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Ostseeküste Dänemark
Strände, Inseln und Steilküsten

Ostseeküste Dänemark

12 Min. Lesezeit

Wenn Deutsche an Dänemark denken, denken sie an die Nordsee. An breite Strände, tosende Wellen und Ferienhäuser hinter den Dünen. Das ist nicht falsch, aber es ist nur die halbe Geschichte. Denn Dänemark hat eine zweite Küste, die mindestens genauso reizvoll ist: die Ostseeseite. Hier gibt es keine Brandung, sondern türkisblaues Wasser in geschützten Buchten. Keine Dünenlandschaften, sondern Kreidefelsen, die weiß in den Himmel ragen. Keine endlose Weite, sondern eine Landschaft aus Inseln, Fjorden und versteckten Häfen.

Die dänische Ostseeküste erstreckt sich über Hunderte von Kilometern und umfasst die Ostseiten der großen Inseln Seeland, Fünen und Lolland Falster sowie die gesamte Inselwelt der Dänischen Südsee. Dazu kommen Bornholm, die Felseninsel weit draußen in der Ostsee, und die Küste Ostjütlands von der Flensburger Förde bis zum Kattegat.

Der Unterschied zur Nordseeküste ist für Urlaüber spürbar. Die Ostsee hat keinen Tidenhub, das Wasser zieht sich nicht zweimal am Tag zurück. Die Wellen sind kleiner, das Wasser im Sommer wärmer, und die Strömungen schwächer. Für Familien mit kleinen Kindern ist die Ostseeseite deshalb oft die bessere Wahl, weil das Baden sicherer und angenehmer ist.

Sandstrand an der dänischen Ostseeküste mit ruhigem blauem Wasser und grüner Vegetation
Die Ostseestrände Dänemarks bestechen durch ruhiges Wasser und natürliche Umgebung (KI-generiert)

Ostseelandschaft im Überblick

Die dänische Ostseeküste lässt sich in vier große Bereiche unterteilen. Im Norden liegt die Küste Ostjütlands mit der Flensburger Förde, dem Kleinen Belt und der Küste bis hinauf nach Aarhus. Diese Region ist von sanften Hügeln, langen Fjorden und kleinen Hafenstädten geprägt. Die Landschaft ist grüner und bewaldeter als an der Westküste, und die Orte haben einen städtischeren Charakter.

Im Zentrum liegt die Inselwelt um Fünen mit der Dänischen Südsee, einem Archipel aus über hundert Inseln, von denen viele unbewohnt sind. Die Gewässer zwischen den Inseln sind flach und geschützt, ideal zum Segeln und Kajakfahren. Im Süden erstreckt sich die Küste von Lolland und Falster mit dem berühmten Strand von Marielyst und der dramatischen Steilküste von Møns Klint.

Der vierte Bereich ist die Ostküste von Seeland mit dem Øresund, der Meerenge zwischen Dänemark und Schweden. Hier liegt Kopenhagen mit seinen Stadtstranden, und weiter nördlich erstreckt sich die Küste bis Helsingør, wo die Festung Kronborg über den Sund wacht. Die Strände hier sind schmal, aber das Wasser ist sauber, und die Nähe zur Hauptstadt macht sie im Sommer beliebt.

Møns Klint und die Kreidefelsen

Møns Klint ist der wildeste Küstenabschnitt Dänemarks und ein geologisches Wunder. Die Kreidefelsen erheben sich bis zu 128 Meter über dem Meeresspiegel und leuchten weiß vor dem dunkelblauen Wasser der Ostsee. Sie bestehen aus Kreide, die vor 70 Millionen Jahren am Boden eines tropischen Meeres abgelagert wurde und während der Eiszeit an die Oberfläche gedrückt wurde.

Weiße Kreidefelsen von Møns Klint über der blauen Ostsee mit grünem Buchenwald oben
Møns Klint: 128 Meter hohe Kreidefelsen über der Ostsee (KI-generiert)

Der Abstieg zum Strand unter den Klippen ist über eine Treppe mit 497 Stufen möglich. Unten angekommen, steht man auf einem schmalen Kiesstrand und blickt an der weißen Felswand empor. Die Kreide ist weich und brüchig, und bei jedem Sturm brechen neue Stücke ab. Genau deshalb findet man am Strand Fossilien: Seeigel, Muscheln und gelegentlich Haifischzähne, die seit Millionen von Jahren in der Kreide eingeschlossen waren.

