Nordisland
Nordisland ist der Teil der Insel, den viele Reisende auslassen und den alle, die dort waren, als Highlight bezeichnen. Während sich die Massen an der Südküste drängen, verteilen sich die Besucher im Norden auf ein riesiges Gebiet. Die Region erstreckt sich vom Skagafjörður im Westen bis zum Langanes im Osten und reicht im Süden bis an die unbewohnten Hochlandgebiete.
Rund 30.000 Menschen leben im Norden, die meisten davon in Akureyri. Die Landschaft ist vielfältiger als im Süden: tiefeingeschnittene Fjorde, vulkanische Wüsten am Mývatn, fruchtbare Täler mit Pferdezucht und im Winter die besten Nordlicht-Bedingungen des Landes.
Was Nordisland besonders macht
Nordisland hat ein kontinentaleres Klima als der Süden. Weniger Regen, kältere Winter, aber auch mehr Sonnentage im Sommer. Die Mitternachtssonne scheint von Mitte Juni bis Mitte Juli, und weil Akureyri nur 100 Kilometer südlich des Polarkreises liegt, geht die Sonne in dieser Zeit nie ganz unter. Das verändert das Reiseerlebnis komplett: Man kann um Mitternacht wandern, die Uhren verlieren ihre Bedeutung.
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Geologisch gehört Nordisland zu den aktivsten Zonen der Insel. Die Region liegt direkt auf dem Mittelatlantischen Rücken. Am Mývatn lässt sich die vulkanische Aktivität hautnah erleben: kochende Schlammtöpfe, dampfende Solfataren, Lavahöhlen und Krater. Der letzte große Ausbruch in der Region war 1984 am Krafla.
Akureyri: Das Tor zum Norden
Akureyri ist der logische Startpunkt für jede Nordisland-Reise. Die Stadt hat einen Flughafen mit mehreren täglichen Verbindungen nach Reykjavík (45 Minuten), Restaurants, Hotels und Supermärkte. Von hier aus erreicht man den Mývatn in einer Stunde, Húsavík in 1,5 Stunden und den Goðafoss in 40 Minuten.
Die Stadt selbst verdient mindestens einen halben Tag: Das ARoS-artige Kunstmuseum Akureyri, der Botanische Garten (der nördlichste seiner Art), die Akureyrarkirkja auf dem Hügel und die legendäre Eisdiele Brynja. Im Hafen legen Kreuzfahrtschiffe und Walbeobachtungsboote an.
Mývatn: Vulkanwunder am See
Der Mývatn-See, 90 Kilometer östlich von Akureyri, ist das geologische Herz Nordislands. Der Name bedeutet „Mückensee", und ja, im Sommer sind die Mücken berüchtigt. Aber die Landschaft entschädigt für alles: Der See liegt in einer vulkanischen Mondlandschaft, umgeben von Pseudokratern, Lavafeldern und dampfenden Erdspalten.
Dimmuborgir (Dunkle Burgen) ist ein Labyrinth aus Lavasäulen und Bögen, entstanden vor 2.000 Jahren bei einem Lavaausfluss über einen See. Die Formationen sehen aus wie die Ruinen einer dunklen Festung. Mehrere Wanderwege von 20 Minuten bis 2 Stunden führen durch das Gebiet.
Námaskarð (Hverir) liegt östlich des Sees und ist ein geothermales Hochtemperaturgebiet. Kochende Schlammtöpfe, zischende Fumarolen und der Geruch von Schwefel. Die Farben sind unwirklich: Gelb, Orange, Rot und Weiß auf grauem Boden. Freier Zugang, aber Vorsicht: Den markierten Pfaden folgen, die Erdkruste kann dünn sein.
Das Mývatn Nature Baths ist die nordisländische Alternative zur Blauen Lagune. Milchig-blaues Wasser in einem natürlichen Becken mit Blick über den See und die Berge. Deutlich weniger überlaufen und günstiger: 5.500 ISK (ca. 37 Euro). Im Winter kann man hier Nordlichter vom warmen Wasser aus beobachten.
Insider-Tipp: Die Grjótagjá-Höhle, bekannt aus Game of Thrones (Jon Snows Höhlenszene), liegt wenige Minuten vom See entfernt. Baden ist hier seit den 1980er Jahren wegen der Wassertemperatur (über 50 Grad) verboten, aber die Höhle kann besichtigt werden.
Húsavík und die Wale
Húsavík an der Skjálfandi-Bucht ist Europas unangefochtene Nummer eins für Walbeobachtung. Drei Anbieter fahren vom Hafen ab, die Sichtungsrate liegt bei 98 bis 99 Prozent im Sommer. Buckelwale sind am häufigsten, aber auch Blauwale, Zwergwale und Delfine werden regelmäßig gesichtet.
