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Sommer in Lappland
Mitternachtssonne, Wandern, Angeln und endlose Tage

Sommer in Lappland

14 Min. Lesezeit

Um halb zwei nachts stehe ich an einem See bei Inari in Finnisch-Lappland. Die Sonne steht tief über dem Horizont, orange-golden, und wirft einen langen Lichtstreifen über das Wasser. Im Wald hinter mir singt ein Kuckuck. Kein Wind, kein Motorengeräusch, nur ein Fisch, der an der Oberfläche nach einer Mücke schnappt. Es ist heller als ein bedeckter Nachmittag in Deutschland. Ich müsste müde sein, bin es aber nicht. Das Licht hält wach.

Die meisten Reisenden verbinden Lappland mit Winter, Schnee und Nordlichtern. Dabei hat der Sommer im Norden eine ganz eigene Qualität. Von Anfang Juni bis Ende August verwandelt sich die Landschaft: Moore blühen, Rentiere grasen auf offenen Hochflächen, Flüsse führen klares Schmelzwasser, und die Temperaturen erreichen 20 bis 25 Grad. Gleichzeitig gibt es Herausforderungen, über die man ehrlich sprechen muss. Die Mücken sind in manchen Wochen eine echte Plage. Der Schlafrhythmus gerät durcheinander. Und die Infrastruktur im Norden ist dünn. Wer das weiß und sich vorbereitet, erlebt einen Sommer, der sich von allem unterscheidet, was Mitteleuropa zu bieten hat.

Mitternachtssonne erleben

Mitternachtssonne über einem stillen See in Lappland mit Birkenwald am Ufer
Um Mitternacht steht die Sonne tief, aber sie geht nicht unter (KI-generiert)

Nördlich des Polarkreises (66,5 Grad Nord) geht die Sonne im Sommer für mindestens einen Tag nicht unter. Je weiter man nach Norden kommt, desto länger dauert die Phase des Dauerlichts. In Rovaniemi, direkt am Polarkreis, sind es etwa drei Wochen. In Utsjoki, an der norwegischen Grenze, scheint die Sonne vom 17. Mai bis zum 27. Juli ununterbrochen. Das sind 72 Tage ohne Sonnenuntergang.

Das klingt romantisch, und das ist es auch. Aber es hat praktische Folgen. Der Körper produziert bei Dauerlicht weniger Melatonin, das Schlafhormon. In den ersten zwei bis drei Nächten liegt man wach und fragt sich, warum man nicht einschlafen kann. Verdunklungsvorhänge im Hotel oder eine Schlafmaske sind keine Luxusartikel, sondern Grundausstattung. Die meisten Unterkünfte in Lappland haben Verdunklungsrollos, aber in einfachen Hütten oder beim Zelten fehlen die oft.

Die besten Orte, um die Mitternachtssonne zu erleben, liegen im Norden: Kilpisjärvi in Finnland, das Nordkap in Norwegen, Abisko in Schweden. Aber auch südlichere Orte wie Rovaniemi oder Kiruna bieten die Erfahrung. Der Unterschied liegt nur in der Dauer. Ein guter Aussichtspunkt ist wichtig: Hügel, Seeufer oder offene Fjälls, wo der Horizont nicht von Bäumen verdeckt wird. Bewölkung kann die Mitternachtssonne verbergen, deshalb lohnt es sich, flexibel zu bleiben und mehrere Abende einzuplanen.

Was viele überrascht: Die schönsten Lichtstimmungen entstehen nicht um Mitternacht, sondern in den Stunden davor und danach. Zwischen 22 Uhr und 2 Uhr steht die Sonne so tief, dass alles in warmes, goldenes Licht getaucht wird. Fotografen nennen das die „goldene Stunde", die hier zu einer goldenen Nacht wird. Die Farben auf dem Wasser, im Wald und in den Bergen sind in diesen Stunden anders als zu jeder anderen Tageszeit.

Wandern im arktischen Sommer

Der Sommer ist die beste Zeit zum Wandern in Lappland. Die Temperaturen sind angenehm, der Boden ist schneefrei, und das Dauerlicht ermöglicht Wanderungen zu jeder Tageszeit. Die Saison beginnt Mitte Juni, wenn der letzte Schnee in den Tälern geschmolzen ist, und endet Anfang September mit den ersten Nachtfrösten.

