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Eishöhlen in Island
Blaues Eis im Vatnajökull erleben

Eishöhlen in Island

13 Min. Lesezeit

Das Blau in einer isländischen Eishöhle sieht man nirgendwo sonst. Nicht in einem Schwimmbad, nicht am Himmel, nicht in einer Gletscherspalte. Es ist ein Blau, das von innen kommt, aus dem verdichteten Eis, das über Jahrhunderte jede Luftblase verloren hat. Man steht in diesem Blau und versteht, warum Menschen Tausende Kilometer fliegen, um es zu sehen.

Eishöhlen unter dem Vatnajökull gehören zu den gefragtesten Wintererlebnissen in Island. Die Saison ist kurz, die Plätze sind begrenzt, und keine Höhle sieht im nächsten Jahr noch so aus wie in diesem. Jede Saison bringt neue Höhlen hervor und lässt alte verschwinden.

In diesem Artikel erkläre ich, wie Eishöhlen entstehen, welche Touren es gibt und was du wissen solltest, bevor du buchst.

Wie Eishöhlen entstehen

Eishöhlen bilden sich dort, wo Schmelzwasser unter einen Gletscher fließt. Im Sommer bahnt sich das Wasser seinen Weg durch Risse und Spalten im Eis, schmilzt Tunnel und Kammern ins Gletscherinnere. Im Herbst, wenn die Temperaturen fallen und das Schmelzwasser nachlässt, bleiben die Hohlräume zurück.

Blaues Eis in einer Eishöhle unter dem Vatnajökull Gletscher in Island
Das intensive Blau entsteht durch die extreme Dichte des Gletschereises (KI-generiert)

Die blaue Farbe entsteht durch die Dichte des Eises. Frischer Schnee enthält viele Luftblasen und streut das Licht gleichmäßig, weshalb er weiß aussieht. Im Laufe der Jahrhunderte wird der Schnee unter dem Gewicht der darüber liegenden Schichten zu Gletschereis gepresst. Die Luftblasen werden herausgedrückt. Übrig bleibt ein Eis, das so dicht ist, dass es die roten und gelben Anteile des Lichts absorbiert und nur den blauen Anteil reflektiert.

Je älter das Eis, desto intensiver das Blau. Manche Stellen in den Höhlen leuchten fast neonblau, andere sind eher türkis oder hellblau. An den Rändern, wo das Eis dünner ist und mehr Licht durchlässt, mischt sich Weiß dazu. Es ist wie eine lebendige Farbpalette, die sich mit dem Tageslicht und den Wolken draußen verändert.

Keine Eishöhle überlebt mehr als ein paar Saisons. Der Gletscher bewegt sich, das Eis verformt sich, die Decken werden dünner. Was im November eine stabile Höhle ist, kann im März eingestürzt sein. Deshalb prüfen die Touranbieter ihre Höhlen jeden Tag auf Sicherheit und wechseln den Standort, wenn nötig.

Die bekanntesten Eishöhlen im Vatnajökull

Der Vatnajökull ist der größte Gletscher Europas. Er bedeckt etwa 8 Prozent der Fläche Islands und ist an seiner dicksten Stelle über 900 Meter mächtig. Unter seinen zahlreichen Gletscherzungen bilden sich jeden Winter neue Eishöhlen.

Crystal Cave (Breiðamerkurjökull): Die bekannteste und am häufigsten besuchte Eishöhle. Sie liegt unter der Gletscherzunge, die auch die Jökulsárlón Gletscherlagune speist. Die Crystal Cave ist in den meisten Jahren groß genug, um aufrecht darin zu stehen. Die Wände sind durchscheinend blau, und bei niedrigem Sonnenstand fällt Licht durch das Eis, das die gesamte Höhle zum Leuchten bringt.

Sapphire Cave (Breiðamerkurjökull): Eine kleinere, aber oft intensiver gefärbte Höhle in der Nähe der Crystal Cave. Sie hat ihren Namen von den tiefen Blautönen an der Decke. Die Sapphire Cave ist enger und niedriger, was den Besuch intimer macht. Nicht für Menschen mit Platzangst geeignet.

