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Jul: Weihnachten in Dänemark
Traditionen, Julefrokost und Hygge im Advent

Jul: Weihnachten in Dänemark

15 Min. Lesezeit

Wenn Anfang November die ersten Kerzen in den Fenstern erscheinen und der Duft von Zimt und Kardamom durch die Straßen zieht, beginnt in Dänemark die schönste Zeit des Jahres. Die Dänen nennen sie Jul, und sie nehmen sie so ernst wie kaum ein anderes Volk in Europa. Weihnachten ist hier kein einzelner Tag, sondern eine wochenlange Feier, die Familien, Freunde und Kollegen zusammenbringt und das ganze Land in einen Zustand kollektiver Hygge versetzt.

Die dänische Weihnacht unterscheidet sich in vielen Details von dem, was man aus Deutschland oder Österreich kennt. Es gibt keinen Adventskranz mit vier Kerzen, sondern einen Kalenderleuchter mit 24. Es gibt keinen Christkindlmarkt im süddeutschen Sinne, sondern den glitzernden Tivoli. Und es gibt kein Weihnachtsessen am 25. Dezember, sondern am Abend des 24. den Juleaften. Wer die dänische Weihnacht einmal miterlebt hat, versteht, warum die Dänen regelmäßig als das glücklichste Volk der Welt gelten.

Was bedeutet Jul?

Das Wort Jul hat seinen Ursprung in der altnordischen Sprache und bezeichnete ursprünglich das germanische Mittwinternachtsfest. Lange bevor das Christentum nach Skandinavien kam, feierten die Nordgermanen zur Wintersonnenwende ein Fest, das den Sieg des Lichts über die Dunkelheit markierte. Es wurde gegessen, getrunken und den Göttern geopfert. Als die Missionare im 10. und 11. Jahrhundert das Christentum nach Dänemark brachten, übernahmen sie das Wort Jul für das Weihnachtsfest und legten die christliche Feier auf den gleichen Zeitraum.

Bis heute trägt das dänische Jul Spuren beider Traditionen. Der Weihnachtsbaum, die Kerzen und die Bescherung folgen christlichen Bräuchen. Die Nisser, die Weihnachtswichtel, stammen aus der nordischen Mythologie. Und das ausgiebige Essen und Trinken geht direkt auf die Gelage der Wikingerzeit zurück. Diese Mischung aus Altem und Neuem, aus Heidnischem und Christlichem macht das dänische Weihnachtsfest so besonders.

Die Adventszeit beginnt in Dänemark am 1. Dezember. Kinder öffnen die erste Tür ihres Julekalenders, und in vielen Familien wird die erste von 24 Kerzen auf dem Kalenderlys angezündet, einer langen Kerze mit aufgedruckten Zahlen. Jeden Tag schmilzt die Kerze ein Stück weiter hinunter, bis sie am Heiligabend aufgebraucht ist. Dieses langsame Abzählen der Tage erzeugt eine Vorfreude, die Kinder und Erwachsene gleichermaßen erfasst.

Julefrokost: das große Weihnachtsessen

Traditioneller dänischer Julefrokost mit Heringsvariationen und Schnaps
Der Julefrokost ist eine dänische Institution und kann sich über viele Stunden erstrecken (KI-generiert)

Der Julefrokost ist das gesellschaftliche Herzstück der dänischen Weihnachtszeit. Wörtlich übersetzt bedeutet es Weihnachtsmittagessen, doch mit einem normalen Mittagessen hat diese Veranstaltung wenig gemein. Ein Julefrokost ist ein mehrstündiges Festessen, bei dem man sich durch eine Abfolge von Speisen und Getränken arbeitet, die ihresgleichen sucht. Firmen veranstalten ihn für ihre Mitarbeiter, Vereine für ihre Mitglieder und Familien für ihre Verwandten. Von Ende November bis kurz vor Weihnachten ist in Dänemark praktisch jedes Wochenende mit Julefrokost-Einladungen belegt.

Die Speisefolge eines traditionellen Julefrokost folgt festen Regeln. Man beginnt mit Hering in verschiedenen Zubereitungen: mariniert, gebraten, in Currysauce und in Senfdressing. Dazu gibt es Rugbrød, das dunkle dänische Roggenbrot, und einen Schnaps. Dann folgen warme Gerichte: Flæskesteg (Schweinebraten mit knuspriger Schwarte), Frikadeller (Fleischklößchen), Medisterpølse (grobe Bratwurst) und Leverpostej (Leberpastete). Den Abschluss bildet Käse mit Trauben und Crackern.

