Street Food Kopenhagen
Inhaltsverzeichnis
- 1 Warum Kopenhagen eine Street Food Hauptstadt ist
- 2 Reffen: Kopenhagens größter Street Food Markt
- 3 Torvehallerne: Der Gourmet-Tempel am Nørreport
- 4 Broens Gadekøkken: Street Food am Wasser
- 5 Pølsevogn: Die dänische Hotdog-Kultur
- 6 Weitere Märkte und Geheimtipps
- 7 Preise, Bezahlung und praktische Tipps
- 8 Häufige Fragen zu Street Food in Kopenhagen
Wer Kopenhagen besucht und dabei nur an Michelin-Sterne denkt, verpasst die halbe kulinarische Wahrheit. Die dänische Hauptstadt hat sich in den letzten zehn Jahren zu einer der spannendsten Street Food Metropolen Europas entwickelt. An den Kais des Hafens, in alten Lagerhallen und auf belebten Plätzen brutzeln, grillen und dämpfen Dutzende Stände Gerichte aus aller Welt. Koreanische Tacos neben dänischem Smørrebrød, mexikanische Burritos neben frisch geräuchertem Lachs vom Bornholmer Fischer. Kopenhagens Street Food Szene spiegelt die Offenheit und Kreativität einer Stadt wider, die sich nie mit dem Gewöhnlichen zufrieden gibt.
Die Wurzeln dieser Entwicklung liegen in der New Nordic Cuisine Bewegung, die die Sternerestaurants verändert hat, und auch das Verständnis davon, was gutes Essen auf der Straße bedeuten kann. Frische Zutaten, kurze Lieferwege, handwerkliche Sorgfalt. Diese Prinzipien finden sich an vielen Ständen wieder, obwohl die Portionen erschwinglich bleiben. Ein gelungenes Essen auf einem Kopenhagener Street Food Markt kostet zwischen 75 und 130 DKK (etwa 10 bis 17 EUR) und steht in Sachen Geschmack manchem Restaurant in nichts nach.
Warum Kopenhagen eine Street Food Hauptstadt ist
Die Kopenhagener Gastronomie hat einen langen Weg hinter sich. Noch vor zwanzig Jahren war die dänische Küche für Außenstehende vor allem eines: bodenständig. Fleischklöße, Kartoffeln, Rotkohl. Die Revolution begann in den Sternerestaurants, doch die Energie schwappte schnell über auf die Straße. Als 2014 der erste große Street Food Markt in einer alten Papierfabrik auf Papirøen eröffnete, standen die Kopenhagener Schlange. Das Konzept traf einen Nerv: gutes Essen, lockere Atmosphäre, faire Preise.
Papirøen musste 2017 einem Bauprojekt weichen, doch die Idee war nicht mehr aufzuhalten. An verschiedenen Orten in der Stadt entstanden neue Märkte, jeder mit eigenem Charakter. Die Mischung aus dänischer Küchentradition und internationalen Einflüssen erzeugt eine Vielfalt, die in Europa ihresgleichen sucht. Hinzu kommt die Lage vieler Märkte direkt am Wasser, was dem Essen im Freien eine ganz besondere Atmosphäre verleiht.
Ein weiterer Faktor ist die dänische Kultur des Zusammenseins. In Dänemark trifft man sich gern draußen, sitzt auf Bänken am Hafen und teilt eine Mahlzeit mit Freunden. Street Food Märkte passen perfekt zu dieser Lebensart, die die Dänen Hygge nennen. Gemeinsam essen, reden, die Sonne genießen. Das funktioniert an einem langen Holztisch am Hafen mindestens so gut wie in einem Wohnzimmer mit Kerzenschein.
Reffen: Kopenhagens größter Street Food Markt
Reffen ist der direkte Nachfolger des legendären Papirøen und hat sich seit seiner Eröffnung 2018 zum wichtigsten Street Food Anlaufpunkt der Stadt entwickelt. Der Markt liegt auf der Insel Refshaleøen, einem ehemaligen Industriegelände im Hafen von Kopenhagen, das sich in den letzten Jahren zu einem kreativen Viertel gewandelt hat. Alte Werfthallen, Schiffscontainer und provisorische Holzbauten bilden die Kulisse für rund 50 Essensstände und eine Handvoll Bars.
Die Bandbreite der Küchen auf Reffen ist bemerkenswert. Vietnamesische Pho dampft neben argentinischen Empanadas, thailändisches Pad Thai wird ein paar Stände weiter von sizilianischer Pizza abgelöst. Einige der beliebtesten Stände haben sich auf nordische Spezialitäten konzentriert. Frischer Fisch aus dem Øresund, geräucherter Aal, Kartoffelfladen mit Crème fraîche und Schnittlauch. Diese Mischung aus Weltküche und lokaler Tradition macht Reffen zu etwas Besonderem.
