Familienunterkünfte auf Island
Es ist 22 Uhr, draußen ist es noch hell, und die Kinder spielen im Garten vor dem Ferienhaus. Hinter ihnen steht ein Gletscher, vor ihnen ein Fluss, und der nächste Nachbar ist einen Kilometer entfernt. Drinnen kocht das Nudelwasser, und auf dem Küchentisch liegt die Karte für den nächsten Tag. So sieht ein Familienabend auf Island aus, wenn man die richtige Unterkunft gefunden hat.
Die Unterkunftsfrage ist beim Familienurlaub auf Island entscheidend, weil die Insel teuer ist und die Auswahl je nach Region stark variiert. Wer mit Kindern reist, braucht mehr Platz als ein Pärchen, will meistens eine Küche zum Selbstkochen (Restaurantbesuche schlagen auf Island ordentlich ins Budget) und sucht Unterkünfte, die nicht nach drei Stunden Fahrt auf Schotterpisten erreichbar sind.
In diesem Artikel gehe ich die verschiedenen Unterkunftsarten durch, nenne Preise, vergleiche Regionen und gebe dir konkrete Tipps für die Buchung.
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Warum die Unterkunft in Island wichtig ist
In vielen Reiseländern ist die Unterkunft zweitrangig. Man ist den ganzen Tag unterwegs, kommt abends ins Hotel, schläft, und morgens geht es weiter. Auf Island funktioniert das mit Kindern nur bedingt. Die Fahrstrecken sind lang (die Ringstraße ist 1.322 km), das Wetter kann einen ganzen Tag lang schlecht sein, und die Kinder brauchen Pausen zum Spielen, Aufwärmen und Ankommen.
Dazu kommt der Kostenfaktor. Ein Abendessen für eine vierköpfige Familie in einem isländischen Restaurant kostet schnell 15.000 bis 25.000 ISK (98 bis 163 EUR). Wenn man das jeden Abend macht, sind die Essenskosten am Ende höher als die Unterkunftskosten. Eine Küche zum Selbstkochen spart locker 50 Prozent des Essensbudgets. Nudeln, Reis, Brot und Aufschnitt gibt es in jedem Bónus-Supermarkt (der günstigste auf Island, erkennbar am gelben Schwein-Logo) für einen Bruchteil der Restaurantpreise.
Außerdem brauchen Kinder Platz. Ein Standard-Doppelzimmer mit Zustellbett wird nach drei Tagen eng. Zwei Zimmer zu buchen verdoppelt den Preis. Ein Ferienhaus mit zwei Schlafzimmern kostet dagegen oft weniger als ein einzelnes Hotelzimmer und bietet Wohnzimmer, Küche und manchmal einen Garten.
Ferienhäuser und Cottages
Ferienhäuser (isländisch: sumarhús) sind die beliebteste Unterkunftsart für Familien auf Island. Die Insel hat eine lange Tradition von Sommerhäusern, die von Isländern und mittlerweile auch von Touristen genutzt werden. Die meisten stehen in ländlichen Gebieten, oft an Flüssen, Seen oder mit Blick auf Berge und Gletscher. Die Ausstattung variiert von einfach (vier Wände, Bett, Herd) bis gehoben (Hot Tub, WLAN, Fußbodenheizung).
Die großen Buchungsplattformen für Ferienhäuser auf Island sind Bungalo.com (isländische Plattform mit der größten Auswahl), Airbnb und Booking.com. Bungalo hat den Vorteil, dass viele der Häuser direkt von isländischen Eigentümern angeboten werden, die oft flexibler bei Stornierungen und Sonderwünschen sind als große Agenturen.
Ein typisches Ferienhaus für eine vierköpfige Familie (2 Schlafzimmer, Küche, Bad, Wohnbereich) kostet in der Hochsaison (Juni bis August) zwischen 25.000 und 50.000 ISK (163 bis 325 EUR) pro Nacht. In der Nebensaison (September bis Mai) sinken die Preise auf 15.000 bis 30.000 ISK (98 bis 195 EUR). Häuser mit Hot Tub liegen am oberen Ende der Preisspanne, sind aber jeden Kronen wert, wenn man nach einem langen Tag im Auto den heißen Pott unter dem Sternenhimmel genießen kann.