Oben auf den Klippen erstreckt sich ein alter Buchenwald, der Klinteskoven. Der Wald steht auf einer dünnen Erdschicht über der Kreide, und manche Bäume hängen mit ihren Wurzeln über die Kante. Wanderwege führen am Klippenrand entlang und bieten Ausblicke, die an der Küste Südenglands nicht besser sein könnten. Im Frühling blühen auf den kalkhaltigen Böden seltene Orchideen, und der Wald ist für seine Vielfalt an Schmetterlingen und Käfern bekannt.

Das GeoCenter Møns Klint am oberen Ende der Treppe erklärt die Entstehungsgeschichte der Felsen in einer interaktiven Ausstellung. Der Eintritt kostet 140 DKK (ca. 19 Euro) für Erwachsene. Für Kinder gibt es eine Fossiliensuche, bei der sie mit Hammer und Meißel eigene Versteinerungen aus Kreidestücken klopfen dürfen. Ein Besuch lohnt sich auch bei Regen, denn die Ausstellung ist komplett überdacht.

Strände der Ostseeküste

Die Strände an Dänemarks Ostseeküste unterscheiden sich deutlich von denen an der Nordsee. Statt breiter Sandebenen findest du hier oft kleine Buchten mit feinem Sand, eingerahmt von Bäumen oder Steilküsten. Das Wasser ist ruhiger, der Einstieg flacher, und im Sommer erreicht die Wassertemperatur angenehme 20 bis 22 Grad.

Der Strand von Marielyst auf Falster ist der bekannteste Ostseestrand Dänemarks. Er erstreckt sich über fast 20 Kilometer und ist an vielen Stellen so breit, dass selbst in der Hochsaison genug Platz für alle ist. Der Sand ist fein und weiß, das Wasser flach und klar. Hinter dem Strand liegen Ferienhausgebiete und ein kleines Zentrum mit Restaurants, Geschäften und einem Vergnügungspark. Die Anreise aus Norddeutschland dauert über die Fähre Puttgarden Rødby weniger als zwei Stunden.

An der Südküste Seelands, zwischen Præstø und Vordingborg, reihen sich kleine Badeorte aneinander. Die Strände hier sind schmaler und ruhiger als in Marielyst, und die Orte haben sich ihren Charme als Fischerdörfer bewahrt. Faxe Ladeplads bietet einen guten Badestrand und in der Nähe den Faxe Kalkbruch, wo man Fossilien sammeln kann. Karrebæksminde hat einen schönen Hafen und einen geschützten Strand, der sich für Familien mit Kleinkindern eignet.

Die Strände Bornholms gehören zu den schönsten in ganz Skandinavien. Dueodde an der Südspitze der Insel hat Sand, der so fein ist, dass er einst für Sanduhren verwendet wurde. Die Strände der Ostküste Bornholms, eingebettet zwischen Granitfelsen und Kiefernwäldern, erinnern eher an die schwedische Schärenküste als an Dänemark. Im Sommer ist das Wasser kristallklar und erreicht Temperaturen, die zum langen Baden einladen.

Die Dänische Südsee

Südlich von Fünen liegt ein Archipel aus über 55 benannten Inseln, von denen nur einige bewohnt sind. Die Dänen nennen dieses Gebiet „Det Sydfynske Øhav", die Südfünische Inselwelt, aber im deutschsprachigen Raum hat sich der klangvollere Name Dänische Südsee durchgesetzt. Die Gewässer zwischen den Inseln sind flach, oft weniger als fünf Meter tief, und das Wasser schimmert bei Sonnenschein in Türkis und Smaragdgrün.

Kleine dänische Insel in der Ostsee mit Häfen, bunten Häusern und ruhigem Wasser
Die kleinen Inseln der Dänischen Südsee bieten Ruhe und Natur pur (KI-generiert)

Ærø ist die größte und bekannteste Insel der Dänischen Südsee. Die Hauptstadt Ærøskøbing, mit ihren bunten Fachwerkhäusern aus dem 17. und 18. Jahrhundert, gilt als eine der am besten erhaltenen Altstädte Dänemarks. Die Gassen sind so schmal, dass kaum ein Auto durchpasst, und in den Fenstern stehen Blumen, die den Eindruck einer Postkarte aus vergangenen Zeiten erwecken. Die Insel ist ein Paradies für Radfahrer, denn das flache Terrain und die kurzen Entfernungen machen es leicht, Ærø an einem Tag zu umrunden.

Die Inseln Langeland und Tåsinge sind über Brücken mit Fünen verbunden und bieten Strände, die zu den ruhigsten des Landes gehören. In Rudkøbing auf Langeland steht das Geburtshaus von Hans Christian Ørsted, dem Entdecker des Elektromagnetismus. Tåsinge hat mit Valdemars Slot ein Barockschloss, dessen Park zum Fjord hin abfällt und einen der schönsten Ausblicke über die Inselwelt bietet.