Die Atmosphäre auf Reffen ist bewusst ungezwungen. Lange Holztische stehen unter freiem Himmel, Lichterketten baumeln über den Sitzflächen, und an warmen Sommerabenden spielen manchmal lokale Bands auf einer kleinen Bühne. Kinder toben auf dem Spielplatz, während ihre Eltern ein dänisches Craft Beer genießen. Es gibt auch überdachte Bereiche, was Reffen bei dem berühmten Kopenhagener Regen nicht zum Reinfall macht.
Reffen ist saisonal geöffnet, meist von April bis Oktober. Die Öffnungszeiten sind in der Regel Dienstag bis Sonntag von 11 bis 21 Uhr, am Wochenende oft bis 22 Uhr. Die Anreise gelingt am besten mit dem Bus 2A ab Christianshavn oder mit der Hafenfähre 991/992. Viele Besucher kommen auch mit dem Fahrrad, was in Kopenhagen ohnehin das bevorzugte Verkehrsmittel ist.
Reffen wird gern voll, besonders an sonnigen Wochenenden. Wer es entspannter mag, kommt unter der Woche oder am frühen Nachmittag. Dann findet man ohne Probleme einen Platz und hat an den Ständen kaum Wartezeit.
Torvehallerne: Der Gourmet-Tempel am Nørreport
Die Torvehallerne sind streng genommen kein klassischer Street Food Markt, sondern eine überdachte Markthalle. Trotzdem gehören sie zu jedem kulinarischen Rundgang durch Kopenhagen, weil hier Street Food und Feinkost auf engem Raum zusammentreffen. Die zwei gläsernen Hallengebäude stehen direkt am Bahnhof Nørreport, dem verkehrsreichsten Knotenpunkt der Stadt. Seit der Eröffnung 2011 sind die Torvehallerne zu einem festen Bestandteil des Kopenhagener Alltags geworden.
In den Hallen befinden sich rund 60 Stände und Geschäfte. Die Auswahl reicht von frischem Obst und Gemüse über handgemachte Schokolade bis zu fertigen Gerichten, die man vor Ort essen kann. Besonders beliebt sind die dänischen Smørrebrød bei Hallernes Smørrebrød, der frische Fisch bei Fiskebaren und die Tapas bei Ma Poule. Für den kleinen Hunger zwischendurch gibt es exzellente Zimtschnecken und frisch gebrühten Kaffee an mehreren Ständen.
Was die Torvehallerne von einem gewöhnlichen Supermarkt unterscheidet, ist die Qualität der Produkte und die Leidenschaft der Händler. Viele der Standbetreiber sind seit der Eröffnung dabei und kennen ihre Stammkunden beim Namen. Man bekommt hier nicht einfach ein Stück Käse, sondern eine Geschichte dazu. Wo der Käse herkommt, wie er gereift ist, welches Brot am besten dazu passt. Diese persönliche Note macht den Besuch zu mehr als einem Einkauf.
Die Preise in den Torvehallerne liegen etwas über dem Niveau der anderen Märkte. Ein Smørrebrød kostet hier um die 85 DKK (etwa 11 EUR), ein Teller frischer Austern rund 150 DKK (etwa 20 EUR). Dafür stimmt die Qualität ohne Ausnahme. Die Hallen sind montags bis sonntags geöffnet, die genauen Zeiten variieren je nach Stand. Am Wochenende ist der Andrang am größten, besonders zur Mittagszeit.
Broens Gadekøkken: Street Food am Wasser
Broens Gadekøkken, zu Deutsch etwa die Straßenküche an der Brücke, liegt an einem der schönsten Plätze Kopenhagens: direkt am Wasser zwischen der Knippelsbro und dem Christianshavn Kanal. Von hier aus blickt man auf die Türme der Börse und des Schlosses Christiansborg. Ein besseres Panorama zum Essen findet man in der Stadt kaum.
Der Markt ist kleiner als Reffen, mit etwa 15 bis 20 Ständen, aber gerade diese Überschaubarkeit macht seinen Reiz aus. Die Stände wechseln je nach Saison, doch einige sind fast immer da. Besonders empfehlenswert sind die gegrillten Garnelen, die nordischen Burger und die handgemachten Limonaden. Jeder Stand hat sich auf etwas Bestimmtes spezialisiert, und die Betreiber stehen meist selbst hinter der Theke.