Zu jedem Gang wird getrunken. Zum Hering Schnaps und Bier. Zum Braten Rotwein oder Weihnachtsbier (Julebryg). Zum Käse vielleicht ein Portwein. Die Stimmung steigt mit jedem Gang. Es wird gesungen, gelacht und getanzt. Ein richtiger Julefrokost endet selten vor Mitternacht. Für Dänen ist das keine Pflichtveranstaltung, sondern einer der Höhepunkte des Jahres. Restaurants in Kopenhagen bieten spezielle Julefrokost-Menüs an. Die Preise liegen zwischen 300 und 700 DKK (ca. 40 bis 95 EUR) pro Person, je nach Restaurant und Umfang.

Gløgg und Æbleskiver

Dänischer Gløgg mit Mandeln und Rosinen in einem Keramikbecher
Ein Becher Gløgg mit Mandeln und Rosinen wärmt an kalten Dezemberabenden von innen (KI-generiert)

Kein dänischer Dezember ohne Gløgg. Das Heißgetränk ähnelt dem deutschen Glühwein, unterscheidet sich aber in einigen wichtigen Punkten. Dänischer Gløgg wird aus Rotwein oder Saft zubereitet, gewürzt mit Zimt, Nelken, Kardamom und Ingwer. In den Becher kommen gehackte Mandeln und Rosinen, die man am Ende mit einem Löffel herausfischt. Der Geschmack ist intensiver und süßer als bei deutschem Glühwein. In vielen Familien wird Gløgg nach einem geheimen Rezept zubereitet, das von Generation zu Generation weitergegeben wird.

Zum Gløgg gehören Æbleskiver, kugelrunde Pfannkuchen, die in einer speziellen Pfanne mit halbkugelförmigen Vertiefungen gebacken werden. Die Teigkugeln werden mit Puderzucker bestäubt und mit Erdbeermarmelade serviert. In der Adventszeit stehen Æbleskiver-Pfannen auf jedem dänischen Weihnachtsmarkt und in vielen Privathaushalten. Das Backen der Æbleskiver ist eine Kunst für sich. Den Teig im richtigen Moment zu wenden, sodass eine perfekte Kugel entsteht, erfordert Übung und Fingerspitzengefühl.

Neben Gløgg und Æbleskiver gibt es weitere Süßigkeiten, die zur dänischen Weihnacht gehören. Brune Kager sind dünne, braune Gewürzkekse mit Zimt und Nelken. Klejner sind frittierte Teigstücke, die an Schmalzkuchen erinnern. Und Konfekt, handgemachte Pralinen aus Marzipan und Schokolade, wird in aufwendigen Dosen verschenkt. In dänischen Supermärkten füllen Weihnachtssüßigkeiten ab Mitte Oktober ganze Regalreihen.

Nisser: die dänischen Weihnachtswichtel

Dänische Nisser-Figuren als Weihnachtsdekoration
Die Nisser mit ihren roten Zipfelmützen sind fester Bestandteil der dänischen Weihnacht (KI-generiert)

Die Nisser sind die heimlichen Stars der dänischen Weihnacht. Diese kleinen Wesen mit roten Zipfelmützen und langen Bärten stammen aus der nordischen Folklore und waren ursprünglich Schutzgeister des Hauses und des Hofes. Im Volksglauben lebte auf jedem Bauernhof ein Nisse, der das Vieh bewachte und für Ordnung sorgte, solange man ihn gut behandelte. Wurde er verärgert, spielte er üble Streiche. Um ihn zu besänftigen, stellte man ihm in der Weihnachtsnacht eine Schüssel Grød (Reisbrei) mit einem Stück Butter auf den Dachboden.

Heute sind Nisser aus der dänischen Weihnachtsdekoration nicht wegzudenken. Sie sitzen auf Fensterbänken, hängen am Weihnachtsbaum und lugen aus Blumentöpfen hervor. In vielen Familien gibt es einen Julenisse, eine besonders große Figur, die im Dezember einen Ehrenplatz im Wohnzimmer bekommt. Kinder glauben, dass der Julenisse in der Nacht zum Leben erwacht und Schabernack treibt, wenn er seinen Reisbrei nicht bekommt.

In den letzten Jahrzehnten hat sich in vielen dänischen Familien der Brauch des Nisse-Kalenders etabliert. Dabei versteckt ein erwachsenes Familienmitglied jeden Tag im Dezember einen kleinen Nisse an einem neuen Platz im Haus. Die Kinder suchen ihn morgens und finden dabei kleine Überraschungen. Der Nisse hinterlässt Spuren: umgeworfene Becher, verschobene Schuhe, Fußabdrücke aus Mehl. Die Fantasie der Eltern kennt dabei keine Grenzen. Manche bauen dem Nisse winzige Möbel, andere lassen ihn Briefe schreiben.

