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Hardangerfjord
Mit Trolltunga, Norwegens starker Fjord

Hardangerfjord

14 Min. Lesezeit

Der Hardangerfjord hat mich beim ersten Besuch mit etwas überrascht, womit ich nicht gerechnet hatte: Apfelbäumen. Ich fuhr Ende Mai die Straße am Fjordufer entlang, und links und rechts standen Hunderte Obstbäume in voller Blüte. Weiße und rosa Blüten vor dem türkisgrünen Wasser, dahinter Berge mit Schneeresten auf den Gipfeln. Das Bild war so übertrieben schön, dass es fast unwirklich wirkte.

Der Hardangerfjord ist mit 180 Kilometern der drittlängste Fjord Norwegens. Er liegt südlich von Bergen und ist seit Jahrhunderten bekannt für sein mildes Klima, seine Obstgärten und seine Wasserfälle. Aber in den letzten Jahren hat ein einzelner Felsvorsprung dem Fjord weltweite Aufmerksamkeit beschert: die Trolltunga. Diese waagerecht abstehende Felszunge, 700 Meter über dem Ringedalsvatnet, ist eines der meistfotografierten Naturmotive Skandinaviens. Doch der Hardangerfjord hat weit mehr zu bieten als dieses eine Motiv.

Der Hardangerfjord im Überblick

Der Fjord beginnt bei der Insel Bømlo an der Nordseeküste und reicht bis nach Odda und Eidfjord im Landesinneren. Er verzweigt sich in mehrere Seitenarme: den Sørfjord bei Odda, den Eidfjord im Osten und den Granvinfjord im Norden. Die umliegenden Berge erreichen Höhen von 1.200 bis 1.600 Metern, und an der Ostseite grenzt die Hardangervidda, Europas größte Hochebene.

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Die Region Hardanger gehört zum Bezirk Vestland und umfasst Gemeinden wie Ullensvang, Eidfjord, Kvam und Ulvik. Rund 25.000 Menschen leben hier, die meisten in kleinen Dörfern am Fjordufer. Die Wirtschaft war Jahrhunderte lang von Obstanbau, Fischerei und Bergbau geprägt. Heute ist der Tourismus ein wichtiger Faktor, aber die Region hat sich ihren ruhigen Charakter bewahrt.

Blick über den Hardangerfjord mit Obstbäumen und Bergen
Der Hardangerfjord: 180 Kilometer lang, umgeben von Obstgärten und Bergen (KI-generiert)

Was den Hardangerfjord besonders macht, ist die Kombination aus sanfter Kulturlandschaft und wilder Natur. Am Fjordufer stehen Apfelbäume und Kirschgärten, man findet Cidereien und kleine Hofläden. Aber nur wenige Kilometer weiter oben beginnt die alpine Zone mit Gletschern, kargen Hochebenen und tiefen Schluchten. Diese Gegensätze machen den Reiz der Region aus.

Obstblüte am Hardangerfjord

Die Obstblüte ist das Wahrzeichen des Hardangerfjords. Etwa 40 Prozent aller norwegischen Obstbäume stehen hier, und wenn sie Ende Mai blühen, verwandelt sich das Fjordufer in ein weißes und rosa Blütenmeer. Die Region produziert Äpfel, Birnen, Kirschen, Pflaumen und Himbeeren. Das milde Klima, das der Fjord erzeugt, macht den Anbau möglich, obwohl man sich auf dem 60. Breitengrad befindet, auf Höhe von Helsinki und Anchorage.

Die besten Orte, um die Obstblüte zu sehen, sind die Dörfer Lofthus, Ulvik und Aga. In Lofthus erstrecken sich die Obstgärten vom Fjordufer den Hang hinauf, und der Blick über das blühende Tal auf den gegenüberliegenden Folgefonna-Gletscher gehört zu den stärksten Panoramen, die ich in Norwegen gesehen habe.

Im Herbst kann man die Ernte direkt am Straßenrand kaufen. Viele Höfe haben Selbstbedienungsboxen aufgestellt, in die man Geld wirft und dafür Äpfel oder Birnen mitnimmt. Das Hardanger Juice- og Siderfabrikk in Øystese stellt Apfelmost und Cidre her und bietet Führungen mit Verkostung an. In den letzten Jahren hat sich eine kleine, aber feine Cidre-Szene entwickelt, und einige der Hardanger-Cidres haben internationale Preise gewonnen.

Trolltunga: Die Trollzunge über dem Abgrund

Die Trolltunga (Trollzunge) ist ein horizontal abstehender Felsvorsprung, der 700 Meter über dem Ringedalsvatnet schwebt. Das Bild, auf dem jemand am äußersten Rand dieses Felsens steht, mit dem Abgrund unter den Füßen und den Bergen im Hintergrund, ist millionenfach geteilt worden. Die Wanderung dorthin gehört zu den beliebtesten in ganz Norwegen, und das aus gutem Grund.

