Busfahren in Norwegen
Norwegen hat kein flächendeckendes Bahnnetz. Die Eisenbahn endet in Bodø. Nördlich davon gibt es keine Schienen. In den Fjordregionen fahren keine Züge. Selbst zwischen größeren Städten wie Ålesund und Bergen gibt es keine direkte Zugverbindung. Der Bus übernimmt, wo die Bahn aufhört. Und das ist in Norwegen ziemlich viel.
Ich bin in Norwegen Tausende Kilometer Bus gefahren. Von Oslo nach Bergen über die Hardangervidda. Von Bodø nach Lofoten. Von Tromsø nach Hammerfest durch die arktische Tundra. Die Busse sind pünktlich, saüber und teuer. Das muss man wissen, bevor man einsteigt.
Das norwegische Bussystem ist fragmentiert. Es gibt keinen einzigen nationalen Anbieter. Stattdessen existieren mehrere Fernbuslinen, regionale Gesellschaften und lokale Stadtbusse. Wer das System versteht, kann Norwegen günstig und flexibel bereisen. Wer es nicht versteht, zahlt zu viel und verpasst Anschlüsse.
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Überblick: Das Bussystem
Norwegens Busse lassen sich in vier Kategorien einteilen. Fernbusse verbinden große Städte über lange Distanzen. Regionale Busse fahren innerhalb einer Fylke (Provinz) und verbinden Kleinstädte und Dörfer. Lokale Stadtbusse bedienen den Nahverkehr in Oslo, Bergen, Trondheim und anderen Städten. Und Flughafenbusse (Flybussen) bringen Passagiere vom Flughafen in die Stadt.
Die wichtigsten Fernbusanbieter sind NOR-WAY Bussekspress und Vy Bus (ehemals Nettbuss). Daneben gibt es Flixbus, der seit 2019 einige Strecken in Südnorwegen bedient, und Boreal, der in Nordnorwegen aktiv ist.
Die Fahrpläne richten sich nach der Jahreszeit. Im Sommer (Juni bis August) fahren auf vielen Strecken zusätzliche Busse. Im Winter werden manche Verbindungen reduziert oder ganz eingestellt. Besonders in den Bergen (Hardangervidda, Jotunheimen) gibt es Strecken, die nur im Sommer bedient werden, weil die Pässe im Winter gesperrt sind.
Die Pünktlichkeit ist gut. Busse in Norwegen haben selten mehr als fünf Minuten Verspätung. Bei Schneesturm oder gesperrten Straßen kann es zu Ausfällen kommen, aber das wird per App oder SMS kommuniziert.
NOR-WAY Bussekspress
NOR-WAY Bussekspress ist der größte Fernbusbetreiber des Landes. Die Gesellschaft betreibt über 20 Linien, die das ganze Land abdecken. Die Busse sind modern, haben Toiletten, WLAN und Steckdosen. Die wichtigsten Linien:
NW400 (Haukeliekspressen): Oslo nach Bergen über Haukelifjell. Fahrzeit ca. 7 Stunden. Die Strecke führt über den Haukeli-Pass auf 1.000 Meter Höhe. Im Winter wild, manchmal allerdings wegen Schneesturm gesperrt.
NW450 (Kystbussen): Bergen nach Stavanger. Fahrzeit ca. 5 Stunden inklusive zwei Fährüberfahrten. Die Fähren gehören zur Strecke, man bleibt im Bus sitzen (oder geht an Deck). Eine der schönsten Busrouten des Landes.
NW180 (Konkurransen): Oslo nach Kristiansand. Fahrzeit ca. 4,5 Stunden. Günstige Alternative zum Zug.
NW431 (Sognefjorden): Bergen nach Sogndal und weiter ins Sogn. Eine der wenigen Busverbindungen in die Fjordregion. Im Sommer gibt es Anschlüsse nach Flåm und zum Jostedalsbreen-Gletscher.
