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Ostsee-Inseln
Von Rügen bis Gotland: Die großen Inseln der Ostsee

Ostsee-Inseln

15 Min. Lesezeit

Die Ostsee hat mehr Inseln als die meisten Menschen vermuten. Allein die schwedischen Schären umfassen über 30.000 Eilande, von denen die meisten unbewohnt sind. Die großen Inseln aber haben eigene Identitäten entwickelt: eigene Küchen, eigene Traditionen, eigene Landschaften. Rügen hat seine Kreidefelsen, Gotland seine Kalksteinsäulen, Bornholm seine Rundkirchen und Åland seine Granithügel zwischen den Schären.

Sechs Inseln stechen heraus, weil sie groß genug sind, um einen eigenständigen Urlaub zu tragen. Jede lässt sich in einer Woche gut erkunden, manche auch in wenigen Tagen. Die Anreise ist unkompliziert: Rügen und Usedom erreicht man über Brücken, die skandinavischen Inseln per Fähre. Wer mehrere Inseln verbinden will, kann das über die Fährverbindungen im Ostseeraum problemlos tun.

Die Inseln der Ostsee im Überblick

Die Ostsee erstreckt sich von der dänisch-deutschen Küste im Westen bis zum Finnischen Meerbusen im Osten. Entlang dieser Strecke liegen Inseln in verschiedenen Größen und mit verschiedenen Charakteren. Die deutschen Inseln Rügen (926 km2) und Usedom (445 km2) liegen im Süden. Bornholm (588 km2) gehört zu Dänemark, liegt aber näher an Schweden. Gotland (3.140 km2) und Öland (1.342 km2) sind die beiden großen schwedischen Ostseeinseln. Åland (1.580 km2, davon 6.700 Inseln) liegt zwischen Schweden und Finnland und gehört zu Finnland, spricht aber Schwedisch.

Luftaufnahme einer Ostsee-Insel mit Küste, Wäldern und kleinen Ortschaften
Die Inseln der Ostsee verbinden Küstenlandschaft mit eigenständiger Kultur (KI-generiert)

Dazu kommen die estnischen Inseln Saaremaa (2.673 km2) und Hiiumaa (989 km2), die dänischen Inseln Seeland, Fünen und Lolland-Falster (die allerdings eher als Festland wahrgenommen werden) sowie Hunderte kleinerer Inseln in den Schärengebieten von Schweden, Finnland und den Ålandinseln.

Jede Insel hat ihren eigenen Rhythmus. Rügen und Usedom sind touristisch stark erschlossen, mit Hotels und Ferienwohnungen. Gotland und Bornholm sind ruhiger, mit einer Mischung aus Landwirtschaft und Tourismus. Åland ist am stillsten: Hier leben 30.000 Menschen auf 6.700 Inseln, und auf den meisten davon steht kein einziges Haus.

Rügen: Deutschlands größte Insel

Rügen ist die meistbesuchte Insel der deutschen Ostsee. 926 Quadratkilometer groß, mit 574 Kilometern Küstenlinie und einer Landschaft, die sich alle paar Kilometer ändert. Im Norden die weißen Kreidefelsen des Nationalparks Jasmund, im Osten die feinsandigen Strände der Seebäder Binz, Sellin und Göhren, im Westen die stillen Boddengewässer.

Die Kreidefelsen von Jasmund sind der Höhepunkt jeder Rügen-Reise. Der Königsstuhl, die höchste Kreideklippe mit 118 Metern, ist über das Nationalpark-Zentrum Königsstuhl erreichbar (Eintritt 12 Euro, Kinder 6 Euro). Der Buchenwald hinter den Klippen gehört zum UNESCO-Welterbe. Caspar David Friedrich hat die Kreidefelsen 1818 gemalt, und das Bild hängt heute in der Hamburger Kunsthalle.

Die Seebrücke Sellin ist die längste Seebrücke auf Rügen (394 Meter) und eines der meistfotografierten Motive der Insel. Am Ende steht ein weißes Gebäude im Stil der Bäderarchitektur, in dem ein Restaurant untergebracht ist. Die Treppen von der Steilküste zum Strand (93 Stufen) oder der Aufzug (1 Euro) verbinden den Ort mit dem Strand.

Anreise: Über die Rügenbrücke (B96) ab Stralsund. Kein Fährbetrieb nötig. Die Fahrt von Berlin dauert dreieinhalb Stunden, von Hamburg vier Stunden. Der Rasende Roland, eine Schmalspurbahn mit Dampflok, verbindet Putbus mit Binz und Sellin (Tageskarte 30 Euro).

