Stadtteile Kopenhagen
Inhaltsverzeichnis
- 1 Indre By: die historische Innenstadt
- 2 Nørrebro: multikulturell und kreativ
- 3 Vesterbro: vom Rotlicht zum Trend
- 4 Christianshavn: Kanäle und Freigeister
- 5 Østerbro: grün und bürgerlich
- 6 Frederiksberg: das Dorf in der Stadt
- 7 Amager und Islands Brygge
- 8 Welcher Stadtteil passt zu mir?
- 9 Häufige Fragen zu Kopenhagens Stadtteilen
Kopenhagen ist eine kompakte Stadt. Die Entfernung vom Hauptbahnhof bis nach Nørrebro beträgt gerade einmal drei Kilometer, und mit dem Fahrrad erreicht man jeden Stadtteil in maximal 20 Minuten. Trotzdem unterscheiden sich die einzelnen Viertel stark voneinander. Jeder Stadtteil hat seinen eigenen Charakter, seine eigenen Stammkneipen und seine eigene Art, das Leben zu genießen.
Wer Dänemark wirklich erleben will, sollte sich nicht nur auf die Innenstadt beschränken. Ein Vormittag in Nørrebro fühlt sich völlig anders an als ein Nachmittag in Frederiksberg, obwohl die beiden Viertel direkt nebeneinanderliegen. Dieser Überblick hilft bei der Orientierung und zeigt, was jeden Stadtteil ausmacht.
Indre By: die historische Innenstadt
Indre By bedeutet übersetzt „die Innenstadt" und umfasst den historischen Kern Kopenhagens innerhalb der ehemaligen Stadtmauern. Hier liegen die meisten Sehenswürdigkeiten, die Fußgängerzone Strøget, der Rathausplatz, der Kongens Nytorv und der Nyhavn.
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Die Straßen sind schmal und verwinkelt, viele stammen noch aus dem Mittelalter. Zwischen den Touristenströmen auf der Strøget gibt es ruhige Seitenstraßen mit Antiquitätenhändlern, kleinen Galerien und Cafés, die man erst beim zweiten oder dritten Besuch entdeckt. Besonders die Gegend rund um den Gråbrødretorv (Platz der Grauen Brüder) mit seinen bunten Häusern und Restaurantterrassen ist abseits der Hauptachse einen Besuch wert.
Indre By hat auch eine ruhige Seite. Der Botanische Garten liegt mitten im Viertel und bietet mit seinen Gewächshäusern und dem Palmengarten eine willkommene Pause vom Stadttrubel. Der Eintritt ist frei. In der Nähe steht der Rundetårn (Runde Turm), von dessen Aussichtsplattform man den besten Überblick über die Dächer der Innenstadt hat.
Wohnen ist in Indre By teuer. Die Quadratmeterpreise gehören zu den höchsten in Skandinavien. Deshalb leben hier vergleichsweise wenige Kopenhagener dauerhaft. Tagsüber sind es vor allem Touristen und Büroangestellte, die die Straßen füllen. Abends wird es ruhiger, außer an der Strøget und rund um den Nyhavn.
Nørrebro: multikulturell und kreativ
Nørrebro liegt nordwestlich der Innenstadt und ist der am dichtesten besiedelte Stadtteil Kopenhagens. Hier leben Menschen aus über 60 Nationalitäten, und diese Vielfalt spiegelt sich im Straßenbild wider. Arabische Gemüsehändler neben dänischen Designboutiquen, türkische Bäckereien neben Hipster-Cafés, ein somalisches Restaurant neben einem japanischen Ramen-Laden.
Die Hauptstraße ist die Nørrebrogade, eine lange, breite Achse mit Geschäften, Restaurants und Bars auf beiden Seiten. Noch interessanter sind die Seitenstraßen. Die Jægersborggade hat sich zur Designmeile entwickelt, mit Keramikwerkstätten, einer Schokoladenmanufaktur und dem beliebten Coffee Collective.
Der Assistens Kirkegård (Friedhof) ist Nørrebros grüne Lunge. Hier liegen Hans Christian Andersen und Søren Kierkegaard begraben, aber die Kopenhagener nutzen den Friedhof auch als Park. Im Sommer picknicken Familien zwischen den Grabsteinen, joggen auf den Wegen und sonnen sich auf den Wiesen. Das mag für deutsche Verhältnisse ungewöhnlich klingen, in Dänemark ist es völlig normal.
Nørrebro ist auch politisch engagiert. Der Stadtteil war in den 1990er und 2000er Jahren Schauplatz von Ausschreitungen, besonders nach der Räumung des Jugendhauses Ungdomshuset im Jahr 2007. Heute ist das Viertel ruhiger, aber der alternative Geist lebt weiter. Graffiti, Plakate und Demonstrationen gehören zum Alltag.