Eingang zu einer Eishöhle unter dem Vatnajökull mit blauem Eis
Der Eingang einer Eishöhle am Fuß des Vatnajökull (KI-generiert)

Waterfall Cave (Svínafellsjökull): Diese Höhle ist nach einem kleinen Wasserfall benannt, der am Eingang über das Eis fließt. Sie liegt unter dem Svínafellsjökull, einer Gletscherzunge im Skaftafell-Gebiet. Die Anfahrt ist kürzer als zur Crystal Cave, und die Umgebung mit den zerklüfteten Gletscherformationen hat ihren eigenen Charakter.

Es gibt noch weitere Höhlen, die von verschiedenen Anbietern angesteuert werden. Die genauen Standorte wechseln jede Saison. Manche Anbieter geben den Namen und Standort erst nach der Buchung bekannt, weil sie die Höhlen bis zum letzten Moment prüfen.

Touren und Anbieter

Eishöhlen darf man nur mit einem zertifizierten Guide besuchen. Das ist keine Empfehlung, sondern eine Vorschrift. Die Höhlen sind instabil, die Wege dorthin führen über Gletschereis, und ohne Steigeisen und Erfahrung ist es lebensgefährlich.

Gruppe von Touristen mit Helmen und Steigeisen in einer isländischen Eishöhle
Touren werden immer mit Helmen und Steigeisen durchgeführt (KI-generiert)

Die größten und bekanntesten Anbieter sind Local Guide of Vatnajökull, Glacier Adventures und Ice Explorers. Alle drei haben jahrelange Erfahrung und beschäftigen ausgebildete Gletscherführer. Die Unterschiede liegen in der Gruppengröße, der Tour-Dauer und dem Preis.

Eine Standard-Tour dauert zwischen 2,5 und 4 Stunden. Davon verbringt man etwa 30 bis 60 Minuten in der Höhle selbst. Der Rest ist Anfahrt (meist im Superjeep über den Gletscher), Ausrüstung anziehen und Sicherheitseinweisung. Die meisten Touren starten ab dem Parkplatz bei Jökulsárlón oder vom Besucherzentrum Skaftafell.

Gruppengrößen variieren zwischen 8 und 20 Personen. Kleinere Gruppen sind teurer, aber lohnender. Man hat mehr Platz in der Höhle, mehr Zeit für Fotos und der Guide kann besser auf individuelle Fragen eingehen. Wer es sich leisten kann, sollte eine Tour mit maximal 10 Personen buchen.

Buchungen sollten möglichst früh erfolgen. Die beliebtesten Zeitslots (vormittags bei bestem Licht) sind in der Hauptsaison (Dezember und Januar) Wochen im Voraus ausgebucht. Im November und März gibt es mehr Verfügbarkeit, aber das Licht ist in der Höhle dann weniger intensiv.

Was eine Tour kostet

Die Preise für Eishöhlen-Touren liegen je nach Anbieter und Saison zwischen 19.900 und 35.000 ISK (ca. 130 bis 230 EUR) pro Person. Darin enthalten sind der Transport zur Höhle (Superjeep), die Ausrüstung (Helm, Steigeisen, Stirnlampe) und der Guide.

Preisübersicht Eishöhlen-Touren (Stand 2026)

  • Standard-Tour (2,5 bis 3 Std.): 19.900 bis 24.900 ISK (ca. 130 bis 165 EUR). Gruppen bis 15 Personen.
  • Kleine Gruppe (3 bis 4 Std.): 29.900 bis 35.000 ISK (ca. 195 bis 230 EUR). Gruppen bis 8 Personen, mehr Zeit in der Höhle.
  • Private Tour (auf Anfrage): ab 80.000 ISK (ca. 525 EUR) für 1 bis 4 Personen. Eigener Guide, flexible Zeiten.

Die Preise sind in den letzten Jahren gestiegen, vor allem weil die Nachfrage das Angebot übersteigt. Vor fünf Jahren kostete eine Standard-Tour noch unter 100 EUR. Trotzdem: Wer es sich leisten kann, sollte nicht an der Tour sparen. Die billigsten Angebote haben oft die größten Gruppen und die kürzeste Zeit in der Höhle.

Manche Anbieter verkaufen Kombi-Touren, die eine Eishöhle mit einer Gletscherwanderung verbinden. Das kostet mehr (ab 35.000 ISK / ca. 230 EUR), ist aber ein sinnvolles Paket, wenn man sowieso beides machen möchte. Man spart sich die doppelte Anfahrt und verbringt mehr Zeit auf dem Gletscher.

