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Dalvík
Fischerdorf zwischen Fjord und Bergen im Norden Islands

Dalvík

11 Min. Lesezeit

Dalvík ist einer dieser Orte, an denen man auf einer Ringstraßen-Rundfahrt vorbeifährt und erst hinterher bereut, nicht angehalten zu haben. Das Fischerdorf liegt an der Westseite des Eyjafjörður in Nordisland, eingeklemmt zwischen steilen Bergen und dem längsten Fjord der Insel. Hier leben 1.400 Menschen, die meisten von der Fischerei. Im Sommer kommen Besucher zum Walbeobachten und zum Großen Fischtag, im Winter zum Skifahren. Aber auch außerhalb dieser Anlässe ist Dalvík ein Ort, der sich lohnt.

Von Akureyri sind es 42 Kilometer auf gut ausgebauter Straße, Fahrzeit etwa 40 Minuten. Die Straße führt am Westufer des Eyjafjörður entlang, immer mit Blick auf das Wasser und die Berge auf der anderen Seite. Dalvík ist Teil des Silver Circle, der Rundroute um die Tröllaskagi-Halbinsel, und ein guter erster oder letzter Stopp auf dieser Tour.

Dalvík kennenlernen

Hafen von Dalvík mit Fischerbooten und Bergen im Hintergrund
Der Hafen von Dalvík: Fischerboote, Walbeobachtungsschiffe und die Fähre nach Grímsey (KI-generiert)

Dalvík ist ein Ort zum Durchatmen. Es gibt keine Ampeln, keinen Stau, keine Schlangen vor Sehenswürdigkeiten. Der Hafen ist das Zentrum, hier legen die Fischerboote an, starten die Walbeobachtungstouren und wartet die Fähre nach Grímsey. Die Häuser sind niedrig, viele in kräftigen Farben gestrichen, und die Berge dahinter wirken, als könnten sie den Ort jeden Moment verschlucken.

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Das Byggðasafnið Hvoll (Bezirksmuseum) zeigt die Geschichte der Fischerei und des Ortes. Ein Raum ist dem Erdbeben von 1934 gewidmet, das Dalvík fast vollständig zerstörte. Die Stärke 6,3 auf der Richterskala ließ die meisten Häuser einstürzen, und der Ort musste praktisch neu aufgebaut werden. Heute erinnert wenig daran, aber im Museum sieht man Fotos der Zerstörung und hört Berichte von Zeitzeugen. Eintritt: 1.000 ISK (ca. 7 EUR).

In Dalvík gibt es einen kleinen Supermarkt (Samkaup), eine Tankstelle (N1), eine Post und eine Bank. Für größere Einkäufe fährt man nach Akureyri. Der Ort hat eine Grundschule, einen Kindergarten und ein Gemeindezentrum, in dem im Winter manchmal Konzerte oder Theateraufführungen stattfinden. Es ist ein Ort, der funktioniert, ohne dabei Aufhebens zu machen.

Walbeobachtung im Eyjafjörður

Dalvík ist nach Húsavík der zweitwichtigste Ort für Walbeobachtung in Nordisland. Der Hauptanbieter ist Arctic Sea Tours, der vom Hafen aus Touren in den Eyjafjörður anbietet. Die Standardtour dauert etwa drei Stunden und kostet 11.500 ISK (ca. 76 EUR) für Erwachsene. Kinder unter 7 fahren kostenlos mit, Kinder von 7 bis 15 zahlen den halben Preis.

Walbeobachtung im Eyjafjörður bei Dalvík mit Buckelwal
Buckelwale im Eyjafjörður: die Sichtungsrate liegt bei rund 95 Prozent (KI-generiert)

Im Eyjafjörður werden vor allem Buckelwale, Zwergwale und Weißschnauzendelphine gesichtet. Die Sichtungsrate liegt bei etwa 95 Prozent. Der Vorteil gegenüber Húsavík: Die Touren sind oft weniger voll, und die Fahrt in den Fjord ist kürzer, was weniger Seekrankheit bedeutet. Arctic Sea Tours bietet außerdem eine Kombitour an, bei der man erst Wale beobachtet und dann Seeangeln kann. Der gefangene Fisch wird anschließend auf dem Boot gegrillt (Kombitour: 17.500 ISK / ca. 116 EUR).