Die Dänische Südsee ist eines der besten Segelreviere Nordeuropas. Die kurzen Distanzen zwischen den Inseln, die geschützten Gewässer und die zahlreichen kleinen Häfen machen sie ideal für Segelanfänger und erfahrene Segler gleichermaßen. Yachten und kleinere Boote können in Svendborg, Faaborg und Rudkøbing gemietet werden, eine Woche auf einem Segelboot kostet ab 5.000 DKK (ca. 670 Euro).

Steilküsten und Geologie

Neben Møns Klint gibt es entlang der dänischen Ostseeküste weitere starke Steilküsten. Stevns Klint auf Seeland ist seit 2014 UNESCO Weltnaturerbe, und das aus gutem Grund. In den Gesteinsschichten der Klippe lässt sich die Grenze zwischen Kreidezeit und Tertiär ablesen, die sogenannte Fischton Schicht. Sie markiert den Zeitpunkt vor 66 Millionen Jahren, als ein Asteroideneinschlag das Massenaussterben der Dinosaurier auslöste.

Steilküste an der dänischen Ostsee mit geschichteten Felswänden und Meer am Fuß
Die Steilküsten der dänischen Ostsee erzählen Millionen Jahre Erdgeschichte (KI-generiert)

Die Klippen von Stevns sind weniger hoch als Møns Klint, erreichen aber immerhin 41 Meter. Auf ihnen steht die Kirche Højerup, deren Chor 1928 bei einem Klippenabbruch ins Meer stürzte. Die heute sichtbare Kirche endet abrupt an der Abbruchkante und ist ein eindrückliches Zeugnis der fortschreitenden Erosion. Ein Wanderweg entlang der Klippenkante verbindet die Kirche mit dem Stevns Fort, einer unterirdischen Festung aus dem Kalten Krieg.

Auf Bornholm zeigt die Küste ein ganz anderes Bild. Hier tritt Granit an die Oberfläche, der über eine Milliarde Jahre alt ist und zu den ältesten Gesteinen Nordeuropas gehört. Die Felsküste zwischen Gudhjem und Allinge ist zerklüftet und wild, mit Grotten, Spalten und Felsnadeln. Die Helligdomsklippen bei Gudhjem sind die bekanntesten Felsformationen und können auf einem Küstenpfad erwandert werden.

Die Geologie der dänischen Ostseeküste erzählt die Geschichte der Eiszeiten. Die Moränenlandschaft mit ihren Hügeln und Seen, die Steilküsten aus Lehm und Kreide und die Findlinge am Strand sind Zeugnisse der Gletscherbewegungen, die vor 10.000 bis 15.000 Jahren die Landschaft formten. Im Geomuseum Faxe können Besucher Fossilien aus einem ehemaligen Korallenriff bestaunen, das hier lag, als Dänemark noch unter tropischem Meer versunken war.

Inseln der dänischen Ostsee

Dänemark besteht aus über 400 Inseln, von denen etwa 70 bewohnt sind, und die meisten davon liegen in der Ostsee. Jede Insel hat ihren eigenen Charakter und ihre eigene Geschichte. Læsø im Kattegat ist für ihre Tangdachhäuser bekannt, Samsø für ihre Windenergie und Bio Landwirtschaft, und Anholt trägt den Beinamen „Dänemarks Wüsteninsel" wegen ihrer ausgedehnten Sandheide.

Die kleinen Inseln sind das Geheimnis der dänischen Ostsee. Tunø vor der Küste Jütlands hat nur 100 Einwohner und ist autofrei. Die Insel Mandø im Wattenmeer ist nur bei Ebbe über einen Damm erreichbar. Fejø und Femø bei Lolland sind von Obstgärten bedeckt und bekannt für ihren Apfel und Birnensaft. Auf Endelave leben mehr Rehe als Menschen, und die Fähre von Snaptun braucht nur eine Stunde.

Die Inseln verbinden, was auf dem Festland oft getrennt ist: Entschleunigung und Erlebnis. Es gibt keine Autobahnen, keine Hochhäuser und keine Hektik. Dafür gibt es frischen Fisch vom Kutter, Hofläden mit selbstgemachter Marmelade und Abende, an denen das einzige Geräusch das Rauschen des Wassers ist. Wer die dänische Ostsee wirklich kennenlernen will, muss mindestens eine der kleinen Inseln besuchen.

