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Skandinavische Inseln
Die 15 schönsten Inseln in Nordeuropa

Skandinavische Inseln

14 Min. Lesezeit

Skandinavien hat über 200.000 Inseln. Die meisten davon sind kleine Felsklumpen, auf denen gerade mal ein Leuchtturm Platz hat. Aber dazwischen liegen Inseln, die eigene Welten sind: mit eigener Kultur, eigenem Wetter und einem Lebensrhythmus, der sich vom Festland unterscheidet. Manche erreicht man in 20 Minuten mit der Fähre, andere brauchen einen Inlandsflug.

In den letzten Jahren habe ich viele dieser Inseln besucht. Dabei habe ich gemerkt, dass jede ihren eigenen Charakter hat. Die Lofoten fühlen sich rau an, Gotland mediterran, Bornholm gemütlich. Die Färöer sind wie ein anderer Planet. In diesem Artikel stelle ich die 15 Inseln vor, die ich am stärksten in Erinnerung behalten habe, und erkläre, was jede einzelne davon besonders macht.

Inselwelten im Norden

Die skandinavischen Inseln lassen sich grob in vier Gruppen einteilen. Da sind zunächst die norwegischen Küsteninseln wie die Lofoten und Vesterålen, die aus dem Nordatlantik aufragen. Dann die schwedischen Ostseeinseln Gotland und Öland, flacher und sonniger. Dazu die dänischen Inseln Bornholm und die kleinen Kattegat-Inseln. Und schließlich die autonomen Inselgruppen: die finnischen Åland-Inseln und die dänischen Färöer.

Was alle verbindet: Das Tempo ist langsamer als auf dem Festland. Die Inselbewohner leben mit dem Meer, nicht gegen es. Fischer, Handwerker, Künstler haben sich hier angesiedelt, weil sie die Ruhe suchen. Im Sommer kommen die Touristen, im Winter sind die Inseln oft fast leer. Wer den Norden abseits der üblichen Routen erleben will, findet auf den Inseln genau das.

Skandinavische Insellandschaft mit Felsen, kleinen Holzhäusern und ruhigem Wasser
Skandinavische Inseln leben vom Kontrast zwischen Fels, Meer und kleinen Siedlungen. (KI-generiert)

Die Lofoten: Norwegens Postkartenküste

Die Lofoten sind eine Inselkette vor der Küste Nordnorwegens, etwa 100 Kilometer nördlich des Polarkreises. Steile Berge ragen direkt aus dem Meer, dazwischen liegen weiße Sandstrände, die eher an die Karibik erinnern als an den Norden. Nur dass das Wasser hier 8 bis 12 Grad hat.

Was die Lofoten ausmacht, ist die Dichte an Landschaft auf engem Raum. Man fährt über Brücken von Insel zu Insel, biegt um eine Kurve und steht vor dem nächsten Fjord. Die Ortschaften Reine, Hamnøy und Sakrisøy mit ihren roten Rorbuer (ehemaligen Fischerhütten) gehören zu den meistfotografierten Motiven in ganz Norwegen.

Anreise: Per Flug nach Svolvær oder Leknes (ab Oslo oder Bodø) oder mit der Fähre ab Bodø nach Moskenes. Die Fähre dauert 3 bis 4 Stunden und bietet schon während der Überfahrt einen guten Blick auf die Inselkette. Beste Reisezeit: Juni bis August für Wanderungen und Mitternachtssonne, September bis März für Nordlichter. Tipp: Rorbuer früh buchen, besonders im Juli und August sind sie Monate im Voraus ausgebucht. Preise: ab 120 Euro pro Nacht für eine einfache Hütte.

Gotland: Schwedens Sommerinsel

Gotland ist Schwedens größte Insel und liegt mitten in der Ostsee. Im Sommer hat die Insel mehr Sonnenstunden als jeder andere Ort in Schweden. Die Hauptstadt Visby, eine mittelalterliche Hansestadt mit vollständig erhaltener Stadtmauer, gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Innerhalb der Mauern stehen Kirchenruinen neben Rosengärten, und die kopfsteingepflasterten Gassen sind im Sommer voller Leben.

