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Roadtrip Nordnorwegen
Lofoten, Tromsø und Nordkap

Roadtrip Nordnorwegen

16 Min. Lesezeit

Nordnorwegen ist das Land jenseits des Polarkreises. Hier oben wird die Landschaft weiter, die Siedlungen kleiner und die Entfernungen größer. Die Straße von Bodø bis zum Nordkap beträgt rund 1500 Kilometer, und jeder einzelne davon sieht anders aus. Fjorde, die sich wie Finger ins Land graben. Inseln, die aussehen wie Festungen aus Granit. Hochebenen ohne einen einzigen Baum. Und dazwischen immer wieder das Meer, links oder rechts oder beides.

Ich bin die Strecke im Juni gefahren, bei Mitternachtssonne. Das bedeutet: kein Sonnenuntergang, nie. Das Licht verändert sich, wird weicher, goldener, aber es geht nie ganz weg. Man fährt um drei Uhr nachts bei hellem Tageslicht über eine leere Straße und sieht die Sonne über dem Horizont stehen, als hätte jemand die Zeit angehalten. Nach drei Tagen habe ich aufgehört, auf die Uhr zu schauen. Man schläft, wenn man müde ist, nicht wenn es dunkel wird. Es wird nicht dunkel.

Nordnorwegen per Auto: Was man wissen muss

Der Roadtrip durch Nordnorwegen ist kein Wochenendausflug. Die Entfernungen sind groß, die Straßen sind gut, aber einspurig, und die Versorgung zwischen den Orten ist dünn. Zwischen Tromsø und dem Nordkap liegen 500 Kilometer, und auf der Strecke gibt es drei Tankstellen und zwei Supermärkte. Wer hier mit leerem Tank oder leerem Kühlschrank losfährt, hat ein Problem.

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Die E6 ist die Hauptachse durch Nordnorwegen, eine zweispurige Straße, die sich von Bodø über Narvik, Tromsø und Alta bis zum Nordkap zieht. Sie ist durchgehend asphaltiert und gut unterhalten, aber keine Autobahn. Die Geschwindigkeit ist auf 80 km/h begrenzt, in Ortschaften auf 50 oder 60. Das Tempolimit wird streng kontrolliert, und die Bußgelder sind hoch: Eine Überschreitung von 20 km/h kostet rund 5000 NOK.

Die schönsten Abschnitte liegen abseits der E6, auf den Inselgruppen und Halbinseln, die man über Brücken, Fähren und Tunnel erreicht. Die Lofoten, Vesterålen und Senja sind die Höhepunkte, und für jeden braucht man mindestens einen Tag extra. Wer alles mitnehmen will, sollte mindestens zehn Tage einplanen. Zwei Wochen sind besser.

Die Route: Von Bodø bis zum Nordkap

Bodø ist der klassische Startpunkt. Die Stadt liegt knapp nördlich des Polarkreises und hat einen Flughafen mit guten Verbindungen nach Oslo und Bergen. Von hier aus setzt man mit der Fähre auf die Lofoten über oder fährt auf der E6 nordwärts nach Narvik.

Straße auf den Lofoten mit Bergen und Meer
Auf den Lofoten: Die E10 führt durch eine Landschaft am Limit (KI-generiert)

Von Narvik geht es weiter auf der E6 Richtung Norden. Die Strecke zwischen Narvik und Tromsø (240 km) führt entlang des Ofotfjords und über die Insel Hinnøya, die größte Insel des norwegischen Festlands. Die Landschaft wird rauer: Die Berge treten direkt ans Meer, Wasserfälle stürzen neben der Straße herab, und die Vegetation wird karger. Auf dieser Strecke liegt Bjerkvik, wo eine Straße auf die Vesterålen abzweigt.

Ab Tromsø ändert sich der Charakter der Reise. Die Berge werden niedriger, die Landschaft weiter. Die E6 führt über die Kvænangsfjellet-Hochebene, einen der kargsten Streckenabschnitte Norwegens. Hier oben liegt auch im Sommer Schnee am Straßenrand, und der Wind bläst ununterbrochen. Die Hochebene ist 30 Kilometer lang, und auf dieser Strecke gibt es nichts. Kein Haus und keine Tankstelle. Nur Flechten und Steine und ein Himmel, der so groß ist, dass man sich klein fühlt.

