Silvester in Norwegen
Punkt Mitternacht am 31. Dezember verwandelt sich Norwegen in ein Lichtermeer. Von jedem Hinterhof, von jeder Anhoehe, von jedem Fjordufer steigen Raketen in den Himmel. Die Norweger lieben Feuerwerk. Sie geben im Durchschnitt mehr Geld dafür aus als die meisten anderen Europaeer. Und weil es im Norden den ganzen Tag dunkel ist, beginnt der Spass oft schon am Nachmittag.
Ich habe Silvester dreimal in Norwegen verbracht. Einmal in Oslo, einmal in einer Hytte (Huette) am Fjord, einmal in Tromsoe. Jedes Mal war anders, und jedes Mal gut. Die Kombination aus norwegischer Gemuetlichkeit, viel Essen, Schnee und dem Wissen, dass man vielleicht in der gleichen Nacht auch noch Nordlichter sieht, macht Silvester in Norwegen zu etwas Besonderem.
Wie Norweger Silvester feiern
Silvester heißt auf Norwegisch "nyttarsaften" (Neujahrsabend). Die Feier beginnt am 31. Dezember am frühen Abend und folgt einem ziemlich festen Ablauf: Essen, Countdowns im Fernsehen schauen, um Mitternacht Feuerwerk zuenden, danach weiter feiern oder ins Bett gehen. Die meisten Norweger feiern privat, in der Familie oder mit Freunden. Größe oeffentliche Veranstaltungen gibt es in den Städten, aber der Kern des Abends spielt sich in Wohnzimmern und Kuechen ab.
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Ein fester Bestandteil ist die TV-Show "Grevinnen og Hovmesteren" (Dinner for One). Ja, genau die. Die gleiche Show, die Deutsche seit Jahrzehnten an Silvester schauen, laeuft auch im norwegischen Fernsehen. Die Norweger haben den Sketch von den Briten übernommen und finden ihn genauso lustig wie die Deutschen. "Same procedure as every year, James" ist in Norwegen genauso ein geflugeltes Wort.
Was anders ist als in Deutschland: Die Stimmung ist ruhiger. Weniger Party, mehr Gemuetlichkeit. Man sitzt zusammen, isst gut, trinkt Sekt (oder Champagner, wenn das Budget stimmt), und um Mitternacht geht man raus in die Kälte und zuendet Feuerwerk. Dann umarmt man sich, wuenscht "Godt nyttar" (Gutes neues Jahr) und geht wieder rein, weil es kalt ist.
Silvester in Oslo
Oslo bietet die größte Silvesterfeier des Landes. Am Hafen von Aker Brygge und rund um das Opernhaus versammeln sich Tausende. Das offizielle Feuerwerk der Stadt wird vom Rathaus (Radhuset) aus gestartet und spiegelt sich im Fjord. Es dauert etwa 15 Minuten und ist professionell inszeniert. Dazu kommen unzaehlige private Feuerwerke von den Huegeln rund um die Stadt. Von erhoehten Aussichtspunkten wie dem Ekeberg oder dem Holmenkollen sieht man Raketen in jeder Himmelsrichtung.
Am Aker Brygge gibt es Straßenstande mit Gluehwein (glogg) und gegrilltem Lachs. Die Restaurants am Hafen bieten Silvester-Menus, die man Wochen im Voraus buchen sollte. Preise für ein Silvester-Dinner in Oslo: ab 1.200 NOK pro Person in einem mittleren Restaurant, ab 2.500 NOK in einem gehobenen Lokal. Die Top-Restaurants verlangen 4.000 bis 6.000 NOK für ein Mehrgang-Menu mit Getranken.
Wer keine Lust auf Menschenmengen hat, geht auf eine der Inseln im Oslofjord. Die Faehren nach Hovedoya und Gressholmen fahren auch an Silvester (letzter Rueckfahrt gegen 1 Uhr). Von den Inseln aus hat man einen ungestorten Blick auf das Feuerwerk der Stadt. Es ist ruhiger, kälter und irgendwie intimer als an Land.
