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Höfn: Hummerhauptstadt und Vatnajökull-Tor
Südostislands Perle zwischen Gletscher und Meer

Höfn: Hummerhauptstadt und Vatnajökull-Tor

12 Min. Lesezeit

Höfn liegt an der Südostküste Islands, eingeklemmt zwischen dem Atlantik und Europas größtem Gletscher. Der Ort hat knapp 2.300 Einwohner und trotzdem mehr Charakter als manche Hauptstadt. Wer die Ringstraße entlangfährt, kommt unweigerlich hier vorbei. Und wer einmal in Höfn war, vergisst den Blick auf den Vatnajökull nicht so schnell.

Der Name Höfn bedeutet schlicht „Hafen", und das beschreibt den Ort ziemlich gut. Fischerei und Langustenfang prägen seit Generationen das Leben hier. Aber Höfn ist längst mehr als ein verschlafenes Fischerdorf. Die Lage am Fuß des Vatnajökull macht den Ort zum idealen Ausgangspunkt für Gletschertouren, Eishöhlenbesuche und Wanderungen. Und dann ist da noch das Vestrahorn, ein Berg, der Fotografen aus aller Welt anzieht.

Warum Höfn so besonders ist

Der Hafen von Höfn mit Fischerbooten und Blick auf den Vatnajökull-Gletscher im Hintergrund
Höfns Hafen: Fischerboote vor der gewaltigen Kulisse des Vatnajökull (KI-generiert)

Höfn sitzt auf einer schmalen Landzunge, die in die Hornafjörður-Lagune hineinragt. Die Lagune ist flach und bei Ebbe fällt ein großer Teil trocken. Rundherum erstrecken sich Sandflächen und dahinter erheben sich die Ausläufer des Vatnajökull. An klaren Tagen kann man vom Hafen aus die Gletscherkappen von Hoffellsjökull und Fláajökull sehen, zwei Gletscherzungen, die bis fast an die Küste reichen.

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Für Ringstraßenreisende ist Höfn ein wichtiger Versorgungspunkt. Zwischen Vík und Egilsstaðir gibt es wenig Infrastruktur, und Höfn liegt genau in der Mitte. Hier gibt es Supermärkte, Tankstellen, Werkstätten und Unterkünfte in allen Preisklassen. Viele Reisende planen hier eine Übernachtung ein, manche bleiben zwei oder drei Nächte, weil die Umgebung so viel zu bieten hat.

Was Höfn von anderen isländischen Kleinstädten unterscheidet, ist die Kombination aus Zugänglichkeit und Wildnis. Im Ort selbst findet man alles, was man braucht. Aber eine halbe Stunde Fahrt in jede Richtung genügt, um in völlig unberührter Landschaft zu stehen. Diese Mischung macht Höfn zu einem der besten Basislager für Erkundungen im Südosten.

Hummer und Langustenfestival

Frisch zubereitete Languste auf einem Teller in einem Restaurant in Höfn
Höfns Spezialität: frische Langusten, gefangen in den kalten Gewässern vor der Küste (KI-generiert)

In Island sagt man „Hummerhauptstadt" zu Höfn, auch wenn es streng genommen keine Hummer sind, die hier gefangen werden. Es handelt sich um Kaisergranat, auf Isländisch humar genannt, eine Art Languste mit schlanken Scheren und zartem, süßlichem Fleisch. Die Tiere leben auf dem schlammigen Meeresboden vor der Südostküste und werden mit speziellen Reusen gefangen.

Jedes Jahr im Juni oder Juli findet das Humarhátíð statt, das Langustenfestival von Höfn. Was in den 1990er Jahren als kleines Dorffest begann, hat sich zu einer der beliebtesten kulinarischen Veranstaltungen Islands entwickelt. Während des Festivals kochen die Restaurants des Ortes um die Wette, es gibt Live-Musik, einen Jahrmarkt und natürlich Langusten in allen Variationen: gegrillt, gebraten, als Suppe, im Salat, auf Pizza.

