Wasserfälle in Norwegen
Inhaltsverzeichnis
- 1 Warum Norwegen das Land der Wasserfälle ist
- 2 Vøringsfossen: Norwegens berühmtester Wasserfall
- 3 Kjosfossen: Der Wasserfall der Flåmsbahn
- 4 Låtefossen: Der Zwillingswasserfall
- 5 Mardalsfossen: Einer der höchsten Europas
- 6 Steinsdalsfossen: Hinter dem Wasserfall stehen
- 7 Weitere sehenswerte Wasserfälle
- 8 Die beste Reisezeit für Wasserfälle
- 9 Praktische Tipps
- 10 FAQ
Norwegen ist ein Land der Wasserfälle. Über 300 benannte Wasserfälle stürzen von den steilen Felswänden der Fjorde und aus den Bergen in die Täler. Einige davon gehören zu den höchsten der Welt. Die Kombination aus Schmelzwasser und steilen Gebirgsflanken schafft Bedingungen, wie es sie sonst kaum irgendwo gibt.
Meinen ersten norwegischen Wasserfall habe ich nicht gesehen, sondern gehört. Wir fuhren durch ein enges Tal, und plötzlich war da dieses tiefe Donnern, das die Luft vibrieren liess. Als wir um die Kurve bogen, stand der Låtefossen vor uns: zwei gewaltige Wassermassen, die links und rechts einer Steinbrücke in die Tiefe rauschen. Seitdem bin ich süchtig nach norwegischen Wasserfällen und habe über die Jahre Dutzende besucht.
Warum Norwegen das Land der Wasserfälle ist
Die Geologie Norwegens ist wie gemacht für Wasserfälle. Die Fjorde wurden während der Eiszeiten von gewaltigen Gletschern ausgehobelt, die steile Trogtäler mit senkrechten Felswänden hinterliessen. Die Seitentäler, die von kleineren Gletschern geformt wurden, liegen deutlich höher als die Haupttäler. An diesen Stufen stürzt das Wasser aus den Seitentälern in die Tiefe. Geologen nennen das "Hängetäler", und genau dort findet man die meisten und grössten Wasserfälle Norwegens.
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Dazu kommt der Niederschlag. Die norwegische Westküste gehört zu den regenreichsten Regionen Europas. Feuchte Luftmassen vom Atlantik stauen sich an den Gebirgsketten und regnen dort ab. In den Wintermonaten fällt dieser Niederschlag als Schnee, der sich in den Bergen ansammelt. Wenn im Frühling und Frühsommer die Schneeschmelze einsetzt, schwellen die Wasserfälle zu ihrer vollen Grösse an.
Norwegen hält gleich mehrere Weltrekorde bei Wasserfällen. Der Vinnufossen in der Gemeinde Sunndal ist mit 860 Metern freiem Fall der höchste Wasserfall Europas und der sechsthöchste der Welt. Weitere Rekordhalter sind der Mardalsfossen (655 Meter), der Tyssestrengen (646 Meter) und der Langfossen (612 Meter).
Vøringsfossen: Norwegens berühmtester Wasserfall
Der Vøringsfossen in der Gemeinde Eidfjord am Hardangerfjord ist nicht der höchste, aber mit Abstand der bekannteste Wasserfall Norwegens. Mit einer Gesamthöhe von 182 Metern, davon 163 Meter freier Fall, stürzt er von der Hardangervidda-Hochebene in die enge Måbødalen-Schlucht. Der Anblick ist gewaltig: Aus der Weite der baumlosen Hochebene bricht das Wasser plötzlich über die Felskante und verschwindet in der Tiefe.
Es gibt zwei Aussichtspunkte, von denen man den Vøringsfossen betrachten kann. Der obere Aussichtspunkt liegt direkt an der Strasse (Rv7) auf der Hardangervidda und ist bequem vom Parkplatz des Hotels Fossli aus zu erreichen. Von hier blickt man von oben in die Schlucht und sieht den Wasserfall aus einer überwältigenden Vogelperspektive. Im Jahr 2020 wurde eine neue Aussichtsplattform eröffnet, die über die Felskante hinausragt und den Blick in die 300 Meter tiefe Schlucht freigibt. Diese Plattform ist allerdings nichts für Menschen mit Höhenangst.
Der untere Aussichtspunkt befindet sich am Fuss der Schlucht und ist über einen steilen Wanderweg erreichbar. Von hier sieht man den Wasserfall von unten in seiner vollen Pracht, wie er sich über die Felskante stürzt. Der Abstieg dauert etwa 45 Minuten und führt über Treppen und schmale Pfade. Festes Schuhwerk ist hier unverzichtbar. Beide Aussichtspunkte zusammen machen den Vøringsfossen zu einem lohnenden Tagesausflug.