Der Weg beginnt am Parkplatz P2 oberhalb von Tyssedal bei Odda. Von dort sind es etwa 12 Kilometer einfache Strecke, mit rund 800 Höhenmetern Aufstieg. Für die gesamte Tour sollte man 10 bis 12 Stunden einplanen. Der Weg ist markiert, aber anspruchsvoll: felsig, teilweise steil und im oberen Bereich über Geröllfelder. Gute Wanderschuhe, ausreichend Wasser, warme Kleidung und Verpflegung sind Pflicht.

Die Trolltunga ragt horizontal über den Abgrund hinaus
Trolltunga: 700 Meter über dem Ringedalsvatnet, einer der bekanntesten Felsen Norwegens (KI-generiert)

Die Saison für Trolltunga läuft von Juni bis September. Außerhalb dieser Monate ist die Wanderung nur mit einem zertifizierten Guide erlaubt. Im Winter liegt tiefer Schnee, und die Lawinengefahr ist hoch. In der Hochsaison, besonders im Juli, kann es an der Trolltunga voll werden, und man wartet mitunter eine Stunde, um das Foto auf dem Felsvorsprung zu machen. Wer dem Andrang ausweichen will, startet früh morgens oder kommt im September.

Kosten: Der Parkplatz P2 kostet 600 NOK pro Tag. Ein Shuttlebus vom Tal zum Parkplatz kostet etwa 200 NOK hin und zurück. Geführte Touren liegen bei 1.000 bis 2.000 NOK pro Person. Seit 2019 gibt es eine Registrierungspflicht: Man muss sich online anmelden und seine geplante Startzeit angeben. Das dient der Sicherheit und hilft, die Besucherzahlen zu steuern.

Vøringsfossen und andere Wasserfälle

Der Vøringsfossen ist mit 182 Metern Fallhöhe einer der bekanntesten Wasserfälle Norwegens. Er liegt bei Eidfjord und stürzt in die Måbødalen-Schlucht hinab. Seit 2020 gibt es eine neue Aussichtsplattform mit einer Treppenkonstruktion, die direkt an die Schlucht heranführt. Der Blick nach unten, wo das Wasser in die Tiefe donnert, ist nichts für Menschen mit Höhenangst, aber genau deshalb so belohnend.

Man kann den Vøringsfossen von oben und von unten sehen. Die obere Aussichtsplattform erreicht man direkt von der Straße RV7 aus, die nach Eidfjord führt. Der untere Zugang erfordert eine kurze Wanderung durch die Måbødalen. Beide Perspektiven sind lohnenswert, aber der Blick von unten, wo man die gesamte Fallhöhe sieht und das Sprühwasser spürt, ist intensiver.

Neben dem Vøringsfossen gibt es in der Region weitere sehenswerte Wasserfälle. Der Steindalsfossen bei Norheimsund ist bekannt dafür, dass man hinter dem Wasserfall hergehen kann. Ein Pfad führt hinter den Wasservorhang, und man steht trocken (oder fast trocken) hinter einer Wand aus fallendem Wasser. Der Skytjefossen bei Lofthus stürzt 300 Meter die Felswand hinunter und ist besonders im Frühsommer, wenn die Schneeschmelze einsetzt, stark.

Folgefonna-Gletscher und Hardangervidda

Der Folgefonna ist Norwegens drittgrößter Gletscher und liegt auf der Halbinsel zwischen dem Hardangerfjord und dem Sørfjord. Der Nationalpark Folgefonna schützt das Gebiet seit 2005. Man kann geführte Gletscherwanderungen buchen, die etwa 5 bis 7 Stunden dauern und von erfahrenen Guides geleitet werden. Steigeisen und Seile werden gestellt. Das Startpunkt ist in der Regel Fonna Glacier Ski Resort, wo man im Sommer tatsächlich Ski fahren kann, auf dem Gletscher, bei Temperaturen um den Gefrierpunkt, während unten im Tal die Äpfel reifen.

Der Folgefonna-Gletscher über dem Hardangerfjord
Der Folgefonna-Gletscher: Sommerski auf 1.200 Metern, Obstblüte im Tal (KI-generiert)

Die Hardangervidda erstreckt sich östlich des Fjords und ist mit 8.000 Quadratkilometern die größte Hochebene Europas. Weite Teile liegen über 1.200 Meter und sind baumlos. Hier lebt Europas größte Wildrentier-Population, rund 7.000 Tiere. Die Hochebene ist ein sehr gutes Wandergebiet mit einem Netz aus DNT-Hütten. Die bekannteste Route führt von Finse nach Kinsarvik und dauert 4 bis 5 Tage.

Das Hardangervidda Natursenter in Eidfjord erklärt die Geologie, Flora und Fauna der Hochebene. Besonders gut gemacht ist die Ausstellung über die Rentiere und ihren jahreszeitlichen Wanderzyklus. Der Eintritt kostet 170 NOK für Erwachsene.