Die Walsaison läuft von April bis November, die besten Monate sind Juni bis August. Im Winter bietet Arctic Sea Tours Touren an, bei denen die Chance besteht, gleichzeitig Wale und Nordlichter zu sehen. Diese Wintertouren sind wetterabhängig und finden nicht jeden Tag statt, aber wenn die Bedingungen stimmen, ist das Erlebnis kaum zu überbieten: Buckelwale, die unter dem grünen Licht der Aurora abtauchen.

Fiskidagurinn mikli: Der Große Fischtag

Am zweiten Samstag im August verwandelt sich Dalvík in das kulinarische Zentrum Nordislands. Beim Fiskidagurinn mikli (Großer Fischtag) wird im gesamten Ort kostenlos Fisch serviert. An Dutzenden Ständen gibt es gegrillten Lachs, Kabeljau-Suppe, gebratenen Saibling, Fischburger und Stockfisch. Alles umsonst. Die Idee entstand 1998 als Feier der örtlichen Fischereikultur und ist eines der größten Volksfeste Nordislands.

2024 kamen über 20.000 Besucher nach Dalvík, das sind mehr als 14 Mal so viele Menschen wie der Ort Einwohner hat. Neben dem Essen gibt es Live-Musik auf mehreren Bühnen, einen Flohmarkt, Kinderaktivitäten und einen Laufwettbewerb. Die Stimmung ist ausgelassen und familiär, Isländer aus dem ganzen Land reisen an. Hotels und Gästehäuser in der Region sind an diesem Wochenende Monate im Voraus ausgebucht. Wer dabei sein will, sollte in Akureyri übernachten und mit dem Auto anreisen (Parkplätze am Ortsrand).

Außerhalb des Festivals ist Dalvík trotzdem ein guter Ort für Fischliebhaber. Im Café am Hafen bekommt man Fischsuppe für etwa 2.200 ISK (ca. 15 EUR), und in der örtlichen Fischfabrik kann man manchmal frischen Fisch direkt ab Kutter kaufen. Wer selbst angeln will, bucht eine der Seeangel-Touren ab Dalvík (ab 14.000 ISK / ca. 93 EUR, inklusive Ausrüstung).

Skifahren am Böggvisstaðafjall

Das Skigebiet von Dalvík liegt direkt oberhalb des Ortes am Berg Böggvisstaðafjall. Es ist kein Alpenresort, sondern ein kleines, von Freiwilligen betriebenes Skigebiet mit zwei Liften und mehreren Pisten unterschiedlicher Schwierigkeit. Der Reiz liegt in der Lage: Man fährt mit Blick auf den Fjord und das Meer hinab, und an klaren Tagen sieht man bis zur Insel Grímsey am Horizont.

Die Saison läuft je nach Schneelage von Dezember bis April, manchmal sogar bis Mai. Ein Tagespass kostet etwa 3.500 ISK (ca. 23 EUR), Leihausrüstung ist vor Ort verfügbar (ca. 5.000 ISK / 33 EUR). Die Pisten haben eine Höhendifferenz von etwa 500 Metern, und der Naturschnee ist in der Regel ausgezeichnet. In den vergangenen Jahren hat sich Dalvík zu einem Hotspot für Freeride-Skifahrer entwickelt, die abseits der Pisten die steilen Hänge der Tröllaskagi-Halbinsel befahren.

