Lofoten Roadtrip
Die E10 auf den Lofoten ist keine Autobahn. Sie ist auch keine Landstraße im deutschen Sinne. Sie ist ein schmales Band aus Asphalt, das sich durch eine Landschaft zieht, die so aussieht, als hätte jemand die Alpen ins Meer geworfen. Links steile Granitberge, rechts das offene Meer, dazwischen Fischerdörfer, weiße Sandstrände und Brücken, die Inseln verbinden, die eigentlich nicht verbunden sein sollten.
Ich bin die Strecke zweimal gefahren. Einmal im Juni, bei Mitternachtssonne. Einmal im September, bei Regen. Beide Male war ich überwältigt, auf völlig verschiedene Weise. Im Sommer leuchtete alles in unwirklichen Farben, das Wasser türkis, die Berge grün, der Himmel endlos. Im Herbst waren die Farben gedämpfter, dafür die Stimmung intensiver. Wolken hingen in den Bergen, Nebelfetzen zogen über die Straße, und das Licht wechselte alle paar Minuten. Ich weiß nicht, welche Fahrt die bessere war. Vermutlich sind es beide.
Warum die Lofoten per Auto die beste Idee sind
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Lofoten zu bereisen. Mit dem Bus, per Fahrrad, zu Fuß, sogar per Kajak. Aber das Auto ist meiner Meinung nach die flexibelste Variante. Die Lofoten sind eine Inselkette, die sich über 170 Kilometer erstreckt. Die Entfernungen sind nicht riesig, aber die Dinge, die man sehen will, liegen verstreut. Ein Strand hier, ein Aussichtspunkt dort, ein Fischerdorf zehn Kilometer weiter. Ohne Auto verbringt man viel Zeit mit Warten auf Busse, die alle zwei Stunden fahren.
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Außerdem lebt ein Roadtrip von der Spontanität. An einer Bucht anhalten, weil das Licht gerade perfekt ist. Einen Umweg zu einem Strand machen, von dem jemand im Café erzählt hat. Abends weiterfahren, weil die Sonne sowieso nicht untergeht. Das geht nur mit dem eigenen Fahrzeug.
Einen Mietwagen bekommt man in Svolvær, Leknes oder am Flughafen Leknes. Die Preise für einen Kompaktwagen liegen bei 800 bis 1200 NOK pro Tag in der Hochsaison, im Herbst deutlich günstiger. Ein Allradantrieb ist nicht nötig, die Straßen sind asphaltiert und gepflegt. Ein kleines Auto hat sogar Vorteile: Die Straßen sind an manchen Stellen schmal, und Parken in den Fischerdörfern ist mit einem Kleinwagen einfacher.
Die Route: Von Svolvær bis Å
Der klassische Lofoten-Roadtrip führt von Svolvær im Nordosten bis Å im Südwesten. Die Strecke über die E10 beträgt etwa 170 Kilometer. Ohne Stopps braucht man drei Stunden. In der Realität braucht man drei Tage. Oder fünf. Oder eine Woche. Es hängt davon ab, wie oft man anhält. Und man hält oft an.
Svolvær ist der größte Ort auf den Lofoten und ein guter Ausgangspunkt. Die Stadt hat einen lebhaften Hafen mit Restaurants und Galerien sowie das Kriegsmuseum Lofoten. Von hier aus kann man auch Bootstouren zum Trollfjord buchen, einem engen Fjord, in den nur kleine Schiffe hineinpassen. Der Trollfjord allein ist den Umweg wert, auch wenn die Tour rund 900 NOK kostet.
Von Svolvær fährt man auf der E10 Richtung Südwesten. Die ersten Kilometer führen durch Kabelvåg, den ehemaligen Hauptort der Lofoten, wo die große Lofoten-Kathedrale steht, die größte Holzkirche nördlich des Polarkreises. Dann geht es weiter nach Henningsvær, das auf einer Gruppe kleiner Inseln liegt und über eine schmale Straße erreichbar ist. Henningsvær ist einer der fotogensten Orte der Lofoten: bunte Häuser, ein natürlicher Hafen, und das berühmte Fußballfeld auf einer Felsinsel, das man von Google Maps kennt.