Abseits von Visby wird es schnell ruhig. Die Insel hat eine flache Kalksteinlandschaft mit Orchideenwiesen, Rauken (Kalksteinsäulen am Strand) und Schafweiden. Die Strände an der Ostküste sind breit und feinsandig. Fårö, die kleine Nachbarinsel im Norden, wurde durch den Regisseur Ingmar Bergman bekannt, der dort jahrzehntelang lebte und filmte.

Mittelalterliche Stadtmauer von Visby auf Gotland im Sonnenlicht
Die Stadtmauer von Visby auf Gotland gehört zu den besterhaltenen mittelalterlichen Befestigungen in Nordeuropa. (KI-generiert)

Anreise: Fähre ab Nynäshamn (südlich von Stockholm) oder Oskarshamn, Fahrzeit 3 bis 4 Stunden. Flüge ab Stockholm dauern 40 Minuten. Beste Reisezeit: Juni bis August, wenn die Insel am lebendigsten ist. Die Mittelalterwoche Anfang August zieht tausende Besucher an. Tipp: Ein Fahrrad mieten. Gotland ist flach genug, um die ganze Insel mit dem Rad zu erkunden. Leihräder gibt es ab 15 Euro pro Tag.

Bornholm: Dänemarks Sonneninsel

Bornholm liegt weit östlich vom dänischen Festland, näher an Schweden als an Dänemark. Die Insel ist 588 Quadratkilometer groß und bekannt für ihre Räuchereien, Kunsthandwerker und die markanten Rundkirchen aus dem 12. Jahrhundert. Im Norden gibt es Granitfelsen und Schluchten (Almindingen, einer der größten Wälder Dänemarks), im Süden breite Sandstrände wie Dueodde.

Was Bornholm von anderen dänischen Inseln unterscheidet, ist die Esskultur. Die Insel hat sich in den letzten Jahren zu einem gastronomischen Reiseziel entwickelt. Kadeau Bornholm hatte einen Michelin-Stern, und überall auf der Insel findet man Hofläden, Keramikwerkstätten und kleine Restaurants, die mit lokalen Zutaten arbeiten. Die geräucherten Heringe aus Gudhjem (Bornholmer Røgeri) sind legendär.

Anreise: Fähre ab Ystad (Schweden), Fahrzeit 80 Minuten, oder ab Køge (Dänemark), Fahrzeit 5 bis 6 Stunden. Flüge ab Kopenhagen dauern 35 Minuten. Beste Reisezeit: Mai bis September. Tipp: Die 105 Kilometer lange Küstenroute lässt sich in 4 bis 5 Tagen mit dem Fahrrad abfahren. Bornholm hat ein gut ausgebautes Radwegenetz.

Åland: Finnlands Archipel zwischen zwei Welten

Die Åland-Inseln liegen zwischen Finnland und Schweden in der Ostsee und bestehen aus über 6.700 Inseln, von denen rund 60 bewohnt sind. Politisch gehören sie zu Finnland, aber die Amtssprache ist Schwedisch, und die Inseln sind weitgehend autonom. Auf Åland gibt es eigene Briefmarken, eine eigene Flagge und eine eigene Identität, die weder ganz finnisch noch ganz schwedisch ist.

Die Hauptstadt Mariehamn hat etwa 11.000 Einwohner und wirkt wie eine Miniaturversion einer skandinavischen Stadt: bunt gestrichene Holzhäuser, ein Hafen voller Segelboote und eine Fußgängerzone mit Cafés. Das Schifffahrtsmuseum Pommern zeigt die Geschichte der Åländer Handelsflotte. Außerhalb von Mariehamn wird es schnell ländlich: rote Höfe, Apfelgärten, Feldwege.

