Flam
Inhaltsverzeichnis
- 1 Warum sich Flam so lohnt
- 2 Wo liegt Flam?
- 3 Die Flamsbahn: Bahnfahrt durch die Berge
- 4 Der Aurlandsfjord und seine Schönheit
- 5 Stegastein: Aussicht, die sprachlos macht
- 6 Wandern rund um Flam
- 7 Kajak und Boot auf dem Fjord
- 8 Essen und Übernachten in Flam
- 9 Anreise nach Flam
- 10 Beste Reisezeit für Flam
- 11 Fazit
- 12 Häufig gestellte Fragen
Es gibt Orte in Norwegen, die vergisst du nicht. Flam ist so einer. Ein winziges Dorf ganz hinten im Aurlandsfjord, eingequetscht zwischen steilen Felswänden und ruhigem Wasser. Rund 350 Menschen leben hier das ganze Jahr über. Und trotzdem kommen jedes Jahr Hunderttausende Besucher, weil Flam etwas hat, das du nirgendwo sonst findest: Abgeschiedenheit, Naturgewalt -- und eine der wildesten Bahnstrecken der Welt.
Ich war zum ersten Mal vor fünf Jahren dort, im September. Der Fjord war glatt wie ein Spiegel, die Berge leuchteten in diesem tiefen Grün, und ich stand am Bahnhof und dachte: Hier will ich länger bleiben. Seitdem bin ich zweimal zurückgekommen, und jedes Mal war es anders. Hier erzähle ich dir alles, was du für deinen Besuch in Flam wissen musst.
Warum sich Flam so lohnt
Flam ist kein gewöhnlicher Touristenort. Es gibt hier kein Einkaufszentrum, keinen Rummel, keine Ketten. Was es gibt: Natur in einer Intensität, die dich einfach überwältigt. Der Aurlandsfjord ist ein Seitenarm des Sognefjords, des längsten und tiefsten Fjords in ganz Norwegen. Die Berge rundherum ragen über 1.000 Meter steil aus dem Wasser. Und mittendrin: dieses stille, kleine Dorf.
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Für mich macht Flam vor allem die Vielfalt auf engstem Raum aus. Du kannst morgens mit der Flamsbahn durch die Berge fahren, mittags auf dem Fjord paddeln, nachmittags auf den Stegastein wandern und abends ein gutes Abendessen mit Blick aufs Wasser genießen. Alles in einem Radius von wenigen Kilometern.
Was viele nicht wissen: Flam gehört zum UNESCO Welterbe. Der Nærøyfjord, der direkt nebenan liegt, wurde 2005 als einer der schönsten Fjorde der Welt in die Liste aufgenommen. Das allein sagt schon einiges.
Wo liegt Flam?
Flam liegt in der Kommune Aurland in der Provinz Vestland, ganz am Ende des Aurlandsfjords. Geografisch befinden wir uns im westlichen Norwegen, zwischen Bergen und Oslo. Der nächste größere Ort ist Voss, etwa 65 Kilometer westlich.
Die Lage ist typisch für die norwegischen Fjordlandschaften: Steile Bergwände fallen direkt ins Wasser ab, und der einzige flache Bereich ist eine schmale Ebene am Fjordende, wo sich das Dorf ausbreitet. Die Flamsdalen, das Tal hinter dem Ort, schneidet sich tief in die Berge und ist gleichzeitig die Strecke, durch die die berühmte Flamsbahn fährt.
Trotz der abgeschiedenen Lage ist Flam gut erreichbar. Per Fjordboot, Bahn oder Straße kommt man von verschiedenen Richtungen hierher. Viele Reisende integrieren Flam in die klassische Rundreise Norway in a Nutshell, bei der man an einem Tag Fjord, Bahn und Bus kombiniert.
Die Flamsbahn: Bahnfahrt durch die Berge
Die Flamsbahn ist der Grund, warum die meisten Besucher nach Flam kommen. Und ja, ich weiß, es klingt nach Touristenfalle. Aber das ist sie wirklich nicht. Die Flåmsbana ist eine der steilsten Normalspurbahnen der Welt und führt auf 20 Kilometern vom Fjordniveau auf 866 Meter Höhe hinauf zur Bergstation Myrdal.
Die Strecke wurde zwischen 1924 und 1940 gebaut und war damals ein technisches Meisterwerk. 20 Tunnel wurden in den Fels gesprengt, davon einer mit einer kompletten Kehre im Inneren des Berges. Die Steigung beträgt auf Teilen der Strecke 5,5 Prozent, was für eine Eisenbahn enorm ist.