Von Alta aus sind es noch 220 Kilometer bis zum Nordkap. Die Strecke führt über Olderfjord und dann auf die E69 nach Norden, über die Magerøya-Insel, die durch den Nordkapptunnelen (6,9 km, 212 Meter unter dem Meer) mit dem Festland verbunden ist. Der Tunnel ist mautfrei, die Zufahrt zum Nordkap selbst kostet 310 NOK pro Person.

Lofoten und Vesterålen

Die Lofoten sind der berühmteste Teil des Nordnorwegen-Trips und verdienen einen eigenen Abschnitt. Die Inselgruppe liegt westlich von Bodø und ist über eine Fähre (Bodø nach Moskenes) oder über die E10 von Norden erreichbar. Die E10 überquert bei Raftsundet die Grenze zwischen Vesterålen und Lofoten und führt dann über Brücken und Tunnel bis nach Å, dem südlichsten Punkt.

Die Vesterålen liegen nördlich der Lofoten und werden oft übersehen. Das ist ein Fehler. Die Vesterålen sind wilder und weniger touristisch als die Lofoten. Die Insel Andøya hat eine flache Westküste mit Mooren und Vogelkolonien und eine bergige Ostküste mit tiefen Fjorden. Von Andenes aus starten Walbeobachtungstouren (rund 1200 NOK pro Person), bei denen man Pottwale in freier Wildbahn sieht. Die Wahrscheinlichkeit, Wale zu sehen, liegt bei über 95 Prozent.

Zwischen Lofoten und Vesterålen sollte man drei bis fünf Tage einplanen. Die Strecke ist nicht lang, aber es gibt so viele Stopps, Wanderungen und Aussichtspunkte, dass man leicht den Überblick verliert. Ein grober Plan hilft, aber lasst Raum für Spontanität. Die besten Erlebnisse in Nordnorwegen sind die ungeplanten.

Senja: Die stille Schwester der Lofoten

Küstenstraße auf Senja mit spitzen Bergen
Senja: Dramatische Berge und stille Fjorde ohne Menschenmassen (KI-generiert)

Senja ist Norwegens zweitgrößte Insel und liegt zwischen den Vesterålen und Tromsø. Die Insel wird gelegentlich als "Norwegen in Miniatur" bezeichnet, weil sie alles hat: spitze Berge, weiße Strände, enge Fjorde und Fischerdörfer am offenen Meer. Und all das auf vergleichsweise engem Raum.

Die Nationale Touristenstraße Senja führt entlang der Westküste der Insel und bietet einige der dramatischsten Küstenlandschaften Nordnorwegens. Die Straße ist schmal, kurvenreich und an manchen Stellen so dicht am Wasser, dass die Gischt auf die Windschutzscheibe spritzt. Die Berge steigen direkt aus dem Meer auf, ohne Vorwarnung. Ein Moment flaches Wasser, dann eine Felswand von tausend Metern.

Das Fischerdorf Husøy ist eines der schönsten der Insel. Es liegt auf einer winzigen Insel, die über einen schmalen Damm mit dem Festland verbunden ist, eingekeilt zwischen Bergen und Meer. Im Dorf leben rund 500 Menschen, die meisten vom Fischfang. Es gibt ein paar Rorbuer für Touristen, aber Husøy ist noch nicht entdeckt worden. Im Gegensatz zu Reine auf den Lofoten steht man hier nicht Schlange für ein Foto.

Senja verdient mindestens zwei Tage. Die Insel ist über Brücken und Fähren erreichbar: Von Finnsnes auf der E6 führt eine Brücke auf die Insel, von Botnhamn auf Senja fährt eine Fähre nach Brensholmen bei Tromsø. Die Kombination Senja plus Fähre nach Tromsø ist eine gute Variante, um die E6 zu verlassen und die Küste zu erleben.

Tromsø: Tor zur Arktis

Tromsø mit der Eismeerkathedrale und Bergpanorama
Tromsø: Universitätsstadt am Polarkreis mit urbanem Flair (KI-generiert)

Tromsø ist die größte Stadt Nordnorwegens und der letzte richtig urbane Ort vor dem Nordkap. 77.000 Einwohner, eine Universität und eine Seilbahn auf den Fjellheisen (1166 m), von dem aus man die ganze Stadt, die umliegenden Inseln und bei klarem Wetter die Lofoten am Horizont sehen kann. Seilbahnticket: 250 NOK hin und zurück.

