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Island im Herbst
September und Oktober auf der Insel aus Feuer und Eis

Island im Herbst

12 Min. Lesezeit

Zwischen dem letzten Sommerglühen und dem ersten Winterschnee liegt eine Jahreszeit, die auf Island zu wenig Beachtung bekommt. Der Herbst, also September und Oktober, bringt eine Mischung aus schrumpfendem Tageslicht, den ersten Nordlichtern, menschenleeren Straßen und einer Landschaft, die sich in Braun-, Orange- und Rottöne kleidet.

Die meisten Reisenden kommen im Juni, Juli oder August nach Island, wenn die Mitternachtssonne scheint und die Hochlandstraßen offen sind. Ab September leert sich die Insel spürbar. Die großen Reisebusse werden seltener, die Parkplätze am Gullfoss sind nicht mehr überfüllt, und in den Gästehäusern auf dem Land kann man oft ohne Vorausbuchung ein Zimmer bekommen. Gleichzeitig bleibt das Wetter noch vergleichsweise mild, die meisten Straßen sind befahrbar, und die Nächte werden lang genug für die ersten Polarlichter der Saison.

Wer Island ohne die Menschenmassen des Sommers erleben will, aber auch nicht den Herausforderungen des Winters trotzen möchte, findet im Herbst den richtigen Kompromiss. Dieser Artikel erklärt, was dich in den Monaten September und Oktober erwartet, welche Routen sich lohnen und worauf du bei der Planung achten solltest.

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Warum der Herbst die unterschätzte Jahreszeit ist

Islands Tourismus hat sich in den letzten Jahren stark auf zwei Pole konzentriert: Sommer für Ringstraße und Mitternachtssonne, Winter für Nordlichter und Eishöhlen. Der Herbst fällt dazwischen und wird von vielen übersehen. Genau das macht ihn so reizvoll.

Im September sinken die Besucherzahlen gegenüber August um etwa 40 Prozent. Am Goldenen Kreis stehst du nicht mehr Schulter an Schulter mit anderen Touristen. Am Seljalandsfoss kannst du hinter den Wasserfall gehen, ohne in einer Schlange zu warten. Am Diamond Beach bei Jökulsárlón hast du manchmal ganze Strandabschnitte für dich allein.

Dazu kommt ein Faktor, den viele unterschätzen: das Licht. Im Sommer steht die Sonne so hoch und so lange, dass Fotos oft flach wirken. Im Herbst wandert die Sonne tiefer über den Horizont, die Schatten werden länger, und das Licht bekommt eine warme, goldene Qualität. Fotografen sprechen von der "goldenen Stunde", die sich im isländischen Herbst über mehrere Stunden erstreckt. Sonnenauf- und -untergänge dauern ewig und tauchen die Landschaft in dramatische Farben.

Herbstliche Landschaft in Island mit moosbedeckten Lavafeldern in Gold- und Brauntönen
Islands Herbstlandschaft zeigt sich in warmen Braun- und Goldtönen, die einen starken Kontrast zum schwarzen Lavagestein bilden (KI-generiert)

Der Herbst markiert auch den Beginn der Schafabtriebe (Réttir), einer isländischen Tradition, bei der die Bauern ihre Schafe aus dem Hochland zurück in die Täler treiben. Das passiert meist Mitte September. In einigen Regionen können Touristen am Schaftrieb teilnehmen, was eine der authentischsten kulturellen Erfahrungen ist, die Island zu bieten hat. Die Tiere verbringen den Sommer frei im Hochland und müssen vor dem Winter eingefangen und ihren Besitzern zugeordnet werden.

Wetter und Tageslicht im September und Oktober

Das Wetter auf Island ist zu jeder Jahreszeit unberechenbar, aber der Herbst bringt eine besondere Mischung. Im September liegen die Durchschnittstemperaturen in Reykjavík zwischen 5 und 10 Grad Celsius. Im Oktober fallen sie auf 2 bis 7 Grad. Im Norden und im Hochland ist es jeweils einige Grad kälter. Frost ist ab Mitte Oktober keine Seltenheit, und in höheren Lagen kann es schon im September schneien.

Wind und Regen sind die ständigen Begleiter einer Herbstreise. Island liegt mitten in der Zugbahn atlantischer Tiefdruckgebiete, und im Herbst häufen sich die Stürme. Windgeschwindigkeiten von 60 bis 80 km/h sind keine Ausnahme, sondern normal. Das klingt dramatischer, als es ist: Die meisten Isländer gehen bei solchem Wind einfach zur Arbeit, und als Reisender gewöhnt man sich schnell daran. Autotüren vorsichtig öffnen, den Mietwagen nie ungesichert stehen lassen, und beim Fotografieren am Steilklippen gut aufpassen.