Weiter geht es über Leknes, den zentralen Versorgungsort mit Supermarkt, Tankstelle und dem kleinen Flughafen. Zwischen Leknes und Ramberg passiert man die Strände Haukland und Uttakleiv, die zu den schönsten in ganz Norwegen gehören. Weißer Sand, türkisblaues Wasser, steile Berge als Kulisse. Im Sommer kann man hier tatsächlich baden, wenn auch nur kurz. Das Wasser hat auch im August selten mehr als 14 Grad.
Die letzten Kilometer vor Reine sind der Höhepunkt der Fahrt. Die Straße führt über Brücken und durch kurze Tunnel, links und rechts das Meer, dahinter die spitzen Gipfel der Lofotenwand. Reine selbst ist ein winziges Fischerdorf mit roten Rorbuer, einem kleinen Hafen und einer Lage, die man kaum glauben kann. Von hier aus geht es weiter über Sørvågen bis nach Å, dem letzten Ort auf der E10. Å hat ein Stockfischmuseum und eine Bäckerei. Die Straße endet einfach. Es kommt nichts mehr.
Die besten Stopps entlang der E10
Reinebringen: Die Wanderung auf den Reinebringen (448 m) ist der bekannteste Aussichtspunkt der Lofoten. Der Weg wurde mit Sherpa-Stufen befestigt und ist nun sicher begehbar. Rechnet mit etwa einer Stunde für den Aufstieg. Der Blick von oben auf Reine und die umliegenden Inseln ist der Grund, warum die Lofoten auf Instagram so präsent sind. Ich finde: Das Bild ist real genauso gut wie auf dem Bildschirm. Besser sogar, weil man den Wind spürt.
Nusfjord: Ein abseits der E10 gelegenes Fischerdorf, das zum UNESCO-geschützten Kulturerbe gehört. Die Zufahrt kostet 100 NOK. Im Dorf stehen original erhaltene Rorbuer aus dem 19. Jahrhundert, eine Trankocherei und ein Krämerladen. Es ist ruhiger als Reine und Henningsvær, und es gibt weniger Reisebusse. Dafür mehr Charakter.
Vikingmuseum Borg: Zwischen Svolvær und Leknes liegt das Lofotr Vikingmuseum, der Nachbau eines Wikingerhauses aus dem Jahr 500. Das Langhaus ist 83 Meter lang und eines der größten, die in Norwegen gefunden wurden. Im Museum kann man Wikingerschiffe rudern, Bogenschießen und an einem nachgestellten Wikingerfestmahl teilnehmen. Eintritt: 250 NOK für Erwachsene.
Unstad: Ein Surfspot nördlich des Polarkreises. Die Wellen hier sind für norwegische Verhältnisse konsistent, und der Strand liegt in einer geschützten Bucht mit Bergpanorama. Man kann Surfbretter und Neoprenanzüge leihen (ab 500 NOK für einen halben Tag). Selbst wenn man nicht surft, lohnt sich der Abstecher wegen der Landschaft und der Möglichkeit, Surfern in arktischer Kulisse zuzuschauen.
Brücken und Tunnel: Die Infrastruktur der Lofoten
Die Lofoten bestehen aus einer Kette von Inseln, die erst seit den 1960er Jahren durch Brücken und Tunnel miteinander verbunden sind. Vorher war man auf Fähren angewiesen. Die Ingenieurleistung, die dahintersteckt, ist bemerkenswert. Allein auf der E10 gibt es über ein Dutzend Brücken und mehrere Unterseetunnel, die bis zu 65 Meter unter den Meeresspiegel führen.
