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Torvehallerne
Kopenhagens gläserne Markthalle

Torvehallerne

14 Min. Lesezeit

Es gibt Orte in einer Stadt, an denen sich das kulinarische Selbstverständnis einer ganzen Nation verdichtet. In Kopenhagen ist die Torvehallerne ein solcher Ort. Zwei gläserne Hallen am Israels Plads, gleich neben dem Bahnhof Nørreport, beherbergen über 60 Stände, an denen Händler und Produzenten ihre Waren anbieten: Fisch und Fleisch, Käse und Brot, Obst und Gemüse, Gewürze und Öle, dazu fertige Gerichte zum Essen vor Ort. Die Torvehallerne sind kein touristischer Souvenirladen mit folkloristischer Dekoration. Sie sind ein lebendiger Markt, auf dem Kopenhagener ihren Wocheneinkauf erledigen und sich in der Mittagspause ein Smørrebrød gönnen.

Was die Torvehallerne von einem gewöhnlichen Supermarkt unterscheidet, ist die Qualität der Produkte und die Leidenschaft der Händler. Hier verkauft ein Käser seinen eigenen Bornholmer Rygeost, dort schneidet ein Fischhändler den Lachs, den er am Morgen vom Kutter geholt hat. Am Gemüsestand liegen Karotten mit Erde dran, und der Bäcker erklärt, warum sein Sauerteigbrot 48 Stunden gehen muss. Es ist ein Ort, an dem man nicht nur einkauft, sondern etwas über Lebensmittel lernt.

Der Markt unter Glas

Torvehallerne Kopenhagen von außen mit gläserner Fassade
Die gläsernen Hallen am Israels Plads sind ein architektonisches Wahrzeichen Kopenhagens (KI-generiert)

Die Torvehallerne bestehen aus zwei parallelen Hallen, die durch einen offenen Platz verbunden sind. Halle 1 ist die größere der beiden und beherbergt vor allem Stände mit frischen Lebensmitteln: Fisch, Fleisch, Käse, Obst und Gemüse. Hier kaufen Kopenhagener ein, die Wert auf Qualität legen und bereit sind, dafür etwas mehr zu bezahlen. Halle 2 ist stärker auf fertige Gerichte und Spezialitäten ausgerichtet. Hier findet man Smørrebrød, Pasta, Sushi, Schokolade und die besten Zimtschnecken der Stadt.

An einem durchschnittlichen Tag besuchen rund 17.000 Menschen die Torvehallerne. Am Wochenende, besonders samstags, sind es deutlich mehr. Der Markt wurde 2011 eröffnet und hat sich seitdem zu einem der beliebtesten Ziele Kopenhagens entwickelt, bei Einheimischen wie bei Besuchern. Er ist täglich geöffnet, von Montag bis Freitag zwischen 10 und 19 Uhr, samstags bis 18 Uhr und sonntags bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Was die Torvehallerne von anderen europäischen Markthallen unterscheidet, ist die konsequente Orientierung an der dänischen und nordischen Küche. Während etwa der Mercado de San Miguel in Madrid oder der Borough Market in London stark international ausgerichtet sind, setzen die Torvehallerne auf regionale Produkte. Es gibt kaum einen Stand, der nicht mindestens teilweise mit dänischen Zutaten arbeitet. Diese Ausrichtung spiegelt den Einfluss der New Nordic Cuisine wider, die seit den 2000er Jahren das kulinarische Bewusstsein Dänemarks verändert hat.

Geschichte und Architektur

Der Israels Plads, auf dem die Torvehallerne stehen, war jahrhundertelang ein Marktplatz. Schon im 17. Jahrhundert verkauften Bauern aus dem Umland hier ihr Gemüse und Obst. Im 19. Jahrhundert wurde der Platz zum wichtigsten Lebensmittelmarkt Kopenhagens, mit Hunderten von Ständen unter freiem Himmel. Dieser Markt existierte bis in die 1950er Jahre, als er der Modernisierung der Stadt weichen musste. Für Jahrzehnte diente der Platz als Parkplatz, ein tristes Schicksal für einen Ort mit so viel Geschichte.

Die Idee, den Markt wiederzubeleben, kam Anfang der 2000er Jahre auf. Die Architekten Hans Peter Hagens und Flemming Rafn Thomsen entwarfen zwei Hallen aus Glas und Stahl, die sich mit ihrer transparenten Konstruktion bewusst von den gemauerten Markthallen des 19. Jahrhunderts absetzen. Die Hallen lassen viel Tageslicht herein und verbinden Innen und Außen auf eine Weise, die auch an kalten Tagen einladend wirkt. Die Baukosten betrugen rund 120 Millionen DKK (ca. 16 Millionen EUR), finanziert durch private Investoren.