Ein Markenzeichen von Broens Gadekøkken ist das Boule-Feld, das zwischen den Sitzflächen liegt. Hier kann man nach dem Essen eine Runde spielen, während man den Blick über den Hafen schweifen lässt. Im Sommer finden regelmäßig Veranstaltungen statt, von DJ-Abenden bis zu Kochkursen unter freiem Himmel. Die Lage im Zentrum macht Broens Gadekøkken zum idealen Zwischenstopp bei einem Stadtspaziergang.
Die Preise sind moderat für Kopenhagener Verhältnisse. Ein Hauptgericht liegt zwischen 80 und 120 DKK (etwa 11 bis 16 EUR), ein Getränk kostet um die 40 DKK (etwa 5 EUR). Geöffnet ist Broens Gadekøkken in den warmen Monaten von Mai bis September, meist von 12 bis 21 Uhr. Die Erreichbarkeit ist unkompliziert: Metrostation Christianshavn oder ein kurzer Fußweg vom Nyhavn.
Pølsevogn: Die dänische Hotdog-Kultur
Kein Artikel über Street Food in Kopenhagen wäre vollständig ohne den Pølsevogn, den dänischen Hotdog-Wagen. Diese kleinen, meist rot lackierten Imbisswagen gehören seit den 1920er Jahren zum Kopenhagener Straßenbild und sind ein Stück dänischer Identität. Während in anderen Städten Hotdogs als billige Massenware gelten, hat der dänische Hotdog einen fast schon ehrwürdigen Status.
Der klassische dänische Hotdog wird mit einem rød pølse serviert, einer leuchtend roten Brühwurst. Dazu kommen rohe und geröstete Zwiebeln, süßer Senf, Ketchup, Remoulade und eingelegte Gurkenscheiben. Alles zusammen in einem weichen Brötchen ergibt eine Geschmackskombination, die süchtig macht. Puristen bestellen die Wurst ohne Brötchen, als sogenannten ristet hotdog mit einer knusprig gebratenen Wurst im Brötchen.
Die bekanntesten Pølsevogn in Kopenhagen stehen an festen Plätzen. Harrys Place am Hauptbahnhof und DØP (Den Økologiske Pølsemand) in der Innenstadt gehören zu den beliebtesten. DØP hat den traditionellen Hotdog mit Bio-Würstchen und selbst gemachten Soßen in die Gegenwart gebracht, ohne den Charme des Originals zu verlieren. Ein Hotdog kostet dort zwischen 40 und 60 DKK (etwa 5 bis 8 EUR) und ist die vielleicht beste Investition unter 10 EUR, die man in Kopenhagen machen kann.
Die Hotdog-Kultur ist in Dänemark mehr als nur Fast Food. An einem Pølsevogn treffen sich Geschäftsleute in der Mittagspause, Familien nach dem Sonntagsspaziergang und Nachtschwärmer auf dem Heimweg. Es gibt keinen sozialen Filter, keine Reservierung und kein Drumherum. Man stellt sich an, bestellt, isst im Stehen und geht weiter. Diese demokratische Einfachheit ist typisch dänisch und macht den Hotdog-Wagen zu einem der ehrlichsten kulinarischen Erlebnisse in der Stadt.
Weitere Märkte und Geheimtipps
Neben den großen Märkten gibt es in Kopenhagen zahlreiche kleinere Anlaufpunkte, die weniger bekannt, aber nicht weniger lohnend sind. Der Blågårds Plads im Stadtteil Nørrebro verwandelt sich an Samstagen in einen lebhaften Wochenmarkt, auf dem neben Obst und Gemüse auch fertige Gerichte angeboten werden. Die Atmosphäre hier ist authentisch, multikulturell und weit entfernt vom touristischen Trubel.
In Vesterbro, dem ehemaligen Arbeiterviertel, das sich zum trendigen Szeneviertel gewandelt hat, findet man den Kødbyen (Fleischstadt) Street Food Market. In den alten Schlachthöfen haben sich neben Restaurants und Galerien auch einige Street Food Stände angesiedelt. Die Mischung aus industriellem Charme und kulinarischer Kreativität zieht vor allem ein jüngeres Publikum an. Freitag- und Samstagabend ist hier besonders viel los.
Wer es ruhiger mag, sollte den Wochenmarkt in Christiania besuchen. Die Freistadt hat ihre eigene kleine Essensszene mit Bio-Cafés und gelegentlichen Marktständen. Das vegetarische Restaurant Morgenstedet bietet preiswerte Gerichte aus saisonalen Zutaten, und die Atmosphäre dort ist anders als alles andere. Ebenfalls lohnenswert ist der Markt auf dem Israels Plads, direkt neben den Torvehallerne. Hier verkaufen Bauern aus dem Umland ihre Erzeugnisse direkt an die Stadtbewohner.