Tivoli und Weihnachtsmärkte

Der Tivoli in Kopenhagen zur Weihnachtszeit geschmückt mit Lichtern
Der Tivoli verwandelt sich im Dezember in ein funkelndes Weihnachtswunderland (KI-generiert)

Der Tivoli in Kopenhagen ist zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert, aber im Dezember übertrifft er sich selbst. Über eine Million Lichter tauchen den historischen Vergnügungspark in ein warmes Glühen. Weihnachtsbäume, Girlanden und Tausende von Kerzen verwandeln die Gärten in eine Märchenwelt. Auf dem Weihnachtsmarkt im Park gibt es Gløgg, Æbleskiver, Kunsthandwerk und dänische Weihnachtsspezialitäten. Die Fahrgeschäfte sind geöffnet, und von der Spitze des Riesenrads hat man einen Blick über das nächtliche Kopenhagen, der allein den Eintritt wert ist.

Der Tivoli-Weihnachtsmarkt öffnet Mitte November und läuft bis Ende Dezember. Der Eintritt in den Park kostet 155 DKK (ca. 21 EUR) für Erwachsene und 70 DKK (ca. 9 EUR) für Kinder. Fahrgeschäfte werden separat berechnet. An Wochenenden und in den Tagen vor Weihnachten ist der Andrang groß. Wer es ruhiger mag, kommt am besten unter der Woche und möglichst früh, wenn der Park gerade öffnet.

Neben dem Tivoli gibt es in ganz Dänemark Weihnachtsmärkte, die ihre eigenen Akzente setzen. In Odense verwandelt sich die Altstadt rund um das H.C. Andersen-Viertel in einen stimmungsvollen Weihnachtsmarkt mit historischen Fachwerkkulissen. In Aarhus steht einer der größten Weihnachtsbäume Dänemarks auf dem Rathausplatz. Und auf Bornholm bieten lokale Kunsthandwerker auf kleinen Advents-Basaren ihre Keramik, Glaskunst und Textilien an.

Weihnachtsmarkt in einer dänischen Kleinstadt
Auch in den kleineren Städten finden stimmungsvolle Weihnachtsmärkte statt (KI-generiert)

Ein besonderer Tipp ist der Weihnachtsmarkt im Freilichtmuseum Den Gamle By in Aarhus. Hier wird Weihnachten so gefeiert, wie es vor hundert Jahren üblich war. Die historischen Häuser sind weihnachtlich dekoriert, Handwerker zeigen traditionelle Techniken, und in den alten Küchen werden Weihnachtsspezialitäten nach Originalrezepten zubereitet. Man fühlt sich wie in eine andere Zeit versetzt.

Heiligabend und die Festtage

Der 24. Dezember, Juleaften, ist in Dänemark der wichtigste Tag des Weihnachtsfestes. Die Feier folgt einem Ablauf, der in den meisten Familien seit Generationen gleich geblieben ist. Am Nachmittag wird der Weihnachtsbaum geschmückt, falls das nicht schon am 23. geschehen ist. Echte Kerzen sind Pflicht. Elektrische Lichterketten gelten in vielen Familien als Stilbruch. Der Baum wird mit dänischen Flaggen, Herzen aus geflochtenem Papier und glänzenden Kugeln dekoriert.

Am frühen Abend setzt man sich zum Festessen. Das traditionelle Weihnachtsmenü besteht aus Flæskesteg (Schweinebraten mit knuspriger Schwarte), Kartoffeln, Rotkohl und brauner Sauce. In manchen Familien gibt es stattdessen Ente oder Gans. Als Nachtisch folgt Risalamande, ein kalter Reisdessert mit gehackten Mandeln, Vanille und heißer Kirschsauce. Im Dessert versteckt sich eine ganze Mandel. Wer sie findet, bekommt ein Geschenk, das Mandelgave. Es gehört zum Spiel, den Fund möglichst lange geheim zu halten und die anderen Gäste im Ungewissen zu lassen.

Nach dem Essen gehen alle zum Weihnachtsbaum. Die Familie fasst sich an den Händen und tanzt singend um den Baum. Gesungen werden traditionelle dänische Weihnachtslieder: Nu er det jul igen (Jetzt ist wieder Weihnachten), Højt fra træets grønne top (Hoch oben auf der grünen Baumspitze) und Et barn er født i Betlehem (Ein Kind ist in Bethlehem geboren). Auch wer normalerweise nicht singt, macht mit. Dann werden die Geschenke geöffnet.