Die Fahrt dauert etwa eine Stunde und ist von Anfang bis Ende ein Erlebnis. Du fährst vorbei an donnernden Wasserfällen, durch tiefe Schluchten und enge Tunnel. Am Wasserfall Kjosfossen hält der Zug an, damit alle aussteigen und fotografieren können. Hier tanzt in der Saison sogar eine Huldra, eine sagenumwobene Waldnymphe, am Felsen.
Mein Tipp: Nimm den Zug am frühen Morgen oder am späten Nachmittag. Dann sind weniger Leute im Zug und du hast bessere Chancen auf einen Fensterplatz auf der linken Seite. Von dort siehst du die besten Ausblicke ins Tal.
Tickets und Preise
Die Tickets für die Flamsbahn kosten für Erwachsene etwa 510 NOK (Hin und Rückfahrt). Kinder zahlen den halben Preis. Du kannst sie vorab online bei Visit Flam buchen, was ich dir in der Hauptsaison (Juni bis August) dringend empfehle. Die Züge sind dann oft ausverkauft.
Alternativ kannst du die Flamsbahn mit einer Bootsfahrt auf dem Nærøyfjord kombinieren. Dieses Paket gibt es unter dem Namen Norway in a Nutshell und ist eine tolle Option, wenn du nur einen Tag Zeit hast.
Das Flam Railway Museum
Direkt neben dem Bahnhof in Flam findest du das kleine, aber feine Flamsbahn-Museum. Der Eintritt ist frei. Hier erfährst du alles über den Bau der Strecke und die Herausforderungen, die die Ingenieure in den 1920er und 1930er Jahren meistern mussten. Besonders stark fand ich die originalen Werkzeuge und die alten Filmaufnahmen von der Bauzeit.
Der Aurlandsfjord und seine Schönheit
Wenn du in Flam stehst und auf den Fjord schaust, siehst du Wasser, das so klar und ruhig ist, dass sich die Berge darin spiegeln. Der Aurlandsfjord ist ein Seitenarm des Sognefjords und rund 29 Kilometer lang. Er ist schmaler als die großen Hauptfjorde und wirkt dadurch noch intimer.
Vom Hafen in Flam starten verschiedene Fjordkreuzfahrten. Die beliebteste Route führt durch den Aurlandsfjord in den Nærøyfjord, den schmalsten befahrbaren Fjord Europas. An seiner engsten Stelle misst er gerade einmal 250 Meter. Rechts und links steigen die Felswände fast senkrecht auf über 1.000 Meter an.
Diese Bootsfahrt ist für mich eine der schönsten Erfahrungen, die ich in Norwegen gemacht habe. Die Stille auf dem Wasser, unterbrochen nur vom leisen Summen des Elektromotors (viele Boote fahren inzwischen elektrisch), und dazu diese Kulisse. An den Hängen siehst du vereinzelt alte Bauernhöfe, die so abgelegen liegen, dass sie früher nur per Boot erreichbar waren.
In der Saison fahren auch die großen Kreuzfahrtschiffe bis nach Flam. Das Bild eines riesigen Ozeanriesen zwischen den schmalen Bergwänden ist surreal, aber es gehört inzwischen zum Alltag des Dorfes.
Stegastein: Aussicht, die sprachlos macht
Die Stegastein Aussichtsplattform ist einer dieser Orte, an denen du einfach nur stehst und staunst. Die Plattform ragt 30 Meter über die Felskante hinaus, 650 Meter über dem Aurlandsfjord. Der Blick nach unten ist nichts für schwache Nerven, aber die Aussicht ist überwältigend.
Stegastein liegt an der Nationalen Touristenstraße Aurlandsfjellet und ist vom Dorf Aurland aus in etwa 10 Minuten mit dem Auto erreichbar. Von Flam aus dauert die Fahrt über Aurland ungefähr 20 Minuten. Es gibt einen Parkplatz direkt an der Plattform.
Die Plattform wurde vom Architekturbüro Todd Saunders und Tommie Wilhelmsen entworfen und ist ein Beispiel für das, was Norwegen mit seinen nationalen Touristenstraßen so gut macht: moderne Architektur in der Natur, die den Blick auf die Landschaft nicht stört, sondern verstärkt.
Mein Rat: Komm am Morgen, bevor die Reisebusse eintreffen. Dann hast du die Plattform fast für dich allein und kannst die Stille genießen.
