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Hochzeitsreise auf Island
Flitterwochen zwischen Gletschern, Wasserfällen und heißen Quellen

Hochzeitsreise auf Island

12 Min. Lesezeit

Meine Frau und ich haben lange überlegt, wohin unsere Hochzeitsreise gehen soll. Malediven? Zu vorhersehbar. Karibik? Schon als Kinder geträumt, aber dann doch zu weit weg. Island war der Vorschlag, der anfangs für hochgezogene Augenbrauen sorgte. Flitterwochen im Land der Vulkane? Im Regen? Was sich zunächst seltsam anhörte, wurde am Ende die beste Reiseentscheidung, die wir je getroffen haben.

Island ist kein klassisches Honeymoon-Ziel. Es gibt keine Palmenstrände, keine All-Inclusive-Resorts und keine Cocktails am Pool. Was es stattdessen gibt: Landschaften, bei denen man das Gefühl hat, auf einem anderen Planeten gelandet zu sein. Heiße Quellen mitten in der Wildnis. Nordlichter, die über den Nachthimmel tanzen. Und eine Stille, die man in Europa sonst kaum noch findet. Genau das macht Island zu einem der intensivsten Reiseziele für Paare, die etwas anderes wollen als den Standard-Honeymoon.

Warum Island als Hochzeitsreiseziel

Die Antwort ist einfach: Weil es nichts Vergleichbares gibt. Island vereint auf einer relativ kleinen Fläche so viele verschiedene Naturlandschaften, dass man sich fragt, ob man tatsächlich nur in einem einzigen Land unterwegs ist. Schwarze Strände neben weißen Gletschern, dampfende Geothermalfelder neben türkisblauen Gletscherlagunen, moosbedeckte Lavafelder neben tosenden Wasserfällen.

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Für Paare hat Island einen entscheidenden Vorteil gegenüber vielen anderen Reisezielen: Man ist oft komplett allein. Anders als in den touristischen Hotspots Südeuropas gibt es in Island Orte, an denen stundenlang kein anderer Mensch vorbeikommt. Wer zu zweit in einem geothermalen Fluss sitzt, umgeben von dampfenden Hügeln, und im Wasser Wärme und Kälte gleichzeitig spürt, vergisst schnell den Rest der Welt.

Die Anreise ist unkompliziert. Von Frankfurt oder München aus fliegt man in etwa drei Stunden nach Reykjavík. Icelandair bietet Direktflüge ab rund 250 Euro pro Person (Hin- und Rückflug), wenn man früh bucht. PLAY fliegt ab etwa 180 Euro, allerdings ohne Aufgabegepäck. Die Zeitverschiebung beträgt nur eine bis zwei Stunden, Jetlag ist also kein Thema.

Paar steht vor einem isländischen Wasserfall in der Abendsonne
Islands Wasserfälle liefern die Kulisse für Erinnerungen, die ein Leben lang halten (KI-generiert)

Die beste Reisezeit für Flitterwochen

Die Antwort hängt davon ab, was ihr erleben wollt. Island bietet in jeder Jahreszeit etwas anderes, und beide Hauptsaisonen haben ihren Reiz für Hochzeitsreisende.

Sommer (Juni bis August): Endlose Tage durch die Mitternachtssonne, Temperaturen um 10 bis 15 Grad, alle Straßen befahrbar. Ideal für die Ringstraße und das Hochland. Die Nächte werden nie richtig dunkel, was für eine besondere Stimmung sorgt. Nachteile: mehr Touristen (vor allem Juli/August) und keine Nordlichter.

Winter (Oktober bis März): Nordlichter, Eishöhlen, verschneite Landschaften. Die Tage sind kurz (im Dezember nur 4 bis 5 Stunden Tageslicht), aber das goldene Licht der tief stehenden Sonne ist fotografisch der Wahnsinn. Nachteile: einige Straßen gesperrt, Wetterwechsel alle 30 Minuten, manche Unterkünfte geschlossen.

Mein Tipp für Hochzeitsreisen: September. Der Monat ist ein Kompromiss aus beiden Welten. Die Touristenmassen des Sommers sind weg, die Preise sinken um 20 bis 30 Prozent, die Nordlichter zeigen sich wieder, und die Ringstraße ist noch komplett befahrbar. Die Temperaturen liegen bei 5 bis 10 Grad, was mit der richtigen Kleidung völlig in Ordnung ist.

