Nachtleben in Kopenhagen
Kopenhagen ist tagsüber eine Stadt der Fahrräder, Kanäle und Museen. Nach Einbruch der Dunkelheit zeigt sich eine andere Seite. In umgebauten Fleischfabriken wird bis zum Morgengrauen getanzt, in Kellerbars mixen Barkeeper preisgekrönte Cocktails, und in verrauchten Jazzclubs spielen Musiker bis weit nach Mitternacht.
Das Nachtleben der dänischen Hauptstadt ist vielseitig, aber auch teuer. Ein Bier für unter 50 DKK (ca. 7 EUR) zu finden, grenzt mancherorts an ein kleines Wunder. Wer allerdings weiß, wo die Einheimischen trinken und feiern, kann durchaus gut ausgehen, ohne sein gesamtes Reisebudget an einem Abend zu verbrauchen.
Wie tickt Kopenhagens Nachtleben?
Die Kopenhagener starten spät. Vor 22 Uhr ist in den meisten Bars wenig los, und die Clubs füllen sich erst gegen Mitternacht. Das hat auch praktische Gründe: Viele Dänen trinken erst zu Hause vor (das nennt sich „fordrink" oder auf Dänisch „forfest"), bevor sie in die Stadt gehen. So spart man Geld und kommt schon in Stimmung.
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Die meisten Bars schließen unter der Woche um 2 Uhr, am Wochenende um 5 Uhr. Clubs haben freitags und samstags oft bis 6 oder 7 Uhr morgens geöffnet. Am Donnerstagabend ist ebenfalls viel los, weil viele Studenten dann feiern gehen.
Die Stimmung ist generell entspannt. Dänen sind gesellig, offen und trinken gern. Gleichzeitig gibt es selten Ärger oder aggressive Situationen. Die Türsteher sind professionell, aber nicht übertrieben streng. Dresscodes existieren kaum, außer in einigen gehobenen Cocktailbars.
Meatpacking District: das Party-Zentrum
Der Kødbyen (Meatpacking District) liegt im Stadtteil Vesterbro, direkt hinter dem Hauptbahnhof. In den 1930er Jahren wurden hier die Schlachthöfe der Stadt gebaut. Heute stehen in den weißen Betonhallen Restaurants, Galerien und die beliebtesten Clubs der Stadt.
Tagsüber arbeiten hier tatsächlich noch einige Fleischgroßhändler. Ab 22 Uhr übernimmt das Nachtleben. Die Mischung aus industrieller Kulisse, offenem Innenhof und verschiedenen Lokalen direkt nebeneinander macht den Reiz aus. Man kann problemlos von einer Bar zur nächsten wechseln, ohne mehr als 50 Meter zu laufen.
Empfehlenswerte Adressen im Meatpacking District
- Bakken (Flæsketorvet 19): Kombination aus Bar und Club. Unter der Woche eine entspannte Bar, am Wochenende wird getanzt. Kein Eintritt vor Mitternacht
- Jolene (Flæsketorvet 81): Einer der bekanntesten Clubs Kopenhagens. Techno und elektronische Musik, offener Innenhof zum Abkühlen. Eintritt 80 bis 120 DKK (ca. 11 bis 17 EUR)
- NOHO (Flæsketorvet 63): Bar und Restaurant mit amerikanisch inspirierter Karte. Gute Cocktails, etwas gehobeneres Publikum
- Warpigs (Flæsketorvet 25): Brauerei und Barbecue-Restaurant. Perfekt zum Vorglühen mit Craft Beer und geräuchertem Fleisch
Am Wochenende wird es im Meatpacking District voll. Vor den populären Clubs bilden sich ab 23 Uhr Schlangen. Wer nicht anstehen will, kommt besser vor 23 Uhr oder wählt einen der weniger bekannten Orte. Die Stimmung im Innenhof, wo Leute zwischen den Lokalen hin und her wechseln, erinnert an ein urbanes Open-Air-Festival.
