Die Dänische Südsee
Wer den Namen Dänische Südsee zum ersten Mal hört, denkt an Palmen und türkisfarbenes Wasser. Die Realität sieht anders aus, ist aber nicht weniger schön. Das Meer zwischen Fünen, Langeland, Ærø und den vielen kleinen Inseln südlich von Dänemark ist kühl, die Strände bestehen aus feinem Sand und groben Kieseln, und statt Kokosnüssen wachsen hier Brombeeren und Schlehen. Aber die Landschaft hat eine Sanftheit, die es in ganz Skandinavien nur an wenigen Orten gibt.
Die Dänische Südsee (Det Sydfynske Øhav) ist ein Archipel aus über 50 Inseln und Inselchen südlich von Fünen. Manche sind so klein, dass nur ein einzelner Hof darauf steht. Andere, wie Ærø und Langeland, haben eigene Städte, Häfen und eine Geschichte, die Jahrhunderte zurückreicht. Das Gewässer zwischen den Inseln ist flach und geschützt, was es zu einem der besten Segelreviere Nordeuropas macht.
Es ist eine Gegend, in der die Zeit langsamer vergeht als anderswo. Die Fähren fahren nach ihrem eigenen Fahrplan, die Dörfer haben sich seit Jahrzehnten kaum verändert, und die Menschen leben in einem Rhythmus, der sich an den Gezeiten und den Jahreszeiten orientiert. Wer die Dänische Südsee besucht, muss bereit sein, dieses Tempo anzunehmen. Wer dazu in der Lage ist, wird mit einer Ruhe belohnt, die in der modernen Welt selten geworden ist.
Was die Dänische Südsee ausmacht
Die Landschaft der Dänischen Südsee ist das Ergebnis der letzten Eiszeit. Als das Eis schmolz, hinterließ es eine zerklüftete Küstenlinie mit Buchten, Landzungen und Inseln. Das Wasser zwischen den Inseln ist selten tiefer als zehn Meter, und an vielen Stellen kann man bei Ebbe weit ins Meer hinauswaten. Diese Flachheit macht das Gewässer warm: Im Sommer erreicht die Wassertemperatur bis zu 22 Grad, deutlich mehr als an der Westküste oder in den Fjorden Norwegens.
Das Klima in der Dänischen Südsee ist milder als im Rest des Landes. Die Inseln schützen sich gegenseitig vor den stärksten Winden, und die Sonne scheint hier im Durchschnitt mehr Stunden als in jeder anderen Region Dänemarks. Die Landwirtschaft profitiert davon: Auf den Inseln wachsen Obst und Gemüse, die im Norden nicht gedeihen würden. Ærø hat sogar eigene Weinberge, die einen trinkbaren Weißwein produzieren.
Die Tierwelt der Südsee ist reich. In den flachen Gewässern leben Schweinswale, Robben tauchen gelegentlich auf, und die unbewohnten Inseln sind Brutplätze für Seevögel in großer Zahl. Kormorane, Seeschwalben, Austernfischer und Graureiher sind ständige Bewohner. Im Herbst ziehen Tausende Gänse und Enten über das Archipel auf dem Weg nach Süden.
Für Besucher, die aus Deutschland anreisen, ist die Dänische Südsee über den Storebæltsbroen oder über die Fähre von Flensburg nach Langeland gut erreichbar. Die Entfernungen sind kurz, und die Fähren zwischen den Inseln fahren regelmäßig. Man braucht kein Auto, um die Südsee zu erkunden, ein Fahrrad reicht vollkommen aus.
Ærø: Die Perle der Südsee
Ærø ist die größte und bekannteste Insel der Dänischen Südsee und ein Ort, der in jeder Aufzählung der schönsten Inseln Europas auftaucht. Die Insel ist 30 Kilometer lang und an der breitesten Stelle nur sechs Kilometer breit. Drei Ortschaften teilen sich die etwa 6.000 Einwohner: Ærøskøbing, Marstal und Søby.