Die Preise bei NOR-WAY variieren stark. Frühbucher zahlen weniger. Oslo nach Bergen kostet ab 299 NOK, wenn man drei Wochen im Voraus bucht. Am Reisetag selbst kann der gleiche Platz 599 NOK kosten. Studenten und Senioren erhalten 50 % Rabatt (mit Ausweis). Kinder unter 4 Jahren fahren kostenlos, Kinder von 4 bis 15 zahlen den halben Preis.
Tickets kauft man am besten über die NOR-WAY-App oder die Website nor-way.no. Man kann auch beim Fahrer bezahlen (Karte oder Bargeld), aber dann gibt es keinen Frühbucherrabatt.
Vy Bus
Vy (ehemals NSB/Nettbuss) betreibt Fernbuslinien in Ergänzung zum Zugnetz. Wo keine Züge fahren, fährt oft ein Vy Bus. Die wichtigste Strecke ist die Linie Oslo nach Trondheim über Røros. Die Fahrt dauert 8 Stunden und führt durch das alte Bergwerksgebiet im Østerdal.
Vy bietet auch Zubringerbusse zu den Bahnhöfen an. Wenn der Zug in Bodø endet, geht es mit dem Vy Bus weiter nach Fauske und von dort mit einem anderen Bus Richtung Lofoten. Die Anschlüsse sind aufeinander abgestimmt, aber nicht garantiert. Wer den Zug verpasst, wartet auf den nächsten Bus.
Tickets für Vy Bus kauft man über die Vy-App oder vy.no. Die Preise sind mit NOR-WAY vergleichbar. Frühbuchertickets (minipris) gibt es ab 149 NOK für kürzere Strecken. Diese Tickets sind an eine bestimmte Abfahrt gebunden und nicht erstattbar.
Die Busse von Vy sind komfortabel. Breite Sitze, WLAN, USB-Anschlüsse. Auf langen Strecken gibt es Toiletten an Bord. Die Fahrer sind in der Regel freundlich und sprechen Englisch.
Lokale und regionale Busse
Jede Fylke (Provinz) hat ihr eigenes regionales Bussystem. Das sorgt für Verwirrung, weil es über ein Dutzend verschiedene Betreiber gibt, jeder mit eigener App, eigenem Tarifsystem und eigener Website. Die wichtigsten:
Ruter: Oslo und Viken (Umland). Die beste Bus- und Bahninfrastruktur des Landes. Tickets per Ruter-App. Einzelfahrt in Oslo: 42 NOK (App) bzw. 66 NOK (beim Fahrer). Tageskarte: 119 NOK.
Skyss: Bergen und Vestland. Stadtbusse in Bergen und regionale Linien in die umliegenden Fjorde. Einzelfahrt in Bergen: 42 NOK (App). Die Skyss-App funktioniert zuverlässig.
AtB: Trondheim und Trøndelag. Gutes Stadtbusnetz in Trondheim. Einzelfahrt: 42 NOK. Regionalbuse in die umliegenden Täler.
Troms Fylkestrafikk: Tromsø und Troms. In Tromsø gibt es ein gut funktionierendes Stadtbusnetz. Die Regionalbusse verbinden die Küstenorte.
Die Entur-App (entur.no) ist der Retter in diesem Chaos. Sie bündelt alle öffentlichen Verkehrsmittel Norwegens: Busse, Züge, Fähren und Straßenbahnen. Man gibt Start und Ziel ein und bekommt alle verfügbaren Verbindungen angezeigt, egal welcher Anbieter. Man kann über Entur auch Tickets kaufen, allerdings nicht für alle Betreiber.
In ländlichen Gebieten fahren Busse selten. Zwei bis vier Abfahrten pro Tag sind normal. Am Wochenende oft noch weniger. In manchen Fjordtälern gibt es nur einen Schulbus, der morgens hin und nachmittags zurückfährt. Wer ohne Auto in abgelegene Gebiete will, muss seinen Zeitplan an den Bus anpassen, nicht umgekehrt.