Skigebiet Dalvík mit Blick auf den Eyjafjörður
Skifahren in Dalvík: Abfahrt mit Fjordpanorama, Naturschnee und kaum Wartezeiten am Lift (KI-generiert)

Für erfahrene Skifahrer bietet die Region um Dalvík und die Tröllaskagi-Halbinsel einige der besten Skitouren-Möglichkeiten Islands. Mehrere Anbieter in Dalvík und Akureyri organisieren geführte Skitouren mit Aufstieg und Abfahrt direkt bis ans Meer (sogenannte „Ski to Sea"-Touren). Die Berge sind 800 bis 1.200 Meter hoch, die Abfahrten lang und steil, und das Gelände ist offen und lawinensicher, wenn man die richtigen Hänge wählt. Eine geführte Tagestour kostet ab 35.000 ISK (ca. 232 EUR) inklusive Ausrüstung und Transport.

Fähre nach Grímsey

Fähre von Dalvík nach Grímsey auf dem Eyjafjörður
Die Fähre Sæfari verbindet Dalvík mit der Polarkreis-Insel Grímsey (KI-generiert)

Vom Hafen Dalvík fährt die Fähre Sæfari zur Insel Grímsey, der nördlichsten bewohnten Insel Islands. Grímsey liegt direkt auf dem Polarkreis, und wer die Insel betritt, bekommt ein Zertifikat, das die Überquerung des Polarkreises bestätigt. Die Fähre braucht etwa drei Stunden für die Überfahrt, verkehrt dreimal pro Woche und kostet 3.800 ISK (ca. 25 EUR) für die einfache Fahrt.

Grímsey hat 60 Einwohner und lebt von der Fischerei und dem Tourismus. Die Insel ist 5,3 Quadratkilometer groß und kann in wenigen Stunden zu Fuß umrundet werden. Im Sommer brüten hier tausende Papageitaucher, Lummen und Dreizehenmöwen an den Klippen. Am Rand der Insel steht ein Monument, das die Position des Polarkreises markiert. Da sich der Polarkreis jedes Jahr um etwa 15 Meter verschiebt, wird das Monument regelmäßig versetzt.

Ein Tagesausflug nach Grímsey ist mit der Fähre möglich, wenn der Fahrplan es hergibt. Man kommt morgens an, erkundet die Insel zu Fuß, isst im einzigen Café (Krían) frischen Fisch und fährt am Nachmittag zurück. Wer auf der Insel übernachten will, findet ein kleines Gästehaus (ab 12.000 ISK / ca. 79 EUR) und einen Campingplatz. Die Alternative zur Fähre ist ein Kurzflug ab Akureyri (20 Minuten, ab 15.000 ISK / ca. 99 EUR pro Strecke).

Wandern und Schwimmen

Schwimmbad in Dalvík mit Hot Pots und Bergpanorama
Das Schwimmbad in Dalvík: Hot Pots und Wasserrutsche auf die Berge der Tröllaskagi (KI-generiert)

Rund um Dalvík gibt es mehrere markierte Wanderwege. Der beliebteste führt vom Ort über den Böggvisstaðaskógur (einen kleinen Birkenwald) hinauf auf den Bergrücken über dem Fjord (etwa 8 Kilometer, 3 Stunden, 450 Höhenmeter). Von oben hat man einen Rundblick über den Eyjafjörður, die Tröllaskagi-Berge und bei klarer Sicht bis nach Akureyri. Der Weg ist im Sommer gut begehbar, im Frühling kann noch Schnee liegen.

Das örtliche Schwimmbad (Sundlaugin á Dalvík) ist eines der besten in der Region. Es hat ein 25-Meter-Becken, zwei Hot Pots mit unterschiedlichen Temperaturen (38 und 42 Grad), ein Kinderbecken und eine Wasserrutsche. Der Eintritt beträgt 900 ISK (ca. 6 EUR). Das Schwimmbad ist ganzjährig geöffnet und liegt am nördlichen Ortsrand mit Blick auf die Berge. Wie in allen isländischen Schwimmbädern ist Duschen vor dem Baden Pflicht, und Badebekleidung ist erforderlich.