Die Tunnel sind ein Erlebnis für sich. Einige sind einspurig mit Ausweichstellen, andere zweispurig mit Kreisverkehren unter Wasser. Ja, richtig gelesen: Auf den Lofoten gibt es Kreisverkehre 60 Meter unter dem Meeresspiegel. Der längste Tunnel auf der Strecke ist der Nappstraumtunnelen mit 1,8 Kilometern. Die Wände sind feucht, die Beleuchtung spärlich, und man fährt gefühlt immer bergab. Beim Auftauchen am anderen Ende hat sich die Landschaft verändert. Das ist das Besondere an den Lofoten: Jede Insel hat ihren eigenen Charakter.
Die Brücken sind teilweise windexponiert. Bei Sturm können Böen das Auto seitlich erfassen. Wenn es wirklich heftig weht, fahrt langsam und haltet das Lenkrad fest. Im Winter werden einzelne Brücken bei extremem Wetter gesperrt, im Sommer ist das selten der Fall.
Strände am Straßenrand
Die Strände der Lofoten sehen aus wie Karibik. Das Wasser ist nicht karibisch warm, aber die Farbe stimmt. Türkis, manchmal fast smaragdgrün, je nach Licht und Gezeitenstand. Der Sand ist weiß und fein. Die Berge dahinter sorgen für eine Kulisse, die man eher in Thailand erwarten würde als am Polarkreis.
Haukland Beach ist der zugänglichste Strand und liegt direkt an der Straße zwischen Leknes und Uttakleiv. Parkplatz vorhanden, kurzer Fußweg zum Sand. Bei Ebbe ist der Strand riesig. Uttakleiv Beach liegt eine Bucht weiter und ist ruhiger, mit markanten Felsen im Wasser, die zum Klettern einladen. Ramberg Beach erstreckt sich über mehrere hundert Meter und hat im Sommer eine Wassertemperatur von 12 bis 14 Grad. Wer hineinspringt, bleibt nicht lange. Aber die Erfrischung danach ist grandios.
Kvalvika Beach erfordert eine 45-minütige Wanderung und ist deshalb weniger besucht. Der Weg führt über einen Bergsattel und dann steil hinunter zum Strand. Es lohnt sich. Kvalvika ist wilder, abgeschiedener und hat eine Höhle am Nordende, in der man bei gutem Wetter übernachten kann. Ein australischer Reisender hat dort einige Monate gelebt und einen Film darüber gedreht.
Übernachten unterwegs
Die klassische Unterkunft auf den Lofoten ist die Rorbu, eine umgebaute Fischerhütte, die direkt am Wasser auf Stelzen steht. Rorbuer gibt es in allen Preisklassen, von einfach bis luxuriös. Eine einfache Rorbu für zwei Personen kostet ab 1000 NOK pro Nacht, die gehobenen Varianten in Reine oder Henningsvær kosten 2500 bis 4000 NOK. In der Hochsaison (Juni bis August) sind die beliebtesten Rorbuer Monate im Voraus ausgebucht.
Wer mit dem Wohnmobil unterwegs ist, findet auf den Lofoten mehrere Campingplätze. Ich empfehle den Campingplatz in Ramberg, der direkt am Strand liegt und einen Blick hat, für den andere Campingplätze viel Geld verlangen würden. Stellplatz ab 300 NOK pro Nacht. Duschen kosten extra, wie auf den meisten norwegischen Campingplätzen.
Wildcampen war auf den Lofoten lange unkompliziert. Mittlerweile gibt es an vielen beliebten Stellen Verbotsschilder, weil der Massentourismus der letzten Jahre für Probleme gesorgt hat: Müll, wilde Feuerstellen, Toilettenpapier in den Dünen. Die Gemeinden haben reagiert. An den populären Stränden ist Zelten oft verboten. Abseits davon, in den Tälern und an weniger frequentierten Buchten, ist es weiterhin erlaubt. Respektiert die Schilder und hinterlasst keinen Müll.
Kosten und Budget
Die Lofoten sind teuer, auch für norwegische Verhältnisse. Das liegt an der Abgeschiedenheit und der hohen Nachfrage in der Hochsaison. Ein realistisches Tagesbudget für zwei Personen mit Mietwagen und Rorbu liegt bei 3000 bis 4000 NOK. Wer campt und selber kocht, kommt mit 1500 bis 2000 NOK aus.