Wandern rund um Flam
Flam ist ein sehr guter Ausgangspunkt zum Wandern. Die Möglichkeiten reichen von leichten Spaziergängen am Fjord bis zu anspruchsvollen Bergtouren.
Flamsdalen: Auf den Spuren der Bahnbauer
Die beliebteste Wanderung ist der Weg durch das Flamsdalen. Du fährst mit der Flamsbahn hinauf nach Myrdal und wanderst dann die 20 Kilometer auf dem alten Postweg zurück nach Flam. Die Wanderung führt entlang des Flusses Flåmselvi, vorbei an mehreren Wasserfällen und durch saftige Bergwiesen.
Der Weg ist gut markiert und nicht besonders schwierig, aber du solltest etwa 5 bis 6 Stunden einplanen. Der Höhenunterschied von rund 860 Metern geht fast komplett bergab, was deine Knie etwas beansprucht. Gute Wanderschuhe sind ein Muss.
Brekkefossen und Rallarvegen
Für eine kürzere Tour eignet sich der Weg zum Brekkefossen, einem 140 Meter hohen Wasserfall direkt oberhalb von Flam. Die Wanderung dauert nur etwa 45 Minuten einfach und bietet trotzdem tolle Ausblicke über das Dorf und den Fjord.
Wer es ambitionierter mag, kann einen Teil des Rallarvegen laufen oder radeln. Dieser historische Versorgungsweg wurde beim Bau der Bergensbahn angelegt und führt durch eine wilde Hochgebirgslandschaft. Die bekannteste Etappe geht von Finse über Myrdal nach Flam.
Prest und Otternes
Ein Geheimtipp ist die Wanderung zum Hofgut Otternes, einer alten Bergbauernhof-Siedlung oberhalb von Flam. Die 27 historischen Gebäude stammen teilweise aus dem 17. Jahrhundert und bieten einen packenden Einblick in das Leben der Fjordbauern. Im Sommer gibt es hier auch ein kleines Café mit selbstgebackenem Kuchen.
Kajak und Boot auf dem Fjord
Den Fjord vom Wasser aus zu erleben ist etwas ganz anderes als von Land. In Flam kannst du dir Kajaks mieten und selbst über das stille Wasser paddeln. Geführte Touren gibt es ebenfalls, und ich empfehle dir eine solche Tour beim ersten Mal, denn die Guides kennen die besten Stellen und erzählen dir Geschichten über die Höfe und Orte am Fjordufer.
Beliebt sind auch die RIB-Bootstouren, bei denen du mit einem schnellen Schlauchboot über den Fjord rast. Das ist adrenalingeladen und macht richtig Spaß, aber es ist natürlich ein anderes Erlebnis als die ruhige Kajaktour.
Wer es traditionell mag, kann eine Fjordsafari auf einem offenen Boot machen. Du fährst dabei in den Nærøyfjord hinein und siehst mit etwas Glück Robben, Adler und Schweinswale.
Essen und Übernachten in Flam
Flam ist klein, aber die Auswahl an Unterkünften ist überraschend gut. Das bekannteste Hotel ist das Fretheim Hotel, ein historisches Holzhotel direkt am Fjord. Es hat eine lange Geschichte und wurde bereits 1870 als Gasthaus eröffnet. Die Zimmer mit Fjordblick sind fantastisch, aber auch entsprechend teuer.
Günstiger wohnt man im Flam Camping & Hostel, das ebenfalls direkt am Wasser liegt. Hier kannst du im Zelt übernachten, eine Hütte mieten oder im Hostelzimmer schlafen. Die Lage ist genauso schön wie im Hotel, nur der Komfort ist etwas rustikaler.
Beim Essen empfehle ich dir das Ægir Bryggeripub, eine Brauereikneipe in einem Gebäude, das aussieht wie eine Stabkirche. Hier gibt es handgebrautes Bier und deftige norwegische Gerichte. Das Toget (übersetzt: Der Zug) direkt am Bahnhof ist gut für eine schnelle Mahlzeit.
Was du wissen solltest: Flam ist teuer, selbst für norwegische Verhältnisse. Plane dein Budget entsprechend und nimm ruhig ein paar Snacks und Getränke mit.
Anreise nach Flam
Die Anreise nach Flam ist auf verschiedenen Wegen möglich, und jeder hat seinen Reiz.