Die Architektur der Torvehallerne ist funktional und elegant zugleich. Die Stahlkonstruktion trägt die gläsernen Wände und Dächer, und die Stände sind in einer klaren Rasterstruktur angeordnet, die den Besuchern die Orientierung erleichtert. Zwischen den Ständen gibt es Sitzgelegenheiten, an denen man seine Einkäufe verzehren kann, und auf dem Platz zwischen den Hallen stehen im Sommer Tische und Stühle im Freien. Die Hallen wurden 2013 mit dem Danish Design Award ausgezeichnet.

Die Stände in Halle 1

Marktstand in den Torvehallerne mit frischen Produkten
Die Stände in Halle 1 bieten frische Produkte von regionalen Erzeugern (KI-generiert)

In Halle 1 dreht sich alles um frische Zutaten. Der Fiskebar ist einer der größten Fischstände der Stadt und verkauft täglich frischen Fisch und Meeresfrüchte aus dänischen Gewässern. Hier bekommt man Scholle, Kabeljau, Lachs, Garnelen und Muscheln, aber auch saisonale Spezialitäten wie Limfjord-Austern und Bornholmer Hering. Ein Kilogramm frischer Lachs kostet am Fiskebar um die 200 DKK (ca. 27 EUR), Garnelen liegen bei 250 DKK (ca. 34 EUR) pro Kilogramm.

Der Unika Ost Stand ist die Anlaufstelle für dänischen Käse. Hier findet man handwerklich hergestellte Sorten, die man in keinem Supermarkt bekommt: gereiften Esrom, Rohmilchkäse von kleinen Betrieben und den berühmten Arla Unika, der in einem eigenen Keller in Aarhus gereift wird. Die Verkäufer kennen jeden Käse persönlich und geben bereitwillig Kostproben. Ein Stück Handwerkskäse kostet zwischen 50 und 120 DKK (ca. 7 bis 16 EUR), je nach Sorte und Reifegrad.

Am Grønttorvet stapelt sich das Gemüse. Hier gibt es je nach Saison Spargel aus Lammefjorden (der als der beste Skandinaviens gilt), neue Kartoffeln von Samsø, Erdbeeren aus Fünen und Kräuter aus den Gärtnereien rund um Kopenhagen. Die Preise sind höher als im Supermarkt, aber die Qualität ist es ebenfalls. Ein Bund Spargel aus Lammefjorden kostet in der Saison um die 60 DKK (ca. 8 EUR), was angesichts des Geschmacks angemessen ist.

Weitere Stände in Halle 1 bieten Fleisch vom Metzger, Brot vom Bäcker, Blumen vom Floristen und Gewürze aus aller Welt. Auch ein Weinhandlung und ein Feinkostladen mit nordischen Spezialitäten gehören zum Angebot. Man kann hier einen kompletten Wocheneinkauf erledigen, auch wenn das Budget dafür etwas großzügiger ausfallen sollte als im Supermarkt.

Die Stände in Halle 2

Smørrebrød-Stand in den Torvehallerne
Am Smørrebrød-Stand werden die belegten Brote frisch vor den Augen der Kunden zubereitet (KI-generiert)

Halle 2 ist der Ort, an dem man isst. Hier gibt es Stände mit fertigen Gerichten zum sofortigen Verzehr, und die Auswahl reicht von traditionell dänisch bis international. Der bekannteste Stand ist Hallernes Smørrebrød, der das berühmte dänische belegte Brot in allen Varianten anbietet: mit Hering, mit Garnelen, mit Roastbeef, mit Ei und Kresse. Ein Stück Smørrebrød kostet zwischen 45 und 85 DKK (ca. 6 bis 12 EUR), je nach Belag. Drei Stück ergeben eine vollständige Mahlzeit.

Am Stand von Grød bekommt man Porridge, aber nicht in der langweiligen Variante, die man aus dem Frühstücksbuffet kennt. Grød hat die dänische Grütze (grød) zum Gourmet-Gericht erhoben, mit Toppings wie karamellisierten Äpfeln, gerösteten Nüssen und Ahornsirup. Der Stand hat sich von den Torvehallerne aus zu einer Kette mit mehreren Filialen in Kopenhagen entwickelt. Eine Schale Porridge kostet um die 55 DKK (ca. 7,50 EUR).