Bars und Clubs in Oslo
Für die Party danach gibt es in Oslo genug Optionen. Die Clubs in der Innenstadt (Grunerloekka, Aker Brygge, Youngstorget) haben Silvester-Programme mit Live-Musik oder DJs. Der Eintritt liegt bei 300 bis 600 NOK, oft mit einem Getraenk inklusive. Bier in der Bar kostet 90 bis 120 NOK, Cocktails 150 bis 200 NOK. Ja, Norwegen ist teuer. Wer vorher im Vinmonopolet (dem staatlichen Alkoholgeschaeft) einkauft, spart erheblich.
Silvester in Bergen
Bergen feiert Silvester anders als Oslo. Kleiner, persoenlicher, und mit einer Kulisse, die schwer zu toppen ist. Das Feuerwerk steigt über dem Hafen Vagen auf, mit den bunten Holzhaeusern von Bryggen im Vordergrund und den sieben Bergen im Hintergrund. Von der Floibahn-Station auf dem Floyen (320 m) hat man den besten Blick über die ganze Stadt.
Die Floibahn faehrt an Silvester bis 1 Uhr nachts. Achtung: Der Andrang um Mitternacht ist gross. Wer den Floyen als Aussichtspunkt nutzen will, sollte bis 22 Uhr oben sein. Oben gibt es eine Gastronomie, die an Silvester geöffnet hat. Warme Kleidung ist Pflicht. Auf dem Floyen ist es kälter und windiger als unten in der Stadt.
Bergen ist eine Stadt, in der es oft regnet. Auch an Silvester. Regen an Silvester in Bergen ist keine Seltenheit, sondern fast normal. Die Bergenser lassen sich davon nicht beeindrucken. Sie stehen im Regen, zuenden ihre Raketen und feiern. Wer Silvester in Bergen verbringt, sollte regenfeste Kleidung einpacken und die Erwartung an trockenes Wetter zuhause lassen.
Silvester in Tromsoe: Nordlicht statt Feuerwerk
Tromsoe liegt 350 Kilometer nördlich des Polarkreises. Am 31. Dezember steigt die Sonne nicht über den Horizont. Es ist den ganzen Tag dunkel. Und genau das macht Silvester hier so besonders: Man lebt den gesamten Tag im Licht von Kerzen, Straßenlampen und Feuerwerk. Die Dunkelheit verstaerkt die Atmosphaere. Alles leuchtet intensiver.
Das offizielle Feuerwerk der Stadt wird von der Bruecke über den Tromsoeysund gezuendet. Davor und danach zuenden die Einwohner überall in der Stadt ihre eigenen Raketen. Vom Aussichtspunkt Fjelheisen (erreichbar mit der Seilbahn) sieht man das Feuerwerk der ganzen Stadt. Die Seilbahn hat an Silvester erweiterte Öffnungszeiten.
Und dann ist da das Nordlicht. Wenn der Himmel klar ist und die Sonnenaktivitaet passt, tanzen um Mitternacht Raketen am Himmel, und auch gruene Lichtbaender. Es gibt Silvester-Nordlicht-Touren, die einen mit dem Bus raus aus der Stadt bringen, dorthin, wo es kein künstliches Licht gibt. Man feiert Mitternacht in der Wildnis, unter dem Nordlicht, mit einem Glas Sekt in der Hand. Preis: ab 1.800 NOK pro Person. Mein Rat: Buchen. Das ist es wert.
Silvester in der Hytte
Viele Norweger verbringen Silvester nicht in der Stadt, sondern in der Hytte. Die Hytte ist die norwegische Huette, ein kleines Holzhaus in den Bergen oder am Fjord. Manche haben Strom und fliessend Wasser, manche nicht. Der Reiz liegt in der Reduktion: Kein Fernsehen (oder nur ein kleines), kein Handyempfang, kein Stress. Man kocht zusammen, spielt Karten, geht spazieren und freut sich auf Mitternacht.
Silvester in einer Hytte ist das norwegischste, was man tun kann. Man hält sich drinnen warm, der Ofen knistert, draußen liegt Schnee. Um Mitternacht geht man vor die Tuer, zuendet ein paar Raketen (oder auch nicht), und hört das Echo der Feuerwerke aus den umgebenden Taelern. Es ist still genug, dass man die Raketen im nächsten Dorf hört, obwohl es 10 Kilometer entfernt liegt.