Die Eismeerkathedrale (Ishavskatedralen) auf der Ostseite der Tromsøbrücke ist das Wahrzeichen der Stadt. Das dreieckige Gebäude aus den 1960er Jahren hat ein riesiges Glasmosaikfenster, das abends von der Mitternachtssonne durchleuchtet wird. Eintritt: 70 NOK. Es lohnt sich, auch wenn man mit Kirchenarchitektur sonst nichts anfangen kann. Das Licht in diesem Raum ist anders als alles, was man kennt.

Tromsø hat überraschend gute Restaurants. Das Mathallen Tromsø ist eine Markthalle mit lokalen Spezialitäten wie Rentier und Königskrabbe. Ein Krabbenteller kostet rund 400 NOK, ist aber jeden Øre wert. In den Kneipen rund um die Storgata kann man bis tief in die helle Nacht sitzen. Die Stimmung in Tromsø ist erstaunlich lebendig für eine Stadt nördlich des 69. Breitengrades.

Ich empfehle, mindestens zwei Nächte in Tromsø einzuplanen. Einen Tag für die Stadt selbst, einen für einen Ausflug in die Umgebung, zum Beispiel nach Kvaløya, der Walinsel, wo es Sandstrände und Wanderwege gibt, die menschenleer sind, obwohl sie nur 20 Minuten vom Stadtzentrum entfernt liegen.

Das Nordkap erreichen

Der Nordkap-Globus bei Mitternachtssonne
Der Nordkap-Globus: Symbol für das Ende der Welt auf 71° Nord (KI-generiert)

Das Nordkap liegt auf 71°10'21" nördlicher Breite und ist der nördlichste Punkt Europas, den man mit dem Auto erreichen kann. Das ist der offizielle Marketingclaim, und er stimmt auch, allerdings mit einem Haken: Das Nordkap ist nicht der nördlichste Punkt Europas. Das ist Knivskjellodden, eine Landzunge drei Kilometer westlich, die 1457 Meter weiter nördlich liegt. Zu Knivskjellodden kommt man nur zu Fuß, über einen 9 Kilometer langen Wanderweg. Aber sei es drum: Das Nordkap ist das Ziel, und es fühlt sich auch so an.

Die Anfahrt zum Nordkap führt über die E69, die bei Olderfjord von der E6 abzweigt. Die Straße überquert die Magerøya-Insel, eine karge, baumlose Landschaft, die aussieht wie das Ende der Welt, weil sie es gewissermaßen ist. Der Nordkapptunnelen (6,9 km) führt unter dem Magerøysund hindurch und erreicht eine Tiefe von 212 Metern. Der Tunnel ist steil, feucht und etwas beklemmend. Aber er ist mautfrei, was nicht immer so war.

Am Nordkap selbst gibt es eine große Halle mit Ausstellung, Kino, Restaurant und Souvenirladen. Der Eintritt kostet 310 NOK, was viele Reisende als überteuert empfinden. Meine Meinung: Wenn man 1500 Kilometer gefahren ist, um hier zu stehen, dann sind 310 NOK für das Erlebnis vertretbar. Die Halle kann man ignorieren, aber der Moment, wenn man draußen am Rand der Klippe steht und auf das offene Meer schaut, das Nordpolarmeer, mit der Mitternachtssonne am Horizont, der ist nicht überteuert. Der ist kostenlos.

In Honningsvåg, dem nächsten Ort, gibt es Hotels und Restaurants. Das Scandic Nordkap und das Arran Hotel sind die besten Optionen, ab 1200 NOK pro Nacht. Wer günstiger übernachten will, findet in Honningsvåg auch ein Hostel und mehrere Campingplätze.

Mitternachtssonne und Licht

Mitternachtssonne über dem Meer in Nordnorwegen
Die Sonne sinkt, aber sie geht nicht unter: Mitternachtssonne in Nordnorwegen (KI-generiert)

Zwischen Mitte Mai und Ende Juli geht die Sonne in Nordnorwegen nicht unter. Am Nordkap dauert die Mitternachtssonne vom 13. Mai bis zum 29. Juli. In Tromsø von Mitte Mai bis Mitte Juli. In Bodø etwas kürzer. Das Phänomen ist schwer zu beschreiben, weil es gegen alles verstößt, was der Körper gewohnt ist. Es wird nicht dunkel. Nie.