Usedom: Kaiserbäder und Seebrücken

Usedom teilt sich Deutschland mit Polen. Der deutsche Teil umfasst die drei Kaiserbäder Heringsdorf, Bansin und Ahlbeck, benannt nach den Adligen und Reichen, die hier im 19. Jahrhundert ihren Sommer verbrachten. Die Bäderarchitektur aus dieser Zeit steht noch: weiße Villen mit Erkern und Balkonen, aufgereiht an der Strandpromenade.

Die Seebrücke von Ahlbeck auf Usedom mit weißer Bäderarchitektur
Die Seebrücke von Ahlbeck ist die älteste erhaltene Seebrücke Deutschlands (KI-generiert)

Die Seebrücke Ahlbeck (1882, die älteste Seebrücke Deutschlands) ist 280 Meter lang. Die Seebrücke Heringsdorf ist mit 508 Metern die längste in Kontinentaleuropa. Zwischen den Kaiserbädern verläuft eine durchgehende Strandpromenade (8,5 km), die zum Spazieren und Radfahren einlädt.

Usedom hat mit durchschnittlich 1.917 Sonnenstunden pro Jahr die meiste Sonne aller deutschen Regionen, was ihr den Beinamen Sonneninsel eingebracht hat. Der 42 Kilometer lange Sandstrand erstreckt sich fast ununterbrochen von Peenemünde bis zur polnischen Grenze. Das Wasser fällt langsam ab und eignet sich gut für Familien.

Peenemünde im Norden der Insel hat eine andere Geschichte. Hier entwickelte Wernher von Braun im Zweiten Weltkrieg die V2-Rakete. Das Historisch-Technische Museum dokumentiert diese dunkle Vergangenheit. Eintritt 9 Euro, gut investierte zwei Stunden.

Anreise: Über die Wolgaster Brücke oder die Zecheriner Brücke. Ab Berlin zweieinhalb Stunden. Die Usedomer Bäderbahn (UBB) verbindet alle Seebäder mit dem Festland. Von Swinemünde auf der polnischen Seite gehen Fähren nach Schweden.

Bornholm: Dänemarks Sonneninsel

Bornholm liegt 150 Kilometer östlich des dänischen Festlands, aber nur 40 Kilometer von der schwedischen Küste entfernt. Die Insel ist geologisch ein Sonderfall: Während der Rest Dänemarks flach und aus Kalkstein gebaut ist, besteht Bornholm aus Granit. Das gibt der Insel ihre Felsenküsten, ihre Hügel und ihre eigene Atmosphäre.

Die Rundkirchen sind Bornholms bekanntestes Merkmal. Vier weiße, runde Wehrkirchen aus dem 12. Jahrhundert stehen über die Insel verteilt. Die Østerlarskirche ist die größte und älteste. Die dicken Mauern dienten als Schutz vor Piraten, der obere Stock als Kornspeicher. Kein anderer Ort in Skandinavien hat vergleichbare Bauwerke.

Die Felsenfestung Hammershus im Norden der Insel ist die größte Burgruine Nordeuropas. Sie thront auf einem Granitfelsen 74 Meter über dem Meer und wurde im 13. Jahrhundert errichtet. Der Eintritt ist frei, das Besucherzentrum kostet 95 DKK (etwa 13 Euro). Der Weg von der Ruine hinunter zur Felsenküste führt an der Schlucht Opalsøen vorbei.

Gudhjem an der Nordküste ist der schönste Ort der Insel: bunte Fachwerkhäuser klettern den Hang zum Hafen hinunter, Räuchereien (Røgeri) verkaufen frisch geräucherten Hering auf Roggenbrot. Dieses Gericht heißt Sol over Gudhjem (Sonne über Gudhjem) und ist Bornholms kulinarisches Wahrzeichen.

Anreise: Fähre ab Sassnitz (Rügen) mit Bornholmslinjen, 3,5 Stunden, ab 40 Euro pro Person. Oder ab Ystad (Schweden), 1 Stunde 20 Minuten, ab 25 Euro. Flüge ab Kopenhagen mit DAT, 35 Minuten.

Gotland: Mittelalter und Kalkstein

Gotland ist mit 3.140 Quadratkilometern die größte Insel der Ostsee. Sie liegt 90 Kilometer vor der schwedischen Küste und hat ein milderes Klima als das Festland. Die Hauptstadt Visby ist eine der am besten erhaltenen mittelalterlichen Städte Nordeuropas und seit 1995 UNESCO-Welterbe.

