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Jökulsárlón
Islands Gletscherlagune und Diamond Beach

Jökulsárlón

14 Min. Lesezeit

Jökulsárlón ist einer der Orte, die man in keinem Reiseführer erklären muss. Ein See voller Eisberge, direkt an der Ringstraße. Dahinter der Vatnajökull, Europas größter Gletscher. Davor der Atlantik, in den das Schmelzwasser abfließt. Dazwischen treiben blaue, weiße und durchsichtige Eisbrocken, manche so groß wie Häuser.

Die Gletscherlagune liegt im Südosten Islands, etwa 370 Kilometer von Reykjavík entfernt. Die Fahrt dauert rund fünf Stunden über die Ringstraße. Es ist weit. Aber wer einmal dort stand, versteht, warum sich die Fahrt gelohnt hat.

In diesem Artikel erkläre ich dir, wie die Lagune entstanden ist, was du vor Ort machen kannst und worauf du bei der Planung achten solltest. Von Bootstouren über den Diamond Beach bis zu den Robben, die hier das ganze Jahr über zu sehen sind.

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Wie die Gletscherlagune entstand

Jökulsárlón existiert noch nicht lange. Auf Karten aus den 1920er Jahren reichte der Breiðamerkurjökull, eine Gletscherzunge des Vatnajökull, noch bis ans Meer. Dann begann der Gletscher sich zurückzuziehen, und das Schmelzwasser sammelte sich in einer Vertiefung im Gestein. Anfang der 1930er Jahre entstand der erste kleine See.

Jökulsárlón Gletscherlagune mit treibenden Eisbergen und Gletscher im Hintergrund
Die Lagune wird mit jedem Jahr größer, weil der Gletscher sich weiter zurückzieht (KI-generiert)

Seitdem wächst Jökulsárlón stetig. Aktuell misst die Lagune etwa 18 Quadratkilometer und ist bis zu 248 Meter tief. Damit ist sie der tiefste See Islands. Und sie wird jedes Jahr größer, weil der Gletscher weiter schmilzt. Wissenschaftler des Isländischen Meteorologischen Instituts schätzen, dass sich die Fläche in den letzten 50 Jahren vervierfacht hat.

Das Wasser in der Lagune ist eine Mischung aus Süßwasser (vom Gletscher) und Salzwasser (vom Meer). Bei Flut drückt der Atlantik Salzwasser durch den kurzen Abflusskanal in die Lagune. Bei Ebbe fließt das Süßwasser ab und nimmt Eisbrocken mit zum Meer. Dieser ständige Austausch sorgt dafür, dass das Wasser in Bewegung bleibt und die Eisberge langsam kreisen.

Die Gletscherzunge selbst kalbt regelmäßig. Das bedeutet: Große Eisbrocken brechen vom Gletscherrand ab und fallen ins Wasser. Manchmal mit einem Donnern, das man hunderte Meter weit hört. Die frisch abgebrochenen Eisberge treiben dann langsam durch die Lagune Richtung Meer. Je nach Strömung und Wind kann das Stunden oder Wochen dauern.

Die Eisberge der Lagune

Die Eisberge in Jökulsárlón haben unterschiedliche Farben, und das hat einen Grund. Weißes Eis enthält viele Luftblasen, die das Licht in alle Richtungen streuen. Blaues Eis ist älter und dichter. Die Luftblasen wurden über Jahrhunderte herausgepresst, das Eis absorbiert rotes Licht und reflektiert blaues. Manche Eisberge haben schwarze Streifen, das sind vulkanische Ascheablagerungen aus vergangenen Eruptionen.

Großer blauer Eisberg treibt in der Jökulsárlón Gletscherlagune
Die blaue Farbe verrät das hohe Alter des Eises (KI-generiert)

Ein durchschnittlicher Eisberg in Jökulsárlón wiegt zwischen 10 und 50 Tonnen. Die größten können mehrere hundert Tonnen schwer sein. Wie bei allen Eisbergen liegt der Großteil unter Wasser. Was man von der Oberfläche sieht, macht nur etwa ein Siebtel des Gesamtvolumens aus.