Romantische Unterkünfte

Island hat sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt, was Unterkünfte angeht. Neben den klassischen Gästehäusern und Hotels gibt es mittlerweile eine Reihe von Boutique-Unterkünften, die speziell für Paare interessant sind.

The Retreat at Blue Lagoon: Das Luxushotel direkt an der Blauen Lagune ist die teuerste Option (ab ca. 1.200 Euro pro Nacht), aber auch die exklusivste. Private Lagune, Spa, sehr gutes Restaurant. Für den Beginn oder Abschluss einer Hochzeitsreise ist das eine Nacht, an die man sich erinnert.

Deplar Farm (Nordisland): Ein ehemaliger Bauernhof in einem abgelegenen Tal auf der Halbinsel Tröllaskagi, umgebaut zu einem der besten Boutique-Hotels Islands. Eigener Hot Pot mit Bergblick, Heli-Skiing im Winter, Reiten im Sommer. Ab etwa 2.500 Euro pro Nacht, inklusive Vollpension und Aktivitäten. Absolutes Highlight, wenn das Budget stimmt.

Bubble Hotels: Mehrere Anbieter (z.B. Buubble bei Reykholt oder das 5 Million Star Hotel bei Hella) bieten transparente Kuppelzelte, von denen aus man nachts Nordlichter beobachten kann, ohne das Bett zu verlassen. Preise liegen bei 400 bis 700 Euro pro Nacht. Die Saison läuft von September bis April.

Privater Hot Pot vor einem isländischen Boutique-Hotel mit Blick auf schneebedeckte Berge
Ein privater Hot Pot gehört zu den romantischsten Erlebnissen, die Island für Paare bereithält (KI-generiert)

Cottages und Ferienhäuser: Wer flexibel sein will, mietet ein Ferienhaus mit Hot Pot. Davon gibt es in Island Hunderte, verstreut über die ganze Insel. Viele haben eigene geothermale Wannen im Garten. Preise ab etwa 150 Euro pro Nacht für ein einfaches Cottage, ab 300 Euro für gehobene Varianten mit Panoramablick.

Farm Stays: Isländische Bauernhöfe, die Gästezimmer vermieten, bieten eine authentische Alternative. Man ist nah an der Natur, die Gastgeber kennen die Region wie ihre Westentasche, und zum Frühstück gibt es oft selbstgemachtes Skyr. Preise ab 100 bis 180 Euro für ein Doppelzimmer mit Frühstück.

Die schönsten Orte zu zweit

Island hat so viele lohnenswerte Orte, dass die Auswahl schwerfällt. Hier sind die Plätze, die sich für Hochzeitsreisende besonders eignen, weil sie romantisch, abgelegen oder einfach so schön sind, dass man dort stundenlang stehen bleiben will.

Reykjadalur: Das heiße Tal liegt etwa 45 Kilometer südöstlich von Reykjavík. Eine einfache, rund 45-minütige Wanderung führt zu einem geothermalen Fluss, in dem man bei 38 bis 40 Grad baden kann. Kostenlos, ohne Infrastruktur, mitten in der Natur. Frühmorgens oder am späten Nachmittag hat man den Fluss oft für sich allein.

Jökulsárlón: Die Gletscherlagune im Südosten ist einer der dramatischsten Orte Islands. Riesige Eisberge treiben langsam Richtung Meer, Robben schwimmen zwischen den Eisschollen, und am nahe gelegenen Diamond Beach liegen Eisblöcke wie Juwelen auf dem schwarzen Sand. Bei Sonnenuntergang oder Nordlicht fehlen einem die Worte.

Snæfellsnes: Die Halbinsel im Westen wird oft als Miniatur-Island bezeichnet, weil sie auf engem Raum Gletscher, Lavafelder, Klippen, Strände und Fischerdörfer vereint. Der Kirkjufell ist einer der meistfotografierten Berge Islands. Die Region ist weniger überlaufen als der Süden und eignet sich für zwei bis drei ruhige Tage.

Nordlichter über einer isländischen Gletscherlagune mit schwimmenden Eisbergen
Nordlichter über Jökulsárlón: Ein Anblick, den man zu zweit nie vergisst (KI-generiert)

Westfjorde: Die abgelegenste Region Islands ist nichts für eilige Reisende, aber genau das macht sie zum perfekten Honeymoon-Ziel. Kaum Touristen, winzige Fischerdörfer, steile Klippen und der gewaltige Wasserfall Dynjandi, der über sieben Stufen 100 Meter in die Tiefe stürzt. Die Straßen sind zum Teil Schotter, was langsames, bewusstes Reisen erzwingt.