Kleiner Fischerhafen an der dänischen Ostseeküste mit bunten Booten und Backsteingebäuden
Die kleinen Häfen der Ostseeküste haben ihren traditionellen Charme bewahrt (KI-generiert)

Aktivitäten und praktische Tipps

Die dänische Ostseeküste bietet ein breites Spektrum an Aktivitäten. Radfahren ist auf den flachen Inseln und entlang der Küste besonders schön, und der Berlin Kopenhagen Radweg führt durch die Region. Kajaktouren in der Dänischen Südsee bieten die Möglichkeit, unbewohnte Inseln anzusteuern und an einsamen Stränden zu picknicken. Angeln ist mit einem gültigen Fischereischein erlaubt (40 DKK pro Tag online), und die Ostsee bietet gute Chancen auf Meerforelle und Plattfisch.

Die Anreise zur dänischen Ostseeküste ist aus Deutschland unkompliziert. Von Flensburg oder Kiel aus sind die Ostseebadeorte in zwei bis drei Stunden erreichbar. Die Fähre von Puttgarden nach Rødby bringt Autofahrer in 45 Minuten nach Lolland. Nach Bornholm fährt die Fähre von Sassnitz auf Rügen oder von Ystad in Schweden, die Überfahrt dauert etwa 80 Minuten.

Ferienhäuser an der Ostseeküste sind in der Regel günstiger als vergleichbare Häuser an der Nordsee. In Marielyst oder auf Lolland findest du ein Haus für vier Personen ab 400 Euro pro Woche in der Nebensaison. In der Hauptsaison steigen die Preise auf 700 bis 1.200 Euro. Auf Bornholm liegen die Preise etwas höher, dafür bekommst du eine Insel mit eigenem Charakter und einer Landschaft, die in Dänemark anders als alles andere ist.

Die beste Reisezeit für die Ostseeküste ist von Juni bis September. Im Juni und Juli sind die Tage am längsten und die Wassertemperaturen steigen auf 18 bis 22 Grad. Der August bringt die wärmsten Wassertemperaturen und ist die beliebteste Reisezeit für Familien. Im September leeren sich die Strände, aber das Wasser ist noch warm genug zum Baden, und die Herbstfarben in den Küstenwäldern sind wild.

Häufig gestellte Fragen

Ist die dänische Ostsee zum Baden geeignet?

Die dänische Ostsee eignet sich sehr gut zum Baden, besonders für Familien mit Kindern. Das Wasser ist ruhiger als an der Nordsee, es gibt keinen Tidenhub, und die Wassertemperaturen erreichen im Sommer 20 bis 22 Grad. Die Strände von Marielyst, Dueodde auf Bornholm und in der Dänischen Südsee gehören zu den besten Badestellen.

Wie komme ich von Deutschland an die dänische Ostseeküste?

Mit dem Auto fährst du über die Grenze bei Flensburg oder nutzt die Fähre Puttgarden Rødby (45 Minuten) nach Lolland. Nach Bornholm geht die Fähre von Sassnitz (Rügen) oder von Ystad (Schweden). Die Ostküste Jütlands und die Inseln Seeland und Fünen sind über die Autobahn E45 und die Storebæltbrücke (Maut ca. 240 DKK / 32 Euro) erreichbar.

Welche Insel lohnt sich für einen ersten Besuch?

Für den ersten Besuch empfiehlt sich Ærø wegen der schönen Altstadt von Ærøskøbing und der Radfreundlichkeit oder Bornholm für Natur, Strände und Kulinarik. Wer Ruhe sucht, findet auf den kleinen Inseln Tunø oder Endelave echte Entschleunigung. Lolland und Falster sind ideal für Familien, weil die Anreise kurz und die Strände kinderfreundlich sind.

Was kostet ein Ferienhaus an der dänischen Ostseeküste?

In der Nebensaison findest du Häuser für vier Personen ab 400 Euro pro Woche, in der Hauptsaison (Juli/August) zwischen 700 und 1.200 Euro. Auf Bornholm liegen die Preise etwas höher. Dazu kommen Nebenkosten für Strom (nach Verbrauch) und Endreinigung (100 bis 250 Euro). Die Ostseeseite ist generell günstiger als die Nordseeküste.

Kann man an Møns Klint Fossilien finden?

Ja, am Strand unter den Kreidefelsen finden sich regelmäßig Fossilien. Seeigel, Muscheln und Donnerkeile (versteinerte Tintenfische) sind die häufigsten Funde. Haifischzähne kommen seltener vor, sind aber möglich. Das GeoCenter oben an der Klippe bietet geführte Fossiliensuchen an und erklärt, worauf man achten muss. Der Abstieg zum Strand über 497 Stufen ist allerdings steil.

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Sergej Gerber

Sergej Gerber

Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026