Der 25. und 26. Dezember sind in Dänemark gesetzliche Feiertage. Den ersten Weihnachtstag verbringen die meisten Familien zu Hause, oft mit Resten vom Vorabend. Am zweiten Weihnachtstag besucht man Verwandte oder Freunde. In vielen Städten finden am 26. Dezember Konzerte und Theateraufführungen statt. Die Weihnachtszeit endet in Dänemark offiziell am 6. Januar, dem Helligtrekongers Dag (Dreikönigstag), an dem der Weihnachtsbaum abgeschmückt wird.

Dänische Weihnachten selbst erleben

Wer die dänische Weihnachtszeit als Besucher erleben möchte, hat mehrere Möglichkeiten. Die stimmungsvollste ist ein Aufenthalt in einem Ferienhaus an der dänischen Küste. Viele Ferienhäuser sind mit Kamin ausgestattet, und einige Vermieter stellen sogar einen kleinen Weihnachtsbaum bereit. Die Kombination aus Kerzenschein, knisterndem Feuer und dem Rauschen der Nordsee vor der Tür erzeugt eine Atmosphäre, die man so schnell nicht vergisst.

In den Städten ist der Dezember die Zeit der Julefrokost-Angebote in Restaurants. Auch als Tourist kann man an diesen Weihnachtsessen teilnehmen. In Kopenhagen bieten Restaurants wie das Schønnemann, das Puk oder das Restaurant Kronborg traditionelle Julefrokost-Menüs an. Eine Reservierung ist unbedingt erforderlich, oft schon Wochen im Voraus. Die Preise beginnen bei etwa 350 DKK (ca. 47 EUR) pro Person ohne Getränke.

Die beste Zeit für einen Besuch ist das erste oder zweite Adventswochenende. Dann sind die Weihnachtsmärkte in vollem Gang, die Städte festlich geschmückt, und die Stimmung auf dem Höhepunkt. Wer über Weihnachten selbst in Dänemark sein möchte, sollte bedenken, dass am 24. und 25. Dezember fast alles geschlossen ist. Restaurants, Geschäfte und Sehenswürdigkeiten haben zu. Man braucht einen Vorrat an Lebensmitteln und die Bereitschaft, den Tag im kleinen Kreis zu verbringen.

Ein besonderer Tipp: Die dänische Brauerei Carlsberg und viele Mikrobrauereien bringen jedes Jahr am J-Day, dem ersten Freitag im November, ihr Weihnachtsbier (Julebryg) auf den Markt. Der Tag wird in ganz Dänemark gefeiert, mit Partys in Bars und Restaurants. Das Weihnachtsbier ist stärker und malziger als normales dänisches Bier und wird bis zum 24. Dezember getrunken. Eine Flasche Julebryg aus einer dänischen Mikrobrauerei ist auch ein schönes Mitbringsel.

Häufig gestellte Fragen

Wann feiern die Dänen Weihnachten?

Das Hauptfest ist der 24. Dezember, Juleaften. An diesem Abend gibt es das Festessen, den Tanz um den Baum und die Bescherung. Der 25. und 26. Dezember sind Feiertage, an denen man Familie und Freunde besucht.

Was ist ein Julefrokost?

Ein Julefrokost ist ein mehrstündiges Weihnachtsessen, das Firmen, Vereine und Familien in der Adventszeit veranstalten. Es beginnt mit Hering und Schnaps und endet mit Käse und Portwein. In Restaurants kosten Julefrokost-Menüs ab 350 DKK (ca. 47 EUR) pro Person.

Was essen die Dänen an Heiligabend?

Das klassische Menü besteht aus Flæskesteg (Schweinebraten mit knuspriger Schwarte), Kartoffeln, Rotkohl und brauner Sauce. Als Nachtisch gibt es Risalamande, ein Reisdessert mit Mandeln und heißer Kirschsauce. In der Reismasse versteckt sich eine ganze Mandel, und wer sie findet, bekommt ein kleines Geschenk.

Was kostet der Eintritt in den Tivoli zur Weihnachtszeit?

Erwachsene zahlen 155 DKK (ca. 21 EUR), Kinder 70 DKK (ca. 9 EUR). Fahrgeschäfte kosten extra. Der Weihnachtsmarkt im Tivoli öffnet Mitte November und läuft bis Ende Dezember.

Was ist Gløgg?

Gløgg ist das dänische Pendant zum Glühwein, wird aber anders zubereitet. Er basiert auf Rotwein oder Saft, gewürzt mit Zimt, Kardamom, Nelken und Ingwer. In den Becher kommen gehackte Mandeln und Rosinen. Alkoholfreie Varianten gibt es überall zu kaufen.

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Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026