Blick über die Åland-Schären mit roten Holzhäusern und Segelbooten
Die Åland-Inseln bestehen aus Tausenden kleiner Felseninseln, durchzogen von schmalen Wasserstraßen. (KI-generiert)

Anreise: Fähre ab Stockholm (5 bis 6 Stunden) oder Turku (5 bis 6 Stunden). Die großen Fähren von Viking Line und Tallink Silja halten in Mariehamn. Viele Reisende nutzen Åland als Zwischenstopp auf der Fähre zwischen Schweden und Finnland. Beste Reisezeit: Juni bis August. Tipp: Die Schärenroute mit dem Fahrrad erkunden. Kleine Fähren verbinden die Inseln, und die Straßen sind fast autofrei.

Färöer: Inseln am Rand der Welt

Die Färöer-Inseln liegen mitten im Nordatlantik, auf halbem Weg zwischen Norwegen und Island. 18 Inseln, 54.000 Einwohner, mehr Schafe als Menschen. Das Wetter wechselt alle zehn Minuten zwischen Regen, Wind und Sonne. Die Landschaft ist so grün und steil, dass man das Gefühl hat, auf einem anderen Planeten zu sein. Klippen fallen 300 Meter senkrecht ins Meer, Wasserfälle stürzen direkt in den Ozean, und Dörfer klammern sich an die Hänge wie Vogelnester.

Was die Färöer von anderen nordischen Inseln unterscheidet, ist die Abgeschiedenheit. Hier gibt es keine Starbucks, keine Autobahnen und keine Massentourismus-Infrastruktur. Die Hauptstadt Tórshavn hat 13.000 Einwohner und fühlt sich an wie ein Dorf mit Regierungssitz. Das Viertel Tinganes mit seinen torfgedeckten Holzhäusern beherbergt eines der ältesten Parlamente der Welt.

Anreise: Flug ab Kopenhagen (2 Stunden) oder Fähre ab Hirtshals (Dänemark, 36 Stunden). Beste Reisezeit: Mai bis August, wobei man mit Regen rechnen muss. An guten Tagen ist die Sicht klar und die Landschaft wirkt noch intensiver. Tipp: Einen Mietwagen buchen. Die Inseln sind über Tunnel und Fähren verbunden, und viele der besten Aussichtspunkte liegen abseits der Hauptstraßen.

Weitere Inseln, die sich lohnen

Neben den fünf großen gibt es eine Reihe kleinerer Inseln, die einen Besuch verdienen. Hier meine Auswahl für die weiteren Top 10.

Öland (Schweden): Schwedens zweitgrößte Insel, über eine Brücke mit dem Festland verbunden. Flache Kalksteinlandschaft (Alvaret), UNESCO-Weltkulturerbe. Windmühlen, Leuchttürme und die Sommerresidenz der schwedischen Königsfamilie (Schloss Solliden). Im Sommer ein beliebtes Familienziel, im Herbst ruhig und windgepeitscht.

Vesterålen (Norwegen): Die Nachbarinsel der Lofoten, aber deutlich weniger besucht. Weniger dramatisch in der Landschaft, dafür gute Walbeobachtungsmöglichkeiten ab Andenes. Zwischen Mai und September sieht man Pottwale fast garantiert. Eine Walsafari kostet etwa 100 Euro.

Steile grüne Klippen auf den Färöer-Inseln mit Blick auf den Nordatlantik
Die Klippen der Färöer-Inseln gehören zu den steilsten Europas. (KI-generiert)

Senja (Norwegen): Die zweitgrößte Insel Norwegens, oft als "Norwegen in Miniatur" bezeichnet. Fjorde und Fischerdörfer markanten Felszähne der Bergkette Okshornan. Weniger Touristen als die Lofoten, ähnlich dramatisch.

Rügen (Deutschland, aber auf der Fährstrecke): Wer mit der Fähre nach Skandinavien reist, kommt oft an Rügen vorbei. Die Kreidefelsen und Buchenwälder sind einen Abstecher wert, bevor es weiter nach Norden geht.