Ærøskøbing ist der Hauptort und einer der am besten erhaltenen historischen Orte Dänemarks. Die Kopfsteinpflastergassen, die bunten Fachwerkhäuser aus dem 17. und 18. Jahrhundert und die Stockrosen vor den Türen sehen aus wie ein Filmset. Tatsächlich wird der Ort häufig als Kulisse für Filme und Fernsehserien verwendet. Es gibt keine modernen Gebäude im Ortskern, kein Einkaufszentrum und kein Fast Food. Dafür gibt es kleine Geschäfte, Galerien, Cafés und das Flaschenmuseum von Peter Jacobsen, in dem über 1.700 Flaschen mit Miniaturszenen gefüllt sind.
Marstal am östlichen Ende der Insel war einst einer der wichtigsten Schifffahrtsorte Dänemarks. Im 19. Jahrhundert besaß die kleine Stadt mehr Segelschiffe als jeder andere Hafen des Landes. Das Marstal Søfartsmuseum erzählt diese Geschichte anhand von Modellen, Gemälden und Originalgegenständen. Der Eintritt kostet 90 DKK (12 Euro) für Erwachsene.
Die Strände auf Ærø sind kleiner und ruhiger als die an der Westküste, aber nicht weniger einladend. Der Strand von Vestre Beach bei Ærøskøbing ist ein Kieselstrand mit klarem Wasser und einem der schönsten Sonnenuntergänge Dänemarks. Am Drejet im Norden der Insel erstreckt sich eine Landzunge ins Meer, auf der man bei Ebbe weit hinauslaufen kann.
Ærø ist auch bekannt als Hochzeitsinsel. Die unkomplizierten dänischen Heiratsregeln und das romantische Ambiente locken jedes Jahr Tausende internationale Paare nach Ærøskøbing, um dort den Bund fürs Leben zu schließen. Das Standesamt im Rathaus hat sich auf fremdsprachige Trauungen spezialisiert und wickelt den Papierkram mit skandinavischer Effizienz ab.
Langeland: Zwischen Pferden und Wildnis
Langeland, die lange Insel, liegt östlich von Ærø und ist über eine Brücke mit der Insel Tåsinge und damit mit Fünen verbunden. Die Insel ist 52 Kilometer lang, aber an der schmalsten Stelle nur zwei Kilometer breit. Diese Form gibt ihr eine besondere Topografie: Man ist immer in der Nähe des Meeres, und der Wind weht von beiden Seiten.
Der Süden Langelands ist der wildeste Teil der Insel. Am Südkap, dem Gulstav, erstreckt sich eine Naturlandschaft aus Steilküsten, Wiesen und Sumpfgebieten, in der Wildpferde und Wildrinder frei leben. Die Tiere wurden als Teil eines Naturschutzprojekts ausgesetzt und halten die Landschaft offen, wie sie vor Jahrhunderten war. Man kann sie vom Wanderweg aus beobachten, sollte aber Abstand halten.
Rudkøbing, der Hauptort der Insel, ist eine Kleinstadt mit bunten Häusern, einem kleinen Hafen und dem Museum für den berühmtesten Sohn der Insel: Hans Christian Ørsted, den Entdecker des Elektromagnetismus. Das Museum ist klein, aber informativ und kostet 50 DKK (7 Euro) Eintritt.
Langeland ist ein Paradies für Angler. Die Gewässer rund um die Insel, besonders der Belt zwischen Langeland und Lolland, gehören zu den besten Angelgebieten Dänemarks. Meerforelle, Dorsch, Plattfisch und im Sommer Makrelen werden hier gefangen. Angelkarten (fisketegn) für die Küstengewässer kosten 185 DKK (25 Euro) für eine Woche und sind online oder in Touristenbüros erhältlich.
Tåsinge und Thurø
Tåsinge liegt zwischen Fünen und Langeland und ist über die Svendborgsundbrücke mit Svendborg auf Fünen verbunden. Die Insel ist klein genug, um sie an einem Tag mit dem Fahrrad zu umrunden, und hat einige der schönsten Aussichtspunkte der Südsee. Vom Bregninge Kirchturm, dem höchsten Punkt der Insel, überblickt man das gesamte Archipel bei klarem Wetter.
Das Dorf Troense auf Tåsinge ist ein Schmuckstück mit alten Kapitänshäusern, Gärten voller Rosen und einem Hafen, der zu den hübschesten der Südsee gehört. Das Valdemars Slot, ein Schloss aus dem 17. Jahrhundert, liegt am Rande des Dorfes und kann besichtigt werden. Der Eintritt zum Schlosspark ist frei, die Innenräume kosten 100 DKK (13 Euro).