Die größten Posten sind Unterkunft und Essen. Ein Abendessen in einem Restaurant kostet 300 bis 500 NOK pro Person. Fisch ist auf den Lofoten vergleichsweise günstig, weil er lokal gefangen wird. In den Supermärkten in Svolvær und Leknes sind die Preise etwas niedriger als in den kleineren Dörfern. Benzin kostet auf den Lofoten etwa gleich viel wie auf dem Festland, rund 20 NOK pro Liter. Die Strecke von Svolvær bis Å verbraucht mit einem Kompaktwagen etwa 10 bis 12 Liter.
Ein Spartipp: In der Nebensaison (September/Oktober) fallen die Preise für Unterkünfte deutlich. Viele Rorbuer bieten dann Rabatte von 30 bis 40 Prozent. Das Wetter ist wechselhafter, aber die Herbstfarben und die Nordlichter entschädigen dafür. Außerdem sind deutlich weniger Touristen unterwegs.
Anreise auf die Lofoten
Per Flugzeug: Der Flughafen Leknes (LKN) wird von Bodø aus angeflogen. Von Bodø gibt es Verbindungen nach Oslo, Bergen und Trondheim. Wideroe bedient die Route mit kleinen Propellermaschinen. Die Flugzeit von Bodø beträgt 25 Minuten. Svolvær hat einen noch kleineren Flughafen mit begrenzten Verbindungen.
Per Auto und Fähre: Die Fähre von Bodø nach Moskenes (im Süden der Lofoten) dauert drei bis vier Stunden und kostet rund 1200 NOK für ein Auto mit zwei Personen. In der Hochsaison unbedingt reservieren, die Fähre ist oft ausgebucht. Alternativ kann man von Norden über die E10 anreisen, über die Brücke bei Raftsundet, das ist mautfrei und ohne Fähre.
Per Hurtigruten: Das Postschiff hält in Stamsund und Svolvær. Die Fahrt von Bodø dauert etwa sechs Stunden und ist eine schöne Alternative, wenn auch teurer als die Fähre. Wer die Hurtigruten als Transportmittel nutzt, kann das Auto in Bodø lassen und auf den Lofoten einen Mietwagen nehmen.
Häufige Fragen
Wie viele Tage braucht man für den Lofoten Roadtrip?
Mindestens drei volle Tage, besser fünf bis sieben. Die Strecke ist zwar nur 170 Kilometer lang, aber die vielen Stopps, Wanderungen und Fotomotive brauchen Zeit. Wer nur durchfährt, verpasst das Wesentliche.
Kann man die Lofoten auch im Winter mit dem Auto befahren?
Ja, die E10 ist ganzjährig geöffnet. Im Winter kann es durch Schnee und Eis rutschig werden, Winterreifen sind Pflicht. Bei Sturm werden einzelne Brücken und Tunnel zeitweise gesperrt. Die Tage sind im Dezember und Januar sehr kurz, aber die Nordlichter und die blaue Stunde machen den Winterbesuch reizvoll.
Gibt es Mautstellen auf den Lofoten?
Nein, die E10 und die Nebenstraßen auf den Lofoten sind mautfrei. Auch die Brücken und Tunnel kosten nichts. Nur die Zufahrt nach Nusfjord (100 NOK) und einzelne Parkplätze kosten Geld.
Wann ist die beste Reisezeit für einen Lofoten Roadtrip?
Juni bis August für Mitternachtssonne und warmes Wetter, September und Oktober für Herbstfarben und Nordlichter, Januar bis März für Winterstimmung und Polarlichter. Jede Jahreszeit hat ihren eigenen Reiz. Die Hochsaison (Juli/August) ist am vollsten und teuersten.
Brauche ich Allradantrieb auf den Lofoten?
Im Sommer nicht. Die Straßen sind asphaltiert und gut gepflegt. Im Winter kann Allradantrieb bei Schnee und Eis von Vorteil sein, ist aber nicht zwingend erforderlich. Winterreifen mit Spikes sind wichtiger als Allrad.
Weiterführende Informationen
Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026