Tipp: Der Vøringsfossen ist am eindrucksvollsten zwischen Ende Mai und Anfang Juli, wenn die Schneeschmelze von der Hardangervidda den Wasserfall zu seiner maximalen Stärke anschwellen lässt. Im Hochsommer lässt die Wassermenge nach, und im Winter gefriert der Wasserfall teilweise zu einer packenden Eisskulptur.
Kjosfossen: Der Wasserfall der Flåmsbahn
Der Kjosfossen ist untrennbar mit der Flåmsbahn verbunden, einer der berühmtesten Bahnstrecken der Welt. Die Bahn hält an einer speziell eingerichteten Aussichtsplattform direkt am Wasserfall, und die Passagiere können aussteigen und das Naturschauspiel aus nächster Nähe bewundern. Mit einer Fallhöhe von 225 Metern stürzt der Kjosfossen über mehrere Stufen in das enge Flåmsdal hinab.
Am Kjosfossen kommt noch etwas dazu: die Inszenierung. In der Sommersaison tritt bei jedem Halt der Flåmsbahn eine Tänzerin in einem roten Kleid auf, die auf den Felsen neben dem Wasserfall eine Choreografie aufführt. Die Darbietung basiert auf der norwegischen Sagenfigur der Huldra, einer verführerischen Waldfee aus der nordischen Mythologie. Die Kombination aus tosendem Wasser, mystischer Musik und der tanzenden Figur auf den nassen Felsen ist ein echtes Erlebnis.
Der Kjosfossen wird auch zur Stromerzeugung genutzt. Ein Kraftwerk im Inneren des Berges nutzt das Wasser des Flusses, und je nach Jahreszeit und Stromproduktion kann die Wassermenge des sichtbaren Wasserfalls variieren. Im Frühsommer ist er am stärksten.
Låtefossen: Der Zwillingswasserfall
Der Låtefossen bei Odda im Hardanger ist einer der fotogensten Wasserfälle Norwegens. Zwei separate Wasserfälle stürzen nebeneinander über eine Felskante und vereinigen sich unter einer historischen Steinbrücke zu einem einzigen tosenden Strom. Die Gesamthöhe beträgt 165 Meter, und die Strasse Rv13 führt direkt über die Brücke zwischen den beiden Fällen hindurch.
Der Låtefossen liegt unmittelbar an der Strasse, und genau das macht ihn so zugänglich. Man muss nicht wandern, nicht klettern und keinen Aussichtspunkt suchen. Man fährt einfach mit dem Auto über die Brücke, und links und rechts donnern die Wassermassen in die Tiefe. An windigen Tagen weht die Gischt über die Strasse und durchnässt die Autos. Am Straßenrand gibt es einen kleinen Parkplatz, von dem aus man den Zwillingswasserfall in seiner ganzen Pracht fotografieren kann.
Der Låtefossen wird vom Schmelzwasser des Folgefonna-Gletschers gespeist und ist daher besonders wasserreich im Frühsommer, wenn die Schneeschmelze einsetzt. Im Hochsommer und Herbst nimmt die Wassermenge ab, der Wasserfall bleibt aber ganzjährig aktiv. Der Låtefossen liegt an der beliebten Touristenstrasse zwischen Odda und Røldal und passt gut zu einem Abstecher zur Trolltunga oder zum Folgefonna-Nationalpark.
Mardalsfossen: Einer der höchsten Europas
Der Mardalsfossen in der Gemeinde Molde fällt 655 Meter in die Tiefe und ist damit einer der höchsten Wasserfälle Europas. Er besteht aus zwei Stufen: Die obere Stufe fällt 297 Meter frei, die untere 358 Meter über eine Reihe von Kaskaden. Wenn man am Fuss des Wasserfalls steht und nach oben blickt, verliert sich die Spitze buchstäblich in den Wolken.
Der Mardalsfossen hat eine bewegte Geschichte. In den 1970er-Jahren plante die norwegische Regierung, das Wasser des Flusses Mardøla für die Stromerzeugung umzuleiten. Dies löste eine der grössten Umweltprotestbewegungen in der norwegischen Geschichte aus. Tausende von Demonstranten, darunter der Philosoph Arne Næss, besetzten das Gebiet, um den Bau zu verhindern. Letztendlich wurde das Kraftwerk trotzdem gebaut, aber als Kompromiss fliesst der Wasserfall in den Sommermonaten von Juni bis August mit voller Kraft. In den übrigen Monaten wird das Wasser umgeleitet.