Ferienhaeuser (Hytter) kann man über Plattformen wie NOVASOL, Norgesbooking oder Airbnb mieten. Preise für Silvester: ab 5.000 NOK für ein einfaches Haus (3 bis 4 Personen), ab 10.000 NOK für ein komfortables Haus mit Sauna und Fjordblick. Die beliebtesten Lagen (Hemsedal, Geilo, Lofoten) sind Monate im Voraus ausgebucht. Wer an Silvester eine Hytte will, muss im September buchen. Spaeter wird es schwer.
Mein schönster Silvesterabend in Norwegen war in einer Hytte am Sognefjord. Wir waren zu sechst, es gab Pinnekjott (getrocknete Lammrippen), selbstgemachten Glogg und einen Holzofen, der das ganze Haus waermte. Um Mitternacht standen wir am Fjord. Der Himmel war klar, und aus den kleinen Dörfern am anderen Ufer stiegen Raketen auf, die sich im Wasser spiegelten. Kein Knall, nur Licht. Dann war es wieder still.
Norwegische Silvester-Traditionen
Die wichtigste Tradition ist das Feuerwerk. Norweger kaufen Feuerwerksbatterien und Raketen in großen Mengen. Der Verkauf beginnt am 27. Dezember, und die Geschaefte sind voll. Eine typische Familie gibt 500 bis 2.000 NOK für Feuerwerk aus. Ambitionierte Nachbarn investieren deutlich mehr. Der inoffizielle Wettbewerb, wer das größte Feuerwerk im Viertel hat, wird ernst genommen.
Eine weitere Tradition: Bleigiessen (oder heute: Wachsgiessen). Man schmilzt Zinn oder Wachs über einer Kerze und giesst es in kaltes Wasser. Die entstehende Form soll die Zukunft voraussagen. Das ist in Norwegen genauso populaer wie in Deutschland. Inzwischen sind Bleigiessets durch Zinnsets ersetzt, weil Blei giftig ist.
Der Countdown um Mitternacht wird gemeinsam am Fernseher verfolgt. NRK (der norwegische oeffentlich-rechtliche Sender) übertraegt live vom Rathaus in Oslo. Die Glocken schlagen zwoelf, und dann geht es raus in die Kälte. In vielen Familien wird vor dem Feuerwerk ein Gedicht oder ein kurzer Text vorgelesen, der das vergangene Jahr zusammenfasst. Das ist persoenlich, oft lustig und manchmal ruehrend.
Essen und Trinken an Silvester
Das Silvesteressen ist in Norwegen ein großes Thema. Es gibt kein einheitliches Gericht (wie den Raclette-Klassiker in der Schweiz), aber einige Favoriten. Meeresfruechte stehen hoch im Kurs: Krabben, Garnelen, Lachs, Sushi. Viele Familien bestellen ein "skalldyrfat" (Meeresfruechte-Platte), die fertig zubereitet beim Fischaendler abgeholt wird. Preis: ab 600 NOK für zwei Personen.
Andere setzen auf Festbraten: Lamm, Rind oder Wild. Pinnekjott (getrocknet und gesalzene Lammrippen) ist eigentlich ein Weihnachtsgericht, wird aber auch an Silvester gegessen. Kalkun (Truthahn) ist in Westnorwegen verbreitet. Fondue (Fleisch- oder Kaesefondue) hat in den letzten Jahren an Beliebtheit gewonnen, besonders in juengeren Haushalten.
Zum Trinken: Champagner oder Sekt ist Pflicht um Mitternacht. Davor trinkt man Bier, Wein oder Aquavit. Ein Flasche Champagner kostet im Vinmonopolet ab 250 NOK (Achtung: Das Vinmonopolet hat an Silvester nur bis 15 Uhr geöffnet, in manchen Orten bis 14 Uhr). Wer nach 15 Uhr noch Alkohol braucht, muss in eine Bar oder ein Restaurant gehen, und die Preise dort sind deutlich hoeher.
Alkohol ist in Norwegen teuer und reguliert. Bier über 4,7% und Wein gibt es nur im Vinmonopolet. Die Oefffnungszeiten sind eingeschraenkt (an Feiertagen geschlossen, am 31. Dezember nur vormittags/nachmittags). Mein Rat: Am 30. Dezember alles einkaufen, was man braucht. Am 31. ist es zu spät.