Thurø ist eine kleine Insel südlich von Svendborg, die über einen Damm mit dem Festland verbunden ist. Die Insel hat eine lebendige Segelgemeinschaft, mehrere Werften, die traditionelle Holzboote bauen, und einen Naturstrand, der im Sommer zum Baden einlädt. Der Rundweg um die Insel ist etwa acht Kilometer lang und bietet ständig wechselnde Blicke auf das Meer und die umliegenden Inseln.
Die kleinen Inseln
Neben den großen Inseln gibt es in der Dänischen Südsee Dutzende kleiner Inseln, von denen viele bewohnt sind und einige per Fähre oder Postboot erreichbar. Diese kleinen Inseln sind die wahren Schätze des Archipels, denn hier findet man die Einsamkeit und die Ursprünglichkeit, die auf den größeren Inseln zunehmend schwerer zu finden ist.
Skarø hat nur 32 Einwohner und ist über eine kleine Fähre von Svendborg aus erreichbar. Die Insel hat einen Hof, ein Café und sonst nichts. Man kommt, wandert einmal um die Insel (etwa eine Stunde), trinkt einen Kaffee und fährt mit der nächsten Fähre zurück. Oder man bleibt über Nacht in einem der wenigen Ferienhäuser und erlebt die absolute Stille einer dänischen Insel nach Einbruch der Dunkelheit.
Drejø ist etwas größer als Skarø und hat etwa 70 Einwohner. Die Insel liegt mitten im Sund zwischen Fünen und Ærø und hat einen kleinen Hafen, eine Kirche, eine Schule und ein Gasthaus. Die Landschaft ist flach und offen, mit Feldern, die bis an die Küste reichen. Im Sommer kommen Segler, die ihren Tag im Hafen verbringen und im Gasthaus essen.
Hjortø, Birkholm und Avernakø sind weitere bewohnte Inseln, die per Fähre erreichbar sind. Die Fähren fahren zwei bis vier Mal am Tag, und die Überfahrt dauert zwischen 15 und 45 Minuten. Die Inseln haben keinen Autoverkehr oder nur sehr wenig, und man bewegt sich zu Fuß oder mit dem Rad.
Segeln in der Südsee
Die Dänische Südsee ist eines der besten Segelreviere Nordeuropas. Die Gewässer sind geschützt, die Entfernungen zwischen den Häfen kurz, und die Landschaft wechselt ständig. Von Svendborg aus erreicht man die nächste Insel in einer Stunde, und an einem Tag kann man drei oder vier verschiedene Häfen anlaufen. Das Wasser ist flach, was Anfänger beruhigt, aber erfahrene Segler herausfordert, weil die Untiefen navigatorische Aufmerksamkeit erfordern.
Die Häfen in der Südsee sind klein und gemütlich. In Ærøskøbing, Marstal, Rudkøbing und Troense gibt es gut ausgestattete Yachthäfen mit Strom, Wasser und sanitären Anlagen. Die Liegegebühren sind moderat: zwischen 150 und 250 DKK (20 bis 34 Euro) pro Nacht für ein Boot bis zehn Meter Länge. In den kleinen Häfen auf Skarø, Drejø und Avernakø sind die Gebühren noch niedriger.
Wer kein eigenes Boot hat, kann in Svendborg oder Faaborg ein Segelboot chartern. Die Preise für ein Boot für vier bis sechs Personen beginnen bei etwa 6.000 DKK (806 Euro) pro Woche in der Nebensaison und erreichen in der Hochsaison 12.000 bis 18.000 DKK (1.611 bis 2.417 Euro). Ein Segelschein ist für Charterboote erforderlich. Für Anfänger gibt es Kajaktouren, die keine Vorerfahrung verlangen.
Im Sommer veranstalten die Segelclubs der Region Regatten und offene Segeltage, an denen man als Gast mitsegeln kann. Die Fyn Cup und die Ærøskøbing Regatta sind die bekanntesten Veranstaltungen und ziehen Segler aus ganz Skandinavien an.