Vesterbro: vom Rotlicht zum Trend
Vesterbro grenzt direkt an den Hauptbahnhof und war bis in die 2000er Jahre Kopenhagens Rotlichtviertel. Die Istedgade war bekannt für Sexshops, Straßenprostitution und Drogenszene. Seit etwa 2005 hat ein massiver Wandel eingesetzt: Die Altbauten wurden saniert, junge Familien zogen ein, und mit ihnen kamen Cafés, Boutiquen und Restaurants.
Heute ist Vesterbro einer der beliebtesten Stadtteile Kopenhagens. Die Istedgade hat immer noch einige Sexshops, aber daneben stehen jetzt Craft-Beer-Bars, Vintage-Läden und vegane Restaurants. Der Kødbyen (Meatpacking District) am westlichen Ende ist abends Kopenhagens Party-Zentrum mit Clubs, Bars und Restaurants in ehemaligen Schlachthallen.
Für Reisende ist Vesterbro wegen seiner Lage praktisch: Der Hauptbahnhof liegt am östlichen Rand, der Tivoli direkt nebenan, und es gibt viele Hotels in unterschiedlichen Preisklassen. Wer ein Hotel in Vesterbro bucht, hat die Innenstadt, den Meatpacking District und Frederiksberg gleich um die Ecke.
Christianshavn: Kanäle und Freigeister
Christianshavn liegt auf der anderen Seite des Hafens, gegenüber der Innenstadt. Der Stadtteil wurde im 17. Jahrhundert von Christian IV. als Handelsstadt angelegt, und die Kanäle aus dieser Zeit prägen das Viertel bis heute. Hausboote liegen an den Ufern, und die niedrigen Backsteinhäuser geben Christianshavn ein fast dörfliches Gefühl.
Der bekannteste Ort in Christianshavn ist die Freistadt Christiania, die autonome Gemeinde auf einem ehemaligen Kasernengelände. Abgesehen von Christiania ist der Stadtteil aber eher ruhig und beschaulich. Die Torvegade, die Hauptstraße, hat einige gute Restaurants und Geschäfte.
Die Vor Frelsers Kirke (Erlöserkirche) mit ihrer spiralförmigen Turmspitze ist das Wahrzeichen von Christianshavn. Man kann den Turm über eine Wendeltreppe besteigen, die außen an der Spitze entlangführt. Der Aufstieg ist nichts für Menschen mit Höhenangst, aber der Blick über die ganze Stadt ist es wert. Eintritt: 60 DKK (ca. 8,50 EUR).
Christianshavn erreicht man von der Innenstadt über die Knippelsbro-Brücke oder mit der Metro bis zur Station Christianshavn. Der Stadtteil ist klein genug, um ihn in ein paar Stunden zu Fuß zu erkunden.
Østerbro: grün und bürgerlich
Østerbro liegt nordöstlich der Innenstadt und ist der „bürgerliche" Stadtteil Kopenhagens. Hier leben junge Familien, Akademiker und ältere Kopenhagener in gepflegten Altbauwohnungen. Die Straßen sind breiter und ruhiger als in Nørrebro oder Vesterbro, und es gibt deutlich mehr Grünflächen.
Der Fælledparken ist der größte Park der Stadt und liegt mitten in Østerbro. Hier findet man Fußballplätze, einen Skateplatz, Spielplätze, Wiesen zum Picknicken und ein Freibad (Fælledbadet). Am Wochenende treffen sich hier tausende Kopenhagener zum Grillen, Joggen oder einfach zum Herumliegen in der Sonne.
Die Kleine Meerjungfrau und die Langelinie-Promenade liegen am östlichen Rand von Østerbro. Von hier aus kann man am Hafen entlangspazieren und kommt nach etwa 20 Minuten zum Kastellet und zur Innenstadt.
Kulinarisch hat Østerbro einiges zu bieten. Die Østerbrogade ist die Einkaufsstraße des Viertels, mit Bäckereien, Feinkostläden und Restaurants. Die Gegend rund um den Sortedams Sø (den nördlichen der drei Seen) hat einige der besten Brunch-Lokale der Stadt.
Frederiksberg: das Dorf in der Stadt
Frederiksberg ist genau genommen gar kein Stadtteil von Kopenhagen, sondern eine eigenständige Kommune, die vollständig von der Hauptstadt umschlossen wird. Im Alltag merkt man davon nichts, aber die Frederiksberg-Bewohner legen Wert auf den Unterschied. Sie haben ihren eigenen Bürgermeister und ihr eigenes Rathaus.
Der Stadtteil ist grün, gepflegt und wohlhabend. Der Frederiksberg Have (Park) mit dem gleichnamigen Schloss ist eine der schönsten Parkanlagen der Stadt. Im Sommer kann man hier Kanus auf dem Kanal mieten, und der Kopenhagener Zoo grenzt direkt an den Park.