Die mittelalterliche Stadtmauer von Visby auf Gotland mit Türmen und Rosengärten
Visbys Stadtmauer ist die besterhaltene mittelalterliche Befestigung Skandinaviens (KI-generiert)

Die Stadtmauer von Visby ist 3,4 Kilometer lang, hat 44 Türme und umschließt ein Gewirr aus kopfsteingepflasterten Gassen und Kirchenruinen. Im August verwandelt sich die Stadt während der Medeltidsveckan (Mittelalterwoche) in ein riesiges Mittelalterfest. 200.000 Besucher kommen dann, um Ritterturniere und Handwerksvorführungen Musik zu erleben.

Außerhalb von Visby prägen Raukar die Landschaft: natürliche Kalksteinsäulen, die durch Erosion entstanden sind und wie Skulpturen in der Landschaft stehen. Die größte Ansammlung findet man auf Fårö, der Insel nördlich von Gotland, wo Ingmar Bergman lebte und filmte. Fårö ist über eine kostenlose Fähre erreichbar (10 Minuten).

Gotlands Strände liegen überwiegend an der West- und Südküste. Tofta ist der beliebteste Badestrand (feiner Sand, 6 km lang). Sudersand auf Fårö ist ruhiger und wird von vielen Schweden als einer der schönsten Strände des Landes bezeichnet. Die Wassertemperatur erreicht im Sommer 18 bis 20 Grad.

Anreise: Fähre ab Nynäshamn (bei Stockholm) oder Oskarshamn mit Destination Gotland. Die Überfahrt dauert 3 bis 3,5 Stunden und kostet ab 15 Euro pro Person (ohne Auto). Flüge ab Stockholm mit Gotlandsflyg, 30 Minuten.

Öland und Åland

Öland liegt vor der schwedischen Ostküste und ist über die 6 Kilometer lange Ölandbrücke mit dem Festland verbunden. Die Insel ist 137 Kilometer lang, aber nur 16 Kilometer breit. Im Süden erstreckt sich die Alvaret, eine karge Kalksteinheide, die zum UNESCO-Welterbe gehört. Hier wachsen seltene Orchideen und Flechten auf einem Boden, der kaum fruchtbar ist.

Öland hat mehr als 400 Windmühlen, von denen viele noch stehen und als Wahrzeichen der Insel gelten. Das Schloss Borgholm, eine Schlossruine aus dem 12. Jahrhundert, thront auf einem Hügel über der gleichnamigen Stadt. Der Eintritt kostet 100 SEK (etwa 9 Euro). In der Nähe liegt Solliden, die Sommerresidenz der schwedischen Königsfamilie, deren Gärten im Sommer für Besucher geöffnet sind (100 SEK).

Öland ist bei schwedischen Familien als Sommerurlaubsziel beliebt. Die Strände sind lang und flach, die Infrastruktur gut ausgebaut. Die Campingplätze gehören zu den besten in Schweden. Wer mit dem Fahrrad unterwegs ist, findet eine ideale Landschaft: flach und windgeschützt kurzen Abständen zwischen den Ortschaften.

Åland ist ein Archipel aus 6.700 Inseln zwischen Schweden und Finnland. Die Inseln gehören zu Finnland, haben aber Schwedisch als einzige Amtssprache und einen weitreichenden Autonomiestatus. Die Hauptinsel Fasta Åland hat die Hauptstadt Mariehamn (11.000 Einwohner) mit dem Seefahrtsmuseum und dem Museumsschiff Pommern.

Rotes Holzhaus auf einer Åland-Schäreninsel mit Felsen und blauem Meer
Die Ålandinseln verbinden finnische Schärenlandschaft mit schwedischer Sprache und Kultur (KI-generiert)

Der Reiz von Åland liegt in der Stille. Auf den Nebeninseln gibt es Fischerhütten und Wasser. Sonst wenig. Wer Ruhe sucht und gerne Kajak fährt, findet hier ideale Bedingungen. Die Entfernungen zwischen den Inseln sind kurz, die Strömungen gering, und die Landschaft wechselt ständig.

Anreise Öland: Über die Ölandbrücke ab Kalmar. Die Brücke ist mautfrei. Anreise Åland: Fähre ab Stockholm (Viking Line oder Tallink Silja, 5-6 Stunden) oder ab Turku in Finnland (5 Stunden). Die Fähren sind groß und komfortabel, mit Restaurants und Kabinen.