Die Wanderung zum Mardalsfossen beginnt am Eikesdalen und führt über einen gut markierten Pfad durch Birkenwald und alpine Landschaft. Die Tour dauert etwa zwei Stunden hin und zurück. Es gibt auch die Möglichkeit, mit einem Boot über den Eikesdalsvatnet zu fahren und die Wanderung von dort zu starten, was die Strecke verkürzt.
Steinsdalsfossen: Hinter dem Wasserfall stehen
Der Steinsdalsfossen in der Gemeinde Kvam am Hardangerfjord hat etwas, das die meisten anderen Wasserfälle nicht haben: Man kann hinter den Wasserfall gehen. Ein gut ausgebauter Weg führt vom Parkplatz aus hinter die 50 Meter hohe Wasserwand, sodass man mitten im Wasserfall steht und durch den Vorhang aus Wasser auf die Landschaft dahinter blickt. Die Gischt und das Tosen des Wassers um einen herum muss man selbst erlebt haben.
Der Steinsdalsfossen ist einer der meistbesuchten Wasserfälle Norwegens und empfängt jährlich über 300.000 Besucher. Trotz dieser Beliebtheit ist er nie wirklich überfüllt, weil sich die Besucher über den Weg und die verschiedenen Aussichtspunkte verteilen. Der Zugang ist kostenlos und ganzjährig möglich. Am Parkplatz gibt es ein Souvenirgeschäft und ein Café.
Der Weg hinter den Wasserfall ist befestigt und mit Geländern gesichert, sodass er auch für Kinder und ältere Menschen gut begehbar ist. Wer trocken bleiben will, sollte allerdings eine Regenjacke mitbringen, denn je nach Windrichtung und Wassermenge kann man ordentlich nass werden. Aber genau das macht ja den Spass aus.
Weitere sehenswerte Wasserfälle
Vinnufossen (860 m): Der höchste Wasserfall Europas liegt in der Gemeinde Sunndal in Møre og Romsdal. Er fällt in mehreren Stufen über eine steile Felswand und ist von der Strasse aus zu sehen. Am eindrucksvollsten ist er im Juni, wenn die Schneeschmelze aus den Bergen seinen Strom anschwellen lässt.
Langfossen (612 m): Dieser Wasserfall stürzt direkt an der Strasse E134 am Åkrafjord in die Tiefe und wurde von CNN als einer der zehn schönsten Wasserfälle der Welt ausgezeichnet. Das Wasser fällt fast senkrecht über eine glatte Felswand, und der Anblick von der Strasse ist überwältigend.
Die Sieben Schwestern (250 m): Am Geirangerfjord stürzen sieben separate Wasserfälle nebeneinander von den Felswänden. Auf der gegenüberliegenden Fjordseite antwortet "Der Freier" mit einem einzelnen Fall. Laut Legende versuchte der Freier, die sieben Schwestern um ihre Hand zu bitten, wurde aber abgewiesen und tröstete sich mit einer Flasche, deren Form man in der Felsformation erkennen kann.
Månafossen (92 m): In der Nähe von Stavanger gelegen, ist dieser Wasserfall über eine etwa 40-minütige Wanderung erreichbar. Er fällt in einer engen Schlucht und bietet besonders im Frühling ein starkes Schauspiel. Die Wanderung selbst führt durch eine abwechslungsreiche Landschaft und ist für die meisten Fitnesslevel machbar.
Die beste Reisezeit für Wasserfälle in Norwegen
Die Wassermenge norwegischer Wasserfälle hängt stark von der Jahreszeit ab. Die meisten Wasserfälle werden von Schneeschmelze und Regen gespeist und sind daher zu bestimmten Zeiten besonders eindrucksvoll.
Mai bis Anfang Juli: Dies ist die beste Zeit für Wasserfall-Besuche. Die Schneeschmelze aus den Bergen und von der Hardangervidda lässt die Wasserfälle zu ihrer maximalen Grösse anschwellen. Viele Fälle, die im Spätsommer nur noch dünne Rinnsale sind, verwandeln sich in dieser Zeit in tosende Kaskaden. Besonders der Vøringsfossen, der Låtefossen und die Wasserfälle am Geirangerfjord sind in dieser Phase wild.
Juli und August: Die Wassermenge lässt nach, aber die Wasserfälle sind immer noch sehenswert. Die Tage sind lang, das Wetter ist am stabilsten, und die Wanderwege sind alle zugänglich. Für die meisten Reisenden ist dies die praktischste Zeit.