Die Gammel Kongevej ist Frederiksbergs Einkaufsstraße. Hier reihen sich dänische Modemarken wie Ganni und Samsøe Samsøe aneinander, dazwischen Weinhandlungen, Cafés und gute Restaurants. Die Preise sind gehoben, aber das Angebot ist qualitativ hochwertig.
Frederiksberg eignet sich gut als Ausgangspunkt für Ausflüge in die umliegenden Stadtteile. Vesterbro liegt direkt östlich, Nørrebro nördlich. Die Metrolinie M1 und M2 fahren durch Frederiksberg und verbinden das Viertel mit der Innenstadt und dem Flughafen.
Amager und Islands Brygge
Amager ist die große Insel südöstlich des Zentrums, auf der auch der Flughafen Kastrup liegt. Der nördliche Teil, Islands Brygge, hat sich in den letzten 15 Jahren vom Industriegebiet zum hippen Wohnviertel gewandelt. Am Hafenkai liegt das Havnebadet Islands Brygge, ein kostenloses Freibad im Hafen, das im Sommer so voll ist wie ein Strand.
Weiter südlich auf Amager liegt das Naturschutzgebiet Amager Strandpark, ein künstlich angelegter Strand mit 4,6 Kilometern Sandstrand und einer vorgelagerten Insel. Im Sommer baden und surfen hier die Kopenhagener, im Winter spazieren sie am Wasser entlang.
Auf Amager steht auch Copenhill, die Müllverbrennungsanlage mit Skipiste und Kletterwand auf dem Dach. Die Anlage wurde vom Architekturbüro BIG entworfen und ist zu einem Symbol für Kopenhagens Umgang mit Nachhaltigkeit und Design geworden. Die Skipiste ist ganzjährig geöffnet und kostet ab 200 DKK (ca. 28 EUR) für zwei Stunden.
Welcher Stadtteil passt zu mir?
Die Wahl des Stadtteils beeinflusst das gesamte Kopenhagen-Erlebnis. Hier eine Orientierungshilfe:
- Für Erstbesucher: Indre By oder Vesterbro. Beides zentral, gute Anbindung, viel zu sehen und zu erleben
- Für junge Reisende und Budgetbewusste: Nørrebro. Günstigere Restaurants und Bars, lebendige Atmosphäre, gute Hostels
- Für Familien: Østerbro oder Frederiksberg. Ruhig, viele Parks und Spielplätze, kinderfreundliche Restaurants
- Für Architektur- und Designfans: Christianshavn oder Islands Brygge. Historische Kanäle neben moderner Architektur
- Für Nachtschwärmer: Vesterbro, wegen der Nähe zum Meatpacking District und den vielen Bars auf der Istedgade
Kopenhagen ist so kompakt, dass man nicht zwingend im „richtigen" Stadtteil wohnen muss. Mit dem Fahrrad erreicht man jeden Punkt der Stadt in maximal 20 Minuten. Ein günstiges Hotel in Nørrebro und abends essen in Vesterbro: kein Problem.
Häufige Fragen zu Kopenhagens Stadtteilen
Welcher Stadtteil ist am sichersten?
Kopenhagen ist insgesamt sehr sicher. Østerbro und Frederiksberg gelten als die ruhigsten Viertel. Aber auch Nørrebro und Vesterbro, die früher einen etwas raueren Ruf hatten, sind für Touristen problemlos und sicher.
Wo übernachte ich am günstigsten?
Nørrebro und Amager haben die günstigsten Unterkünfte, darunter gute Hostels und Airbnb-Wohnungen. In Vesterbro gibt es preiswerte Hotels in der Nähe des Hauptbahnhofs. Die Innenstadt (Indre By) und Frederiksberg sind am teuersten.
Kann man alle Stadtteile zu Fuß erreichen?
Die zentralen Stadtteile (Indre By, Vesterbro, Nørrebro, Christianshavn, Østerbro, Frederiksberg) liegen alle innerhalb eines Radius von etwa drei Kilometern. Zu Fuß ist das in 30 bis 40 Minuten machbar. Für Amager und den Flughafen braucht man die Metro.
In welchem Stadtteil isst man am besten?
Vesterbro hat die größte Dichte an guten Restaurants. Nørrebro ist am besten für multikulturelles und günstiges Essen. Die Innenstadt hat die gehobene Gastronomie, darunter mehrere Restaurants mit Michelin-Sternen. Christianshavn punktet mit gemütlichen Lokalen an den Kanälen.
Ist Frederiksberg wirklich eine eigene Stadt?
Formal ja. Frederiksberg ist eine eigenständige Kommune mit eigenem Rathaus und Bürgermeister. Im Alltag merkt man davon kaum etwas, weil die Grenzen nahtlos in Kopenhagen übergehen. Es gibt keine sichtbare Grenze zwischen den beiden Kommunen.
Weiterführende Informationen
Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026