Auch außerhalb des Festivals lohnt sich ein Besuch wegen der Langusten. Mehrere Restaurants in Höfn haben sich auf die Zubereitung spezialisiert, und die Qualität ist durchgehend hoch. Eine Langustensuppe bekommt man ab etwa 3.500 ISK (24 Euro), ein ganzes Langustengericht mit Beilagen kostet zwischen 6.000 und 9.000 ISK (40 bis 60 Euro). Im Vergleich zu Reykjavík sind das moderate Preise für ein Essen dieser Klasse.

Die Fischerei ist nach wie vor der wichtigste Wirtschaftszweig in Höfn. Im Hafen liegen Dutzende Boote, und in der Verarbeitungshalle am Kai wird der Fang sortiert, verpackt und teilweise direkt exportiert. Wer morgens am Hafen entlangspaziert, kann den Fischern bei der Arbeit zusehen und bekommt einen Eindruck davon, wie eng das Leben in Höfn mit dem Meer verbunden ist.

Vestrahorn und Stokksnes

Etwa 15 Kilometer östlich von Höfn liegt einer der fotogensten Orte ganz Islands: das Vestrahorn. Dieser 454 Meter hohe Berg besteht aus Gabbro und Granophyr, zwei Gesteinsarten, die auf der Vulkaninsel selten sind. Die steilen Flanken des Berges spiegeln sich bei Flut in den flachen Wasserlachen am Strand von Stokksnes, und das Ergebnis sind Bilder, die aussehen, als hätte sie jemand am Computer zusammengesetzt.

Das Vestrahorn bei Stokksnes spiegelt sich im schwarzen Sand
Das Vestrahorn bei Stokksnes: einer der meistfotografierten Berge Islands (KI-generiert)

Das Gebiet um Stokksnes gehört einem privaten Grundbesitzer, und der Zugang kostet 900 ISK (6 Euro) pro Person. Die Gebühr wird an einem kleinen Kassenhäuschen an der Zufahrt erhoben. Dafür bekommt man Zugang zu einem der erstaunlichsten Fotospots der Insel, einschließlich der Überreste eines alten Wikingerdorf-Filmsets, das hier für eine nie fertiggestellte Produktion errichtet wurde.

Die besten Lichtverhältnisse herrschen in den frühen Morgenstunden und am späten Abend. Im Sommer, wenn die Sonne kaum untergeht, kann man die Mitternachtssonne nutzen und den Berg in goldenem Licht fotografieren. Im Winter, wenn Schnee auf den Gipfeln liegt und die Nordlichter über den Himmel tanzen, wirkt das Vestrahorn wie aus einer anderen Welt.

Neben dem Vestrahorn gibt es auch das Eystrahorn, das östlich davon liegt und weniger besucht wird. Wer dem Hauptstrom der Touristen ausweichen möchte, findet hier ähnlich dramatische Landschaften bei deutlich mehr Ruhe. Allerdings ist die Zufahrt schwieriger und erfordert bei schlechtem Wetter einen Allradantrieb.

Vatnajökull und Gletschertouren

Blick auf eine Gletscherzunge des Vatnajökull von Höfn aus
Der Vatnajökull: Europas mächtigster Gletscher direkt vor den Toren Höfns (KI-generiert)

Der Vatnajökull ist mit rund 7.700 Quadratkilometern der größte Gletscher Europas. Er bedeckt acht Prozent der Landfläche Islands und ist an seiner dicksten Stelle fast einen Kilometer mächtig. Unter dem Eis verbergen sich mehrere aktive Vulkane, darunter der Grímsvötn und der Bárðarbunga. Die Gletscherzungen, die nach Süden und Osten ins Tiefland ragen, sind von Höfn aus gut erreichbar.

Von Höfn aus werden verschiedene Gletschertouren angeboten. Die kürzesten dauern zwei bis drei Stunden und führen auf den Hoffellsjökull oder den Fláajökull. Beide Gletscherzungen sind weniger besucht als der bekanntere Sólheimajökull weiter westlich, und das ist durchaus ein Vorteil. Man hat mehr Platz, die Guides können sich mehr Zeit nehmen, und das Gletschereis wirkt unberührter.