Beim Tageslicht schrumpft die Spanne zügig. Anfang September hat Island noch etwa 14 Stunden Tageslicht, was für Tagesausflüge mehr als genug ist. Ende September sind es noch 12 Stunden. Im Oktober geht es schnell bergab: Anfang Oktober hat man 11 Stunden Licht, Ende Oktober nur noch 8. Das heißt, dass du im Oktober deine Touren straffer planen musst als im September. Die Sonne geht im späten Oktober erst gegen 9 Uhr auf und schon gegen 17 Uhr wieder unter.

Nordlichter ab September

Einer der stärksten Gründe für eine Herbstreise nach Island sind die Nordlichter. Ab Ende August werden die Nächte dunkel genug, um die Aurora Borealis zu sehen, und ab September stehen die Chancen gut. Im Vergleich zu den Wintermonaten hat der Herbst einen entscheidenden Vorteil: Die Temperaturen sind deutlich angenehmer. Während du im Januar bei minus 5 Grad in der Dunkelheit stehst und auf die Lichter wartest, trägst du im September eine normale Jacke und hast es vergleichsweise komfortabel.

Grüne Nordlichter über einem herbstlichen isländischen See mit Spiegelung im Wasser
Ab September werden die Nächte dunkel genug für die ersten Nordlichter der Saison (KI-generiert)

Die besten Chancen auf Nordlichter hast du zwischen 22 und 2 Uhr. Wichtig ist ein wolkenfreier Himmel, und genau hier liegt die Herausforderung im Herbst: Die Bewölkung ist im September und Oktober höher als in den klaren Wintermonaten. Nutze die Vorhersage auf vedur.is, die dir sowohl die Nordlichtaktivität als auch die Wolkendecke anzeigt. An Abenden mit klarem Himmel lohnt es sich, 20 bis 30 Minuten aus Reykjavík hinauszufahren, wo weniger Lichtverschmutzung herrscht.

Organisierte Nordlichttouren ab Reykjavík kosten zwischen 50 und 80 Euro pro Person (ca. 7.500 bis 12.000 ISK). Die meisten Anbieter bieten eine kostenlose Wiederholung, falls bei der ersten Tour nichts zu sehen war. Wer mit dem eigenen Mietwagen unterwegs ist, hat den Vorteil, flexibler auf Wetteränderungen reagieren zu können. Der Þingvellir-Nationalpark und die Halbinsel Snæfellsnes zählen zu den besten Spots.

Herbstfarben und Landschaften

Island hat keine Wälder im klassischen Sinn, trotzdem gibt es Herbstfarben. Die Vegetation besteht hauptsächlich aus Moos, Gras, Zwergsträuchern und Blaubeerbüschen, und all das verfärbt sich im September. Die Blaubeersträucher werden dunkelrot, das Gras gold-braun, und die Moose wechseln von sattem Grün zu einem gedämpften Olivton. Die Kontraste zwischen den warmen Farben und dem schwarzen Lavagestein sind gewaltig.

Besonders intensiv zeigt sich der Herbst im Þórsmörk-Tal, einem von Bergen und Gletschern umgebenen Tal im Süden. Die Birken, die hier dichter wachsen als anderswo auf der Insel, verfärben sich im September goldgelb. Das Tal ist über F-Straßen erreichbar (Allradantrieb nötig, Flussdurchquerungen) oder per Bus von Vík aus. Im Oktober schließen die Zufahrtsstraßen allerdings oft wegen Schnee.

Auch das Gebiet um den Mývatn-See im Norden lohnt im Herbst einen Besuch. Die Pseudokrater von Skútustaðir, die heißen Quellen von Námaskarð und die Lavaformationen von Dimmuborgir bekommen durch das herbstliche Licht eine ganz andere Stimmung als im Sommer. Die Gegend ist im September gut erreichbar, im Oktober solltest du die Straßenverhältnisse auf road.is prüfen.

Das Þórsmörk-Tal im Herbst mit goldgelben Birken vor schneebedeckten Bergen
Das Þórsmörk-Tal zeigt im September die intensivsten Herbstfarben Islands (KI-generiert)

Die Wasserfälle sind im Herbst oft wasserreicher als im Sommer, weil die Regenfälle zunehmen und die letzten Gletscherschmelzen noch laufen. Der Skógafoss, der Seljalandsfoss und der Svartifoss im Skaftafell-Nationalpark sind im Herbst in voller Pracht zu sehen. Wer den Dettifoss im Nordosten besuchen möchte, sollte das eher im September tun, da die Zufahrtsstraße (Route 862 von Westen) im Oktober unpassierbar werden kann.