Praktische Tipps
Silvester in Norwegen planen
- Hotel oder Hytte früh buchen. Silvester ist Hochsaison. Oslo und Tromsoe sind Monate im Voraus ausgebucht.
- Vinmonopolet-Öffnungszeiten pruefen. Am 31.12. nur bis 15 Uhr (mancherorts 14 Uhr). Am 1.1. geschlossen.
- Warme Kleidung einpacken. Um Mitternacht steht man draußen. In Tromsoe kann es minus 15 Grad haben.
- Oeffentlicher Nahverkehr: Busse und Bahnen fahren an Silvester nach Sonderfahrplan. Nachtbusse in Oslo und Bergen bis ca. 3 Uhr.
- Restaurant reservieren. Beliebte Lokale in Oslo und Bergen sind Wochen im Voraus voll.
- Flugpreise: Fluege nach Norwegen über Silvester sind teurer als normal. Früh buchen spart Geld.
- Taxi an Silvester: Schwer zu bekommen und teuer. Uber funktioniert in Oslo, sonst Taxi vorbestellen.
Zum Wetter: An der Küste (Oslo, Bergen, Stavanger) liegt Silvester oft bei 0 bis 5 Grad. Schnee ist möglich, aber nicht garantiert. In den Bergen (Hemsedal, Geilo, Lillehammer) liegt fast immer Schnee, und die Temperaturen fallen auf minus 5 bis minus 15 Grad. In Nordnorwegen (Tromsoe, Lofoten) ist es dunkel und kalt, mit Temperaturen zwischen minus 5 und minus 20 Grad.
Neujahrstag (1. Januar) ist Feiertag. Fast alles ist geschlossen: Geschaefte, Museen, Sehenswürdigkeiten. Restaurants öffnen oft erst nachmittags. Der 1. Januar in Norwegen ist ein Tag für Spaziergaenge, Resteverwertung und Erholung. Wer Aktivitaeten plant, sollte auf den 2. Januar ausweichen.
Haeufige Fragen
Wo ist Silvester in Norwegen am schönsten?
Das haengt davon ab, was man sucht. Oslo für die größte Feier, Bergen für Kulisse und Gemuetlichkeit, Tromsoe für Nordlichter und Dunkelheit, eine Hytte in den Bergen für Ruhe und Natur. Alle Optionen haben ihren Reiz.
Ist es an Silvester in Norwegen sehr kalt?
An der Küste (Oslo, Bergen) oft um den Gefrierpunkt. In den Bergen minus 5 bis minus 15 Grad. In Nordnorwegen bis minus 20 Grad. Warme Winterkleidung, Muetze, Handschuhe und feste Schuhe sind Pflicht für die Feier im Freien um Mitternacht.
Gibt es oeffentliche Silvester-Veranstaltungen?
In Oslo, Bergen und Tromsoe gibt es offizielle Feuerwerke und teilweise Open-Air-Veranstaltungen. In kleineren Orten feiert man privat. Oeffentliche Partys mit Konzerten sind selten. Die meisten Norweger verbringen Silvester zuhause oder bei Freunden.
Was kostet Silvester in Norwegen?
Hotels in Oslo oder Tromsoe: ab 1.500 NOK pro Nacht an Silvester. Silvester-Dinner im Restaurant: ab 1.200 NOK pro Person. Hytte in den Bergen: ab 5.000 NOK für 3 bis 4 Naechte. Feuerwerk: 300 bis 2.000 NOK. Dazu kommt Essen und Trinken. Insgesamt sollte man mit 3.000 bis 10.000 NOK pro Person für den Silvester-Aufenthalt rechnen (ohne Flug).
Kann man in Norwegen eigenes Feuerwerk kaufen?
Ja. Der Verkauf beginnt am 27. Dezember und endet am 31. Dezember um 18 Uhr. Man muss mindestens 18 Jahre alt sein. Feuerwerk gibt es in Baumrkten, Sportgeschaeften und einigen Supermaerkten. Das Zuenden ist vom 31. Dezember 18 Uhr bis 1. Januar 2 Uhr erlaubt. Ausserhalb dieser Zeiten ist es verboten.
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Weiterführende Informationen
Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026