Nørrebro: der alternative Stadtteil
Nørrebro ist Kopenhagens multikulturellster Stadtteil und abends deutlich günstiger als die Innenstadt. Entlang der Nørrebrogade und in den Seitenstraßen finden sich Dutzende Bars, von der einfachen Eckkneipe bis zur angesagten Weinbar.
- Blågårds Apotek (Blågårdsgade 20): Ehemalige Apotheke, heute eine der beliebtesten Kneipen im Viertel. Günstige Biere, lockere Stimmung, hauptsächlich Einheimische
- Café Blågårds Plads (Blågårdsgade 17): Gemütliches Café, das abends zur Bar wird. Gute Weine, im Sommer mit Plätzen draußen am Platz
- Rust (Guldbergsgade 8): Legendärer Club und Konzertort. Live-Bands unter der Woche, DJ-Nächte am Wochenende. Eintritt je nach Programm 50 bis 150 DKK (ca. 7 bis 21 EUR)
- Bodega (Kapelvej 1): Keine spezielle Bar, sondern ein Konzept. In Nørrebro gibt es Dutzende Bodega-Kneipen, die einfach und billig sind. Ein Bier für 30 bis 40 DKK (ca. 4 bis 6 EUR), Jukebox, Stammgäste
Nørrebro ist auch der richtige Stadtteil, wenn man abends gut und günstig essen will, bevor es in die Bars geht. Auf der Nørrebrogade gibt es Pizza, Kebab, Thai und Sushi zu Preisen, die an der Strøget undenkbar wären. Ein ganzes Abendessen mit Getränk ist hier für 100 bis 150 DKK (ca. 14 bis 21 EUR) möglich.
Vesterbro: Cocktails und Craft Beer
Vesterbro liegt zwischen dem Hauptbahnhof und Frederiksberg und hat sich in den letzten 15 Jahren von einem verrufenen Viertel zu einer der beliebtesten Ecken der Stadt gewandelt. Die Istedgade, früher für Sexshops und Drogenhandel bekannt, ist heute eine Straße voller Craft-Beer-Bars, Cocktailbars und kleiner Restaurants.
Cocktailbars
Lidkoeb (Vesterbrogade 72B): Versteckt in einem Hinterhof liegt diese dreistöckige Cocktailbar. Im Erdgeschoss gibt es skandinavische Küche, im ersten Stock die Hauptbar mit kreativen Cocktails. Das Dachgeschoss beherbergt eine Whiskey-Lounge mit offener Feuerstelle. Ein Cocktail kostet 120 bis 150 DKK (ca. 17 bis 21 EUR), aber die Qualität ist sehr gut.
Salon 39 (Vodroffsvej 39): Eine Bar im Wohnzimmer-Stil. Man sitzt auf Sofas und Sesseln, und die Barkeeper empfehlen Drinks basierend auf Geschmacksprofilen statt Karten. Ruhiger und persönlicher als die meisten Bars in der Innenstadt.
Craft Beer
Mikkeller Bar (Viktoriagade 8): Die bekannteste Craft-Beer-Bar Kopenhagens, gegründet von Mikkel Borg Bjergsø. 20 Zapfhähne mit wechselnden Sorten, viele davon aus eigener Produktion. Ein Glas kostet 50 bis 90 DKK (ca. 7 bis 13 EUR) je nach Sorte.
Fermentoren (Halmtorvet 29C): Brauerei und Taproom in einem. Man kann beim Brauen zuschauen und das frische Bier direkt vor Ort probieren. Die Atmosphäre ist industriell-gemütlich, und die Preise sind für Kopenhagener Verhältnisse moderat.
Wer sich für die Craft-Beer-Szene interessiert, kann auch eine selbstgeführte Pub-Tour durch Vesterbro machen. Auf einem Kilometer zwischen Halmtorvet und Istedgade liegen mindestens sechs Craft-Beer-Bars. Dazu braucht man keine organisierte Tour, einfach der Istedgade folgen und in jede Bar reinschauen, die gut aussieht.
