Die 5 schönsten Weihnachtsmärkte in Norwegen
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Weihnachtsmärkte in Norwegen sind anders als das, was man aus Deutschland oder Österreich kennt. Sie sind kleiner, ruhiger, oft in historischen Kulissen eingebettet, und der Glögg schmeckt heißer und würziger als Glühwein. Statt Bratwurst gibt es Pinnekjøtt-Proben und geräucherten Lachs, statt Nussknacker-Figuren handgeschnitzte Trolle aus Birkenholz. Was sie aber mit den mitteleuropäischen Märkten teilen, ist die Wärme, die sie an dunklen Dezembertagen ausstrahlen. Und dunkel wird es in Norwegen im Dezember wirklich: In Bergen geht die Sonne um 15:30 Uhr unter, in Tromsø kommt sie gar nicht erst über den Horizont.
Ich war an einem dritten Advent in Bergen, als die gesamte Innenstadt nach Pepperkaker (Pfefferkuchen) roch. Im Hafen spiegelte sich das Licht der Holzbuden im Wasser, und irgendwo spielte jemand "Deilig er Jorden" auf einer Violine. Es war kalt, es regnete leicht, und trotzdem stand ich dort und wollte nicht weg. Das ist norwegische Weihnacht: nicht perfekt, aber echt.
Weihnachtsstimmung auf Norwegisch
Die Norweger nennen ihre Weihnacht Jul, ein Wort, das noch aus vorchristlicher Zeit stammt und ursprünglich das Mittwinterfest der Wikinger bezeichnete. Viele Bräuche haben heidnische Wurzeln: Der Julbock, ein Ziegenbock aus Stroh, stand lange vor dem Weihnachtsbaum als Symbol für die Festtage. Der Julenisse, eine Art norwegischer Weihnachtswichtel, bewacht nach altem Glauben den Hof und bekommt am Heiligabend eine Schüssel Grütze vor die Tür gestellt.
Norwegische Weihnachtsmärkte öffnen in der Regel Ende November und laufen bis kurz vor Weihnachten. Anders als in Deutschland sind sie oft nur an einzelnen Wochenenden geöffnet, nicht täglich. Die größten Märkte in Oslo und Bergen bilden eine Ausnahme und haben während der gesamten Adventszeit geöffnet. Was alle Märkte gemeinsam haben: Sie setzen auf Handwerk und lokale Produkte statt auf Massenware. Wer einen handgestrickten norwegischen Pullover, ein Stück Brunost oder einen geschnitzten Holzlöffel sucht, wird hier fündig.
Bergen: Die Lebkuchenstadt
Bergen verwandelt sich im Dezember in die größte Lebkuchenstadt der Welt, und das ist keine Übertreibung. Jedes Jahr bauen Schulkinder, Vereine und Unternehmen Hunderte von Lebkuchenhäusern, die zu einer ganzen Stadt zusammengestellt werden. Die Pepperkakebyen steht im Xhibition-Zentrum im Stadtteil Sentrum und umfasst rund 2.000 Gebäude: Häuser, Kirchen, Brücken, Schiffe, sogar ein Fußballstadion aus Lebkuchen. Die Ausstellung ist von Mitte November bis Ende Dezember geöffnet und kostet etwa 100 NOK Eintritt.
Der eigentliche Weihnachtsmarkt findet am Festplassen im Zentrum statt, dem großen Platz hinter dem Fischmarkt. Rund 60 Holzbuden bieten Kunsthandwerk, Wollprodukte, Kerzen und norwegische Spezialitäten an. Der Glögg wird hier mit Mandeln und Rosinen serviert, und an einem Stand gibt es Lefse, dünne norwegische Fladenbrote, die mit Butter und Zucker gefüllt werden. Die Beleuchtung des Marktes spiegelt sich im Vågen, dem alten Hafenbecken, und die historischen Holzhäuser von Bryggen bilden eine Kulisse, die man nicht inszenieren könnte.
Ein weiterer Markt findet am Torgallmenningen statt, der Haupteinkaufsstraße. Hier steht auch Bergens größter Weihnachtsbaum, oft eine 15 Meter hohe Fichte. Die Geschäfte der Umgebung dekorieren ihre Schaufenster aufwendig, und in den Gassen von Bryggen kann man durch die UNESCO-geschützten Holzhäuser schlendern, in denen heute kleine Boutiquen und Werkstätten untergebracht sind.
Oslo: Weihnachtsmärkte in der Hauptstadt
Oslo hat mehrere Weihnachtsmärkte, von denen der größte und bekannteste am Spikersuppa stattfindet, einem Platz an der Karl Johans gate zwischen Nationaltheater und Stortinget. Rund 120 Buden erstrecken sich über den Platz und die angrenzende Eisfläche, auf der man Schlittschuh laufen kann. Der Markt ist von Ende November bis kurz vor Weihnachten täglich geöffnet. Die Stände bieten typisch norwegische Handwerksprodukte: Strickwaren, Silberschmuck, Keramik, Holzspielzeug und natürlich Essen.