Weitere Inseln der Ostsee

Hiddensee liegt westlich von Rügen und ist autofrei. 17 Kilometer lang, maximal 250 Meter breit an der schmalsten Stelle. Die Anreise erfolgt per Fähre ab Stralsund oder Schaprode (20-45 Minuten). Auf der Insel bewegt man sich zu Fuß, mit dem Fahrrad oder per Pferdekutsche. Hiddensee war ein Lieblingsort von Gerhart Hauptmann und Thomas Mann. Die Insel hat 1.000 Einwohner und in der Hochsaison 10.000 Tagesgäste.

Fehmarn in Schleswig-Holstein ist über die Fehmarnsundbrücke erreichbar und Deutschlands drittgrößte Insel. Der Südstrand bei Burgtiefe ist einer der breitesten an der deutschen Ostsee. Fehmarn ist durch die Fähre nach Rødby (Dänemark) ein Knotenpunkt für Skandinavien-Reisende. Sobald der Fehmarnbelt-Tunnel 2029 fertig ist, ändert sich die Verkehrsanbindung grundlegend.

Saaremaa (Estland) ist die größte estnische Insel und ein Ziel für alle, die es ruhig mögen. Die Bischofsburg Kuressaare ist die besterhaltene mittelalterliche Burg des Baltikums. Der Kaali-Meteoritenkrater (3.500 Jahre alt, 110 Meter Durchmesser) ist zu Fuß erreichbar. Die Anreise erfolgt per Fähre ab Virtsu (30 Minuten).

Die Kurische Nehrung zwischen Litauen und dem russischen Kaliningrad ist streng genommen keine Insel, sondern eine Halbinsel. Aber die 98 Kilometer lange Landzunge zwischen Ostsee und Kurischem Haff fühlt sich wie eine an. Die Wanderdünen bei Nida gehören zu den höchsten in Europa (bis 60 Meter). Thomas Mann hatte hier sein Sommerhaus. Die Nehrung gehört zum UNESCO-Welterbe.

Häufige Fragen

Welche Ostsee-Insel ist die schönste?

Das hängt davon ab, was man sucht. Für Strandurlaub mit guter Infrastruktur eignen sich Rügen und Usedom. Wer Natur und Ruhe bevorzugt, ist auf Bornholm oder Åland richtig. Gotland bietet die beste Mischung aus Geschichte und Strandleben. Öland ist ideal für Radfahrer und Familien. Die estnischen Inseln Saaremaa und Hiiumaa sind Geheimtipps für Reisende, die abseits der üblichen Routen unterwegs sein wollen.

Kann man mehrere Ostsee-Inseln in einer Reise verbinden?

Ja, das geht gut. Eine beliebte Route: Rügen (3 Tage), Fähre nach Bornholm (3,5 Stunden ab Sassnitz), Bornholm (3 Tage), Fähre nach Ystad in Schweden (1,5 Stunden), weiter nach Öland (3 Stunden Fahrt), Öland (2 Tage), weiter nach Nynäshamn, Fähre nach Gotland (3 Stunden), Gotland (3 Tage). Die gesamte Tour dauert zwei Wochen und deckt vier der großen Ostseeinseln ab. Die Fährtickets sollte man in der Hochsaison vorab buchen.

Wann ist die beste Reisezeit für die Ostsee-Inseln?

Juni bis August ist die Hauptsaison mit den wärmsten Temperaturen (18-25 Grad) und den längsten Tagen. September bietet ruhigere Strände und mildere Temperaturen. Auf Gotland findet die Mittelalterwoche im August statt, Bornholm hat im Juni das Folkemøde (politisches Festival). Wer günstigere Preise sucht, reist im Mai oder September. Die skandinavischen Inseln haben im Mai schon lange Tage, aber das Wasser ist noch kühl (12-15 Grad).

Braucht man ein Auto auf den Ostsee-Inseln?

Auf Rügen und Usedom ja, weil die Inseln groß sind und der öffentliche Nahverkehr nur die Hauptorte abdeckt. Auf Bornholm geht es auch mit dem Fahrrad (die Insel hat ein gutes Radwegenetz). Auf Gotland und Öland ist ein Auto praktisch, aber Fahrräder lassen sich überall mieten. Auf Hiddensee sind Autos verboten. Auf Åland braucht man ein Auto oder Fahrrad, weil die Busse nur selten fahren. Auf allen Inseln mit Fähranbindung kann man das Auto mitnehmen, was allerdings die Fährkosten deutlich erhöht.

Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.