Saaremaa (Estland): Nicht skandinavisch im engsten Sinne, aber kulturell eng verbunden und per Fähre ab Stockholm erreichbar. Die größte estnische Insel hat eine mittelalterliche Burg und Wacholderheiden der besten Spas im Baltikum. Preislich deutlich günstiger als die skandinavischen Inseln.

Svalbard (Norwegen): Die arktische Inselgruppe auf 78 Grad Nord. Eisbären, Gletscher, Polarforschung. Kein klassisches Urlaubsziel, aber wer die Arktis erleben will, findet hier die zugänglichste Möglichkeit. Flüge ab Oslo nach Longyearbyen dauern 3 Stunden. Im Sommer ist es 24 Stunden hell, im Winter 24 Stunden dunkel.

Læsø (Dänemark): Eine kleine Insel im Kattegat mit 1.800 Einwohnern. Bekannt für die tangtanggedeckten Häuser (Seetang als Dachmaterial), Salzgewinnung und Hummerfischerei. Fähre ab Frederikshavn, 90 Minuten. Ein Ort, an dem die Zeit langsamer läuft.

Suomenlinna (Finnland): Die Seefestung vor Helsinki, UNESCO-Welterbe. Per Fähre in 15 Minuten erreichbar. Festungsmauern und Cafés auf mehreren Inseln. Ein perfekter Halbtagesausflug.

Ærø (Dänemark): Eine der schönsten Inseln in der dänischen Südsee. Kopfsteingepflasterte Straßen in Ærøskøbing, bunte Türen, Stockrosen an den Hauswänden. Die ganze Insel wirkt wie ein Freilichtmuseum. Per Fähre ab Svendborg (75 Minuten) erreichbar.

Rote Rorbuer-Hütten auf den Lofoten vor steil aufragenden Bergen
Die roten Rorbuer auf den Lofoten waren einst Fischerhütten und sind heute begehrte Unterkünfte. (KI-generiert)

Häufig gestellte Fragen

Welche skandinavische Insel eignet sich am besten für einen Erstbesuch?

Für den Einstieg empfehle ich Gotland oder Bornholm. Beide sind gut erreichbar, haben eine überschaubare Größe und bieten eine Mischung aus Natur und Kultur Gastronomie. Wer es wilder mag, sollte mit den Lofoten anfangen. Die Infrastruktur dort ist gut ausgebaut, auch wenn die Anreise etwas länger dauert.

Kann man die skandinavischen Inseln auch im Winter besuchen?

Ja, aber die Erfahrung ist komplett anders. Die Lofoten im Winter sind rau und dunkel, dafür sieht man Nordlichter. Gotland und Bornholm sind im Winter sehr ruhig, viele Restaurants und Hotels haben geschlossen. Die Färöer sind ganzjährig interessant, wenn man mit Sturm und Regen zurechtkommt. Svalbard ist im Winter nur für Abenteuerlustige geeignet.

Wie teuer ist ein Inselurlaub in Skandinavien?

Die Kosten variieren stark. Bornholm und Gotland sind mit 80 bis 150 Euro pro Tag (Unterkunft, Essen, Aktivitäten) vergleichsweise günstig. Die Lofoten und Färöer liegen bei 150 bis 250 Euro pro Tag, weil Unterkünfte und Lebensmittel dort teurer sind. Svalbard ist am teuersten mit 200 bis 400 Euro pro Tag. Die Fähren kosten zwischen 20 und 80 Euro pro Person für eine einfache Fahrt.

Brauche ich für die Inseln ein Auto?

Auf den Lofoten und den Färöern ist ein Auto dringend empfohlen, weil der öffentliche Nahverkehr begrenzt ist. Auf Gotland und Bornholm kommt man gut mit dem Fahrrad zurecht, weil die Inseln flach und die Entfernungen überschaubar sind. In Mariehamn und Visby braucht man gar kein Fahrzeug, dort lässt sich alles zu Fuß erreichen.

Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026