Orte und Übernachtungen am Fjord

Odda: Ausgangspunkt für die Trolltunga-Wanderung. Früher eine Industriestadt, hat sich Odda in den letzten Jahren zum Outdoor-Zentrum entwickelt. Es gibt Hotels, Hostels und einen gut sortierten Coop-Supermarkt für die Wanderverpflegung. Das Trolltunga Hotel liegt zentral und bietet vernünftige Preise.

Eidfjord: Klein, aber gut gelegen am innersten Teil des Fjords. Von hier aus erreicht man den Vøringsfossen in wenigen Minuten. Das Eidfjord Fjell & Fjord Hotel hat Zimmer mit Fjordblick. Der Ort hat etwa 950 Einwohner und eine ruhige Atmosphäre, die im Sommer durch die Kreuzfahrtschiffe im Hafen etwas belebt wird.

Ulvik: Ein Bilderbuchdorf am Ulvikfjord, umgeben von Obstgärten. Hier findet man das Brakanes Hotel, ein traditionsreiches Haus direkt am Wasser. Ulvik ist auch der Sitz der nördlichsten Ciderei Norwegens und bietet geführte Cidre-Verkostungen an.

Lofthus: Die "Obsthauptstadt" am Sørfjord. Das Hotel Ullensvang, seit 1846 in Familienbesitz, liegt direkt am Fjord. Der Komponist Edvard Grieg verbrachte hier viele Sommer und komponierte Teile seines Klavierkonzerts in einer kleinen Hütte im Hotelgarten. Die Hütte steht noch heute und kann besichtigt werden.

Anreise und beste Reisezeit

Mit dem Auto: Von Bergen aus über die E16 und dann die RV7 nach Norheimsund, etwa 1,5 Stunden. Von Oslo über die E134 oder die RV7 in etwa 5 bis 6 Stunden. Die Hardangerbrücke, Norwegens längste Hängebrücke (1.380 Meter), überquert den Fjord bei Eidfjord und verbindet die Nord- mit der Südseite. Maut: etwa 200 NOK per AutoPASS.

Mit Bus und Bahn: Busse fahren regelmäßig von Bergen nach Odda (Skyss, etwa 3 Stunden) und nach Eidfjord. Wer mit dem Zug anreist, fährt bis Voss an der Bergen-Oslo-Linie und steigt dort in den Bus um.

Beste Reisezeit: Für die Obstblüte muss man Ende Mai kommen, das genaue Datum schwankt je nach Wetter um ein bis zwei Wochen. Für die Trolltunga-Wanderung ist die Saison von Juni bis September, wobei der August die stabilsten Wetterverhältnisse bietet. Im Herbst (September/Oktober) locken Erntedankfeste und die Herbstfarben.

Blühende Obstbäume am Hardangerfjord mit Blick auf den Folgefonna-Gletscher
Obstblüte am Hardangerfjord: Ende Mai verwandeln sich die Ufer in ein Blütenmeer (KI-generiert)

Häufige Fragen zum Hardangerfjord

Wie schwierig ist die Trolltunga-Wanderung?

Die Wanderung ist anspruchsvoll. Es sind 24 Kilometer hin und zurück mit 800 Höhenmetern. Man sollte 10 bis 12 Stunden einplanen und eine gute Grundfitness mitbringen. Der Weg führt über felsiges Gelände und ist nicht für Anfänger geeignet. Kinder unter 7 Jahren sollten die Tour nicht machen. Gute Wanderschuhe, warme Kleidung, Regen schutz und ausreichend Verpflegung sind Pflicht.

Wann genau blühen die Obstbäume am Hardangerfjord?

Die Hauptblüte findet in der Regel zwischen dem 20. Mai und dem 5. Juni statt. Das genaue Datum variiert je nach Witterung um ein bis zwei Wochen. Zuerst blühen die Kirschen, dann die Äpfel und zuletzt die Birnen. Auf der Website von Visit Hardangerfjord gibt es im Frühling aktuelle Blütenprognosen.

Kann man den Folgefonna-Gletscher auch ohne Guide besuchen?

Das Gletschergebiet kann man auf eigene Faust erwandern, aber das Betreten des Gletschereises ohne Guide und Ausrüstung wird dringend abgeraten. Spalten sind oft von Schnee verdeckt und nicht erkennbar. Geführte Touren kosten etwa 800 bis 1.200 NOK und dauern 5 bis 7 Stunden. Steigeisen und Seile werden gestellt.

Wie kommt man am besten von Bergen zum Hardangerfjord?

Mit dem Auto über die E16 und RV7 in etwa 1,5 Stunden nach Norheimsund oder 2,5 Stunden nach Odda. Busse fahren regelmäßig von Bergen nach Odda und Eidfjord (Skyss). Eine besonders schöne Alternative ist die Kombination aus Bus und Fähre über Rosendal, die einen Teil der Strecke auf dem Fjord zurücklegt.

Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026