Jazz und Live-Musik
Kopenhagen hat eine der lebendigsten Jazzszenen Europas. Jeden Juli findet das Copenhagen Jazz Festival statt, das mit über 100 Konzerten an zehn Tagen die ganze Stadt beschallt. Aber auch im Rest des Jahres gibt es fast jeden Abend irgendwo Live-Jazz zu hören.
- Jazzhus Montmartre (Store Regnegade 19A): Der älteste Jazzclub Skandinaviens, gegründet 1959. Hier spielten Dexter Gordon, Ben Webster und Stan Getz. Heute treten internationale und dänische Musiker auf. Eintritt 100 bis 200 DKK (ca. 14 bis 28 EUR)
- La Fontaine (Kompagnistræde 11): Kleiner, verrauchter Kellerclub mit nächtlichen Jam-Sessions. Keine reservierten Plätze, wer zuerst kommt, sitzt. Die Sessions starten oft erst nach Mitternacht
- VEGA (Enghavevej 40): Kopenhagens größter Live-Musik-Ort. Zwei Bühnen für internationale Bands, von Indie-Rock über Hip-Hop bis Elektronik. Tickets je nach Act 150 bis 500 DKK (ca. 21 bis 70 EUR)
- Loppen (Christiania): Konzertsaal in der Freistadt Christiania mit einem Programm, das von Punk über Reggae bis zu experimenteller Musik reicht. Eintritt selten über 100 DKK (ca. 14 EUR)
Clubs zum Tanzen
Die Clubszene in Kopenhagen ist kleiner als in Berlin, aber dafür qualitativ stark. Die meisten Clubs spielen elektronische Musik, von Techno über House bis Disco. Es gibt keine Mega-Clubs mit Tausenden Gästen, sondern eher mittelgroße Räume mit 200 bis 600 Personen, was für eine intimere Atmosphäre sorgt.
- Culture Box (Kronprinsessegade 54A): Kopenhagens bekanntester Techno-Club. Zwei Floors, internationale DJs, gutes Soundsystem. Eintritt 100 bis 180 DKK (ca. 14 bis 25 EUR)
- Jolene (Flæsketorvet 81): Im Meatpacking District, breiteres Musikspektrum von Indie-Dance bis House. Der Innenhof ist im Sommer der beste Ort zum Abhängen zwischen den Sets
- KB18 (Kødboderne 18): Underground-Club ebenfalls im Meatpacking District. Techno und experimentelle Elektronik, oft bis in die Morgenstunden
- Chateau Motel (Knabrostræde 13): Kleiner Club in der Innenstadt, betrieben von der dänischen Band Iceage. Rock, Punk und Indie-Dance
In den meisten Kopenhagener Clubs kann man am Eingang mit Karte zahlen. Im Club selbst wird oft über einen Chip-Armband abgerechnet, das man am Anfang bekommt und am Ende bezahlt. So muss man kein Bargeld mit sich herumtragen.
Preise und Budget
Kopenhagens Nachtleben ist teuer. Damit muss man rechnen. Hier eine ehrliche Aufstellung der Kosten:
- Bier vom Fass (0,4l): 50 bis 80 DKK (ca. 7 bis 11 EUR) in der Innenstadt, 35 bis 50 DKK (ca. 5 bis 7 EUR) in Nørrebro
- Cocktail: 100 bis 150 DKK (ca. 14 bis 21 EUR)
- Glas Wein: 60 bis 100 DKK (ca. 8,50 bis 14 EUR)
- Clubeintritt: 80 bis 180 DKK (ca. 11 bis 25 EUR), manche Clubs sind unter der Woche kostenlos
- Taxi nachts: 150 bis 300 DKK (ca. 21 bis 42 EUR) für eine typische Strecke
Ein realistisches Budget für einen Abend mit drei bis vier Getränken und einem Clubbesuch liegt bei 400 bis 600 DKK (ca. 56 bis 85 EUR) pro Person. Wer sich vorher im Supermarkt ein paar Biere kauft und den Abend in einer Bodega-Kneipe in Nørrebro verbringt, kommt auch mit 200 DKK (ca. 28 EUR) aus.