- Mit dem Auto: Von Bergen sind es etwa 170 Kilometer über die E16. Die Fahrt dauert rund 2,5 Stunden und führt durch den 24,5 Kilometer langen Lærdalstunnel, den längsten Straßentunnel der Welt. Von Oslo sind es knapp 350 Kilometer.
- Mit der Bahn: Du fährst mit der Bergensbahn von Oslo oder Bergen nach Myrdal und steigst dort in die Flamsbahn um. Diese Variante ist besonders schön, weil du die gesamte Berglandschaft vom Zug aus erlebst.
- Mit dem Boot: Von Bergen gibt es Expressboote, die direkt nach Flam fahren. Die Fahrt dauert etwa 5,5 Stunden und führt durch einige der schönsten Fjorde Norwegens.
- Norway in a Nutshell: Das Kombipaket verbindet Zug, Flamsbahn und Fjordboot in einer Rundtour. Du kannst es ab Oslo oder Bergen buchen und an einem Tag oder mit Übernachtung in Flam machen.
Beste Reisezeit für Flam
Die Hauptsaison in Flam ist von Juni bis August. In dieser Zeit fahren die meisten Boote, die Wanderwege sind schneefrei und die Tage sind lang. Im Juni und Juli wird es kaum dunkel, was dir viel Zeit für Aktivitäten gibt.
Mein persönlicher Favorit ist der September. Die Massen sind weg, die Preise etwas niedriger, und die Herbstfarben in den Bergen sind unbeschreiblich schön. Die Flamsbahn fährt das ganze Jahr über, also ist auch ein Winterbesuch möglich, wenn du die verschneite Landschaft erleben willst.
Im Winter (November bis März) ist Flam sehr ruhig. Viele Restaurants und Aktivitäten haben geschlossen, aber die Flamsbahn fährt auch dann. Die Wasserfälle sind teilweise gefroren und die Berge schneebedeckt. Eine ganz andere, aber sehr starke Atmosphäre.
Fazit
Flam ist einer dieser Orte, die jeder Norwegenreisende mindestens einmal besuchen sollte. Die Flamsbahn, die Fjordlandschaft und die Wandermöglichkeiten machen Flam zu etwas Besonderem. Ja, es ist touristisch, und ja, es ist teuer. Aber die Natur hier ist so überwältigend, dass sich jeder Kronen lohnt. Plane mindestens zwei Nächte ein, damit du die Bahn fahren, und auch wandern und den Fjord vom Wasser aus erleben kannst.
Häufig gestellte Fragen
Wie lange dauert die Fahrt mit der Flamsbahn?
Die Fahrt von Flam nach Myrdal dauert etwa eine Stunde. Die Strecke ist 20 Kilometer lang und überwindet einen Höhenunterschied von rund 860 Metern. Am Wasserfall Kjosfossen gibt es einen kurzen Fotostopp.
Lohnt sich Flam auch im Winter?
Im Winter ist Flam sehr ruhig und viele Angebote sind eingeschränkt. Die Flamsbahn fährt aber ganzjährig und die verschneite Landschaft mit gefrorenen Wasserfällen hat ihren ganz eigenen Reiz. Es ist ein komplett anderes Erlebnis als im Sommer.
Wie komme ich am besten nach Flam?
Am einfachsten ist die Anreise mit dem Auto über die E16 von Bergen (2,5 Stunden) oder Oslo (5 Stunden). Besonders schön: mit der Bergensbahn bis Myrdal und dann mit der Flamsbahn hinunter nach Flam.
Was kostet die Flamsbahn?
Ein Hin- und Rückfahrtticket für Erwachsene kostet etwa 510 NOK. Kinder zahlen den halben Preis. In der Hauptsaison solltest du unbedingt vorab online buchen, da die Züge oft ausverkauft sind.
Wie viele Tage sollte man für Flam einplanen?
Mindestens zwei Nächte empfehle ich. An einem Tag kannst du die Flamsbahn fahren, am zweiten Tag wandern oder eine Fjordtour machen. Wer mehr Zeit hat, sollte drei bis vier Nächte bleiben, um auch die Umgebung mit Stegastein und Nærøyfjord in Ruhe zu erkunden.
Insider-Tipps Flåm
Lokale Tipps
Kreuzfahrtschiff-Kalender: Plane deinen Besuch an einem Tag ohne Kreuzfahrtschiff. Dann ist das Dorf ruhig und Flåmsbahn-Tickets verfügbar.
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Weiterführende Informationen
Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026