Für Autofahrer hat das Konsequenzen. Man verliert das Zeitgefühl. Man fährt um Mitternacht und denkt, es sei Nachmittag. Man parkt an einem Aussichtspunkt, macht "nur kurz ein Foto" und merkt zwei Stunden später, dass es drei Uhr morgens ist. Die Mitternachtssonne verführt zum Weiterfahren, aber irgendwann braucht der Körper Schlaf, auch wenn das Licht etwas anderes sagt. Ich empfehle Schlafmasken und feste Schlafzeiten, sonst gerät man nach drei Tagen in einen Zustand, der sich anfühlt wie ein langer, heller Traum.

Das Licht der Mitternachtssonne ist goldener und weicher als normales Tageslicht. Fotografen sprechen von der "goldenen Stunde", die in den Tropen zwanzig Minuten dauert. In Nordnorwegen dauert sie Stunden. Das Licht kommt von der Seite, wirft lange Schatten und taucht alles in einen warmen Ton. Es ist das beste Licht der Welt zum Fotografieren, und man hat es die ganze Nacht.

Kosten und Übernachtungen

Nordnorwegen ist teuer. Die Abgeschiedenheit, die langen Transportwege und die kurze Saison treiben die Preise nach oben. Ein realistisches Tagesbudget für zwei Personen mit Auto und einfacher Unterkunft liegt bei 3500 bis 5000 NOK. Wer campt und selber kocht, kommt mit 1500 bis 2500 NOK aus.

Benzin kostet in Nordnorwegen rund 20 bis 22 NOK pro Liter. Für die gesamte Strecke von Bodø zum Nordkap und zurück sollte man mit 3000 bis 4000 NOK an Benzinkosten rechnen. Mautstationen gibt es an mehreren Stellen entlang der E6, die Gesamtkosten liegen bei etwa 500 bis 700 NOK für die Strecke.

Fähren sind ein wesentlicher Kostenfaktor. Die Fähre Bodø nach Moskenes kostet rund 1200 NOK für Auto und zwei Personen. Die Fähre von Senja nach Tromsø rund 500 NOK. Kleinere Fährverbindungen zwischen den Inseln kosten 100 bis 300 NOK. Insgesamt können Fährkosten schnell 2000 bis 3000 NOK für den gesamten Trip ausmachen.

Übernachtungen: Hotels in den Städten (Tromsø, Bodø, Alta) kosten ab 1000 NOK im Doppelzimmer. Rorbuer auf den Lofoten ab 1000 NOK. Campingplätze ab 250 NOK für einen Stellplatz. Wildcampen ist erlaubt, aber an populären Stellen (Lofoten, Nordkap) zunehmend reguliert. DNT-Hütten entlang der Wanderwege kosten 250 bis 500 NOK für Mitglieder.

Häufige Fragen

Wie viele Tage braucht man für den Roadtrip durch Nordnorwegen?

Mindestens zehn Tage, ideal sind zwei Wochen. Die Strecke von Bodø zum Nordkap und zurück beträgt rund 3000 Kilometer. Dazu kommen Abstecher auf die Lofoten, Vesterålen und Senja, die jeweils zwei bis drei Tage benötigen.

Wann ist die beste Reisezeit für Nordnorwegen?

Juni bis August für Mitternachtssonne und die wärmsten Temperaturen. September für Herbstfarben und Nordlichter. Januar bis März für Polarlichter und Winterlandschaft, aber dann sind einige Straßen und Pässe gesperrt. Die Sommermonate sind am flexibelsten und am sichersten für einen Roadtrip.

Braucht man Winterreifen im Sommer?

Nein, im Sommer reichen Sommerreifen. Die Straßen sind von Juni bis September schneefrei. Im Mai und Oktober kann es auf Hochebenen (z. B. Kvænangsfjellet) noch oder schon Schnee geben. Winterreifen sind in Norwegen von November bis April Pflicht.

Gibt es Tankstellen auf der gesamten Strecke?

Ja, aber der Abstand kann 100 bis 150 Kilometer betragen, besonders zwischen Tromsø und dem Nordkap. Grundregel: Immer tanken, wenn der Tank halb leer ist. Elektroautos haben es schwerer, Ladestationen sind in Nordnorwegen noch nicht flächendeckend vorhanden.

Muss man die Fähren reservieren?

Für die Fähre Bodø nach Moskenes ist eine Reservierung im Sommer dringend empfohlen, sie ist oft ausgebucht. Kleinere Fähren (z. B. Senja nach Tromsø) kann man in der Regel ohne Reservierung nutzen. In der Hochsaison (Juli) sollte man aber auch hier Wartezeiten einkalkulieren.

Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026