Ausrüstung und Vorbereitung

Die wichtigste Ausrüstung (Helm, Steigeisen, Stirnlampe) wird vom Touranbieter gestellt. Aber es gibt einiges, was du selbst mitbringen solltest.

Gletschereis des Vatnajökull mit blauen Schichten und Strukturen
Das vielschichtige Eis des Vatnajökull erzählt Geschichten von Jahrhunderten (KI-generiert)

Schuhe: Feste, knöchelhohe Wanderschuhe mit steifer Sohle. Die Steigeisen werden daran befestigt. Turnschuhe, Sneaker oder niedrige Schuhe funktionieren nicht. Die meisten Anbieter verleihen passende Schuhe, wenn man keine eigenen hat, aber die Auswahl an Größen ist begrenzt.

Kleidung: Warme Schichten, die man übereinander tragen kann. In der Höhle ist es um die 0 Grad Celsius, auf dem Gletscher kann es mit Windchill deutlich kälter sein. Wolle oder Funktionsunterwäsche als Basisschicht, Fleece als Zwischenschicht, wind- und wasserdichte Jacke obendrauf. Handschuhe und Mütze nicht vergessen.

Kamera: In der Höhle ist es dunkel. Ohne Stativ braucht man eine Kamera mit guter Lichtempfindlichkeit oder einen Blitz. Smartphones funktionieren überraschend gut, weil die automatische Belichtung das geringe Licht ausgleicht. Ein Stativ lohnt sich, aber nicht alle Guides erlauben es, weil es den Ablauf verlangsamt.

Fitness: Normale Fitness reicht aus. Der Weg zur Höhle ist meist kurz (15 bis 30 Minuten über den Gletscher), aber auf unebenem Eis mit Steigeisen. Wer Probleme mit den Knien hat oder sehr unsicher auf rutschigem Untergrund ist, sollte das vorher mit dem Anbieter besprechen.

Warum die Höhlen nur im Winter zugänglich sind

Die Saison für natürliche Eishöhlen dauert von November bis März. Außerhalb dieser Monate sind sie aus zwei Gründen nicht begehbar.

Erstens: Im Sommer fließt Schmelzwasser durch die Höhlen. Die Tunnel, die im Winter trocken und begehbar sind, verwandeln sich in reißende unterirdische Bäche. Wer im Juli in eine Eishöhle gehen würde, stünde wadenftief im eiskalten Wasser und riskierte, von der Strömung mitgerissen zu werden.

Zweitens: Die Stabilität. Bei Temperaturen über dem Gefrierpunkt wird das Eis weicher. Die Decken tropfen, die Wände werden glatt, die Struktur gibt nach. Im Sommer steigt das Risiko eines Einsturzes erheblich. Im Winter, wenn die Temperaturen unter null Grad liegen, friert alles fest und die Höhlen sind stabil.

Die beste Zeit innerhalb der Saison ist Dezember und Januar. Dann sind die Temperaturen am niedrigsten und die Höhlen am stabilsten. Das Tageslicht ist zwar begrenzt (4 bis 5 Stunden), aber das wenige Licht, das in die Höhle fällt, reicht aus, um das Blau des Eises zum Leuchten zu bringen. Im November und März sind die Höhlen zwar ebenfalls begehbar, aber das Eis ist weniger intensiv gefärbt.

Katla Ice Cave: die Alternative im Süden

Die Katla Ice Cave unter dem Mýrdalsjökull ist eine der wenigen Eishöhlen, die ganzjährig besucht werden können. Sie liegt näher an Reykjavík (etwa 2,5 Stunden Fahrt) und hat den Vorteil, dass man nicht bis zum Vatnajökull fahren muss.

Allerdings gibt es einen Unterschied. Die Katla-Höhle hat mehr schwarze und graue Streifen im Eis, weil der Mýrdalsjökull über dem aktiven Vulkan Katla liegt. Vulkanasche ist in die Eisschichten eingelagert und gibt dem Eis ein gestreiftes Muster. Das sieht anders aus als das reine Blau der Vatnajökull-Höhlen, hat aber seinen eigenen Reiz.