Der Weihnachtsmarkt im Norsk Folkemuseum auf der Halbinsel Bygdøy ist der atmosphärischste in Oslo. Das Freilichtmuseum stellt an den Adventswochenenden historische Weihnachtsbräuche nach. In den alten Bauernhöfen und Stadthäusern werden traditionelle Speisen zubereitet, Handwerker zeigen ihr Können, und Kinder treffen den Julenisse. Der Markt ist nur an den Wochenenden im Advent geöffnet, aber der Besuch lohnt sich. Der Eintritt für das Museum gilt gleichzeitig als Eintrittskarte für den Markt.
Am Youngstorget, einem Platz im Szeneviertel Grünerløkka, gibt es einen weiteren Markt, der sich stärker an ein jüngeres Publikum richtet. Hier findet man Design-Produkte, unabhängige Marken und Street Food neben den klassischen Weihnachtswaren. Der Youngstorget-Markt hat seinen eigenen Charakter, weniger traditionell als die beiden anderen, dafür lebendiger.
Trondheim: Advent am Nidarosdom
Trondheim hat als ehemalige Wikingerhauptstadt und Pilgerstadt eine besondere Beziehung zu Weihnachten. Der Nidarosdom, Skandinaviens größte gotische Kathedrale, bildet die Kulisse für den Weihnachtsmarkt auf dem Domkirkeplassen. Die beleuchtete Fassade der Kathedrale im Hintergrund macht diesen Markt zu einem der fotogensten in ganz Skandinavien. Rund 80 Stände bieten Handwerk, Lebensmittel und Geschenke an.
Das Bakklandet, Trondheims historisches Holzhausviertel am Ufer der Nidelva, verwandelt sich im Dezember in ein Weihnachtsdorf. Die bunten Holzhäuser werden festlich dekoriert, in den kleinen Cafés und Läden gibt es Glögg und Gebäck, und die alten Gassen leuchten im Schein von Hunderten Kerzen. Besonders stimmungsvoll ist der Blick von der Gamlebybro, der alten Stadtbrücke, auf die beleuchteten Häuser am Fluss.
Im Sverresborg Folkemuseum, dem Freilichtmuseum am Stadtrand, findet an den Adventswochenenden ein historischer Weihnachtsmarkt statt. In den alten Gehöften werden Weihnachtsbräuche aus verschiedenen Jahrhunderten lebendig. Man kann Julebrus, die norwegische Weihnachtslimonade, probieren, Rosemaling-Kunsthandwerk (traditionelle Rosenmalerei) kaufen und an Workshops für Kerzenziehen oder Weihnachtsschmuck teilnehmen.
Røros: Weihnachten in der Bergbaustadt
Røros ist eine UNESCO-Welterbestadt in den Bergen östlich von Trondheim, und sein Weihnachtsmarkt gilt als der stimmungsvollste in ganz Norwegen. Die alte Bergbaustadt mit ihren dunklen Holzhäusern, den rauchenden Schornsteinen und den verschneiten Straßen sieht im Dezember aus wie eine Illustration aus einem Märchenbuch. Die Temperaturen liegen oft bei minus 15 bis minus 20 Grad, und der Schnee knirscht unter den Stiefeln.
Der Rørosmartnan, wie der Markt heißt, findet an einem Wochenende Anfang Dezember statt und zieht rund 75.000 Besucher in die 5.500-Einwohner-Stadt. Das bedeutet Gedränge, aber die Atmosphäre ist es wert. Die Stände stehen auf der Bergmannsgata, der Hauptstraße, und in den Gassen und Höfen der Altstadt. Hier gibt es samische Handwerkskunst, Rentierfelle, handgemachten Schmuck, geräuchertes Rentierfleisch und Moltebeeren-Marmelade.
Besonders reizvoll ist der lebende Adventskalender, bei dem jeden Tag ein anderes Fenster in der Altstadt beleuchtet wird. Kinder können Rentiere streicheln, die von samischen Rentierhaltern aus der Region gebracht werden. In der alten Bergwerkskirche finden Adventskonzerte statt, und durch die verschneiten Gassen ziehen Pferdeschlitten. Wer zum Rørosmartnan will, sollte die Unterkunft Monate im Voraus buchen, denn die Stadt ist an diesem Wochenende restlos ausgebucht.
Tromsø: Weihnachten unter dem Nordlicht
Tromsø, die größte Stadt Nordnorwegens, erlebt im Dezember die Polarnacht: Von Ende November bis Mitte Januar steigt die Sonne nicht über den Horizont. Stattdessen taucht ein tiefblaues Dämmerlicht die Stadt in unwirkliche Farben, und wenn man Glück hat, tanzen die Nordlichter über dem Himmel, während man auf dem Weihnachtsmarkt steht. Es gibt keinen anderen Ort in Europa, an dem diese Kombination möglich ist.