Im Winter, von November bis März, sind die Eishöhlen das große Thema. Natürliche Höhlen im Gletschereis entstehen durch Schmelzwasser und formen sich jedes Jahr neu. Die Wände leuchten in intensiven Blau- und Türkistönen, die umso kräftiger werden, je tiefer man in die Höhle vordringt. Touren zu den Eishöhlen starten meistens an der Gletscherlagune Jökulsárlón, die eine knappe Stunde westlich von Höfn liegt, werden aber auch direkt in Höfn gebucht. Die Preise liegen zwischen 20.000 und 30.000 ISK (130 bis 200 Euro) pro Person.

Wer keine geführte Tour machen möchte, kann das Gletscherpanorama auch ohne Wanderung genießen. Die Straße zum Hoffellsjökull führt bis auf wenige hundert Meter an die Gletscherzunge heran. Von einem Aussichtspunkt am Ende der Straße sieht man das zerklüftete Eis, die Moränen und den Gletschersee, in dem kleine Eisberge treiben. Betreten sollte man den Gletscher ohne Guide allerdings nie.

Wandern rund um Höfn

Höfn und seine Umgebung bieten Wandermöglichkeiten für jeden Anspruch. Die einfachste Tour führt auf den Ósland, einen Hügel direkt hinter dem Ort, von dem man bei klarer Sicht den gesamten Vatnajökull überblickt. Der Aufstieg dauert etwa 45 Minuten und ist auch für Familien geeignet.

Anspruchsvoller ist die Wanderung zum Eystrahorn, die durch schwarze Sandwüsten und entlang steiler Klippen führt. Man braucht dafür einen ganzen Tag und sollte trittsicher sein. Die Route ist nicht markiert, eine Karte oder GPS-Gerät sind Pflicht. Dafür ist man praktisch allein unterwegs und erlebt die raue Schönheit der Ostküste ohne andere Touristen.

Wanderweg entlang der Küste bei Höfn mit Blick auf schwarze Sandstrände
Küstenwanderung bei Höfn: schwarzer Sand, raues Meer und endlose Weite (KI-generiert)

Im Lónsöræfi, dem Hochland nördlich von Höfn, warten mehrtägige Trekkingtouren durch eine der einsamsten Landschaften Islands. Bunte Rhyolithberge, heiße Quellen und tiefe Schluchten prägen dieses Gebiet, das nur im Hochsommer zugänglich ist. Die mehrtägige Trekkingroute durch das Lónsöræfi gilt unter Kennern als eine der schönsten Wanderungen der Insel, wird aber nur selten begangen.

Für Vogelbeobachter ist die Hornafjörður-Lagune ein Paradies. Im Frühling und Sommer brüten hier Dutzende Vogelarten, darunter Eiderenten, Austernfischer und verschiedene Watvögel. Ein Fernglas und Gummistiefel sind die einzige Ausrüstung, die man braucht. Der beste Beobachtungsplatz liegt am Südende der Lagune, erreichbar über einen kurzen Feldweg vom Ort aus.

Essen und Übernachten

Höfn hat für seine Größe eine erstaunlich gute Restaurantauswahl. Das Pakkhús im alten Packhaus am Hafen ist die beste Anlaufstelle für Langusten. Das denkmalgeschützte Holzgebäude allein wäre schon einen Besuch wert, aber die Langustensuppe und die gegrillten Langustenschwänze sind der eigentliche Grund, warum man herkommt. Reservierung im Sommer dringend empfohlen.

Das Humarhöfnin (Langustenhafen) bietet ähnliche Qualität in etwas legererem Ambiente. Der Fang des Tages, auf der Tafel am Eingang angeschrieben, lohnt sich fast immer. Wer günstiger essen möchte, findet bei Ísbuð Haukur solide Burger und Fish and Chips zu fairen Preisen. Der Nettó-Supermarkt am Ortsrand deckt den Grundbedarf für Selbstversorger.