Wanderer auf einem Fjäll-Pfad in Lappland mit weitem Blick über grüne Täler
Weite Sicht über die Fjälls gehört zum Sommerwandern in Lappland (KI-generiert)

Der Kungsleden (Königsweg) in Schwedisch-Lappland ist der bekannteste Fernwanderweg. Die Nordabschnitte zwischen Abisko und Kebnekaise führen durch eine Berglandschaft mit Gletschern, Bächen und offener Tundra. Die Tagesetappen liegen bei 15 bis 20 Kilometern, und alle 10 bis 20 Kilometer gibt es eine STF-Hütte mit Betten und Kochgelegenheit. Die Hütten kosten etwa 50 bis 65 EUR pro Nacht für Nicht-Mitglieder. Zelte aufstellen ist dank des Jedermannsrecht (Allemansrätt) überall erlaubt, solange man Abstand zu Hütten und bewohnten Häusern hält.

In Finnland ist das Gelände flacher, aber die Wanderwege sind genauso gut markiert. Der Urho-Kekkonen-Nationalpark bei Saariselkä bietet Tageswanderungen und mehrtägige Routen durch borealen Wald und offene Fjälls. Der Pallas-Yllästunturi-Nationalpark weiter westlich hat den Vorteil, dass die höchsten Punkte über der Baumgrenze liegen und man weite Aussichten genießt. Finnische Nationalparks haben ein Netz aus kostenlosen offenen Hütten (autiotuvat), in denen man auf Holzpritschen übernachten kann. Wer zuerst kommt, schläft drin.

In Norwegen bieten die Regionen rund um Tromsø und die Lyngenalpen alpine Wanderungen mit Meerblick. Die Finnmarksvidda, eine riesige Hochebene im Norden, ist für mehrtägige Touren geeignet, erfordert aber Orientierungserfahrung, weil die Markierung stellenweise spärlich ist.

Egal in welchem Land: Gummistiefel oder wasserdichte Wanderschuhe sind Pflicht. Der Boden in Lappland ist stellenweise sumpfig, selbst auf markierten Wegen. Flussquerungen ohne Brücke gehören auf vielen Routen dazu. Im Juni und Juli können Schmelzwasserflüsse so hoch stehen, dass man Umwege nehmen muss. Aktuelle Informationen gibt es in den Nationalpark-Besucherzentren.

Angeln in Lapplands Gewässern

Angler steht in einem klaren Fluss in Lappland beim Fliegenfischen im Sommer
Fliegenfischen in einem der klaren Flüsse Lapplands (KI-generiert)

Lappland hat mehr Gewässer als Straßen. In Finnisch-Lappland allein gibt es über 10.000 Seen und hunderte Flüsse. Die meisten davon sind saüber genug, um daraus zu trinken. Für Angler ist das ein Paradies, das in Mitteleuropa selten zu finden ist. Die Hauptfischarten sind Saibling, Forelle, Äsche und Lachs. Im Inarisee werden Saiblinge mit über fünf Kilogramm gefangen. Der Teno-Fluss an der norwegisch-finnischen Grenze gilt als einer der besten Lachsflüsse Europas.

Die Angelregeln unterscheiden sich je nach Land. In Finnland braucht jeder Angler zwischen 18 und 64 Jahren eine staatliche Angelabgabe (kalastonhoitomaksu), die etwa 47 EUR pro Jahr oder 15 EUR pro Woche kostet. Dazu kommt bei den meisten Gewässern eine lokale Fischereigenehmigung, die zwischen 5 und 30 EUR pro Tag kostet. In Schweden regeln die Grundbesitzer die Fischerei, und Angelkarten kauft man bei lokalen Touristeninformationen oder online. Preise liegen bei 10 bis 40 EUR pro Tag. In Norwegen ist das Angeln in Binnengewässern genehmigungspflichtig, die Karten kosten 10 bis 50 EUR.

Fliegenfischen ist die beliebteste Methode in den Flüssen. Die Äschen und Forellen stehen in den Stromschnellen und reagieren auf Trockenfliegen. Anfänger können bei lokalen Guides Kurse buchen, die meistens einen halben Tag dauern und 100 bis 200 EUR kosten. Die Ausrüstung wird gestellt. Wer mit eigener Rute kommt, sollte eine 5er oder 6er Fliegenrute mitbringen, dazu Trockenfliegen und Nymphen in den Größen 12 bis 16.

Spinnfischen mit kleinen Blinkern und Wobblern funktioniert an den Seen gut. Die beste Angelzeit ist der frühe Morgen und der späte Abend. Bei Mitternachtssonne gibt es keinen echten „Abend", aber die Fische sind in den Stunden mit flachem Sonnenlicht aktiver. Juli und August sind die besten Angelmonate.