Wer es herzhafter mag, findet bei Royal Smushi Cafe eine Mischung aus Smørrebrød und Sushi, die für Kopenhagen typisch kreativ ist. Ma Poule serviert französisch inspirierte Hühnergerichte. Und der Stand Tapa del Toro bietet spanische Tapas mit nordischem Einschlag. Die Preise für eine Mahlzeit in Halle 2 liegen zwischen 60 und 120 DKK (ca. 8 bis 16 EUR), was für Kopenhagen moderate Preise sind.

Für den süßen Abschluss sorgt Summerbird, einer der besten Chocolatiers Dänemarks, der hier seine Pralinen und Schokoladentafeln verkauft. Laura's Bakery bietet Wienerbrød (dänisches Gebäck) und Zimtschnecken, die frisch aus dem Ofen kommen und zu den besten der Stadt gehören. Eine Zimtschnecke kostet 35 DKK (ca. 5 EUR), ein Stück Wienerbrød etwa 30 DKK (ca. 4 EUR).

Essen und Trinken vor Ort

Kaffee und Gebäck in den Torvehallerne
Ein Kaffee in den Torvehallerne gehört für viele Kopenhagener zum Wochenende (KI-generiert)

Die Torvehallerne sind ein Markt, und auch ein Ort, an dem man sich aufhält. Zwischen den Ständen gibt es Stehtische und Barhocker, an denen man seine Einkäufe sofort essen kann. Im Sommer sind die Tische auf dem Platz zwischen den Hallen begehrt, wo man in der Sonne sitzt und das Treiben beobachtet. Es herrscht eine Atmosphäre, die unkompliziert und gleichzeitig anspruchsvoll ist, typisch dänisch eben.

Ein guter Plan für einen Besuch in den Torvehallerne ist folgender: Man beginnt in Halle 1 mit einem Rundgang und schaut sich die frischen Produkte an. Wer kochen will, kauft hier ein. Dann geht man in Halle 2, holt sich ein Smørrebrød und setzt sich damit an einen der Stehtische. Danach ein Kaffee bei Coffee Collective, einer der besten Röstereien Kopenhagens, die hier einen Stand hat. Ein Espresso kostet 30 DKK (ca. 4 EUR), ein Flat White 45 DKK (ca. 6 EUR). Zum Abschluss eine Praline bei Summerbird oder eine Zimtschnecke bei Laura's.

Die Torvehallerne bieten auch regelmäßig Veranstaltungen an. An einigen Abenden gibt es Kochkurse, bei denen man unter Anleitung eines Kochs ein dänisches Gericht zubereitet. Im Herbst findet ein Pilzmarkt statt, bei dem Sammler ihre Funde verkaufen. Und im Dezember verwandeln sich die Hallen in einen Weihnachtsmarkt mit Glühwein, Æbleskiver (dänische Krapfen) und Geschenkideen. Die Veranstaltungen werden auf der Website der Torvehallerne angekündigt, und für die Kochkurse sollte man vorab reservieren.

Praktische Tipps für den Besuch

Die Torvehallerne liegen zentral am Israels Plads, direkt neben dem Bahnhof Nørreport, dem meistfrequentierten Bahnhof Kopenhagens. Von hier fahren Metro, S-Bahn und Regionalzüge in alle Richtungen. Wer zu Fuß unterwegs ist, erreicht die Hallen vom Rathaus (Rådhuspladsen) in etwa 15 Minuten. Vom Schloss Rosenborg sind es fünf Gehminuten.

Der beste Zeitpunkt für einen Besuch ist der Vormittag unter der Woche. Dann sind die Hallen weniger voll, und man hat mehr Ruhe, die Stände zu erkunden. Am Samstag ist der Markt am belebtesten und die Auswahl am größten, aber man muss mit Warteschlangen rechnen, besonders am Smørrebrød-Stand und beim Coffee Collective. Sonntags schließen die Hallen bereits um 17 Uhr, und einige Stände haben sonntags gar nicht geöffnet.

In den Torvehallerne wird fast ausschließlich bargeldlos bezahlt. Kreditkarten und Debitkarten werden überall akzeptiert, und viele Stände akzeptieren auch MobilePay, die dänische Bezahl-App. Bargeld wird an einigen Ständen noch angenommen, ist aber nicht mehr die Norm. Die Preise in den Torvehallerne sind höher als im Supermarkt, was angesichts der Qualität und der zentralen Lage zu erwarten ist. Für einen Besuch mit Essen und einem Getränk sollte man mit 100 bis 200 DKK (ca. 14 bis 27 EUR) pro Person rechnen.