Touren zur Katla Ice Cave starten ab Vík und kosten zwischen 15.900 und 22.900 ISK (ca. 105 bis 150 EUR). Die Fahrt im Superjeep über den Gletscher dauert etwa 30 Minuten, die Zeit in der Höhle 30 bis 45 Minuten. Im Sommer ist die Höhle nass, aber begehbar. Im Winter ist sie trockener und stabiler.

Winterlandschaft am Vatnajökull Gletscher mit Eishöhleneingang und Schnee
Im Winter bietet die Gletscherlandschaft rund um die Eishöhlen ein besonderes Panorama (KI-generiert)

Mein Rat: Wenn du im Winter in Island bist und die Zeit hast, bis zum Vatnajökull zu fahren, geh dort in eine Eishöhle. Das Blau ist intensiver und die Höhlen sind meist größer. Wenn du im Sommer reist oder nicht so weit fahren willst, ist die Katla Ice Cave eine gute und lohnenswerte Alternative.

Sicherheit in Eishöhlen

Eishöhlen sind keine Touristenattraktionen mit TÜV-Siegel. Sie sind natürliche Formationen in einem aktiven Gletscher. Das bedeutet ein gewisses Risiko, das sich durch professionelle Guides und vernünftiges Verhalten minimieren, aber nicht ausschließen lässt.

Die Guides prüfen die Höhlen jeden Morgen vor den Touren. Wenn sie Risse in der Decke entdecken, Schmelzwasser eintritt oder das Eis ungewöhnliche Geräusche macht, wird die Tour abgesagt oder in eine andere Höhle verlegt. Das passiert regelmäßig und ist kein Grund zur Beunruhigung, sondern ein Zeichen, dass die Anbieter ihre Arbeit ernst nehmen.

Was du tun solltest: Helm aufbehalten, auf den Guide hören, nicht an den Wänden oder der Decke herumklopfen. Die Steigeisen können beim Gehen ungewohnt sein, also langsame, bewusste Schritte machen. Wenn der Guide sagt, es ist Zeit zu gehen, dann geht man. Keine Diskussion.

Was du nicht tun solltest: Auf eigene Faust in Eishöhlen gehen. Es gibt immer wieder Berichte über Touristen, die versuchen, ohne Guide in Gletscherhöhlen zu klettern. Das kann tödlich enden. Ohne Steigeisen, ohne Kenntnis der Eisverhältnisse und ohne Kommunikation nach draußen ist man im Notfall auf sich allein gestellt.

Häufige Fragen zu Eishöhlen in Island

Wann ist die beste Zeit für Eishöhlen?

November bis März, wobei Dezember und Januar die stabilsten und schönsten Verhältnisse bieten. Die Höhlen sind dann am festesten und das Blau im Eis am intensivsten. Ab März wird es wärmer und die Höhlen beginnen zu schmelzen.

Kann man Eishöhlen im Sommer besuchen?

Die natürlichen Eishöhlen im Vatnajökull sind im Sommer geschlossen (Schmelzwasser und Einsturzgefahr). Eine Ausnahme ist die Katla Ice Cave unter dem Mýrdalsjökull, die ganzjährig besucht werden kann. Außerdem gibt es künstliche Eistunnel im Langjökull, die ebenfalls ganzjährig geöffnet sind.

Ist der Besuch für Kinder geeignet?

Die meisten Anbieter akzeptieren Kinder ab 8 bis 10 Jahren. Jüngere Kinder können die Steigeisen oft nicht richtig tragen, und die Tour erfordert Konzentration und Ausdauer. Für Familien mit kleineren Kindern ist die Katla Ice Cave besser geeignet, weil der Weg zur Höhle kürzer ist.

Was passiert bei schlechtem Wetter?

Leichter Regen oder Schnee ist kein Problem. Bei Sturm oder extremem Wetter werden Touren abgesagt und der Preis erstattet oder die Tour umgebucht. Da das Wetter in Island schnell wechselt, sollte man bei der Reiseplanung einen Puffertag einbauen.

Wie weit im Voraus muss man buchen?

In der Hochsaison (Dezember, Januar) mindestens 2 bis 4 Wochen im Voraus. Im November und März ist die Verfügbarkeit besser. Last-Minute-Buchungen sind manchmal möglich, aber riskant, weil die Touren oft ausverkauft sind.

Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026