Das Mückenproblem

Es gibt keinen höflichen Weg, das zu sagen: Die Mücken in Lappland sind brutal. Von Mitte Juni bis Mitte August schwärmen sie in Wolken aus den Mooren und Sümpfen. An windstillen Abenden in der Nähe von Gewässern können es Tausende auf wenigen Quadratmetern sein. Die Mücken in Lappland sind ein eigenständiges Thema, aber hier die wichtigsten Fakten.

In Lappland gibt es etwa 40 Stechmückenarten. Sie brauchen stehendes Wasser zur Vermehrung, und davon gibt es im Norden reichlich. Die erste Welle schlüpft im Juni, wenn der Schnee schmilzt und die Moore volllaufen. Der Höhepunkt liegt in der ersten Julihälfte. Ab Mitte August nimmt die Zahl deutlich ab, und ab September sind die Mücken praktisch verschwunden.

Effektiver Mückenschutz besteht aus drei Ebenen: Erstens lange, helle Kleidung. Die Mücken stechen durch dünnen Stoff, also sind dickere Materialien besser. Zweitens ein Repellent mit DEET (mindestens 30 Prozent) oder Icaridin. Drittens ein Kopfnetz, das man über Hut oder Kappe zieht. Das Kopfnetz sieht lächerlich aus, aber nach einer Stunde am Moor versteht man, warum die Einheimischen es tragen.

Ein paar Tipps aus eigener Erfahrung: Wind hilft. An windigen Tagen oder auf offenen Höhen sind die Mücken kaum ein Problem. In geschützten Waldstücken bei Windstille dagegen unerträglich. Rauch hält Mücken fern, deshalb brennen die Finnen im Sommer so gerne Lagerfeuer. Und die finnische Sauna mit anschließendem Sprung in den See funktioniert auch als Mückenpause, weil die Viecher die Hitze meiden.

Weitere Sommeraktivitäten

Kanufahren und Kajakfahren: Die Flüsse und Seen in Lappland eignen sich sehr gut für Paddeltouren. Der Ivalojoki in Finnland bietet eine mehrtägige Route durch Wildnis, die für Anfänger geeignet ist. In Schweden ist der Kalixälv, einer der letzten unregulierten Flüsse Europas, ein Ziel für erfahrene Paddler. Kanus und Kajaks kann man bei lokalen Anbietern mieten, Tagespreise liegen bei 40 bis 80 EUR.

Mountainbiken: In den letzten Jahren haben sich mehrere Bikeparks in Lappland entwickelt. Levi und Ylläs in Finnland haben markierte Trails mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden. In Schweden bietet die Region um Riksgränsen Downhill-Strecken mit Liftzugang. Die Saison ist kurz (Juli bis August), und die Trails sind weniger ausgebaut als in den Alpen, aber dafür fährt man durch weitgehend unberührte Natur.

Kanufahrer auf einem ruhigen Fluss in Lappland umgeben von Birkenwald im Sommer
Kanufahren auf den ruhigen Flüssen gehört zu den besten Sommeraktivitäten (KI-generiert)

Beerensammeln: Ab Ende Juli reifen die Moltebeeren in den Mooren. Moltebeeren (finnisch: lakka, schwedisch: hjortron) sind orange, weich und schmecken intensiv fruchtig. Ein Kilogramm Moltebeeren bringt auf dem Markt 20 bis 30 EUR, weil das Sammeln mühsam ist. Ab August folgen Blaubeeren und Preiselbeeren. Das Jedermannsrecht erlaubt das Sammeln in ganz Skandinavien.

Tierbeobachtung: Im Sommer sind die Chancen auf Tiersichtungen hoch. Rentiere stehen an den Straßenrändern und auf den Fjälls. Elche halten sich in Sümpfen und an Seeufern auf. In Finnland kann man geführte Bärenbeobachtungstouren buchen, bei denen man die Nacht in einem Versteck verbringt und die Tiere aus sicherer Entfernung beobachtet. Preise ab 200 EUR pro Person.

Unterkünfte im Sommer

Im Sommer sind die Unterkünfte in Lappland deutlich günstiger als im Winter. Hotels in Levi oder Saariselkä, die im Februar 200 EUR pro Nacht kosten, bieten im Juli Zimmer für 80 bis 120 EUR. Ferienhütten (mökki) am See sind die typische Sommerunterkunft in Finnland. Eine einfache Hütte mit Sauna kostet ab 50 EUR pro Nacht, komfortablere Varianten mit Strom und fließendem Wasser ab 80 bis 150 EUR.

Zelten ist überall erlaubt, solange man die Regeln des Jedermannsrechts beachtet: mindestens 150 Meter Abstand zu bewohnten Häusern, keinen Müll hinterlassen, kein offenes Feuer ohne Genehmigung (außer an ausgewiesenen Feuerstellen). In Nationalparks gibt es kostenlose Zeltplätze mit Feuerstellen und Plumpsklos. Die Qualität ist einfach, aber ausreichend.