Für ambitionierte Wanderer eignet sich die Tageswanderung von Dalvík nach Ólafsfjörður über den alten Bergpfad Lágheiði (16 Kilometer, 5 bis 6 Stunden). Der Weg führt über einen 600 Meter hohen Pass und bietet Ausblicke in beide Richtungen. Vor dem Bau des Tunnels war dieser Pfad die einzige Verbindung zwischen den beiden Orten. Heute wird er als Wanderweg genutzt und ist von Juni bis September begehbar.

Essen und Übernachten

Das Berg Restaurant ist das einzige richtige Restaurant in Dalvík und serviert Fisch und Pizza. Die Fischsuppe (2.200 ISK / ca. 15 EUR) wird aus dem Fang des Tages zubereitet und ist ausgezeichnet. Ein Hauptgericht kostet zwischen 3.000 und 4.500 ISK (20 bis 30 EUR). Im Gísli, Eiríkur, Helgi (ja, das Restaurant heißt tatsächlich so) am Hafen gibt es Kaffee und leichte Gerichte.

Zum Übernachten bietet das Dalvík Hostel einfache, aber saubere Zimmer und Schlafsaalplätze (ab 6.500 ISK / ca. 43 EUR für einen Schlafsaalplatz, ab 16.000 ISK / ca. 106 EUR für ein Doppelzimmer). Das Guesthouse Dalvík am Ortsrand hat Zimmer mit eigenem Bad und Küchennutzung (ab 14.000 ISK / ca. 93 EUR). Der Campingplatz liegt am nördlichen Ortsrand, hat Duschen und eine Gemeinschaftsküche und kostet 1.800 ISK (ca. 12 EUR) pro Person.

Wer gehobener übernachten will, fährt nach Akureyri (40 Minuten) oder bucht sich in einem der Farmstays in der Umgebung ein. Das Brimnes Hotel in Ólafsfjörður (25 Kilometer nördlich) hat Zimmer mit Fjordblick und ein Restaurant mit gutem Ruf.

Häufige Fragen

Ist Dalvík einen eigenen Stopp wert oder reicht ein Durchfahren?

Wenn man Wale beobachten, im Schwimmbad baden oder den Großen Fischtag erleben will, braucht man mindestens einen halben Tag. Für einen kurzen Stopp am Hafen mit Kaffee reichen auch 30 Minuten. Als Übernachtungsort ist Dalvík eine ruhigere und günstigere Alternative zu Akureyri.

Wann findet der Große Fischtag statt?

Immer am zweiten Samstag im August. Das Fest beginnt vormittags und dauert bis in den Abend. Der Eintritt ist kostenlos, und das Essen ebenfalls. Wer in der Region übernachten will, sollte mindestens drei Monate im Voraus buchen.

Wie komme ich von Dalvík nach Grímsey?

Die Fähre Sæfari fährt dreimal pro Woche (Fahrzeit 3 Stunden, Kosten 3.800 ISK pro Strecke). Alternativ gibt es Kurzflüge ab Akureyri (20 Minuten). Ein Tagesausflug ist mit der Fähre möglich, wenn man den Fahrplan beachtet.

Lohnt sich Walbeobachtung in Dalvík oder besser in Húsavík?

Beide Orte haben hohe Sichtungsraten (95 bis 98 Prozent). Dalvík ist günstiger und weniger touristisch, Húsavík hat mehr Anbieter und das Walmuseum. Wer ohnehin auf dem Silver Circle unterwegs ist, nimmt Dalvík. Wer den Diamond Circle fährt, wählt Húsavík.

Lokale Tipps

Gut zu wissen

Sundlaug (Schwimmbad): Jeder Ort in Island hat ein geothermales Schwimmbad mit Hot Pots für 5-10 EUR. Dort treffen sich die Locals. Viel authentischer und günstiger als Blue Lagoon.

Bonus-Supermarkt: Das rosa Schweinchen-Logo ist dein bester Freund. Günstigster Supermarkt Islands. Abends gibt es oft reduzierte Fertiggerichte.

Spartipp: Duty-Free am Flughafen Keflavik bei Ankunft: Alkohol kostet in der Stadt das 3-4-fache. Fast jeder Isländer kauft beim Landen ein.

Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026