Landmannalaugar: Die bunten Rhyolith-Berge im Hochland gehören zu den surrealen Orten der Erde. Orange, grün, lila, gelb - die Farben wirken, als hätte jemand den Sättigungsregler aufgedreht. Zugänglich nur im Sommer (Juni bis September) über F-Straßen mit Allradantrieb. Vor Ort gibt es einen natürlichen Hot Pot, in dem man nach der Wanderung die müden Muskeln entspannen kann.

Routenvorschlag für 10 Tage

Zehn Tage sind ein guter Zeitraum für eine Hochzeitsreise auf Island. Man hat genug Zeit, um die Ringstraße zu fahren, ohne hetzen zu müssen, und kann sich zwischendurch auch mal einen Tag ohne Programm gönnen.

Tag 1-2: Reykjavík und Umgebung. Ankommen, akklimatisieren, die Stadt erkunden. Abendessen in einem der guten Restaurants (z.B. Grillið oder Dill). Am zweiten Tag den Goldenen Kreis fahren oder Reykjadalur besuchen.

Tag 3-4: Südküste. Seljalandsfoss, Skógafoss, schwarzer Strand bei Vík, Fjaðrárgljúfur-Schlucht. Übernachtung in Vík oder Umgebung. Am vierten Tag weiter Richtung Osten zum Skaftafell-Nationalpark.

Tag 5-6: Gletscherlagune und Ostfjorde. Jökulsárlón morgens bei weniger Besuchern, Diamond Beach, dann durch die Ostfjorde. Die Strecke ist ruhiger als der Süden, mit kleinen Fischerdörfern und steilen Fjorden. Übernachtung in Egilsstaðir oder einem abgelegenen Gästehaus.

Tag 7-8: Nordisland. Dettifoss (der wasserreichste Wasserfall Europas), Mývatn-See mit seinen Pseudokratern und heißen Quellen, Húsavík für Walbeobachtung. Übernachtung in Akureyri, der "Hauptstadt des Nordens".

Tag 9: Snæfellsnes. Über die Ringstraße zurück Richtung Westen, Abstecher auf die Halbinsel Snæfellsnes. Kirkjufell fotografieren, den Gletscher Snæfellsjökull bestaunen, in Arnarstapi an den Klippen spazieren.

Tag 10: Rückreise. Fahrt zurück nach Reykjavík oder zum Flughafen Keflavík. Wer Zeit hat, stoppt noch an der Blue Lagoon oder der Sky Lagoon für einen letzten Hot-Pot-Moment.

Kosten und Budget

Island ist teuer, daran gibt es nichts zu beschönigen. Eine Hochzeitsreise kann aber je nach Ansprüchen sehr unterschiedlich kosten. Hier ein realistischer Überblick für 10 Tage zu zweit:

Budget-Variante (ca. 3.000-4.000 Euro): Flüge mit PLAY (ca. 400 Euro für zwei Personen), Mietwagen Kompaktklasse (ca. 600-800 Euro für 10 Tage), Gästehäuser und einfache Hotels (ca. 120-150 Euro pro Nacht), Selbstverpflegung mit Restaurant-Abenden (ca. 80-100 Euro pro Tag). Aktivitäten: kostenlose Wanderungen, heiße Quellen, Wasserfälle.

Gemütliches isländisches Cottage mit Rasenbedeckung und Hot Pot im Vorgarten
Ein Cottage mit eigenem Hot Pot: Romantik auf Isländisch (KI-generiert)

Mittelklasse (ca. 5.000-7.000 Euro): Flüge mit Icelandair inklusive Gepäck (ca. 600 Euro), Mietwagen SUV/4x4 (ca. 1.000-1.500 Euro), gute Hotels und Cottages (ca. 200-300 Euro pro Nacht), Restaurants und lokale Küche (ca. 120-150 Euro pro Tag). Eine bis zwei Aktivitäten wie Gletscherwanderung (ab 100 Euro p.P.) oder Walbeobachtung (ab 80 Euro p.P.).

Luxus (ab 10.000 Euro): Boutique-Hotels, The Retreat, Helikopterflüge, Privattouren, Degustationsmenüs. Nach oben offen. Wer zwei Nächte im Deplar Farm einrechnet, ist allein dafür bei 5.000 Euro.

Ein paar Spartipps: Tanken ist an Tankautomaten (z.B. Orkan, Costco bei Reykjavík) günstiger als an bedienten Tankstellen. Bonus und Krónan sind die günstigsten Supermärkte. Leitungswasser ist in ganz Island sehr gut und kostenlos. Viele der schönsten Orte Islands kosten keinen Eintritt.