Flughafenbusse
Die Flybussen verbinden Norwegens Flughäfen mit den Innenstädten. Sie sind schnell, komfortabel und teurer als der Regionalbus. Oslo Gardermoen in die Innenstadt: 219 NOK (Flybussen) vs. 119 NOK (Vy-Zug/Flytoget). Bergen Flesland in die Innenstadt: 165 NOK. Trondheim Værnes: 159 NOK.
Die Flybussen fahren im Takt. Am Oslo Gardermoen alle 20 Minuten, an kleineren Flughäfen seltener, aber auf die Flugzeiten abgestimmt. Tickets kauft man per App (Flybussen.no), am Automaten oder beim Fahrer. Der Preis beim Fahrer ist oft 20 bis 30 NOK teurer als online.
Günstiger als der Flybussen ist oft der Regionalbus. Am Flughafen Bergen Flesland fährt der Skyss-Bus 2 in die Innenstadt für 42 NOK (mit Skyss-App). Das dauert 10 Minuten länger, kostet aber weniger als die Hälfte. In Trondheim geht es ähnlich: Der Regionalbus AtB fährt für 42 NOK vom Flughafen Værnes in die Stadt.
Tickets und Bezahlung
Bargeld wird in norwegischen Bussen kaum noch akzeptiert. Manche Fahrer nehmen es, manche nicht. Kreditkarten funktionieren fast überall. Die beste Option sind Apps. Jeder Anbieter hat seine eigene, aber die Entur-App deckt viele Verbindungen ab.
Bei Fernbussen (NOR-WAY, Vy) gilt: Vorbuchen ist günstiger. Die billigsten Tickets gibt es 30 Tage vor Abfahrt. Je näher der Reisetag, desto teurer. Die Preisunterschiede können 100 % betragen. Oslo nach Bergen: 299 NOK (Frühbucher) vs. 599 NOK (Tagesticket).
Bei Regionalbussen gilt ein Einheitstarif pro Zone. Je mehr Zonen man durchfährt, desto teurer. Eine Fahrt in Oslo (eine Zone) kostet 42 NOK. Eine Fahrt von Oslo nach Drammen (mehrere Zonen) kostet ca. 100 NOK. Die Zonenpreise sind in den jeweiligen Apps hinterlegt.
Für längere Aufenthalte lohnen sich Tageskarten oder Wochenkarten. In Oslo kostet eine Wochenkarte 325 NOK (alle Zonen). In Bergen 490 NOK für 7 Tage (Skyss). Diese Karten gelten für Bus, Straßenbahn und teilweise auch Fähren.
Busse in Nordnorwegen
Nördlich von Bodø gibt es keine Eisenbahn. Busse und Fähren sind die einzigen öffentlichen Verkehrsmittel (abgesehen von Flugzeugen). Das Busnetz in Nordnorwegen wird von mehreren Betreibern bedient, darunter Boreal und Troms Fylkestrafikk.
Die wichtigste Fernbuslinie ist die Strecke Bodø nach Narvik (ca. 5 Stunden) und weiter nach Tromsø (ca. 10 Stunden ab Bodø). Die Busse fahren ein bis zweimal täglich. Im Winter kann es wegen Schneestürmen zu Ausfällen kommen. Immer den Fahrplan vorher prüfen.
Auf die Lofoten kommt man mit dem Bus ab Svolvær oder ab der Fähre in Moskenes. Die Lofoten-Busse (Linje 18-300) fahren von Svolvær über Leknes bis Å am Südwestende. Im Sommer dreimal täglich, im Winter seltener. Für die Lofoten empfehle ich trotzdem einen Mietwagen, weil die Busse die schönsten Strände und Wanderstartpunkte nicht direkt anfahren.
Die Strecke Tromsø nach Hammerfest dauert 6 bis 7 Stunden. Der Bus fährt durch die Finnmark, eine weite, baumlose Landschaft. Im Winter bei Polarnacht ist es auf dieser Strecke den ganzen Tag dunkel. Das ist eine spezielle Erfahrung.