Wer es komfortabler mag: In den letzten Jahren sind mehrere Glamping-Anbieter in Lappland entstanden. Aurora Village bei Ivalo bietet Glaskabinen mit Seeblick. Arctic TreeHouse Hotel bei Rovaniemi hat Baumhäuser mit bodentiefen Fenstern. Im Sommer fehlt zwar das Nordlicht, aber die Mitternachtssonne durch die Glasdecke ist ein eigenes Erlebnis. Preise ab 200 EUR pro Nacht.

Praktische Tipps

Wanderausrüstung auf einer Holzterrasse in Lappland mit See im Hintergrund
Gute Ausrüstung und Mückenschutz sind im Lappland-Sommer unverzichtbar (KI-generiert)

Beste Reisezeit: Mitte Juni bis Mitte August. Im Juni ist das Licht am intensivsten, aber der Boden stellenweise noch nass vom Schmelzwasser. Juli ist der wärmste Monat, aber auch die Mückenhochzeit. August bietet Beerenzeit, weniger Mücken und die ersten Anzeichen von Herbstfärbung (ruska). September ist streng genommen kein Sommer mehr, aber die Herbstfarben und die mückenfreie Luft machen ihn zu einer unterschätzten Reisezeit.

Anreise: Flüge nach Rovaniemi, Ivalo oder Kiruna sind im Sommer günstiger als im Winter. Hin- und Rückflug ab Deutschland kosten oft 150 bis 300 EUR, wenn man früh bucht. Mietwagen sind zu empfehlen, weil der öffentliche Nahverkehr dünn ist. Die Anreise nach Lappland funktioniert auch mit dem Nachtzug ab Helsinki nach Rovaniemi (ab 30 EUR im Sitzwagen, ab 80 EUR im Schlafwagen).

Packliste: Wasserdichte Wanderschuhe, Regenjacke, Mückenschutzmittel mit DEET, Kopfnetz, Schlafmaske, Sonnencreme (die Sonne scheint 24 Stunden), Sonnenbrille, leichte Merinowolle als Basisschicht (die Morgen können trotz Sommer kühl sein, 5 bis 8 Grad), Angelkarte (falls man angeln will).

Kosten: Im Sommer ist Lappland günstiger als im Winter. Ein Tag mit Mietwagenanteil, Hüttenübernachtung und Selbstverpflegung kostet etwa 80 bis 120 EUR pro Person. Geführte Aktivitäten wie Kanutouren oder Angelguiding liegen bei 100 bis 250 EUR pro Tag. Lebensmittel im Supermarkt sind 10 bis 20 Prozent teurer als in Deutschland.

Häufige Fragen

Wann ist die beste Zeit für den Sommer in Lappland?

Die Hauptsaison läuft von Mitte Juni bis Mitte August. Im Juni erlebt man die längste Mitternachtssonne, der Juli ist am wärmsten (15 bis 25 Grad), aber die Mücken sind auf dem Höhepunkt. August bringt Beerenzeit und weniger Insekten. Wer Mücken meiden will, sollte erst ab Mitte August oder im September reisen.

Wie schlimm sind die Mücken wirklich?

In windstillen Gebieten nahe Gewässern und Mooren sind sie von Ende Juni bis Mitte August sehr lästig. An windigen Tagen und auf offenen Höhen dagegen kaum ein Problem. Mit gutem Schutz (DEET-Spray, Kopfnetz, lange Kleidung) lässt sich das gut handhaben. Die Mücken in Lappland übertragen keine Krankheiten.

Braucht man ein Auto im Sommer in Lappland?

Dringend empfohlen. Der öffentliche Nahverkehr in Lappland ist minimal. Busse fahren ein- bis zweimal täglich zwischen den größeren Orten. Mit einem Mietwagen erreicht man abgelegene Seen, Wanderwege und Fischgründe. Mietwagen kosten im Sommer ab 40 bis 60 EUR pro Tag. Tankstellen gibt es in den Ortschaften, die Abstände können aber 100 Kilometer und mehr betragen.

Kann man im Sommer in Lappland zelten?

Ja, das Jedermannsrecht erlaubt Zelten in ganz Finnland, Schweden und Norwegen. Man darf praktisch überall in der Natur sein Zelt aufschlagen, solange man Abstand zu bewohnten Häusern hält (mindestens 150 Meter) und keinen Müll hinterlässt. In Nationalparks gibt es ausgewiesene Zeltplätze mit Feuerstellen. Ein Moskitonetz am Zelt ist im Juli unverzichtbar.

Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026