Ein Tipp für Familien: In den Torvehallerne gibt es keine Spielplätze oder besondere Einrichtungen für Kinder, aber die meisten Stände bieten kleine Portionen oder Kostproben an, und der Platz zwischen den Hallen bietet im Sommer genug Raum zum Herumrennen. Die nahegelegenen Botanischen Gärten und der Ørstedsparken sind gute Optionen, um den Besuch mit einem Parkaufenthalt zu verbinden.

Die Umgebung der Torvehallerne

Käsestand in den Torvehallerne Kopenhagen
Am Käsestand kann man sich durch dänische Sorten probieren, bevor man kauft (KI-generiert)

Die Torvehallerne liegen in einem der interessantesten Viertel Kopenhagens. Der Israels Plads selbst wurde 2014 umgestaltet und ist heute ein öffentlicher Platz mit Sitzstufen, einem Spielplatz im Untergeschoss und einem kleinen Skatepark. In den umliegenden Straßen gibt es zahlreiche Geschäfte, Cafés und Restaurants, die das Angebot der Hallen ergänzen.

Fußläufig erreichbar sind Schloss Rosenborg mit den dänischen Kronjuwelen (fünf Gehminuten), der Botanische Garten (drei Gehminuten) und die Runde Turm (Rundetårn, sieben Gehminuten). Wer nach dem Marktbesuch noch Kultur erleben möchte, kann im Statens Museum for Kunst (Nationalgalerie) vorbeischauen, das zehn Gehminuten entfernt liegt. Der Nyhavn ist etwa 15 Gehminuten entfernt.

Wer die Torvehallerne als Ausgangspunkt für eine kulinarische Erkundung Kopenhagens nutzen möchte, kann von hier aus in die Seitenstraßen eintauchen. In der Nansensgade, wenige Schritte entfernt, reihen sich unabhängige Cafés und Restaurants aneinander. Das Viertel Nørrebro im Nordwesten hat sich in den letzten Jahren zu einem gastronomischen Zentrum entwickelt, mit Weinbars, Bistros und ethnischen Restaurants, die Kopenhagens kulinarische Vielfalt widerspiegeln.

Die Torvehallerne lassen sich gut mit anderen kulinarischen Zielen in Kopenhagen verbinden. Wer morgens den Markt besucht, kann mittags in einem der Restaurants im Meatpacking District (Kødbyen) essen und nachmittags das Reffen Street Food Market auf der Insel Refshaleøen besuchen. So ergibt sich ein Tag, der zeigt, wie vielfältig die Kopenhagener Esskultur geworden ist.

Häufig gestellte Fragen

Was sind die Öffnungszeiten der Torvehallerne?

Die Torvehallerne sind Montag bis Freitag von 10 bis 19 Uhr geöffnet, samstags bis 18 Uhr und sonntags bis 17 Uhr. Einzelne Stände können abweichende Zeiten haben. Der Eintritt ist frei.

Wie kommt man zu den Torvehallerne?

Die Torvehallerne liegen direkt am Bahnhof Nørreport, der mit Metro, S-Bahn und Regionalzügen erreichbar ist. Die Adresse ist Frederiksborggade 21, 1360 København K. Vom Hauptbahnhof (Københavns Hovedbanegård) sind es zwei S-Bahn-Stationen oder 20 Gehminuten.

Was sollte man in den Torvehallerne probieren?

Das Smørrebrød bei Hallernes Smørrebrød ist ein Muss. Dazu ein Kaffee beim Coffee Collective und eine Zimtschnecke bei Laura's Bakery. Wer Käse mag, sollte den Unika Ost Stand besuchen. Und wer Fisch liebt, ist am Fiskebar richtig.

Wie viel Geld sollte man für die Torvehallerne einplanen?

Für eine Mahlzeit mit Smørrebrød und einem Getränk sollte man mit 100 bis 200 DKK (ca. 14 bis 27 EUR) pro Person rechnen. Wer zusätzlich frische Lebensmittel einkauft, gibt entsprechend mehr aus. Die Preise sind höher als im Supermarkt, spiegeln aber die Qualität wider.

Kann man in den Torvehallerne bar bezahlen?

Die meisten Stände akzeptieren Kreditkarten und Debitkarten. MobilePay ist ebenfalls weit verbreitet. Bargeld wird an einigen Ständen noch angenommen, ist aber nicht mehr die Norm. Es empfiehlt sich, eine Karte mitzunehmen.

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Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026