Worauf du beim Buchen achten solltest: Prüfe, ob die Straße zum Haus asphaltiert ist oder ob du über eine Schotterpiste fahren musst. Bei vielen Ferienhäusern im Hochland braucht man einen Geländewagen (F-Straßen sind mit normalem Mietwagen nicht erlaubt). Frage nach der Wasserversorgung, einige abgelegene Häuser haben nur kaltes Wasser aus einer Quelle, kein Warmwasser. Bettwäsche und Handtücher sind bei manchen Anbietern im Preis enthalten, bei anderen kosten sie extra (2.000 bis 4.000 ISK pro Set).
Familienhotels in Reykjavík und auf dem Land
Hotels auf Island sind teuer, aber es gibt einige, die sich besonders für Familien eignen. In Reykjavík haben die meisten Hotels Familienzimmer oder verbundene Zimmer (Connecting Rooms) im Angebot. Außerhalb der Hauptstadt sind die Optionen begrenzter, aber es gibt in jeder Region mindestens ein oder zwei Hotels, die Familien gut aufnehmen können.
In Reykjavík empfehle ich das Hotel Lækur (ehemals Hilton Nordica), das Familienzimmer mit Platz für bis zu vier Personen anbietet. Die Preise liegen bei 45.000 bis 65.000 ISK (293 bis 423 EUR) pro Nacht in der Hochsaison. Kinder unter 12 schlafen kostenlos im Zimmer der Eltern. Das Hotel liegt zentral, hat einen Pool und ist 10 Gehminuten von der Laugavegur entfernt.
Eine günstigere Alternative in Reykjavík ist das Fosshotel Barón (ab 28.000 ISK / 182 EUR pro Nacht), das direkt am Alten Hafen liegt und Familienzimmer hat. Das Kex Hostel bietet private Familienzimmer ab 22.000 ISK (143 EUR) in coolem Design, ist aber eher für ältere Kinder geeignet, weil die Atmosphäre lebhaft ist und die Gemeinschaftsräume abends als Bar fungieren.
Auf dem Land sind Hótel Rangá im Süden (ab 55.000 ISK / 358 EUR, zwei Sternwarten auf dem Dach, Lachsfluss direkt am Hotel), Fosshotel Glacier Lagoon bei Jökulsárlón (ab 40.000 ISK / 260 EUR, ideal für Gletschertouren) und Hótel Laki bei Kirkjubæjarklaustur (ab 30.000 ISK / 195 EUR, gutes Preis-Leistungs-Verhältnis) gute Optionen für Familien. Alle drei liegen an der Ringstraße und sind ohne Geländewagen erreichbar.
Apartments und Gästehäuser
Apartments sind der Mittelweg zwischen Ferienhaus und Hotel. Man hat eine Küche und mehr Platz als im Hotelzimmer, ist aber in einem Gebäude mit anderen Gästen und oft in oder nahe einer Stadt. In Reykjavík gibt es Hunderte von Apartments auf Airbnb und Booking.com, die für Familien geeignet sind. Ein 2-Zimmer-Apartment in zentraler Lage kostet zwischen 25.000 und 45.000 ISK (163 bis 293 EUR) pro Nacht.
Gästehäuser (gistiheimili) sind die isländische Version der Pension oder des Bed & Breakfast. Sie werden von Einheimischen betrieben, oft als Nebenerwerb, und bieten eine persönliche Atmosphäre, die großen Hotels fehlt. Die Zimmer sind einfach, aber sauber. Gemeinsame Küchen sind Standard. Frühstück ist manchmal enthalten, manchmal nicht. Die Preise liegen bei 18.000 bis 30.000 ISK (117 bis 195 EUR) für ein Familienzimmer.