Heiraten auf Island

Manche Paare gehen noch einen Schritt weiter und heiraten direkt auf Island. Das ist tatsächlich weniger kompliziert, als man denkt. Ausländische Staatsbürger können auf Island legal heiraten, die Trauung wird in Deutschland, Österreich und der Schweiz anerkannt.

Die bürokratischen Anforderungen: Beide Partner benötigen einen gültigen Reisepass, eine Geburtsurkunde (nicht älter als sechs Monate, beglaubigt und apostilliert) sowie ein Ehefähigkeitszeugnis vom zuständigen Standesamt in Deutschland. Die Dokumente müssen ins Isländische oder Englische übersetzt werden. Die Bearbeitungszeit beim isländischen Bezirksamt (Sýslumaður) beträgt in der Regel zwei bis vier Wochen.

Die Trauung selbst kann an fast jedem Ort stattfinden. Viele Paare heiraten vor Wasserfällen, auf Klippen oder in kleinen Dorfkirchen. Ein registrierter Standesbeamter oder ein Pastor führt die Zeremonie durch. Die Kosten für die Trauung selbst liegen bei etwa 200 bis 300 Euro. Hochzeitsplaner vor Ort (z.B. Iceland Wedding Planner oder Pink Iceland) übernehmen auf Wunsch die gesamte Organisation, inklusive Fotograf, Blumen und Location-Scouting. Preise für ein Komplettpaket beginnen bei etwa 3.000 bis 5.000 Euro.

Ein Hinweis zur Jahreszeit: Im Sommer hat man die Mitternachtssonne als natürliches Licht, im Winter die Chance auf Nordlichter als Hintergrund für die Traufotos. Beides hat seinen Reiz. Die meisten Hochzeitsplaner empfehlen Juni oder September als beste Monate für Outdoor-Zeremonien.

Kleine Hochzeitszeremonie vor einer isländischen Kirche mit Bergen im Hintergrund
Trauungen auf Island finden oft an Orten statt, die kein Hochzeitssaal der Welt ersetzen kann (KI-generiert)

Häufige Fragen

Ist Island wirklich romantisch genug für Flitterwochen?

Ja, aber auf eine andere Art als ein tropisches Strandresort. Die Romantik entsteht durch die Intensität der Natur, die gemeinsamen Erlebnisse und die Abgeschiedenheit. Wenn ihr als Paar gerne draußen seid und Abenteuer schätzt, werden euch Flitterwochen auf Island näher zusammenbringen als eine Woche am Hotelpool.

Brauchen wir einen Allradwagen?

Für die Ringstraße im Sommer reicht ein normaler Mietwagen. Wer ins Hochland (F-Straßen) oder im Winter reisen will, braucht einen 4x4. Die Preise für Allradfahrzeuge liegen bei 100 bis 200 Euro pro Tag, je nach Größe. Im Winter ist Allradantrieb generell empfehlenswert, da viele Nebenstraßen vereist sein können.

Wie weit im Voraus sollten wir buchen?

Mindestens drei bis vier Monate vor der Reise, im Sommer besser sechs Monate. Beliebte Boutique-Hotels und Cottages mit Hot Pot sind in der Hochsaison schnell ausgebucht. Mietwagen werden günstiger, je früher man bucht. Für eine Trauung auf Island sollte man acht bis zwölf Monate Vorlauf einplanen, vor allem wegen der Dokumente.

Was ziehen wir an? Island klingt kalt.

Schichtenprinzip ist das Stichwort. Funktionsunterwäsche, Fleecejacke, wind- und wasserdichte Außenschicht. Feste Wanderschuhe sind ein Muss. Im Sommer liegen die Temperaturen bei 8 bis 15 Grad, im Winter bei minus 5 bis plus 5 Grad. Pack eine warme Mütze ein, auch im Juni. Und Badekleidung: Die braucht man in Island öfter als man denkt.

Island als Hochzeitsreiseziel ist kein Mainstream, und genau darin liegt sein Reiz. Statt auf einer Sonnenliege nebeneinander her zu dösen, erlebt man gemeinsam etwas, über das man noch in 20 Jahren reden wird. Ob es der Moment war, als die Nordlichter über der Gletscherlagune auftauchten, das Bad im heißen Fluss nach einer Wanderung oder der Abend in einem winzigen Fischerdorf am Ende der Welt. Island liefert die Art von Erinnerungen, die wirklich zählen.

Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026