Der Weihnachtsmarkt findet auf dem Stortorget statt, dem zentralen Platz der Stadt, mit Blick auf die Eismeerkathedrale auf der anderen Seite der Brücke. Die Stände sind überschaubar, rund 30 bis 40, aber die Auswahl ist typisch nordnorwegisch: samisches Kunsthandwerk, Rentierfleisch-Spezialitäten, handgestrickte Mützen und Schals, Moltebeeren-Produkte. Der Glögg wird hier besonders stark gewürzt, was bei den arktischen Temperaturen willkommen ist.
Die besondere Lage macht Tromsø zum idealen Ziel, wenn man Weihnachtsstimmung mit Nordlicht-Touren verbinden möchte. Mehrere Anbieter fahren abends aus der Stadt hinaus in die dunkle Tundra, wo man auf das Polarlicht wartet. Selbst wenn die Aurora an dem Abend ausbleibt, ist die Kombination aus Weihnachtsmarkt, Polarnacht und arktischer Landschaft ein Erlebnis, das man nirgendwo sonst findet. Die Eismeerkathedrale, deren dreieckige Glasfassade nachts beleuchtet wird, bietet in der Adventszeit Konzerte mit Chormusik an.
Praktische Tipps für den Besuch
Kleidung: Im Dezember liegen die Temperaturen in Südnorwegen (Bergen, Oslo) um den Gefrierpunkt, in Mittelnorwegen (Trondheim, Røros) bei minus 5 bis minus 15 Grad und in Tromsø bei minus 5 bis minus 10 Grad. Warme, wasserdichte Kleidung ist Pflicht. Wollunterwäsche, eine gute Daunenjacke und Handschuhe Stiefel gehören ins Gepäck. In Røros empfehlen sich zusätzlich Thermosohlen.
Anreise: Oslo und Bergen sind von deutschen Flughäfen direkt erreichbar. Trondheim wird von einigen Fluggesellschaften direkt angeflogen, alternativ nimmt man den Zug von Oslo (Bergensbahn bis Bergen, Dovrebahn bis Trondheim). Tromsø erreicht man per Inlandsflug ab Oslo oder per Hurtigruten. Røros ist am besten mit dem Auto oder dem Zug von Trondheim aus zu erreichen (zweieinhalb Stunden).
Bezahlen: Norwegen ist weitgehend bargeldlos. Auf den Weihnachtsmärkten akzeptieren fast alle Stände Kreditkarten und Debitkarten, auch für kleine Beträge. Die Preise sind norwegisch, also höher als in Deutschland. Ein Glögg kostet etwa 50 bis 70 NOK, ein Essen am Stand 120 bis 180 NOK. Handwerksprodukte beginnen bei 200 NOK und können je nach Qualität deutlich teurer sein.
Häufig gestellte Fragen
Welcher Weihnachtsmarkt in Norwegen ist der schönste?
Røros gilt als der stimmungsvollste Weihnachtsmarkt Norwegens, dank seiner UNESCO-geschützten Holzhäuser und der verschneiten Winterlandschaft. Bergen besticht durch die Lebkuchenstadt und die Hafenkulisse. Tromsø bietet die ganz eigene Kombination aus Polarnacht und Nordlicht. Der "schönste" hängt von den persönlichen Vorlieben ab.
Wann finden die Weihnachtsmärkte in Norwegen statt?
Die meisten Märkte öffnen Ende November und laufen bis kurz vor Weihnachten. Oslo und Bergen haben während der gesamten Adventszeit täglich geöffnet. Der Rørosmartnan findet an einem einzelnen Wochenende Anfang Dezember statt. Die Freilichtmuseen in Oslo und Trondheim öffnen nur an den Adventswochenenden.
Was isst man auf norwegischen Weihnachtsmärkten?
Typische Spezialitäten sind Pepperkaker (Pfefferkuchen), Lefse (dünne Fladenbrote mit Butter und Zucker), geräucherter Lachs und Rentierwurst (gepökelte Lammrippen). Dazu trinkt man Glögg (heißen Gewürzwein) oder Julebrus, eine süße Weihnachtslimonade in Rot oder Braun.
Lohnt sich die Reise nach Tromsø nur für den Weihnachtsmarkt?
Der Weihnachtsmarkt allein ist klein, aber Tromsø bietet im Dezember viel mehr: Nordlicht-Touren, die Polarnacht, die beleuchtete Eismeerkathedrale und eine lebendige Gastronomie-Szene. Die Kombination aus arktischer Atmosphäre und Weihnachtsstimmung macht Tromsø zu einem besonderen Reiseziel im Winter.
Weiterführende Informationen
Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026