Ein Spar-Tipp: Viele Bars haben Happy Hours zwischen 16 und 20 Uhr, in denen Bier und Cocktails deutlich günstiger sind. Auch am Donnerstagabend gibt es in einigen Clubs vergünstigten oder freien Eintritt.
Praktische Tipps für die Nacht
Mindestalter: In Dänemark darf man ab 18 Jahren Alkohol in Bars und Clubs kaufen. Im Supermarkt gibt es Bier und Wein ab 16, Spirituosen ab 18. Einige Clubs lassen nur Gäste ab 21 oder 23 Jahren ein, besonders am Wochenende. Ausweis mitnehmen ist Pflicht.
Heimweg: Die Metro fährt freitags und samstags die ganze Nacht. Unter der Woche endet der Betrieb gegen Mitternacht. Busse fahren auch nachts, allerdings seltener. Die Night-Bus-Linien (Nummern mit N) fahren die wichtigsten Strecken. Uber funktioniert in Kopenhagen, die Preise steigen nachts aber deutlich. Ein Taxi vom Meatpacking District zum Hauptbahnhof kostet etwa 80 DKK (ca. 11 EUR).
Garderobe: Viele Clubs und größere Bars haben eine Garderobe, die 20 bis 40 DKK (ca. 3 bis 6 EUR) kostet. Im Winter ist das praktisch, weil man seine Jacke nicht die ganze Nacht mit sich herumtragen muss.
Rauchen: In Dänemark gilt ein Rauchverbot in allen geschlossenen Räumen. Viele Bars haben aber Außenbereiche zum Rauchen, teilweise überdacht und beheizt. Einige kleinere Kneipen mit weniger als 40 Quadratmetern Fläche dürfen das Rauchen erlauben, wenn sie darauf hinweisen.
Häufige Fragen zum Nachtleben
Welcher Stadtteil ist am besten zum Ausgehen?
Das hängt vom Geschmack ab. Der Meatpacking District ist am besten für Clubbing und Party. Nørrebro hat die günstigsten Bars und das jüngste Publikum. Vesterbro bietet die besten Cocktails und Craft Beer. Die Innenstadt rund um die Strøget hat gehobene Bars, ist aber touristisch.
Ist Kopenhagen nachts sicher?
Kopenhagen gehört zu den sichersten Hauptstädten Europas, auch nachts. Die üblichen Vorsichtsmaßnahmen gelten: Auf Wertsachen aufpassen und nicht allein durch dunkle Gassen gehen. Aber insgesamt ist das Risiko gering.
Brauche ich einen Ausweis?
Ja, unbedingt mitnehmen. Besonders am Wochenende kontrollieren Türsteher streng. Akzeptiert werden Reisepass, Personalausweis und Führerschein. Eine Kopie auf dem Handy reicht meistens nicht.
Gibt es einen Dresscode?
In den meisten Bars und Clubs gibt es keinen festen Dresscode. Sportkleidung und Fußballtrikots werden mancherorts nicht gern gesehen. In den gehobenen Cocktailbars wie Lidkoeb oder Ruby sollte man etwas gepflegter erscheinen, aber ein Hemd reicht völlig aus.
Fährt die Metro nachts?
Freitag- und Samstagnacht fährt die Metro rund um die Uhr, allerdings mit längeren Taktzeiten (etwa alle 15 bis 20 Minuten). Unter der Woche endet der Betrieb gegen Mitternacht. Nachtbusse fahren die ganze Woche über.
Weiterführende Informationen
Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026