Viele der kleineren Märkte sind nur an bestimmten Wochentagen geöffnet. Es lohnt sich, vorher kurz online nachzuschauen, um nicht vor verschlossenen Türen zu stehen. Die Facebook-Seiten der Märkte sind meistens aktueller als ihre Websites.
Preise, Bezahlung und praktische Tipps
Kopenhagen gilt als teure Stadt, und das stimmt auch für die allgemeinen Lebenshaltungskosten. Street Food ist allerdings eine der günstigeren Möglichkeiten, gut zu essen. Eine vollwertige Mahlzeit kostet auf den meisten Märkten zwischen 75 und 130 DKK (etwa 10 bis 17 EUR). Dazu ein Getränk für 30 bis 50 DKK (etwa 4 bis 7 EUR), und man ist mit rund 120 bis 180 DKK (etwa 16 bis 24 EUR) dabei. Im Vergleich zu einem Restaurantbesuch, wo ein Hauptgericht schnell 200 DKK und mehr kostet, ist das ein faires Angebot.
Bei der Bezahlung ist Dänemark seinem Ruf als bargeldlose Gesellschaft treu. Fast alle Stände akzeptieren Kartenzahlung, auch für kleine Beträge. Die mobile Bezahl-App MobilePay ist unter Dänen weit verbreitet, funktioniert aber nur mit einem dänischen Bankkonto. Für Touristen reicht eine ganz normale Kredit- oder Debitkarte völlig aus. Bargeld in DKK sollte man trotzdem in kleinen Mengen dabeihaben, denn vereinzelte kleinere Stände nehmen noch Scheine und Münzen.
Ein paar praktische Hinweise, die den Besuch angenehmer machen: Eigenes Besteck und einen Mehrwegbecher mitzubringen, ist in Kopenhagen gern gesehen und an manchen Ständen gibt es dafür einen kleinen Rabatt. Die meisten Märkte bieten Sitzgelegenheiten, aber bei gutem Wetter werden diese schnell knapp. Wer eine Decke mitbringt, kann sich auch auf eine der vielen Grünflächen in der Nähe setzen. Bei Reffen gibt es eine Wiese direkt am Wasser, die zum Picknicken einlädt.
Für Vegetarier und Veganer ist Kopenhagen ein Paradies. Die Auswahl an pflanzlichen Gerichten auf den Märkten ist groß und wächst stetig. Viele Stände kennzeichnen ihre veganen Optionen deutlich, und auch bei klassischen Ständen gibt es meist mindestens eine fleischfreie Alternative. Glutenfreie Optionen sind ebenfalls häufig verfügbar, da die Skandinavier generell auf Unverträglichkeiten und Allergien Rücksicht nehmen.
Häufige Fragen zu Street Food in Kopenhagen
Wann ist die beste Zeit für Street Food in Kopenhagen?
Die Hauptsaison ist von Mai bis September, wenn die meisten Outdoor-Märkte geöffnet sind. Juli und August sind am belebtesten. Die Torvehallerne sind ganzjährig geöffnet und eine gute Alternative für die Wintermonate.
Kann man auf den Märkten mit Karte bezahlen?
Ja. Fast alle Stände akzeptieren Visa und Mastercard, auch für kleine Beträge. Dänemark ist eines der bargeldlosesten Länder der Welt. Trotzdem schadet es nicht, etwas Bargeld in DKK dabei zu haben.
Welcher Markt eignet sich am besten für Familien?
Reffen hat einen Spielplatz und viel Platz für Kinder. Broens Gadekøkken liegt zentral und bietet ein Boule-Feld. Die Torvehallerne eignen sich gut für einen kurzen Besuch mit kleinen Kindern, da alles überdacht ist.
Gibt es vegane Optionen auf den Märkten?
Ja, reichlich. Auf Reffen und in den Torvehallerne gibt es mehrere rein vegane Stände. Auch die meisten anderen Stände bieten mindestens eine pflanzliche Option an. Kopenhagen ist in Sachen vegane Küche eine der fortschrittlichsten Städte Europas.
Wie kommt man am besten zu Reffen?
Am einfachsten mit dem Bus 2A ab Christianshavn oder mit der Hafenfähre 991/992. Mit dem Fahrrad sind es etwa 15 Minuten vom Zentrum. Parkplätze für Autos sind begrenzt und kosten Gebühren.
Weiterführende Informationen
Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026