Die Eisberge verändern sich ständig. Sie schmelzen, kippen um, brechen auseinander. Manchmal dreht sich ein Eisberg plötzlich und zeigt seine Unterseite, die glatt geschliffen und intensiv blau ist. Das passiert ohne Vorwarnung und erzeugt Wellen, die am Ufer auflaufen. Ein Grund mehr, Abstand zum Wasser zu halten.

Das älteste Eis in der Lagune ist schätzungsweise 1.000 Jahre alt. Es fiel als Schnee auf den Gletscher, wurde unter dem Gewicht der darüber liegenden Schichten zu Firn gepresst und schließlich zu Gletschereis verdichtet. Jetzt, am Ende seiner Reise, schmilzt es in der Lagune und kehrt als Wasser zum Meer zurück.

Diamond Beach: Eis auf schwarzem Sand

Direkt gegenüber der Lagune, auf der anderen Seite der Ringstraße, liegt der Diamond Beach. Der Name kommt von den Eisbrocken, die das Meer an den schwarzen Sandstrand spült. Bei Sonnenlicht glitzern sie wie geschliffene Diamanten. Bei bewölktem Himmel wirken sie eher wie Glasscherben auf Kohle. Beides sieht gut aus.

Eisstücke liegen auf dem schwarzen Sandstrand des Diamond Beach in Island
Am Diamond Beach werden angespülte Eisstücke zu Fotomotiven (KI-generiert)

Die Eisbrocken sind kleiner als die Eisberge in der Lagune. Die meisten haben Fußball- bis Kofferformat. Sie werden von der Strömung aus der Lagune ins Meer gespült, dann von den Wellen an den Strand getragen. Dort liegen sie ein paar Stunden, schmelzen langsam und werden bei der nächsten Flut wieder mitgenommen.

Der Diamond Beach ist ein offener Atlantikstrand. Die Wellen sind stark und kommen ohne Vorwarnung. Es gibt jedes Jahr Vorfälle, bei denen Besucher von Wellen überrascht und ins Wasser gezogen werden. Kehre dem Meer niemals den Rücken zu. Geh nicht ins Wasser. Halt Abstand zur Brandung. Das klingt übertrieben, bis man die Wellen tatsächlich sieht.

Die besten Fotos entstehen bei tiefstehender Sonne, also morgens oder abends. Dann leuchten die Eisbrocken von innen und werfen lange Schatten auf den schwarzen Sand. Im Juni und Juli, wenn die Sonne kaum untergeht, hat man rund um die Uhr weiches Licht. Im Winter ist die goldene Stunde kurz, aber intensiv.

Bootstouren auf der Lagune

Amphibienboot mit Touristen auf der Jökulsárlón Gletscherlagune zwischen Eisbergen
Amphibienboote fahren direkt zwischen die Eisberge der Lagune (KI-generiert)

Es gibt zwei Arten von Bootstouren auf Jökulsárlón: Amphibienfahrzeuge und Zodiac-Schlauchboote. Beide starten vom Südufer der Lagune.

Amphibienboote sind umgebaute Militärfahrzeuge, die an Land fahren und dann ins Wasser rollen. Die Tour dauert etwa 40 Minuten und kostet rund 6.500 ISK (ca. 43 EUR) für Erwachsene. Man sitzt relativ hoch und hat gute Sicht. Der Guide erklärt die Geologie und reicht Gletschereis zum Anfassen herum. Die Boote sind groß (bis zu 30 Personen) und fahren mehrmals pro Stunde.

Zodiac-Boote sind schneller, wendiger und kommen näher an die Eisberge heran. Die Tour dauert etwa eine Stunde und kostet rund 11.900 ISK (ca. 78 EUR). Die Gruppen sind kleiner (maximal 12 Personen), was die Tour persönlicher macht. Man bekommt einen Trockenanzug, was bei Spritzwasser hilft. Die Zodiac-Touren fahren näher an die Gletscherkante heran und man hört das Eis knacken.

Beide Touren laufen von Mai bis Oktober. In den Wintermonaten sind die Boote nicht im Einsatz, weil zu viel Eis die Lagune blockiert. Im Hochsommer (Juli und August) sind die beliebtesten Zeitslots schnell ausgebucht. Am besten einen Tag vorher online buchen oder früh morgens vor Ort sein.