Praktische Tipps und Fähren
Die Fährverbindungen in der Dänischen Südsee werden von mehreren Betreibern bedient. Die größte Fähre verkehrt zwischen Svendborg und Ærøskøbing und braucht etwa 75 Minuten. Die Überfahrt kostet für einen Erwachsenen mit Fahrrad etwa 100 DKK (13 Euro), für ein Auto mit Fahrer ab 350 DKK (47 Euro) einfach. In der Hochsaison empfiehlt sich eine Reservierung, besonders für Autos.
Von Faaborg aus fahren kleinere Fähren nach Avernakø und Lyø, von Svendborg nach Skarø, Drejø und Hjortø. Die Fahrpläne sind saisonal unterschiedlich, und in der Nebensaison fahren die Fähren zu den kleinsten Inseln nur ein- bis zweimal am Tag. Die aktuellen Fahrpläne findet man auf der Website der jeweiligen Fährgesellschaft.
Die beste Reisezeit für die Dänische Südsee ist Mai bis September. Im Juni und Juli sind die Tage am längsten und das Wasser am wärmsten. Der Sommer ist die Hochsaison für Segler und Urlauber, und die Häfen und Strände können in dieser Zeit belebt sein. Im Mai und September ist es ruhiger, das Wetter ist oft noch gut, und die Preise für Unterkünfte sind niedriger.
Auf den Inseln gibt es Einkaufsmöglichkeiten, aber die Auswahl ist begrenzt. Auf Ærø und Langeland gibt es Supermärkte, auf den kleinen Inseln nur einen Dorfladen oder gar nichts. Wer auf die kleinen Inseln fährt, sollte genug Proviant einpacken. Trinkwasser gibt es überall.
Das Bezahlen funktioniert auf allen Inseln bargeldlos mit Karte. Die meisten Geschäfte, Restaurants und Fähren akzeptieren Visa und Mastercard. Auf den kleinsten Inseln kann es Ausnahmen geben, und ein kleiner Betrag in bar schadet nie.
Tipp: Ein Fahrrad ist das ideale Transportmittel in der Dänischen Südsee. Auf allen Inseln gibt es Radwege oder ruhige Straßen, die Entfernungen sind überschaubar, und ein Rad passt auf jede Fähre. Räder können auf Ærø und Langeland auch vor Ort gemietet werden.
Häufig gestellte Fragen
Wie kommt man in die Dänische Südsee?
Über die Autobahn nach Svendborg auf Fünen, von dort per Fähre auf die Inseln. Aus Deutschland kann man auch die Fähre Flensburg-Ærø oder die Route über Langeland nehmen. Der nächste Flughafen ist Billund, etwa 1,5 Stunden mit dem Auto.
Braucht man ein Auto auf den Inseln?
Auf Ærø und Langeland ist ein Auto praktisch, aber nicht nötig. Ein Fahrrad reicht für beide Inseln aus. Auf den kleinen Inseln wie Skarø und Drejø gibt es keinen nennenswerten Autoverkehr, und alles ist zu Fuß erreichbar.
Wann ist die beste Reisezeit?
Mai bis September, wobei Juni und Juli die wärmsten Monate sind. Im Mai und September ist es ruhiger und günstiger. Für Segler ist der Zeitraum von Mitte Juni bis Ende August ideal, wenn die Winde beständig und die Tage lang sind.
Kann man auf den kleinen Inseln übernachten?
Ja, auf den meisten bewohnten Inseln gibt es Ferienhäuser oder Pensionen. Auf Skarø und Drejø ist das Angebot sehr begrenzt und sollte weit im Voraus gebucht werden. Auf Ærø und Langeland gibt es eine gute Auswahl an Unterkünften.
Was kostet die Fähre nach Ærø?
Erwachsene mit Fahrrad zahlen etwa 100 DKK (13 Euro) einfach. Ein Auto mit Fahrer kostet ab 350 DKK (47 Euro) einfach. Hin- und Rückfahrt sind oft günstiger als zwei Einzelfahrten. Kinder bis 15 Jahre fahren ermäßigt.
Weiterführende Informationen
Sergej Gerber
Ich bin absoluter Skandinavien-Fan und reise schon seit über 12 Jahren in die schönen Länder Skandinaviens. Hier teile ich meine Erfahrungen und Tipps zu den skandinavischen Ländern und der Ostsee-Region.
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026