Zum Nordkap gibt es im Sommer einen täglichen Bus ab Honningsvåg. Die Fahrt dauert 45 Minuten. Im Winter fährt dieser Bus nicht, weil die Straße zum Nordkap von November bis April gesperrt sein kann.
Praktische Tipps
Gepäck: Fernbusse haben Gepäckfächer unter dem Bus. Ein großer Koffer und ein Handgepäck sind inklusive. Sperrgepäck (Fahrräder, Skier) muss vorher angemeldet werden und kostet oft extra (50 bis 100 NOK).
Pausen: Auf Strecken über 4 Stunden gibt es eine Pause an einer Raststätte. Meistens 15 bis 20 Minuten. An Raststätten gibt es Toiletten, Kaffee und belegte Brote. Die Preise sind hoch (Kaffee 45 NOK, Sandwich 85 NOK). Eigene Verpflegung mitnehmen ist schlauer.
Sitzplatz: Bei NOR-WAY und Vy kann man den Sitzplatz reservieren. Auf der rechten Seite sitzt man auf der Strecke Bergen nach Stavanger zum Fjord hin. Auf der linken Seite auf der Strecke Oslo nach Bergen über die Hardangervidda. Es lohnt sich, darauf zu achten.
Fähren: Manche Buslinien nutzen Fähren. Der Bus fährt auf die Fähre, und die Passagiere bleiben sitzen oder gehen an Deck. Die Fährkosten sind im Buspreis enthalten. Man muss kein separates Ticket kaufen.
Winterfahrten: Im Winter können Pässe gesperrt werden. Die Straße über die Hardangervidda (RV7) wird bei Sturm geschlossen. Die Buslinie weicht dann auf eine andere Route aus, was die Fahrtzeit verlängert. Aktuelle Informationen gibt es unter vegvesen.no oder in der Entur-App.
Barrierefreiheit: Moderne Fernbusse sind rollstuhlgerecht. Bei der Buchung angeben, dass ein Rollstuhlplatz benötigt wird. Regionale Busse in ländlichen Gebieten sind nicht immer barrierefrei. Im Zweifelsfall vorher beim Betreiber nachfragen.
Häufige Fragen
Gibt es einen Interrail-ähnlichen Buspass für Norwegen?
Nein, es gibt keinen landesweiten Buspass. Die einzelnen Betreiber bieten Wochen- und Monatskarten für ihre Regionen an. Für Fernbusse ist Vorbuchen die günstigste Option.
Kann ich ein Fahrrad im Bus mitnehmen?
Bei Fernbussen (NOR-WAY, Vy) ja, aber nur nach vorheriger Anmeldung und gegen eine Gebühr von 50 bis 100 NOK. Das Fahrrad muss im Gepäckfach Platz haben. Bei Regionalbussen ist die Mitnahme oft nicht möglich.
Welche App brauche ich für Busfahrten in Norwegen?
Die Entur-App deckt die meisten Verbindungen ab und zeigt Fahrpläne aller Anbieter. Für Fernbusse zusätzlich die NOR-WAY-App und die Vy-App, weil dort Frühbuchertickets günstiger sind. Für Stadtbusse die jeweilige lokale App (Ruter, Skyss, AtB).
Sind norwegische Busse pünktlich?
Ja, in der Regel sehr pünktlich. Verspätungen über 10 Minuten sind selten. Im Winter kann es durch Straßensperrungen zu Verzögerungen kommen. Die Entur-App zeigt Echtzeit-Informationen an.
Fahren Busse am Sonntag?
Fernbusse fahren auch sonntags, meistens mit reduziertem Fahrplan. Regionale und lokale Busse haben am Sonntag oft deutlich weniger Verbindungen. In ländlichen Gebieten fährt sonntags manchmal gar nichts. Immer vorher den Fahrplan prüfen.
Akzeptieren die Busse Bargeld?
Immer weniger. In den Städten akzeptieren die meisten Busse nur noch Karte oder App. Auf dem Land nehmen manche Fahrer noch Bargeld. Verlassen sollte man sich darauf nicht. Kreditkarte oder App sind die sicherste Option.
Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026