Mein Rat: Wenn du nur eine Tour machen willst und dein Budget es zulässt, nimm das Zodiac. Die Nähe zu den Eisbergen und die kleinere Gruppe machen einen deutlichen Unterschied. Das Amphibienboot ist die solidere Wahl für Familien mit kleinen Kindern oder bei unsicherem Wetter.

Robben in Jökulsárlón

Robben ruhen auf einem Eisberg in der Jökulsárlón Gletscherlagune
Robben nutzen die flachen Eisschollen zum Ausruhen und Sonnenbaden (KI-generiert)

In der Lagune leben Seehunde (Phoca vitulina) und gelegentlich Kegelrobben (Halichörus grypus). Man sieht sie auf Eisschollen liegen, im Wasser schwimmen oder am Abflusskanal zum Meer nach Fischen jagen. Die Robben sind an Menschen gewöhnt und lassen sich aus der Ferne gut beobachten.

Die beste Stelle, um Robben zu sehen, ist die Brücke über den Abflusskanal (Jökulsá). Hier ist das Wasser flach und die Robben kommen nahe ans Ufer. Im Sommer liegen sie oft auf den Felsen am Kanalufer. Im Winter schwimmen sie häufiger in der Lagune selbst, dann braucht man ein Fernglas.

Während der Geburtssaison (Juni und Juli) kann man manchmal Robbenmütter mit ihren Jungen auf Eisschollen beobachten. Die Jungtiere sind in den ersten Wochen weiß und werden später grau. Es ist wichtig, Abstand zu halten. Zu nahe Annäherung stresst die Tiere und kann dazu führen, dass Mütter ihre Jungen verlassen.

Die Robbenkolonie an Jökulsárlón umfasst schätzungsweise 100 bis 150 Tiere. Sie ernähren sich von Forellen, Lodden und anderen Fischen, die durch den Kanal zwischen Lagune und Meer schwimmen. Für die Robben ist der Standort ideal: kaltes, fischreiches Wasser mit vielen Ruheplätzen auf dem Eis.

Anfahrt und Parken

Jökulsárlón liegt an der Ringstraße (Route 1) zwischen Höfn und Vík, im Südosten Islands. Von Reykjavík aus sind es etwa 370 Kilometer, reine Fahrzeit rund 5 Stunden. Die Straße ist asphaltiert und ganzjährig befahrbar, im Winter kann es aber Schnee und Eis geben.

Die meisten Reisenden übernachten in Höfn (ca. 80 km östlich) oder in Vík (ca. 190 km westlich) und besuchen Jökulsárlón als Tagesausflug. Es gibt auch einige Unterkünfte in der Nähe der Lagune, etwa am Hali Country Hotel oder den Gästehäusern in Smyrlabjörg. Die sollte man weit im Voraus buchen, weil das Angebot begrenzt ist.

Am Südufer der Lagune gibt es einen großen Parkplatz, der seit 2023 gebührenpflichtig ist. Die Parkgebühr beträgt 750 ISK (ca. 5 EUR) pro Tag und wird über einen Automaten oder eine App bezahlt. Es gibt Toiletten und ein kleines Café am Parkplatz. Ein zweiter, kleinerer Parkplatz liegt auf der anderen Straßenseite beim Diamond Beach.

Wer von Reykjavík aus nicht selbst fahren will, kann eine organisierte Tagestour buchen. Die dauert zwischen 12 und 14 Stunden und kostet je nach Anbieter zwischen 20.000 und 30.000 ISK (ca. 130 bis 200 EUR). Vorteil: Man muss nicht selbst fahren. Nachteil: Die Zeit vor Ort ist begrenzt, und der Tag ist lang.

Beste Reisezeit für Jökulsárlón

Jökulsárlón ist das ganze Jahr über zugänglich, aber die Erlebnisse unterscheiden sich je nach Jahreszeit deutlich.

Sommer (Juni bis August): Lange Tage, Mitternachtssonne, Bootstouren möglich. Die Lagune hat tendenziell mehr Eisberge, weil die Gletscherschmelze schneller kalbt. Die Robben haben ihre Jungen. Der Diamond Beach ist gut zugänglich. Nachteil: Viele Touristen, besonders zwischen 11 und 16 Uhr.