Die besten Routen für eine Herbstreise

Im September ist die Ringstraße (Route 1, ca. 1.320 km) noch gut befahrbar, und eine vollständige Umrundung in 7 bis 10 Tagen ist problemlos möglich. Die Hochlandstraßen (F-Straßen) schließen allerdings ab Mitte bis Ende September, je nach Wetter. Wer den Laugavegur-Trek noch machen möchte, sollte das in der ersten Septemberwoche tun.

Route 1: Südküste (3-4 Tage) - Die Südküste ist die sicherste Wahl für eine Herbstreise. Von Reykjavík geht es über den Goldenen Kreis (Þingvellir, Geysir, Gullfoss) weiter nach Süden zum Seljalandsfoss, Skógafoss und Vík. Von dort weiter zum Skaftafell-Nationalpark und zur Gletscherlagune Jökulsárlón. Die Straßen sind asphaltiert und gut gepflegt, und es gibt genügend Unterkünfte entlang der Route. Die Gesamtstrecke beträgt etwa 370 km pro Richtung.

Route 2: Snæfellsnes-Halbinsel (2-3 Tage) - Die Halbinsel westlich von Reykjavík wird oft als "Island im Miniaturformat" bezeichnet, weil sie auf kleinem Raum Gletscher, Lavafelder, Strände und Fischerdörfer vereint. Die Anfahrt von Reykjavík dauert knapp zwei Stunden (180 km). Im Herbst hat die Halbinsel besonders wenige Besucher, und die Orte Arnarstapi, Grundarfjörður und der Berg Kirkjufell zeigen sich von ihrer ruhigsten Seite.

Route 3: Ringstraße komplett (7-10 Tage, nur September) - Wer die gesamte Insel umrunden will, sollte das im September tun. Im Oktober ist die Route zwar nicht gesperrt, aber die Straßenabschnitte im Norden und Osten können bei Schneefall vorübergehend geschlossen werden. Plane im September mindestens 8 Tage ein und im Oktober lieber die Südküste plus Snæfellsnes, statt dich auf eine Ringstraßen-Umrundung festzulegen.

Unterkünfte und Kosten im Herbst

Der Herbst liegt preislich zwischen Sommer-Hochsaison und Winter-Nebensaison. Im September zahlt man etwa 10 bis 20 Prozent weniger als im August, im Oktober dann 20 bis 30 Prozent weniger. Die Unterschiede sind deutlich spürbar, vor allem bei Mietwagen und Unterkünften.

Ein Doppelzimmer in einem Gästehaus auf dem Land kostet im Herbst zwischen 80 und 130 Euro pro Nacht. Hotels in Reykjavík liegen bei 100 bis 200 Euro. Gästehäuser sind oft die beste Wahl: Sie sind günstiger als Hotels, bieten eine persönliche Atmosphäre und liegen oft an Orten, wo man abends direkt Nordlichter sehen kann.

Ein gemütliches isländisches Gästehaus mit Rasen-Dach in herbstlicher Umgebung
Gästehäuser auf dem Land bieten im Herbst oft die beste Kombination aus Preis und Atmosphäre (KI-generiert)

Mietwagen kosten im September zwischen 50 und 100 Euro pro Tag für einen Kleinwagen, ein Allradfahrzeug liegt bei 80 bis 140 Euro. Im Oktober sinken die Preise nochmals. Für die Südküste und Snæfellsnes reicht theoretisch ein Zweiradantrieb, aber Allrad gibt dir mehr Sicherheit bei den wechselhaften Herbst-Straßenverhältnissen. Versicherungen (CDW, SAAP, Kies) kosten etwa 15 bis 25 Euro pro Tag zusätzlich.

Flüge von Deutschland nach Keflavík sind im September ab 120 Euro pro Strecke zu finden, im Oktober ab 100 Euro. Icelandair und PLAY fliegen direkt ab Frankfurt, Berlin und München. Wer früh bucht und flexible Daten hat, kann unter 200 Euro Hin- und Rückflug bekommen. Ein realistisches Tagesbudget liegt bei 130 bis 220 Euro pro Person inklusive Mietwagen, Unterkunft und Essen.