Bei den Unterkünften reicht das Spektrum vom einfachen Campingplatz bis zum komfortablen Hotel. Das Hotel Höfn liegt zentral und bietet Zimmer mit Gletscherblick. Wer etwas Besonderes sucht, bucht eine der renovierten Fischerhütten am Hafen, die als Ferienwohnungen vermietet werden. Das HI Hostel ist die günstigste feste Unterkunft, und der städtische Campingplatz kostet 2.000 ISK (13 Euro) pro Person und Nacht. Im Sommer ist Vorausbuchung ratsam, denn Höfn ist für Ringstraßenreisende ein naheliegender Übernachtungsort, und die Kapazitäten sind begrenzt.

Das Gamlabúð Visitor Center im ehemaligen Kaufmannsladen informiert über den Vatnajökull-Nationalpark und die Umgebung. Es gibt eine kleine Ausstellung zur Naturgeschichte der Region und aktuelle Informationen zu Straßenzuständen, Wetter und Gletscherbedingungen. Im angeschlossenen Café gibt es guten Kaffee und hausgemachten Kuchen.

Anreise und beste Reisezeit

Höfn liegt an der Route 1, etwa 460 Kilometer östlich von Reykjavík. Die Fahrt dauert fünf bis sechs Stunden ohne Zwischenstopps, aber niemand fährt diese Strecke ohne anzuhalten. Die meisten Reisenden kommen von Westen über die Gletscherlagune Jökulsárlón, die etwa eine Stunde entfernt liegt. Von Akureyri im Norden sind es rund 400 Kilometer über die Ringstraße.

Der kleine Flughafen Höfn (Hornafjörður Airport) wird von Eagle Air ab Reykjavík angeflogen. Die Flüge verkehren allerdings nicht täglich und sind wetterabhängig. Der Bus Strætó Linie 51 verbindet Höfn mit Reykjavík und den Orten entlang der Südküste, die Fahrt dauert aber knapp zehn Stunden. Die allermeisten Besucher kommen mit dem Mietwagen.

Die beste Reisezeit für Höfn ist Juni bis August. In diesen Monaten ist das Wetter am stabilsten, alle Straßen sind geöffnet, und das Langustenfestival findet statt. Für Eishöhlenbesuche im Vatnajökull muss man zwischen November und März kommen. Der Winter in Höfn ist kalt und dunkel, bietet dafür aber sehr gute Chancen auf Nordlichter.

Die Ringstraße ist bei Höfn ganzjährig befahrbar, aber im Winter können einzelne Abschnitte wegen Schneeverwehungen oder Glatteis vorübergehend gesperrt sein. Die Website road.is gibt aktuelle Auskunft über den Straßenzustand. Ein Allradfahrzeug ist im Winter dringend empfohlen, im Sommer genügt ein normaler Mietwagen.

Häufige Fragen

Lohnt sich Höfn als Übernachtungsstopp auf der Ringstraße?

Auf jeden Fall. Höfn liegt genau zwischen Vík und Egilsstaðir, hat gute Restaurants (besonders für Langusten), solide Unterkünfte und ist der beste Ausgangspunkt für das Vestrahorn und Gletschertouren. Zwei Nächte sind ideal.

Wann findet das Langustenfestival statt?

Das Humarhátíð findet üblicherweise Ende Juni oder Anfang Juli statt. Das genaue Datum variiert von Jahr zu Jahr. Frisch zubereitete Langusten bekommt man in den Restaurants von Höfn allerdings das ganze Jahr über.

Was kostet der Eintritt zum Vestrahorn?

Der Zugang zum Strand von Stokksnes mit Blick auf das Vestrahorn kostet 900 ISK (etwa 6 Euro) pro Person. Die Gebühr wird am Kassenhäuschen an der Zufahrt erhoben. Geöffnet ist rund um die Uhr.

Kann man von Höfn aus Eishöhlen besuchen?

Ja, allerdings nur von November bis März. Die meisten Touren fahren von Höfn zur Gletscherlagune Jökulsárlón und dann weiter zu den Eishöhlen. Kosten: 20.000 bis 30.000 ISK (130 bis 200 Euro) pro Person inklusive Ausrüstung und Transport.

Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026