Winter (November bis Februar): Kurze Tage, nur 4 bis 6 Stunden Tageslicht. Dafür Nordlichter über der Lagune, was ein Erlebnis für sich ist. Weniger Besucher. Keine Bootstouren. Die Straßen können vereist sein, Winterreifen sind Pflicht. Die Lagune friert manchmal teilweise zu.

Übergangszeit (März bis Mai, September bis Oktober): Ein guter Kompromiss. Noch genug Tageslicht, weniger Touristen als im Sommer. Im September und Oktober besteht die Chance auf Nordlichter. Im März und April beginnt die Gletscherschmelze langsam. Bootstouren starten meist im Mai.

Die besten Fotos an Jökulsárlón entstehen bei tiefstehender Sonne und ruhigem Wasser. Frühmorgens, wenn die Touristenbusse noch nicht da sind, hat man die Lagune fast für sich allein.

Jökulsárlón und der Klimawandel

Die Gletscherlagune ist ein sichtbares Zeichen des Klimawandels. Der Breiðamerkurjökull zieht sich jedes Jahr weiter zurück, und die Lagune wird größer. Seit 1970 hat der Gletscher etwa 3 Kilometer an Länge verloren. Prognosen gehen davon aus, dass der Rückzug sich in den kommenden Jahrzehnten beschleunigen wird.

Für Touristen bedeutet das paradoxerweise, dass Jökulsárlón in den nächsten Jahren noch starker werden könnte. Eine größere Lagune mit mehr Eisbergen. Aber irgendwann wird der Gletscher so weit zurückgewichen sein, dass er nicht mehr ins Wasser kalbt. Dann wird die Lagune zu einem stillen See ohne treibende Eisberge. Wann das passiert, ist schwer vorherzusagen. Glaziologen rechnen mit 50 bis 100 Jahren.

Der Vatnajökull insgesamt hat seit 1890 etwa 10 Prozent seines Volumens verloren. Er ist immer noch riesig (über 7.700 Quadratkilometer), aber die Geschwindigkeit der Schmelze nimmt zu. Jedes Grad Erwärmung beschleunigt den Prozess. Die isländische Regierung hat den Vatnajökull 2008 zum Nationalpark erklärt, auch um auf die Veränderungen aufmerksam zu machen.

Wer Jökulsárlón besuchen möchte, sollte das eher früher als später tun. Nicht weil die Lagune morgen verschwindet. Aber das, was man heute sieht, wird in 20 Jahren anders aussehen. Mehr Wasser, weniger Eis, ein anderer Blick.

Häufige Fragen zu Jökulsárlón

Muss man Eintritt bezahlen?

Der Zugang zur Lagune und zum Diamond Beach ist kostenlos. Nur der Parkplatz kostet 750 ISK (ca. 5 EUR). Bootstouren werden separat gebucht und bezahlt.

Wie lange sollte man vor Ort einplanen?

Mindestens 2 Stunden, um die Lagune und den Diamond Beach in Ruhe anzuschauen. Mit Bootstour und Café-Pause eher 3 bis 4 Stunden. Man kann auch den ganzen Tag dort verbringen und wird nicht gelangweilt.

Kann man in der Lagune schwimmen?

Nein. Das Wasser hat eine Temperatur von 1 bis 4 Grad Celsius und starke Strömungen. Es besteht akute Lebensgefahr. Die Eisberge können jederzeit kippen und Wellen verursachen. Schwimmen ist strikt verboten.

Gibt es immer Eisberge in der Lagune?

Ja, das ganze Jahr über. Die Menge variiert je nach Jahreszeit und Kalbungsaktivität. Im Sommer gibt es tendenziell mehr frische Eisberge, im Winter können Teile der Lagune zufrieren, was die sichtbaren Eisberge reduziert.

Lohnt sich die Fahrt von Reykjavík als Tagesausflug?

Möglich, aber anstrengend. Die Fahrt dauert 5 Stunden pro Richtung, was einen sehr langen Tag ergibt. Besser ist es, die Strecke aufzuteilen und unterwegs zu übernachten. So hat man Zeit für die Südküste (Seljalandsfoss, Skógafoss, Vík) und kommt ausgeruht an.

Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026