Beim Essen gelten die üblichen Island-Preise: Ein Hauptgericht im Restaurant kostet 25 bis 45 Euro, ein Bier 8 bis 12 Euro. Selbstverpflegung über den Supermarkt Bónus ist die günstigste Option. Ein Wocheneinkauf für zwei Personen kostet dort etwa 80 bis 120 Euro. Die orangefarbene Schwein-Schild-Kette findet sich in Reykjavík und den größeren Orten auf dem Land.

Packliste und praktische Tipps

Im Herbst brauchst du Kleidung, die für alles gewappnet ist: Sonnenschein, Regen, Schnee und Sturm, manchmal alles am selben Tag. Das Schichtenprinzip ist die beste Strategie. Eine wind- und wasserdichte Außenjacke ist unverzichtbar, dazu eine Fleece- oder Daunenmittellage und eine Baselayer-Schicht aus Merinowolle oder Synthetik.

Wasserdichte Wanderschuhe mit gutem Profil sind wichtiger als schicke Kleidung. Die Wege an den Sehenswürdigkeiten sind im Herbst oft nass und rutschig. Für längere Wanderungen empfehlen sich knöchelhohe Stiefel. Dazu: wasserdichte Handschuhe, eine winddichte Mütze und ein Buff-Tuch für den Hals.

Für die Nordlichtjagd brauchst du eine Stirnlampe (damit du im Dunkeln nicht stolperst), warme Kleidung für längeres Stehen im Freien und ein Stativ, falls du die Lichter fotografieren willst. Ein Weitwinkelobjektiv mit hoher Lichtstärke (f/2.8 oder besser) ist ideal, aber auch Smartphones mit Nachtmodus liefern mittlerweile brauchbare Ergebnisse.

Weitere praktische Tipps: Tanke immer nach, wenn der Tank halb leer ist, denn die Tankstellen liegen auf dem Land weit auseinander (teilweise 100 km und mehr). Lade dir die Apps vedur.is (Wetter), road.is (Straßenzustand) und safetravel.is herunter. Und registriere deine Reiseroute auf safetravel.is, damit die Rettungskräfte im Notfall wissen, wo sie suchen müssen.

Häufige Fragen zu Island im Herbst

Ist September oder Oktober besser für eine Island-Reise?

September bietet mehr Tageslicht (12 bis 14 Stunden), mildere Temperaturen und offene Hochlandstraßen. Oktober ist günstiger, hat mehr Nordlichtchancen und weniger Touristen, dafür aber kürzere Tage (8 bis 11 Stunden) und schwierigere Straßenverhältnisse. Wer die Ringstraße komplett fahren will, sollte September wählen. Wer vor allem Nordlichter sehen und Geld sparen möchte, ist im Oktober besser aufgehoben.

Kann man im Herbst noch im Hochland wandern?

Im frühen September ist das Hochland oft noch zugänglich, allerdings schließen die F-Straßen je nach Wetterlage zwischen Mitte und Ende September. Der Laugavegur-Trek sollte bis spätestens 10. September abgeschlossen sein. Die Hütten auf der Strecke schließen Ende September. Für Tageswanderungen im Tiefland (Skaftafell, Landmannalaugar über Bustransfer) bleibt im September noch genug Zeit.

Brauche ich im Herbst einen Allradwagen?

Für die Ringstraße und die Südküste reicht im September theoretisch ein Zweiradantrieb. Im Oktober wird Allrad aber stark empfohlen, weil die Straßen durch Regen und ersten Schnee rutschig werden können. Wer F-Straßen (Hochland, Þórsmörk) befahren will, braucht zwingend einen 4x4. Die Mehrkosten von 20 bis 40 Euro pro Tag lohnen sich für die zusätzliche Sicherheit.

Sind die Campingplätze im Herbst noch offen?

Viele Campingplätze schließen Ende September oder Anfang Oktober. Einige wenige in Reykjavík und an der Südküste bleiben bis Ende Oktober geöffnet. Im Herbst zu campen ist möglich, aber du solltest auf kalte Nächte (bis minus 5 Grad) vorbereitet sein und einen Schlafsack für Temperaturen um den Gefrierpunkt mitbringen. Campervans sind im Herbst etwa 30 Prozent günstiger als im Sommer.

Island im Herbst ist eine Reise für Leute, die sich nicht von ein bisschen Regen und Wind abschrecken lassen. Die Belohnung sind leere Straßen, Nordlichter ohne die Kälte des Winters und eine Landschaft, die sich gerade in den Winterschlaf verabschiedet und dabei noch einmal alle Farben zeigt, die sie hat. Wer die Insel abseits der Massen erleben will, kommt zwischen September und Oktober genau richtig.

Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026