Der Vorteil von Gästehäusern: Die Gastgeber kennen die Gegend und geben oft die besten Tipps. Wo ist der nächste Wanderweg, der für Kinder machbar ist? Wo kann man baden? Wo gibt es gerade Polarfüchse zu sehen? Diese Art von Insiderwissen bekommt man in keinem Hotel.
Ein Nachteil: Gästehäuser haben oft gemeinsame Badezimmer. Für Familien mit kleinen Kindern, die nachts aufwachen und morgens lange im Bad brauchen, kann das unpraktisch sein. Vor der Buchung prüfen, ob das Zimmer ein eigenes Bad hat (en suite).
Bauernhöfe und Farmstays
Für Kinder sind Farmstays oft das Highlight der Reise. Island hat rund 4.500 Bauernhöfe, und eine wachsende Zahl davon bietet Übernachtungen für Touristen an. Man schläft auf einem echten Bauernhof, kann die Tiere sehen (Pferde, Schafe, manchmal Hühner und Kühe), und die Kinder können am Hofleben teilhaben. Manche Höfe bieten Reittouren auf Islandpferden an, andere lassen die Gäste beim Schafabtrieb im Herbst mithelfen.
Die Organisation Hey Iceland (heyiceland.is) vermittelt Farmstays auf der ganzen Insel. Die Unterkünfte reichen von einfachen Schlafsäcken in umgebauten Scheunen (ab 8.000 ISK / 52 EUR pro Person) bis zu komfortablen Ferienwohnungen auf dem Hofgelände (ab 25.000 ISK / 163 EUR für die ganze Familie). Frühstück mit selbstgemachtem Skyr, frischem Brot und Marmelade ist auf vielen Höfen Standard.
Empfehlenswerte Farmstays für Familien: Efstidalur II im Biskupstungur (nahe Goldenem Kreis, eigene Milchproduktion, Restaurant mit Blick in den Kuhstall, ab 35.000 ISK / 228 EUR), Brekkulækur in den Westfjorden (abgelegen, ruhig, Lammfleisch vom eigenen Hof, ab 22.000 ISK / 143 EUR) und Stóra-Borg im Süden (nahe Vík, Pferdetouren, ab 28.000 ISK / 182 EUR).
Preise und Budgetplanung
Übernachtungskosten pro Nacht (Familie mit 2 Kindern, Hochsaison)
- Ferienhaus (2 Schlafz.): 25.000 - 50.000 ISK (163 - 325 EUR)
- Hotel (Familienzimmer): 35.000 - 65.000 ISK (228 - 423 EUR)
- Apartment (2 Zimmer): 25.000 - 45.000 ISK (163 - 293 EUR)
- Gästehaus (Familienz.): 18.000 - 30.000 ISK (117 - 195 EUR)
- Farmstay: 22.000 - 35.000 ISK (143 - 228 EUR)
- Campingplatz: 3.000 - 5.000 ISK (20 - 33 EUR) + Zelt/Camper
Ein realistisches Tagesbudget für eine vierköpfige Familie liegt bei 50.000 bis 80.000 ISK (325 bis 520 EUR) inklusive Unterkunft, Essen (Selbstkochen plus ein Restaurantbesuch jeden zweiten Tag), Mietwagen und Benzin. Das ist viel Geld, aber Island ist nun mal teuer. Wer spart, kann mit 35.000 ISK (228 EUR) pro Tag auskommen, wenn man im Zelt schläft, alles selbst kocht und auf kostenpflichtige Aktivitäten verzichtet.
Spartipps: Die günstigste Reisezeit ist Mai und September, wenn die Preise 20 bis 30 Prozent unter dem Hochsommerniveau liegen. Bónus und Krónan sind die günstigsten Supermärkte. Hot Dogs an der Tankstelle kosten 550 ISK (3,60 EUR) und sind ein vollwertiges Mittagessen. Viele Schwimmbäder haben Eintrittspreise von 1.000 ISK (6,50 EUR) für Erwachsene, Kinder sind oft frei. Das Leitungswasser auf Island ist ausgezeichnet, Wasserflaschen kaufen ist unnötig.
