über Hofsós zurück. So hat man die Küste auf der rechten Seite und kann leichter anhalten, wenn sich ein guter Aussichtspunkt ergibt. Die Straße führt über drei Tunnel, die alle beleuchtet und sicher sind. Der längste ist der Héðinsfjörður-Tunnel mit 7,5 Kilometern.

Für die Verpflegung unterwegs gibt es in jedem Ort mindestens einen kleinen Laden. In Siglufjörður und Dalvík finden sich auch Supermärkte (Samkaup). Restaurants gibt es in Siglufjörður (Hannes Boy, Kaffi Rauðka), Dalvík (Berg Restaurant) und Hofsós (Sólvík). In der Nebensaison haben manche Restaurants eingeschränkte Öffnungszeiten, daher lohnt es sich, vorher online zu prüfen.

Tipp für Fotografen:

Die Straße zwischen Siglufjörður und Hofsós bietet einige der besten Fotomotive Nordislands. Besonders die Stelle, an der die Straße einen engen Fjord umrundet und man gleichzeitig Meer, Berge und schneebedeckte Gipfel im Bild hat. Im Sommer ist das Licht zwischen 21 und 23 Uhr am schönsten (Mitternachtssonne), im September eignet sich die goldene Stunde am Nachmittag.

Übernachtungsmöglichkeiten gibt es entlang der Route in verschiedenen Preisklassen. In Siglufjörður das Sigló Hótel (ab 28.000 ISK), in Dalvík das Guesthouse Dalvík (ab 14.000 ISK / ca. 93 EUR), in Hofsós das Lónkot Farmstay (ab 18.000 ISK / ca. 119 EUR). Campingplätze gibt es in Siglufjörður und Dalvík (ca. 2.000 ISK / 13 EUR pro Person). Wer flexibel sein will, bucht in Akureyri und fährt die Route als Tagesausflug.

Häufige Fragen

Wie lange braucht man für den Silver Circle?

Die reine Fahrzeit beträgt etwa drei Stunden. Für Stopps in Dalvík, Siglufjörður und Hofsós sollte man einen ganzen Tag einplanen. Wer auch nach Hrísey übersetzen oder in Siglufjörður übernachten will, braucht zwei Tage.

Braucht man einen Allradwagen für den Silver Circle?

Nein. Die gesamte Route ist asphaltiert, und die Tunnel sind ganzjährig befahrbar. Ein normaler Mietwagen reicht vollkommen aus. Im Winter sollte man allerdings auf Winterreifen achten und die Straßenverhältnisse auf road.is prüfen.

Kann man den Silver Circle auch im Winter fahren?

Ja, die Straße ist ganzjährig geöffnet. Im Winter sind allerdings einige Aktivitäten (Fähre nach Hrísey, Schwimmbad Hofsós) nur eingeschränkt verfügbar. Dafür hat man die Chance auf Nordlichter und eine verschneite Landschaft, die im Sommer ganz anders aussieht.

Lohnt sich der Silver Circle im Vergleich zum Diamond Circle?

Beide Routen ergänzen sich gut. Der Diamond Circle bietet die großen Naturschauspiele (Dettifoss, Ásbyrgi, Goðafoss), der Silver Circle punktet mit Küstenorten, Kultur und dem Gesamterlebnis einer ruhigen Fahrt durch die Fjorde. Wer genug Zeit hat, fährt beide.

Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026