Neben dem Whale Watching lohnen das GeoSea Geothermalbad auf der Klippe, das Walmuseum (Europas umfassendstes) und das Exploration Museum mit seiner NASA-Verbindung.
Die Diamond Circle Route
Der Diamond Circle ist Nordislands Antwort auf den Goldenen Kreis im Süden, aber wilder, weniger überlaufen und landschaftlich mindestens ebenbürtig. Die 260 Kilometer lange Route verbindet die wichtigsten Attraktionen des Nordens:
- Goðafoss: Der „Wasserfall der Götter", 30 Meter breit, direkt an der Ringstraße
- Mývatn-See: Vulkanlandschaft, Pseudokrater, Dimmuborgir
- Námaskarð: Kochende Schlammtöpfe und Schwefelfelder
- Dettifoss: Europas mächtigster Wasserfall (193 m³/s)
- Ásbyrgi: Hufeisenförmiger Canyon mit Birkenwald
- Húsavík: Walbeobachtung und GeoSea
Die Route lässt sich an einem langen Tag fahren, aber zwei Tage sind besser. Die Straßen sind überwiegend asphaltiert (außer die Zufahrt zum Dettifoss Ostseite). Ein normaler PKW reicht im Sommer.
Tröllaskagi: Die Trollhalbinsel
Die Tröllaskagi-Halbinsel westlich von Akureyri ist ein Geheimtipp. Die Küstenstraße zwischen Siglufjörður und Dalvík führt durch einspurige Tunnel, vorbei an steilen Fjorden und verlassenen Gehöften. Die Landschaft ist dramatisch und menschenleer.
Siglufjörður war einst Islands Heringshauptstadt. In den 1950er Jahren lebten hier 3.000 Menschen von der Heringsfischerei. Als die Heringe verschwanden, ging der Ort fast zugrunde. Heute hat er 1.200 Einwohner und ein ausgezeichnetes Heringsmuseum (Síldarminjasafnið), das die Geschichte des Heringsbooms erzählt.
Insider-Tipp: Das Bier-Spa (Bjórböðin) in Árskógssandur bei Dalvík bietet Bäder in jungem Bier, Hopfen und Hefe. Man liegt in einer Holzwanne gefüllt mit der Biermischung und trinkt vom Zapfhahn neben der Wanne. Klingt skurril, ist aber ein Erlebnis. Vorbuchen.
Heiße Quellen in Nordisland
Nordisland hat einige der besten natürlichen heißen Quellen des Landes:
- Mývatn Nature Baths: Die bekannteren Bäder, 5.500 ISK Eintritt
- GeoSea Húsavík: Infinity-Pool auf der Klippe über der Bucht
- Bjórböðin Bier-Spa: Bei Dalvík, Baden in Biersud
- Grettislaug: Natürlicher Hot Pot an der Küste bei Skagafjörður, benannt nach dem Wikinger Grettir
- Laugarfell: Abgelegene heiße Quellen im östlichen Hochland
Praktische Tipps
Anreise: Flug von Reykjavík nach Akureyri (45 Min) oder Autofahrt über die Ringstraße (390 km, ca. 5 Stunden). Die Nordroute über Blönduós ist kürzer, die Ostroute über Egilsstaðir landschaftlich vielfältiger.
Beste Reisezeit: Juni bis August für Mitternachtssonne und Walbeobachtung. September für Nordlichter und Herbstfarben. Im Winter sind einige Nebenstraßen gesperrt, die Ringstraße bleibt aber offen.
Mücken am Mývatn: Von Juni bis August sind die Mücken am See teils extrem. Ein Kopfnetz (im Souvenirladen am See für 500 ISK erhältlich) ist keine Übertreibung. Die Mücken stechen nicht (es sind Zuckmücken), aber sie schwirren in Wolken um den Kopf.
Häufige Fragen
Wie viele Tage braucht man für Nordisland?
Mindestens drei bis vier Tage. Einen Tag für Akureyri und Umgebung, einen für den Mývatn-See, einen für Húsavík und den Diamond Circle. Wer die Tröllaskagi-Halbinsel mitnehmen will, braucht einen weiteren Tag.
Braucht man einen Allradwagen?
Im Sommer reicht ein normaler PKW für die Ringstraße und die meisten Sehenswürdigkeiten. Für die Ostseite des Dettifoss (Straße 864, Schotter) und Hochlandpisten ist Allrad nötig. Im Winter ist Allrad generell empfohlen.
Kann man in Nordisland Nordlichter sehen?
Ja, von September bis März. Die geringe Lichtverschmutzung macht den Norden zu einem der besten Gebiete Islands für Nordlichter. Akureyri und Mývatn sind gute Standorte.
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Weiterführende Informationen
Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026