Buchungszeitpunkt: Für die Hochsaison (Juni bis August) sollte man 4 bis 6 Monate im Voraus buchen. Beliebte Ferienhäuser im Goldenen Kreis und an der Südküste sind oft schon im Januar ausgebucht. In der Nebensaison reichen 2 bis 4 Wochen Vorlauf.
Regionen und Standortwahl
Die Standortwahl hängt davon ab, was ihr als Familie unternehmen wollt und wie viel Zeit ihr habt. Hier meine Empfehlungen für die wichtigsten Regionen:
Reykjavík und Umgebung: Am besten für kurze Reisen (3 bis 5 Tage). Museen, Schwimmbäder, Restaurants, kurze Wege. Der Goldene Kreis ist als Tagesausflug machbar. Nachteil: Hohe Preise und viele Touristen im Sommer.
Südküste (Vík bis Höfn): Die beliebteste Region für Familien. Wasserfälle (Seljalandsfoss, Skógafoss), schwarze Strände, Gletscher, Jökulsárlón. Alles direkt an der Ringstraße. Viele Unterkünfte in Vík und Kirkjubæjarklaustur. 2 bis 4 Übernachtungen einplanen.
Nordisland (Akureyri und Mývatn): Ruhiger als der Süden, weniger Touristen. Walbeobachtung in Húsavík, Mývatn Nature Baths, Goðafoss. Akureyri ist eine nette kleine Stadt mit guter Infrastruktur. Flug ab Reykjavík (45 Minuten) spart die lange Fahrt.
Snæfellsnes: Ideal für Familien, die Natur wollen, ohne weit fahren zu müssen. Die Halbinsel ist von Reykjavík in 2 Stunden erreichbar und bietet Vulkane, Strände, Vogelklippen und kleine Fischerdörfer. 2 bis 3 Übernachtungen reichen, um die Halbinsel zu erkunden.
Häufige Fragen zu Familienunterkünften
Gibt es auf Island Kinderbetten und Hochstühle?
In Hotels ja, in Ferienhäusern und Gästehäusern nicht immer. Bei der Buchung explizit nachfragen. Manche Ferienhausvermieter stellen Kinderbetten und Hochstühle kostenlos bereit, andere verlangen 2.000 bis 3.000 ISK (13 bis 20 EUR) pro Aufenthalt. Im Zweifelsfall eigenes Reisebett mitnehmen.
Brauche ich einen Geländewagen, um Ferienhäuser zu erreichen?
Für Ferienhäuser an der Ringstraße und in den Küstenorten reicht ein normaler Mietwagen. Für Häuser im Hochland oder auf abgelegenen Schotterpisten brauchst du einen 4x4. Die Beschreibung auf der Buchungsplattform gibt meistens an, ob ein Geländewagen nötig ist. Im Zweifelsfall den Vermieter fragen.
Ab welchem Alter lohnt sich eine Islandreise mit Kindern?
Ab etwa 4 Jahren können Kinder die Natur und die Aktivitäten genießen. Für jüngere Kinder ist die Reise machbar, aber die langen Fahrstrecken und das oft raue Wetter können anstrengend sein. Familien mit Babys und Kleinkindern sollten sich auf einen Standort konzentrieren (z.B. Reykjavík + Goldener Kreis) statt die ganze Insel zu umrunden.
Gibt es Waschmöglichkeiten in den Unterkünften?
Hotels haben meistens einen Wäscheservice (teuer, ab 2.500 ISK pro Ladung). Ferienhäuser und Apartments haben oft eine eigene Waschmaschine. In Gästehäusern gibt es manchmal eine Gemeinschaftswaschmaschine. Auf Campingplätzen findet man Waschmaschinen in den Sanitärgebäuden (500 bis 1.000 ISK pro Ladung).
Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026