Herbst (September bis November): Nach starken Regenfällen können die Wasserfälle auch im Herbst noch stark sein. Die Herbstfärbung der Birkenwälder in den Tälern bildet einen wunderschönen Kontrast zum weissen Wasser. Die Touristenzahlen sind deutlich geringer.
Winter: Einige Wasserfälle gefrieren im Winter teilweise oder vollständig zu gewaltigen Eisskulpturen. Der Vøringsfossen und der Steinsdalsfossen sind auch im Winter zugänglich und bieten dann ein völlig anderes, aber ebenso packendes Bild. Eisklettern an gefrorenen Wasserfällen ist in Norwegen ein beliebter Wintersport.
Praktische Tipps für Wasserfall-Besuche
Kleidung: In der Nähe großer Wasserfälle ist es immer feucht. Die Gischt kann weit sprühen, und die Luft ist oft kühl. Eine wasserdichte Jacke ist Pflicht, auch wenn es trocken aussieht. Für Kameras und Handys empfiehlt sich eine wasserdichte Hülle.
Fotografie: Wasserfälle fotografiert man am besten mit langer Belichtungszeit, um das fliessende Wasser als seidigen Schleier einzufangen. Ein Stativ oder zumindest ein stabiler Untergrund für die Kamera ist dafür hilfreich. Auch ohne Profi-Ausrüstung gelingen mit modernen Smartphones gute Aufnahmen, wenn man den Langzeitbelichtungsmodus nutzt.
Sicherheit: Bleib auf den markierten Wegen und Aussichtspunkten. Die Felsen in der Nähe von Wasserfällen sind durch die ständige Feuchtigkeit extrem rutschig, und die Strömung am Fuss der Fälle ist oft stärker als sie aussieht. Kinder sollten beaufsichtigt und an der Hand gehalten werden. Mehrere Unfälle pro Jahr zeigen, dass die Naturgewalten nicht unterschätzt werden dürfen.
Route planen: Viele der grössten Wasserfälle liegen in Westnorwegen, besonders am Hardangerfjord, im Geirangerfjord-Gebiet und in der Provinz Møre og Romsdal. Eine Rundfahrt ab Bergen über Odda (Låtefossen), Eidfjord (Vøringsfossen, Steinsdalsfossen) und weiter nach Geiranger (Sieben Schwestern) verbindet die wichtigsten Wasserfälle auf einer Route. Die Norwegischen Landschaftsrouten führen an vielen Wasserfällen vorbei.
Häufig gestellte Fragen
Welcher Wasserfall in Norwegen ist der höchste?
Der Vinnufossen in Sunndal ist mit 860 Metern der höchste Wasserfall Norwegens und Europas. Er fällt in mehreren Stufen über eine Felswand und ist am eindrucksvollsten während der Schneeschmelze im Juni.
Welcher Wasserfall eignet sich am besten für Familien?
Der Steinsdalsfossen am Hardangerfjord eignet sich sehr gut für Familien. Der Zugang ist leicht, kostenlos und ganzjährig möglich. Kinder lieben es, hinter den Wasserfall zu gehen und durch die Wasserwand zu blicken. Am Parkplatz gibt es ein Café und sanitäre Anlagen.
Wann sind die Wasserfälle in Norwegen am schönsten?
Die beste Zeit für Wasserfall-Besuche ist von Mai bis Anfang Juli, wenn die Schneeschmelze die Fälle zu ihrer maximalen Grösse anschwellen lässt. Im Hochsommer nimmt die Wassermenge ab, die Fälle bleiben aber sehenswert. Im Herbst können starke Regenfälle die Wassermenge wieder steigern.
Kosten die Wasserfälle in Norwegen Eintritt?
Die allermeisten Wasserfälle in Norwegen sind frei zugänglich. An einigen beliebten Standorten wie dem Vøringsfossen und dem Steinsdalsfossen fallen geringe Parkgebühren an (etwa 50 bis 100 NOK). Der Kjosfossen ist nur über eine Fahrt mit der Flåmsbahn erreichbar, deren Ticket separat kostet.
Kann man hinter Wasserfälle in Norwegen gehen?
Ja, am bekanntesten dafür ist der Steinsdalsfossen am Hardangerfjord. Ein befestigter und gesicherter Weg führt direkt hinter die 50 Meter hohe Wasserwand. Es ist ein ganz eigenes Erlebnis, durch den Wasservorhang auf die Landschaft zu blicken.
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Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026